Kommentar

München, 20.11.2013

 

Religion/Gesellschaft

Der selbstherrliche Fürstbischof hat gelogen

von Georg Korfmacher, München 

 

Nun ist es amtlich. Der Protz-Primat von der Lahn hat gelogen und dies durch Zahlung von 20.000 € an die Staatskasse bestätigt. Diese sonderbare Art von Beichte ist in seiner Kirche zwar billiger, dient aber demselben Zweck: Erlösung von der Sünde. Damit hat der Mann auch gezeigt, dass sein Umgang mit Wahrheit und Gewissen konträr zu den Werten seiner Kirche steht. Damit ist er nicht durch, sondern ganz unten durch. Ein für allemal disqualifiziert. 

 

Jetzt hat der selbstherrliche Fürstbischof von der Lahn auch all seine Befürworter hier und in Rom, die die Hatz auf den Goldfasan von der Lahn als eine üble Machenschaft der Presse darstellten, vorgeführt. Allesamt in die Pfanne gehauen, denn die Presse hatte doch recht.  

 

Der Souverän in Deutschland ist das Volk. So steht es in unserem Grundgesetz. Und unser Volk ist mehrheitlich nicht (mehr) katholisch und mag solche Widerlichkeiten nicht. Es ist das Recht und die Pflicht der Presse, Missstände aufzuzeigen und anzuprangern. Natürlich mag die deutsche Catholica bei ihrem Anspruch auf absolute Wahrheit unsere
Pressefreiheit nicht. Wer aber in unserem Staat lebt, muss sich unseren Gesetzen unterwerfen. So auch die Catholica. Heribert Prantl hat in der SZ am 18.d.M. in einem bemerkenswerten Artikel und etwas resigniert festgestellt, dass es in
Deutschland mit zwei nebeneinander existierenden Macht- und Herrschaftssystemen freilich reiche Erfahrungen gäbe: „Jahrhunderte lange waren das zuerst Kaiser und Papst, dann Staat und Kirche“. 

 

Nein, mit einem monarchistisch organisierten Kirchensystem mit Primaten ganz oben und dem Volk weit unten darf
unser Staat nicht kungeln. Die konsequente Trennung von Staat und Kirche/Religion ist der Weg zu einer gesunden Demokratie.  

 

Mit der Zahlung einer Buße hat der selbstherrliche Fürstbischof von der Lahn wie ein Kleinkrimineller gezeigt,
dass er Angst vor weltlicher Strafe hat. Nicht nur hat er sich wie Judas freigekauft, sondern weist sich so auch noch als Feigling aus. An solchen Wertvorstellungen kann unser Volk nicht genesen. Solch ein Wertesystem brauchen
wir wahrlich nicht. Jetzt wird der Fall von der Lahn erst recht eine Nagelprobe für den neuen Pontifex der Catholica.

 

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Kommentar

München, 18.11.2013

Religion/Gesellschaft

Die Episode von der Lahn und ihre Folgen

von Georg Korfmacher, München

 

Schwelgte die deutsche Catholica seit Jahrhunderten in einer Symphonie der Harmonie, hat die Episode von der Lahn eine Kakophonie der Sonderlichkeiten ausgelöst. Längst geht es nicht mehr nur um das gockelhafte Verhalten eines überdrehten Kirchenfürsten, es geht um das System an sich. Nach 31 Mio. an der Lahn tauchen, ach wie überraschend, 44 Mio. in Rottenburg und dann noch, gar nicht so überraschend, 140 Mio. in München auf, nachdem dort bereits knappe 2 Mio. in die fürstbischöfliche Residenz und 14 Mio. in einen Palazzo in Rom geflossen waren. Alles wohl geplant, aber keiner weiß, woher das viele Geld eigentlich kommt.

 

Allein diese Beispiele summieren sich auf läppische 230 Mio. €, würde ein konservativer Kirchenmann wohl sagen und damit das Scheunentor der Erkenntnis noch weiter aufstoßen. Zwischen dem Kirchenvolk und seinem neuen Oberhaupt gibt es insbesondere in Deutschland eine Schicht voller Behaglichkeit, Chaos, Widerspruch, Beharrlichkeit, Machtgelüste und Angst davor, eben diese Macht und die damit verbundenen Positionen zu verlieren. Trotz aller Nebelkerzen sitzt die breite Öffentlichkeit der Herrlichkeit der Catholica in Deutschland zunehmend im Nacken, und zwar nicht nur die eigenen Schäflein, die den Stallgeruch bei so manchen Hirten vermissen, sondern auch die Mehrheit der Bürger, die vom System Catholica schamlos abkassiert werden, obwohl sie damit nichts am Hut haben.

Dabei geht es um viele Dinge, die massiv in unser tägliches Leben in unserer Demokratie eingreifen, wie z.B. drei Tage im November mit Tanzverbot auch für Anders- oder Ungläubige und um einen massiven Griff der Catholica in die Taschen aller Bürger. Gläubige Christen mögen das zwar gutheißen oder gedankenlos hinnehmen, dass aber ca. 40 % der Bevölkerung Jahr für Jahr ca. 200 Mio. € und immer mehr an Kirchen zahlen müssen, deren Botschaft sie nicht teilen, ist ein Unikum in der Welt und widerlich, rechtswidrig obendrein. Gleichwohl kassiert insbesondere die Catholica ohne Gegenleistung schamlos ab. Wie lange kann sich unsere Republik eine solche Privilegierung der Amtskirchen bei der verfassungsmäßigen Vorgabe der Neutralität gegenüber allen Religionen noch leisten? Zumal die Legislative seit knapp hundert Jahren in der Pflicht ist, diesen Zustand zu ändern. Die Catholica klammert sich dabei zur Rechtfertigung an eine Regelung von 1803 unter Napoleon.

Und dann noch den eklatanten Missbrauch der Catholica mit dem Einzug der Kirchensteuer durch den Staat. 1919 war der Catholica als Kompromiss die Möglichkeit eingeräumt worden, ihre Gebühr für Glauben auf der Basis der staatlichen Steuerlisten selbst zu erheben. Daraus hat sie ebenso plump wie schlitzohrig den zwangsweisen Einzug ihrer Kirchensteuer durch den Staat konstruiert, der schlicht grundgesetzwidrig ist. Neben diesem rechtlichen Unding kommt noch das fiese Geschmäckle, dass dem die härteste Kirchenstrafe droht, der dem Staat seinen Unmut über diese Praxis meldet. In jedem Verein werden solche Dinge vereinsintern geregelt und nicht über ein allmächtiges Inkassobüro mit Gerichtsvollziehern, Arbeitgebern und Banken als Erfüllungsgehilfen. Und das alles unter Berufung auf das Konkordat mit Hitler von 1933.

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Kommentar

München, 30.10.2013

Religion/Gesellschaft

Papst und Armut

von Georg Korfmacher, München

 

Nun ist Armut wirklich kein idealer Lebenszweck. In sie will man nicht hinein, sondern immer nur aus ihr heraus. Weltweit und unabhängig von religiösen Überzeugungen. Mit seinen wiederholten Forderungen nach Armut und Barmherzigkeit stürzt der Papst nun besonders seine Gläubigen und Kleriker in Deutungsnot. Besonders hart trifft es da die deutsche Catholica, die zwar nur eine geradezu lächerliche Minderheit im weltweiten Vergleich darstellt, gleichwohl wahrscheinlich die reichste ist.

 

In keinem Land der Welt werden der Catholica soviel Geld und Privilegien vom Staat zugeschanzt wie im demokratisch verfassten Deutschland. Während wir alle in der Illusion leben, dass alle Macht vom Volke ausgeht, greifen ausländische Mächte in unsere Demokratie ein. Siehe die NSA-Affaire. Ein latentes Beispiel ist der „Heilige Stuhl“, der z.B. selbstherrlich von Rom aus seine Personalpolitik betreibt, die dann aber von allen Steuerzahlern in Deutschland bezahlt werden muss. Wie ist das mit unserer Demokratie vereinbar? Haben wir da die Aufklärung und Säkularisation verschlafen? Warum erfüllen wir eine seit nunmehr 90 Jahren vorgegebene Verfassungsanforderung nach Ablösung der Staatsleistungen nicht endlich?

Für Demokraten schier unfassbar ist auch die Tatsache, dass die beiden Grosskirchen heute noch einen Hitler-Vertrag fortführen (Konkordate von 1933), während alle anderen Verträge von und mit Hitler nach 1945 rigoros gekappt wurden. Wenn es um ihre Vorteile geht, scheinen sich die Grosskirchen einen Teufel um Moral zu scheren. Und in diese Wohlfühlwelt der Catholica platzt nun die Forderung des eigenen Pontifex nach Armut und Barmherzigkeit. Ohne Anspruch auf Deutungshoheit sei festgestellt, dass es dem Papst wahrscheinlich nicht darum geht, alle Menschen in Armut zu zwingen, sondern wohl eher darum, durch Zuwendung, Dienen und Barmherzigkeit eben aus jeder Art von Armut herauszuhelfen. Das Beispiel des Goldfasanen von der Lahn zeigt deutlicher als alle Sonntagsreden und Appelle die übergrosse Kluft zwischen Wort und Tat der deutschen Catholica.

Mithilfe rechtsstaatlicher Gesellschaftskonstrukte und Privilegien verbirgt die deutsche Catholica ihre waren Schätze und Vermögen, schiebt sie bei Bedarf zum Eigennutzen zwar geschickt hin und her… und an der Not der Menschen (und der Steuer) vorbei. Und diesen superreichen Moloch nährt unser Staat noch mit öffentlichen Steuergeldern und Privilegien aller Art. Jede Firma/Person, die ein Gebaren wie die Catholica an den Tag legen würde, wäre längst vor dem Kadi oder gar hinter Gittern, weil man rechtlich mögliches durchaus recht pervers handhaben kann.

          Während der papa em. zwar Entweltlichung predigte, weiter aber in seinem Goldpalast, seinen roten Pantöffelchen und hermelinverbrämt lebte und sich auch heute noch von vier Damen verwöhnen lässt, zeigt der papa electus wie es gehen könnte. Dienen und den Armen aus ihrer Not helfen. Allein aus den Zinsen ihres Vermögens könnte die deutsche Catholica alle ihre Werke christlicher Nächstenliebe bedienen, ohne auch religiös Aussenstehende zur Kasse zu zwingen. Dabei sind die der Catholica zugeschanzten Staatsleistungen keinerlei Kontrolle unterworfen, ebenso wenig wie die an Caritas etc. Das spottet jedes Demokratieverständnisses.

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Kommentar

München, 30.10.2013

Religion/Gesellschaft

Marx kann es noch besser

von Georg Korfmacher, München

 

Der Mann mit dem gepflegten Bart (Seiters) scheint es faustdick hinter den Ohren zu haben. Erst seine neue Residenz im Bastard-Palais mit nur 2 Mio. € aufrüsten, obwohl er schon ein hübsches Schlösschen in Schwabing hat, dann für knapp 10 Mio. € einen Palazzo in Rom kaufen und jetzt für über 130 Mio. € eine neues Dienstleistungszentrum der Erzdiözese in Bestlage in München zwischen Dom und Michaelskirche. Für einen Papstberater eine dreiste Leistung zumal dann, wenn er gar nicht weiß woher das Geld eigentlich kommt.

 

Als der Skandal seines Amtsbruders an der Lahn durch alle Medien schwappte, wurde die an sich vorgeschriebene Bautafel flugs abgehängt. Jetzt hängt sie wieder da, nachdem ihm die Lokalpresse draufgekommen ist. Aber wenn das alles so „öffentlich“ gehandelt worden ist, warum muss dann die lokale Presse erst entdecken, was Sache ist und eine Welle des Erstaunens und der Bestürzung auslösen. Wie ist dieser verschwenderische Umgang mit Geldern letztlich ungeklärter Provenienz vereinbar mit den Forderungen nach Armut und Barmherzigkeit, die er seinem Pontifex eilbeflissen nachbetet? Seine Gemeinden zersplittert er durch Abbau der Pfarrstellen, seine Verwaltung legt er zusammen, obwohl sie bisher für seine auch in Bayern schwindsüchtige Kirche bisher ganz gut funktionierte.

 

Als Kardinal und Kirchenkenner sollte der Fürstbischof von der Isar an sich den Katakombenpakt von 1965 kennen. Wollte er ihn beherzigen und seinem Pontifex von heute folgen, müsste es ihn schier zerreißen. Da hilft auch kein gepflegter Bart, um sein wahres Gesicht zu verklären. Ein Mann, der nach eigener Aussage keine Demokratie in der Kirche will, der das Evangelium für Aufklärung hält, sich als Aalkönig feiern und kein Schützenfest und keinen Berggipfel auslässt, um wohlgefällig seine aufgesetzte Volksnähe anzubiedern, will dezidiert nicht wie seine Schafe riechen.  Aufgeblasen schwebt er über allem erhaben und verprasst Geld, was ihm nicht gehört, ihm allenfalls zum sorgsamen Gebrauch anvertraut ist.

 

Jetzt versteht man, warum er auf der zwangsweisen Eintreibung der Kirchensteuer so beharrt, denn auf Spenden Reicher für einen solchen neuen Protzbau könnte er wohl lange warten. Vernünftige Reiche gehen mit solchen Projekten lieber an den Stadtrand. Erfahrungsgemäß (siehe Limburg) sind erste Ansagen Schall und Rauch. Das wir sicherlich sehr viel teurer, dann natürlich aus nachweisbaren Gründen.

 

So begibt sich der Papstberater in eine vor seinem Pontifex und den Betroffenen schier unauflösliche Erklärungsnot. Den Gläubigen seiner Kirche bringt der Protzbau gar nichts, denn von der „Investition“ haben sie ebenso wenig wie von den dort erbrachten Diensten. Also nicht neues. Den Ungläubigen und Kritikern liefert er Wasser auf die Mühlen ihrer Kritik an der Unvernunft einer Kirche, die für sich die absolute Wahrheit in Anspruch nimmt. Marx aber kann es immer noch besser. Dümmer geht’s nimmer.

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München, 23.10.2013

Religion/Gesellschaft

Marx wird Aalkönig

von Georg Korfmacher,
München

 

Nachdem sein Kollege von der Lahn soeben höchst päpstlich aus dem Verkehr gezogen worden ist, setzt der
Münchner „Fürstbischof“ seine eigenen Akzente: er lässt sich zum Aalkönig küren. Diese Auszeichnung ist sicherlich nicht mit 31 Mio. € dotiert, gleichwohl lässt diese neue Königswürde aufhorchen. König und Kirche haben sich in Deutschland immer schon bestens verstanden, werden kirchenfromme Mitläufer beschwichtigen,
kirchenkritische Bürger werden sich aber schon nach dem Sinn dieser neuen Würde fragen.

 

Nun ist der reichste Kirchenfürst der deutschen Catholica schon Papstberater. Höher geht es eigentlich nimmer, es sei denn Papst überhaupt. All seine anderen Titel und Würden kann man auf seiner website abfragen, wenn er sie dann preisgibt. Und nun noch Aalkönig. Was soll denn das nach Theo Weigel und Rosi Mittermaier? Und wie ist diese neue Kür mit der Forderung seines Pontifex auf Verzicht auf Titel und Karriere zu vereinbaren? Und wann bleibt ihm denn neben seinen vielen Ämtern und Würden noch Zeit für Seelsorge beim Volk?

 

Nun, der Kirchenfürst von der Isar gilt als Organisations- und Verwaltungsgenie. Natürlich auch als Sozialexperte. Bei seinen vielen Titeln vergisst man sicher eines seiner Talente. Entschuldigung.

 

Aber welche Talente muss ein Aal bzw. Aalkönig haben? Da fällt einem spontan aalglatt ein. Ist er aber nicht, schon allein wegen seiner vielen Knöpfe an seiner Sutane. Schlank? Nein, ist der eher barocke Typ auch nicht. Listig? Da schweigt des Sängers Höflichkeit. Raubfischartig? Also, da kommt man ins Grübeln. Auf jeden Fall lässt er keine Gelegenheit aus. Tolle Residenz, dickes Auto, sattes Gehalt, Palazzo in Rom, super gepolsterter bischöflicher Stuhl mit tausenden
Körperschaften des öffentlichen Rechts in Bayern und vieles Unbekannte mehr. Naja, da scheint es Aufklärungsbedarf zu geben. Ach ja, Aal soll gut schmecken, am besten geräuchert. Aber das kann man sich beim Aalkönig Marx nicht oder nur
mit Ekel vorstellen.

 

Man wartet gespannt auf die Erklärungen des Münchener Fürstbischofs zu seinen neuen Ehren im Kreis von 380
„führende Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik und Wirtschaft“ als Höhepunkt des Jahres. Vorab hat er aber schon eigene Wünsche angemeldet. „Seinen Handabdruck will er nicht verewigen und statt des Ein-Liter-Bierglases will er nach der Kürung auf der Bühne nur aus einem 0,3-Liter-Glas trinken“. Also, nur ja keine Spur hinterlassen und sich vor allem nicht zu seiner Wahlheimat Bayern bekennen. Denn der Aalkönig wird ja am Rhein gekürt, wo der Aal seit eh und je
als Leckerbissen gilt. Am Chiemsee eigentlich auch. Aber das weiß der Fürstbischof von München vielleicht nicht. Hoch lebe Marx I. Aalkönig!

 

Quelle: http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/rhein-sieg-kreis/bad-honnef/Kardinal-Reinhard-Marx-wird-am-Freitag-zum-Aalkoenig-gekuert-article1177874.html#plx1000256926



 

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Kommentar

München, 22.10.2013

Religion/Gesellschaft

Papst liest die Leviten

von Georg Korfmacher,
München

 

Ein wahrlich schlechter Tag für den „Fürstbischof“ von der Lahn. Denn so wird der Mann spöttisch von seinen „Mitbrüdern“ in Rom genannt. Die Audienz hätte er sich sparen können, hätte er der Predigt seines Pontifex in der Frühmesse gelauscht. Realitätsfremd spricht er aber nach seiner Audienz, und nur er, von einer „sehr ermutigenden Begegnung“.

 

Dem Mann ist offenbar nicht zu helfen. Der Papst schweigt nach dem Gespräch. Er hat ja schon gesprochen. Der Schlaumeier von der Lahn hat ihn nur nicht verstanden. Trotz einmal unterstellter Bibelkenntnis hat er sich auf diesen Montag mit dem Tagesevangelium nach Lukas eingelassen. Eine Steilvorlage für den Papst, eine Ohrfeige für den
Fürstbischof.

 

Aber eigentlich sollte der Protz von der Lahn schon irgendwie mitbekommen haben, dass es seit Franziskus aus mit
Prunk und Protz ist – es nach der Bibel sowieso so sein sollte – und dass der bescheidene Wohnsitz des Papstes der wichtigste Ort der Bekanntgabe seiner Botschaften ist. Und so muss er sich vom Papst sagen lassen: bück dich und diene auf dem Weg Gottes der Armut und Bescheidenheit. Deutlicher konnte der Papst nicht sagen, dass ihm Geistliche mit Fürstenallüren zutiefst zuwider sind. Da erübrigt sich jede Spekulation darüber, „was sich ein Papst, der Armut predigt,
und ein von den Medien als "Protz-Bischof" bezeichneter Geistlicher zu sagen hatten“ (KNA).

 

Da hilft jetzt auch kein Versetzen, Verstecken und Vergessen mehr. Der Protz von der Lahn hat eine grelles Licht der Erleuchtung auf die Gebaren der deutschen Catholica gezündet und einen Protests jenseits von Glaubensfragen gegen deren scheinbar maffiöse Organisations- und Machtstrukturen ausgelöst. Das Zeitalter der Erleuchtung scheint die deutsche Catholica erst jetzt zu erreichen.

 

Es geht bereits um viel mehr als um den komischen Vogel von der Lahn. Die gesamte Obrigkeit der deutschen Catholica ist in Bedrängnis geraten. Und wie auf einem Hühnerhof, in den ein Fuchs eingebrochen ist, stieben alle durcheinander und auseinander. Die einen veröffentlichen auf einmal, die anderen immer noch nicht. Und über allen Zahlen schwebt eine Wolke des Zweifels. Neutrale Sachkenner schätzen das Vermögen der deutschen Catholica auf ca. 3006 Mrd. €. Das kann sich ein gewöhnlicher Sterblicher kaum vorstellen. Dazu braucht man wohl die Erleuchtung des heiligen Geistes, oder eben den Erfindungsgeist katholischer Oberkleriker.

 

Eins ist heute schon klar: wenn der Goldfasan von der Lahn nicht geht, gehen der Catholica viele Gläubige verloren. Ihre Schwindsucht wird deutlich weiter beschleunigt. Auch hier bestätigen sich bewährte deutsche Sprichwörter wie: Dummheit und Stolz wachsen auf demselben Holz, oder: wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Erfreulich auch, dass uns daran ein Papst erinnert, der einem seiner Mitbrüder die Leviten lesen muss.

 

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München, 15.10.2013

 

Religion/Gesellschaft

Papst und Primaten

von Georg Korfmacher, München

 

Da sich einige Leser aller Geistesrichtungen ziemlich harsch darüber aufhalten, dass ich die Mitbrüder des Pontifex als Primaten bezeichne, möchte ich gerne eine Diskussion darüber anbieten, die mögliche Wissenslücken zu füllen geeignet sein könnte.

 

Papst Leo XIII veröffentlichte 1891 eine Enzyklika über die Arbeiterfrage mit dem Titel rerum novarum. Diese adressiert er an alle Ehrwürdigen Brüder die Patriarchen,   PrimatenErzbischöfe und  Bischöfe und die anderen Oberhirten, welche in Frieden  und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle stehen. Der eigentliche Text beginnt dann mit dem Gruß: Ehrwürdige Brüder. Danach steht außer Zweifel, dass der Papst alle Würdenträger der Catholica anspricht, außer bezeichnenderweise die niederen Arbeiter, um die es ja eigentlich gehen soll.

 

Da es für den normalen Menschen ungeheuer schwierig ist, die Unterschiede in den Graden und Bezeichnungen katholischer Würdenträger zu erkennen, geschweige denn auseinanderzuhalten, bietet sich der vom Papst selbst gewählte Oberbegriff des Primaten geradezu an, hier keinen Fehler zu machen. Es kann doch nicht schlecht sein, was der Papst
sagt. Honi soit qui mal y pense! Das ist so ein rechter Sinnspruch, der böse Unterstellungen verurteilt.

 

 Kritik ist immer gut und willkommen, wenn sie konstruktiv ist. Wird sie aber persönlich oder ist sie nur Vehikel zur
Zurschaustellung des eigenen Wissens (das natürlich immer über dem des Kritisierten steht), wird die Sache unglaubwürdig. Über Stilfragen kann man ja unendlich streiten. Der eine mag Heine, der andere eben nicht. Seinerzeit
ebenso wie heutzutage.



 

Außer Zweifel steht, dass es neben diesem spezifisch katholischen Begriff des Primaten heute noch andere, profane Auslegungen dieses Begriffes gibt (siehe Wikipedia). So sind Primaten auch Herrentiere bei den höheren Säugetieren. Oder auch Sondergrößen bei Champagnerflaschen, wobei solche Sondergrößen überwiegend biblische Bezeichnungen tragen.

In diesen Zusammenhang stelle ich aber den von mir gewählten katholischen Begriff des Primaten nie. Noch nie habe ich einen Primaten der Catholica als Affen bezeichnet. Honi soit qui mal y pense! Oder: Erst denken, bevor man redet.

 

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Kommentar



München, 13.10.2013

Religion/Gesellschaft

Der Papst und das eigentliche Übel der Catholica

von Georg Korfmacher, München

 

Eine kurze Meldung ließ aufhorchen. Während der Primat von der Lahn seit Bekanntwerden seiner
Geldverschwendung (jetzt schon 40 Mio. €) und der drohenden Strafanzeige alle Termine absagt, ja sogar keine Messe liest und auch einen angekündigten Brief an seine Gemeinde doch lieber nicht schreibt, wollte er flugs nach Rom fliegen, um sich mit seinen Förderern zu besprechen. Erst flog er nicht, jetzt aber doch.
Die wahrlich himmelschreienden Skandale in Limburg sind wie ein Blitzlicht, das einen tiefen innerkirchlichen Kampf erhellt: Hier der Kleriker als Diener am Volk Gottes, dort ebendieser Kleriker gleich nach Gott und über alles erhaben. Ein harter Crash der Auffassungen des neuen und des emeritierten Papstes. Das eigentliche Übel.

 

Jetzt ist er über seine eigenen Lügen gestolpert. Jetzt greift die Justiz ein. Jetzt ist die Flucht unter die Röcke seiner Co-Primaten in der Kurie in Rom sein letzter Versuch der Selbstrechtfertigung. Bezeichnenderweise sind nur deutsche Primaten involviert. Die Primaten in Köln, München und Stuttgart/Rottenburg scheinen froh darüber, dass sich alles so auf
den Primaten von der Lahn konzentriert, wird so doch von eigenen Sonderlichkeiten abgelenkt. Der Kölner sitzt auf dem reichsten bischöflichen Stuhl, aus dem unendlich viel karitativen Werke bezahlt werden könnten , der Münchner
residiert in einem prunkvollen Rokokopalais und hat sich einen Palazzo in Rom für 10 Mio. € geleistet (muss aber jetzt wohl oder übel im eher bescheidenen Gästehaus des Vatikans absteigen) und der ehem. Primat von Regensburg und Förderer
desjenigen von der Lahn hält die ganze Sache dort für ein übles Geschwätz der Medien. Auch der geschasste Bischof Mixa ist froh, dass seine Residenz aus den Schlagzeilen geraten ist, ebenso wie der ehem. Primat von Passau, der sich soeben in einem Alterssitz von 280m2 für knapp 300 T€ in Altötting wohlig eingerichtet hat.

 

Eine besonders unappetitliche Dimension haben dabei die Bauten in München und Rottenburg. Die 9 Mio. € hier und 39! Mio. € dort sind weit überwiegend aus Steuermitteln finanziert, also von Christen aller Couleur, Muslimen und Atheisten, ebenso wie die Gehälter der dort residierenden Primaten. Das ist jenseits jeder Diskussion über Glaubensfragen. Da ist unsere Demokratie schwer beschädigt und verliert ihre Glaubwürdigkeit, wenn die vom Volk gewählten Politiker nicht unverzüglich und nachhaltig die Vorgaben aus unserem § 140 GG erfüllen. Dabei dürfen sie Augen und Ohren nicht krampfhaft davor verschließen, dass die Catholica schwindsüchtig ist und heute deutlich weniger Köpfe zählt als die sich nicht zu deren Idealen bekennende Bevölkerung. Dem Papst der Armen und Diener muss die reiche deutsche
Catholica übel aufstoßen, wenn er sich selbst beim Wort nimmt. Der Primat von der Lahn gehört abgekanzelt.

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München, 22.9.2013

Religion/Gesellschaft

Papst - die Franziskanische Wende

von Georg Korfmacher, München

 

Das Interview mit seinem Ordensbruder hat eingeschlagen wie ein fulminanter Blitz. Weltweit und schlagartig verbreitet, konnte es auch keiner kürzen, schönen, verdrehen. In einem Rundumschlag hat der Pontifex der Catholica seine Sicht und Intentionen offen dargelegt. Die einen schluchzen vor Freude, die anderen schlucken vor Unbehagen. Der vom Papst aufgezeigte Weg der Hoffnung kann jetzt nur noch gegen ihn umgeleitet werden.

 

Seit seinem Erscheinen beherrscht das Papstinterview die Schlagzeilen gerade der säkularen Presse in der gesamten Welt, während die üblichen Sprachrohre der Catholica entweder scheu flüstern oder allenfalls Unwichtiges zitieren. Das Superkonzentrat des Papstinterviews wird die Welt, katholisch oder nicht, noch lange beschäftigen.

 

Damit hat der neue Pontifex der Catholica nicht nur eine Franziskanische Wende eingeleitet, sondern vor allem dem Papst in der Welt eine Autorität wiedergegeben, die seine Vorgänger durch Egozentrizität, Verliebtheit ins Zeremoniale, die Gläubigen und auch andere abstossenden Dogmatismus und Habitus ad absurdum geführt hatten. Insbesondere den Dogmatikern und Beharrungskonservativen hat es die Sprache schier verschlagen. Erstens haben sie die Papstworte überfallartig überrascht, bei aller „Geleertheit“ traf es sie geradezu unvorbereitet, und zweitens haben sie der Einfachheit und Direktheit der Sprache ihres Pontifex nichts entgegenzusetzen.

 

Und schliesslich hat der Pontifex eine Veröffentlichungsform gewählt, die bisher nicht nur nicht üblich sondern gar unmöglich war. Über die ohnmächtig wirkende Kurie hinweg wird diese Papstbotschaft weltweit und unüberhörbar von einer starken Ordengemeinschaft getragen, die schon oft kein Blatt vor den Mund genommen hat. Letztes Beispiel in  Deutschland: der Jesuit in Berlin, der die Missbrauchskandale in der Catholica schonungslos aufgedeckt
hat.

 

Vor der Lektüre von Einzelkommentaren sei die des Original-Interviews empfohlen.

http://www.americamagazine.org/pope-interview "Stimmen der Zeit": Interview mit Papst Franziskus http://www.stimmen-der-Zeit.de/zeitschrift/online_exklusiv/details_html?k_beitrag=3906412.

Dabei lohnt es sich, das Original in Englisch zu lesen. Offenbar bewusst ist das Papst-Interview in dieser
Weltsprache zuerst veröffentlicht worden, vorbei an allen Instanzen des Vatikans.

 

Spätestens seit diesem September muss so mancher Kirchenmann wie Laie seine Haltung überprüfen. Der Weg von Prunk, Protz und Karriere hin zur Nächstenliebe und Barmherzigkeit wird gerade in Deutschland für viele Primaten und Prälaten entbehrungsreich und schmerzhaft. Der papa emeritus hat zwar den Reichtum der deutschen Catholica
angeprangert, residiert aber gleichwohl von vier Damen wohlbehütet in einem komfortablen Kloster ganz allein, während der papa electus bescheiden in einem Zimmer des vatikanischen Gästehauses lebt. Honi soit qui mal y pense.

 

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München, 28.8.2013

Religion/Gesellschaft

Der Primat von der Lahn

von Georg Korfmacher, München

 

Kürzlich gab es im Dom an der Lahn eine erfrischende Predigt eines jungen Priesters, der nach Luther verfuhr: „Tritt frisch auf, tu’s Maul auf, hör bald auf!“. Stoff für neue Spottverse im Wirtshaus an der Lahn.

 

Die frischen Abschiedsworte des jungen Kaplans waren Worte des Aufruhrs. Er gehört offenbar nicht zu jenen frisch geweihten Priestern, die ihre Weihe mit einem vom Primat an der Lahn inszenierten Sektempfang krönen. Und die forschen Worte waren nicht etwa an die Kirchgänger gerichtet, sondern direkt an eben diesen Primaten an der Lahn. Der hat nämlich in seinem Machtbereich einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der Kaplan machte klar, dass er seinen Zuhörern „…doch zu Herzen reden und keine dogmatische Vorlesung halten (wolle). Gerade Letzteres erleben wir hier im Dom doch viel zu oft.“ Jahrelang hätte er dagegen gekämpft, dass aus dem Dom „ein Hort klerikaler Eitelkeiten und eine Spielwiese pontifikaler Prachtentfaltung“ gemacht wird. Tosender Applaus im grossen Dom! Und von ferne sicher auch Zustimmung des neuen Pontifex, der sich ausdrücklich gegen Prunk, Eitelkeit  und Etikette ausspricht und vorlebt, wie es auch einfach geht.

Dieweil windet sich der Prunk-Protz-Primat an der Lahn in Ausreden und Ausflüchten, um davon abzulenken dass er zum größten Problemfall im deutschen Episkopat mutiert ist. Seinen 10-Mio Palazzo Prozzo solle man jetzt „Diözesanes Zentrum“ nennen, während auf dem Türschild einschüchternd „Bischöfliches Haus“ steht. Das upgrade in die erste Klasse für einen Flug zu Slum-Kindern in Indien ist nur noch peinlich. Wie überhaupt verwundern muss, was den Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für Familien in Indien umtreibt, ebenso wie seinen gönnerhaften Vikar. Im Gegensatz zu seinem obersten Dienstherrn lässt er sich in einer Nobelkarosse hinter abgedunkelten Fensterscheiben - aber bitte mit Stander - chauffieren. Nur ja kein Kontakt zum niederen Volk. Den Gestank seiner Schafe mag der Hirte nicht, sie melken aber sehr wohl. Denn Macht und Prunk brauchen Moneten. Autorität seines Amtes geht ihm vor Seelsorge und der von seinem Pontifex geforderten Barmherzigkeit.

Daher sieht man ihn auch nicht mehr so oft in Rom wie früher. Dort müsste sich der als „Fürstbischof“ verspottete Primat ja bescheidener geben als sein Pontifex. Und so verbiegen mag er sich nicht. Und der Papst mag keine stocksteifen Rechthaber. Auch die Vermögensverschiebungen zwischen seinem „Stuhl“ und seinem Bistum kann er keinem so recht erklären. Ist auch schwierig, zumal die Steuer aussen vor bleibt und im Gegensatz zu anderen Vermögenstransfers hier nicht hinschaut. Und jetzt auch noch ein offener Brief der Schafe im Glauben gegen ihren machtprotzigen Oberhirten! Hier steht der Catholica mit ihrem absolutistischen Selbstgerechtigkeitsverständnis eine Zerreissprobe mit ihren demokratisch erzogenen Gläubigen ins Haus. Aber welcher stolze Gockel riecht schon den Gestank des Mistes, auf dessen Gipfel er krähend steht?!

Frei nach Heine: Neuer Papst, neue Töne, neue Töne, neue Lieder. Entweder der Primat an der Lahn stimmt ein, oder er wird ganz einfach abgesungen. Im Wirtshaus an der Lahn gibt es dann neue Spottverse.

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München, 15.8.2013

Religion/Gesellschaft

Papst und Weltliches

von Georg Korfmacher, München

 

Radio Vatikan, die Stimme des Papstes, bringt die Absurdität katholischer Feiertage in Deutschland knallhart auf den Punkt: „Weniger Katholiken, weniger Feiertage“. Die Deutschen müssen sich wohl oder übel an eine neue Situation gewöhnen. Selbst wenn sie nicht an die leibliche Himmelfahrt der Mutter des Juden Joshua glauben, haben sie gleichwohl den Feiertag der Catholica gerne mitgenommen. Das könnte jetzt anders werden oder im totalen Chaos enden.

 

Deutschland ist nicht nur im christlichen Glauben gespalten, sondern hat mittlerweile Mitbürger, die mehrheitlich keiner der christlichen Glaubensrichtungen anhängen. Katholiken sind bundesweit mit weniger als einem Drittel im Hintertreffen. Vor ihnen liegen mittlerweile Mitbürger, die an christliche Vorstellungen nicht glauben. Das ist laut Zensus Fakt und passt so gar nicht in die Wunschträume der Catholica.

 

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen besteht der aktuelle, dogmatische Marienkult erst seit 1950. In den ersten drei Jahrhunderten unserer Zeitrechnung spielte die „Gottesmutter“ im weströmischen Reich praktisch keine Rolle. Nur im Osten rankten sich um sie, wie um viele andere Heiligen, arabeske Legenden, soll die Mutter des Joshua doch in Ephesus gelebt haben und gestorben sein. War sie wirklich nur in der Hauptstadt der Provinz Asia sicher? Es bedurfte der Feststellung eines Konzils (431 in Ephesus), um ihre Gottesmutterschaft überhaupt festzustellen, nachdem vorher die Dreifaltigkeit klar war. Wie dem auch sei, erst 1500 Jahre danach musste endlich mit einem Dogma geklärt werden, was mit der Dame eigentlich war.

 

Nach dem Bamberger Professor für katholische Fundamentaltheologie, Jürgen Bründl, der wohlgemerkt aus öffentlichen Steuergeldern bezahlt wird, speist sich die Marienverehrung aus Volksfrömmigkeit. Auch das kann man tolerieren. Aber was hat das mit unserer öffentlichen Feiertagsregelung zu tun? Erst kürzlich musste in Staatsverträgen geregelt werden, dass in Bremen und Hamburg nunmehr Muslime freie Tage für ihre religiösen Feste beanspruchen können, nachdem es solche Regelungen für Juden bereits gibt. Wieso mischt sich ein demokratischer Staat in die Regelung religiöser Festtage ein? Irgendwann wird die Lage für bundesweit operierende Unternehmen nicht mehr beherrschbar. Mitarbeiter können bundesweit nicht mehr für umfassende Projekte eingesetzt werden, weil der und die da und dort gerade Feiertag haben. Und wieso darf eine Minderheit feiern, während die Mehrheit arbeiten muss? Welche Absurdität in einem demokratischen Staat, der sich auch und insbesondere über seine Wirtschaft definiert.

 

Solche deutsche Gangart kennt der Pontifex „vom Ende der Welt“ nicht. Also ist sie im fremd und suspekt. Wenn ein demokratischer Staat Feiertage für seine Arbeitnehmer einreichten will, soll er das nach weltlichen Gesichtspunkten und demokratischen Regeln tun. Religiöse Anschauungen oder gar Volksfrömmigkeit dürfen da keine oder allenfalls marginale und höchst ausnahmsweise Bedeutung haben.

 

Überraschend bedeckt hält sich da der bayerische Oberprimat in München. In Bayern muss er einen abstrusen Status verteidigen, im europäischen Kontext muss er hinnehmen, dass es so etwas in keinem anderen Land in Europa gibt.

 

Wie ein menschlicher Körper etwa 1900 nach seinem Ableben durch ein Dogma „vor der Verwesung bewahrt“ werden kann (Jürgen Bründl), muss ein Glaubensgeheimnis der Catholica bleiben. Vernünftige Menschen langen sich da nur an den Kopf. Selbst Juden und Muslime verfallen da in Gedankenstarre. Für die Catholica aber genug, um mit Zähnen und Klauen einen „hohen“ Feiertag zu verteidigen. So lässt der Münchner Archiprimat auch lieber einen Pfarrer aus dem untersten Glied vorpreschen und verkünden: „Ich fände es schade, vor allem deshalb, weil dann in der einen Kommune dann schon wieder ein Feiertag wegfällt, auch wenn es von Anfang an so geregelt war. Theoretisch fände ich es sogar schöner, wenn es in ganz Bayern ein Feiertag wäre, aber das bräuchte ein neues Gesetz.“

 

Aber damit tritt er genau ins Fettnäpfchen, hatte der Pontifex doch erst kürzlich verkündet, dass nicht alles schon deshalb gut ist, weil es immer schon so war. Und Kneifen gilt schon gar nicht! Selbst Position beziehen und sich nicht auf gesetzliche Regelungen hinausreden! Wie bei der Kirchensteuer, für die ja der Staat zuständig sein soll, während man selbst nur mit Exkommunikation dann straft, sobald der böse Bürger aus welchem Grund auch immer nicht zahlt, wenn der Staat Geld für Glauben einfordert.

 

Mag die Catholica glauben, was sie will, sei es an Maria als Gottesmutter, an eine Jungfrau und deren unbefleckte Empfängnis und schliesslich an ihre Himmelfahrt. Das ganze gespreizt über 1500 Jahre und ohne Rückhalt in der Bibel. Aber ist das Grund genug, solche, vielen Menschen als abstrus erscheinenden Anschauungen allen überstülpen zu wollen? Nach heutigem Verständnis würde eine Mutter darüber wahrscheinlich ganz anders denken. Aber solche Logik kennen „Eunuchen für das Himmelreich“ (Ute Ranke-Heinemann) natürlich nicht.

 

Dabei hat der neue Pontifex doch erst kürzlich den Vater des Joshua als fürsorglichen Vater und Ehemann anerkannt. Abgesichert durch das Dekret mit der Erhebung des Familienvaters Josef könnte die Catholica jetzt doch ein Zeichen setzen gegen die zahllosen und zunehmenden vaterlosen und alleinerziehenden Lebensformen. Papst Franz führt doch gerade vor, wie stark Bilder wirken. Ja, zur Erziehung eines Kindes gehört idealerweise ein Mann, ebenso wie notwendigerweise zu dessen Zeugung. Das ist eine Urerfahrung der Menschheit und gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Schliesslich sind alle heutigen Primaten das Ergebnis eines solchen, hoffentlich liebevollen Aktes.

 

Also, man verfahre einfach nach Mt.22.21 und halte Kirche und Staat fein säuberlich auseinander, auch bei den Feiertagsregelungen. Man stelle sich vor, dass es Feiertagsreglungen „à la Catholica“ für alle Religions- und Meinungsgemeinschaften gäbe, wir würden mehr feiern als arbeiten. Himmel auf Erden!? Nein, eher Elend für alle und Streit obendrein, denn der Staat kann es nie allen recht machen. Religion ist Privatsache und darf nicht einem Regelwerk des Staates unterworfen werden. Nach Papst Franz schafft nur die Distanz zum Weltlichen die Kraft zum eigenen Überleben.

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Kommentar

München, 10.8.2013

Religion/Gesellschaft

1933: Papst, Politik und Primaten

von Georg Korfmacher, München

 

In demselben Jahr, in dem Hitler die deutschen Gewerkschaften auflöste und deren Vermögen beschlagnahmte, schloss er zeitgleich das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl, nachdem er sich mithilfe der Catholica durch das Ermächtigungsgesetz an die Macht manövriert hatte. 1933, vom seinerzeitigen Papst als „1. Ausserordentliche Heilige Jahr“ ausgerufen, war das Jahr einer unseligen Verbrüderung zwischen Papst, Politik und Primaten.

 

Die Glocken des Petersdoms läuteten und der Münchner Primat schrieb Hitler lobhudelnd: "Was die alten Parlamente und Parteien in 60 Jahren nicht fertig brachten, hat Ihr staatsmännischer Weitblick in sechs Monaten weltgeschichtlich verwirklicht", und der aus Aachen: „Diözese und Bischof werden am Aufbau des neuen Reiches freudig mitarbeiten“.

 

Und der vor 80 Jahren zwischen Hitler und dem Hl. Stuhl ausgekungelte "verbrecherische Vertrag“ (Thomas Dehler) gilt noch heute. Eingefädelt wurde er im Frühjahr 1933 auch vom katholischen Politikerprälaten Kaas, der mit seiner Zentrums-Partei dem Ermächtigungsgesetz zustimmte (die Sozialdemokraten verweigerten konsequent und gegen alle Bedrohungen der Nazis ihre Zustimmung) und damit die bestehende Verfassung verriet. Das Protokoll der Sitzung vermerkt lebhaften Beifall im Zentrum, bei der Bayerischen Volkspartei und bei den Nationalsozialisten. Damit kam Hitler an die Macht, während der Dreikäsehoch seine Zentrumspartei und auch die Bayerische Volkspartei gehorsamst auflöste. Alle „Rechte“ aus dem Konkordat mit dem Naziregime hat die Catholica bis in unsere Republik „gerettet“.

 

In seiner Regierungserklärung vom 23.3.1933 hatte Hitler das Christentum als „unerschütterliches Fundament des sittlichen und moralischen Lebens unseres Volkes“ bezeichnet - welche Ähnlichkeit mit den Aussagen heutiger Politiker! -, und nur 5 Tage später liessen die deutschen Bischöfe ihre Warnungen vor der NSDAP, „ein Katholik könne der nationalsozialistischen Weltanschauung nicht beipflichten“, fallen. Unverzüglich danach wurde das Konkordat verhandelt und nur drei Monate danach paraphiert. Das zeigt, dass Hitler und der Hl. Stuhl mit viel Einvernehmlichkeit verhandelt bzw. geschachert haben. So z.B. Bekenntnisschulen und Religionsunterricht gegen Einschränkung der politischen Betätigung des Klerus im Zusammenhang mit dem CIC, can. 139. Alles ging von Hitler und vom Papst aus. K.-H. Deschner bringt es auf den Punkt: »Nicht das Gros der Katholiken ... ging zuerst zu Hitler, wie man der Welt so gern vorgelogen hatte, dann der Episkopat, dann die Kurie; sondern umgekehrt: Der Papst entschloß sich, das mit Mussolini geglückte Experiment mit Hitler zu wiederholen, die deutschen Bischöfe gehorchten, und die Gläubigen mußten folgen.«

 

Der Catholica besonders gefällige Regelungen waren, dass Kirchenorganisationen Körperschaften des öffentlichen Rechts waren Kirchensteuer erhoben werden konnte und dass Staatsleistungen an die Kirche nur „im freundschaftlichen Einvernehmen“ abgeschafft werden durften, worüber gerade heute wieder heftig diskutiert wird. Dafür leisteten die Primaten einen Treueeid: „Vor Gott und auf die Heiligen Evangelien schwöre und verspreche ich, so wie es einem Bischof geziemt, dem Deutschen Reich und dem Lande … Treue. Ich schwöre und verspreche, die verfassungsmäßig gebildete Regierung zu achten und von meinem Klerus achten zu lassen …“. So war der Klerus auch verpflichtet, „für das Wohlergehen des Deutschen Reiches und Volkes“ zu beten.

 

Weniger bekannt dürfte das Geheimgutachten des Kirchenrechtlers und katholischen Priesters Hans Barion (1899–1973) sein. Dieser nationalsozialistische Theologe stellte das Konkordat als „eminente Niederlage des Staates gegenüber dem „politischen Katholizismus“ der römischen Kurie“ dar und machte auch noch Vorschläge für seine staatsfreundliche Auslegung. (Quelle: Thomas Marschler, Kirchenrecht im Bannkreis Carl Schmitts. Hans Barion vor und nach 1945, Bonn 2004).

 

Dass das unselige Konkordat auch in unserer Republik fortwirkt, verdanken wir wiederum einem katholischen Primaten, nämlich dem Apostolischen Nuntius, der gegenüber der seinerzeitigen Bundesregierung monierte, dass bestimmt catholica-freundlicher Regelungen im Reichskonkordat betreffend das Schulwesen nicht in unser Grundgesetz übernommen werden sollten. Anlass war das Vorhaben von Niedersachsen, in einem neuen Schulgesetz keinen Religionsunterricht mehr vorzusehen. Die tiefschwarze Regierung ging auf die Knie und rief das BVerfG an. Dieses beschied dann 24 Jahre nach dem Konkordat mit den Nazis, dass dieses gültig zustande gekommen sei. Dabei verwies es ausdrücklich auf seine Bekanntmachung im Reichsgesetzblatt durch Reichskanzler Adolf Hitler, Reichsminister des Auswärtigen Freiherr von Neurath und Reichsminister des Innern Frick am 12. September 1933. Unschädlich sei auch, dass das Konkordat auf Grundlage des nationalsozialistischen Ermächtigungsgesetzes abgeschlossen wurde und damit nicht im Verfahren zustande kam, das die Weimarer Reichsverfassung vorsah. Honi soit qui mal y pense.

 

So entstand die paradoxe Situation, dass in unserem heutigen demokratischen Staat und seiner Umgebung mit anderen Staaten dieser Art „das Reichskonkordat das einzige heute noch gültige außenpolitische Abkommen aus der Zeit des nationalsozialistischen Deutschen Reiches“ ist. Gleichwohl ist das Reichskonkordat bis heute umstritten, selbst wenn und gerade weil die deutsche Catholica es als „Grosstat von unermesslichem Segen“ pries.

 

Heute scheinen solcher Segen und solche Grosstat nicht  mehr möglich, selbst wenn die drei Staatsgewalten von gehorsamen Christen durchsetzt sind, haben sich doch die Proportionen in der Bevölkerung erheblich verschoben und hat die Catholica jetzt (laut Konrad-Adenauer-Stiftung) doch einen eher laizistisch eingestellten Pontifex.

 

Der ruft jetzt seine Primaten mit bisher nie gehörten klaren Worten zur Ordnung und Armut und das Volk zum Sich-Einmischen auf. Also nicht mehr von oben nach unten, sondern von unten nach oben, was für so manchen Primaten kräftiges Ohrensausen bedeuten muss. Zumal sich unverzüglich und überdeutlich die Bewegung Wir sind Kirche meldet: „Die von Papst Franziskus angestoßene Kurienreform ist von so zentraler Bedeutung für die Zukunft der römisch-katholischen Kirche, dass sie nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden darf, sondern transparent und im offenen Dialog auch mit den Ortskirchen begonnen werden muss“. Das kecke Kirchenvolk verlangt Transparenz, kollegiale Pluralität und demokratische Regeln. Da ahnt man schon, wie sich so mancher Primat hinter dicken Palais-Türen verschanzt, sich für unbestimmte Zeit in den Urlaub abmeldet oder seine persönliche Referentin oder einen Sprecher an die Front schickt.

 

Obwohl die Äusserung eines deutschen Primaten zur Hitlerzeit mit der eindringlichen Warnung an seine Primatenkollegen, sich gegen einen Boykott jüdischer Geschäfte auszusprechen, weil es sich um einen wirtschaftlichen Kampf in einem in kirchlicher Hinsicht nicht nahestehenden Interessenkreis handele, nicht mehr vorstellbar erscheint, ist die Haltung der Catholica gegenüber Sinti und Roma und auch anderen Minderheiten und Migranten nicht immer nachvollziehbar. Besagter Primat hielt es für dringend geboten, der bedrängten jüdischen Minderheit jegliche Solidarität zu verweigern, da er andernfalls Nachteile für die Kirche fürchte. Im Übrigen habe sich "die überwiegend in jüdischen Händen befindliche Presse" auch nicht für die Katholikenverfolgungen in anderen Ländern interessiert. Ein wahrer Diener seiner Kirche kann der nicht gewesen sein, insbesondere wenn man die gelebten Beispiele des neuen Pontifex dagegen setzt. Natürlich muss es zwischen Staat und Kirchen Brücken geben. Aber eben Brücken der Verständigung und nicht Brückenköpfe, über die einseitige und grosse Volksteile benachteiligende Privilegien aus der Nazizeit verbissen verteidigt werden.

 

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Kommentar

München, 1.8.2013

Religion/Gesellschaft

Papst, Demokratie und Komfortzonen

von Georg Korfmacher, München

 

Geradezu revolutionär scheint es, wenn das Oberhaupt der Catholica ohne wenn und aber verkündet, dass seine Kirche wieder zur Armut zurückkehren muss, wenn sie sich in einer Zeit der Säkularisierung vor allem im Norden der Welt noch Gehör finden will. Das sagt ein Mann, der sich auch nicht scheut, mehr Humanismus zu fordern und den Menschen mit seinen Nöten wieder in den Mittelpunkt zu nehmen.

 

Und das lebt er auch noch vor. Ohne Berührungsängste führt er seinen Primaten und Klerikern vor, was es heisst, die ach so lieb gewonnen Komfortzonen zu verlassen und den Menschen wieder ihre Würde zurückzugeben, als Hirte den Stallgeruch der Schafe anzunehmen, den Armen Anwalt zu sein. Und ebenso prompt rumort es in der konservativen Catholica, deren Primat aus Philadelphia mahnend verkündet, dass der konservative Flügel innerhalb der Kirche derzeit nicht wirklich glücklich sei mit den ersten Monaten des Papstes.

 

Vor diesem Hintergrund erscheint die Schönwetterreise des Münchener Primaten auch eher fragwürdig. Dieser reist zurzeit durch sein Bistum und will so mit den Menschen ins Gespräch kommen, dieweil seine Gemeinde in Bayern drastisch schrumpft. Auf einem photogenen Berggipfel ist gut ohne Widerspruch dozieren. Aber hat der hohe Herr sich jemals in die Niederungen der Arbeitslosenseelsorge begeben, um sich dort Informationen aus erster Hand von armen Menschen in Not zu holen? Nein. Er ist gegen Mindestlohn im Allgemeinen und gegen Streikrecht in den Unternehmen der Catholica im Besonderen. Und von Demokratie will er qua Regeln seiner Kirche sowieso nichts wissen. Da wird er sich als Papstberater wohl etwas einfallen lassen müssen. Denn der ist eher sozial links eingestellt. Solidarität, Verantwortung und Hilfe für die Armen will er. Kein Protz und keine Show! Raus aus den schönen Sesseln, hinaus auf die Straßen und in die Elendsviertel. Keine Gottesfurcht predigen, sondern Respekt, Würde und Solidarität. Für den neuen Mann an der Spitze der Catholica gibt es keine Komfortzonen für seine Kleriker.

 

Der Papst lebt es vor. Er wohnt im Gegensatz zu einigen Primaten seiner Catholica in Deutschland nicht in einem Palais. Er isst in einer Kantine und lässt sich nicht von devoten Nonnen und Sekretären verwöhnen. Alles Zeichen, die es so bisher nicht gab, inklusive Abberufung von zwei Erzprimaten, die Geld verzockt hatten. Da müssen in so manchen Palais in Deutschland die Warnglocken schrillen.

 

Nun ist nicht zu erwarten, dass die Catholica sich zum Hort der Demokratie entwickelt. Aber es ermutigt zu sehen, dass der Papst sich auf den Glauben konzentriert und alles Weltliche dem Staat überlassen will. Erst mit klarer Distanz kann er sich auf seine Art einmischen, ohne Religion und Staat zu vermauscheln und voneinander abhängig zu machen. “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.” (Mk 12,17) scheint für den Papst klare Trennungs- aber auch Kampflinie zu sein.

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