Kommentar

 München, 21.12.2012

Religion/Gesellschaft

Catholica vs. Laizität

Georg Korfmacher, München

 

In Frankreich, wo man die Laizität einst erfand, streiten neuerdings wieder Schwarzröcke und Rotkäppchen gegen „beschürzte Brüder“, will man den Erleuchtungen von katholisches.info Glauben schenken. Bei der von der Catholica inszenierten Dramaturgie um Freimaurer und andere Freigeister ist aber an ein paar Stellen die Beleuchtung ausgefallen.

 

Anlass der schrägen Debatte ist das Erscheinen eines Buchs über die Freimaurer von Emmanuel Pierrat und Laurent Kupferman: Was Frankreich den Freimaurern verdankt (Ce que la France doit aux francs-maçons). Eigentlich könnte man meinen, dass sich die Catholica in Anbetracht ihrer eigenen logenartigen Gebilde, wie z.B. dem Opus Dei, da eher zurückhält. Aber um Freimaurer hin oder her geht es im Grunde gar nicht. Die Catholica nimmt das Buch zum Anlass, lächerlich unqualifiziert gegen die Laizität zu stänkern.

Richtig ist, dass die Franzosen sich 1871 mit der Dritten Republik endgültig von der Monarchie ab- und der Demokratie zugewandt haben. Der seinerzeit von der Regierung für die Reform des Bildungswesens beauftragte Ferdinand Buisson (1841-1932) war ein protestantischer Christ und leidenschaftlicher Pädagoge. Er schuf  den Begriff der „Laïcité“ als Gegenpol zum „Clergé“ (Klerikerstand), der damals noch die Erziehung und Bildung in den Grundschulen vollständig in der Hand hatte. Für den Pädagogen Buisson war es unerträglich, dass ein schwarzer Rock oder eine weisse Haube Qualifikation genug sein sollte, jungen Menschen zu erziehen. Er war nicht nur von der Aufklärung geprägt, sondern auch von Kant und Humboldt beeindruckt. Getrieben vom Mangel an qualifizierten Laien-Lehrerinnen und -Lehrern schuf er zunächst pädagogische Hochschulen, die noch heute untadeligen Ruf geniessen, mit dem „colateralen“ Vorteil, dass erstmals breit ein Hochschulstudium für junge Frauen nicht nur möglich sondern auch sehr willkommen war.

Dieser Umbau des Bildungswesens brauchte seine Zeit und auch Gewöhnung. Praktisch eine Generation lang. Die Franzosen liessen sich aber von den neuen Errungenschaften im Bildunsgwesen und seinen Auswirkungen in allen Funktionen des Staates überzeugen, so dass sie – gegen den erbitterten Widerstand der Catholica – 1905 ihr Gesetz über die Trennung von Staat und Kirche erliessen. Seitdem werden alle vom Staat zu erledigenden Aufgaben ausschliesslich von Laien wahrgenommen. Religion ist zur Privatsache geworden und wird von den jeweiligen Religionsgemeinschaften betreut, ohne jede Privilegierung vom Staat. Er mischt sich nur ein, wenn Religionsausübung gegen Verfassung und Gesetze verstösst. 

Seit 1946 hat die Laïcité Verfassungsrang. Und der Katholizismus ist in Frankreich durchaus nicht ausgestorben. Ganz im Gegenteil scheint sich dort die Feststellung des derzeitigen Papstes zu bestätigen, dass nämlich die Entweltlichung der Catholica ein Gewinn für ihre Glaubwürdigkeit ist.

In Frankreich ist das Bekenntnis eines Staatsdieners unerheblich. Nur Schwarzröcke, Rotkäppchen und weisse Hauben sind in öffentlicher Politik und Bildung nicht willkommen. Und das hat sich nach Mazarin und Richelieu bestens als eine der Säulen einer säkularen Demokratie bewährt.

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