Kommentar

München, 23.7.2013

Religion/Gesellschaft

Joseph von Nazareth angekommen

von Georg Korfmacher, München

 

Na endlich! Mehr als 2000 Jahre nach dem großen Ereignis denkt die katholische Kirch daran, dass der Gottessohn ja auch einen Vater hatte. Am Tag der Arbeit, dem 1. Mai 2013, unterzeichnete Papst Franz ein entsprechendes Dekret zugunsten seines Bruders Josef. Ab sofort wird er gleich nach seiner Frau in Hochgebeten ehrend erwähnt.

 

Die Begründung im Dekret ist zwar etwas verschnörkelt und auf Anhieb nicht jedem verständlich, aber das ist beim Gebet ja auch gar nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass er jetzt endlich und offiziell als „Musterbeispiel“, „Haupt der Familie des Herrn“, liebevoller Ehemann und freudiger Erzieher seines Sohnes gilt. Leider schweigt das Dekret zu den anderen Kindern der ganzen Familie, so wie sie bei Markus erwähnt werden (Mk Kap.3, 3,32), und obwohl der älteste Sohn Jakobus mit Pomp und Gloria in Santiago di Compostela in Spanien schon seit Jahrhunderten verehrt wird.

 

Nun könnte die späte Ehre des Familienvaters ja endlich dazu führen, dass seine Verehrung auch ganz offiziell in Kirchen stattfindet. Da gibt es z.B. in München eine Kirche namens „Hl. Familie“, in der zur grossen Überraschung des verehrungswilligen Besuchers von Josef weit und breit und auch bei genauem Hinsehen nichts zu sehen ist. Da scheint also Nachbesserungsbedarf. Alle möglichen Heilige hängen dort an den Wänden, nur den hl. Josef gibt es nicht. Draussen im Hof steht zwar eine etwas grobe Figurengruppe einer Familie mit einem Kind und einem finster dreinschauenden Mann. Der aber ist in Anbetracht der lobenden Erwähnungen im neuen Dekret kaum als Josef zu identifizieren.

 

Abgesichert durch das Dekret mit der Erhebung des Familienvaters Josef könnte die Catholica jetzt ein Zeichen setzen gegen die zahllosen und zunehmenden vaterlosen und alleinerziehenden Lebensformen. Papst Franz führt doch gerade vor, wie stark Bilder wirken. Ja, zur Erziehung eines Kindes gehört idealerweise ein Mann, ebenso wie notwendigerweise zu seiner Zeugung.

 

Aber bis Josef von Nazareth in seiner Hl. Familie in München angekommen ist, bedarf es wahrscheinlich noch vieler formaler Akte und auch Geld, das die gerade neu zusammengewürfelte Gemeinde nicht hat. Vielleicht hilft es, dass der Pfarrer auch Josef heisst, Joseph Pandiappallil. Nomen est Omen.

 

Kommentar

24.7.2013

Gesellschaft/Religiion

Papst zwischen Jubel und Wirklichkeit

von Georg Korfmacher, München

 

Papst Franz punktet und lässt zahlreiche Primaten aus den Reihen der Kurie und auch andere Kardinäle im Regen stehen. Während er ohne viel Federlesen zu den Ärmsten nach Lampedusa reist, predigt sein Münchner Berater hilflos darüber, was wohl neuerdings zu machen sei. Warum hat er nicht selber die nur fünf Gehminuten von seinem Palais kampierenden Asylanten besucht? Da tun sich Welten zwischen Tat und Getue auf in der Catholica, insbesondere in der deutschen.

 

Die soeben erschienen Enzyklika „zu vier Händen“ Lumen fidei ist für einen normalen Menschen schwer zu lesen, enthält sie doch höchst arabeske Darlegungen zu Glaubensfragen aller Art. Nur aus den wenigen Hinzufügungen des neuen Papstes kann man entnehmen, dass Glaube mehr mit Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu tun hat als mit Androhung von Strafen, wie z.B. die Androhung der Exkommunikation bei Nichtzahlung der Kirchensteuer. Und flugs spitzt da die Freiburger Rede von Benedikt mit der Forderung nach Entweltlichung hervor und wird von Franz unmissverständlich bekräftigt. Spätestens jetzt können die deutschen Primaten nicht mehr kalt abblocken und wegschauen: die Kirchensteuer muss weg! Sie hat nicht nur nichts mit der Glaubensverkündung zu tun, sondern verstösst eklatant gegen das von Papst Franz vehement gefordertes und vorgelebtes Gebot der Armut und verletzt obendrein das in unserem GG festgeschriebene Gebot der Neutralität des Staates gegenüber allen Religionen. Der Staat darf nicht der Büttel der Kirche sein, selbst wenn Hitler und Pacelli das seinerzeit so ausgekungelt haben. Heutzutage leben wir in einer Demokratie, der solche Sonderbehandlungen fremd sein sollten.

 

Schon der bayerische Papst hatte sich darüber beklagt, dass die Kirche in Deutschland zu reich sei. Sein argentinischer Nachfolger geht da radikal weiter: Geistliche müssen Armut vorleben! Da muss bei so manchem Kirchenfürst die Schamröte das Rot der Tracht verblassen lassen. In der ganzen Welt geht es ohne Kirchensteuer, und schon gar nicht vom Staat eingetrieben. Aber das ist ja so bequem, es lebt sich doch so gut in einer satten und reichen Kirche. Aber nicht nur der papa emeritus hat seine deutsche Catholica gezielt ermahnt. Kritik kommt mittlerweile auch aus Italien: eine „reiche, bürokratisierte, politisierte, aber glaubensarme Kirche“, so der Vatikanist Sandro Magister. Das ist die Wirklichkeit in Deutschland. Geld in Hülle und Fülle, sogar für einen 10-Mio-Palazzo seines Beraters in Rom. Das passt nicht zur Forderung des papa electus nach einer „armen Kirche und einer Kirche für die Armen“. Selbst in einem Ford Escort fahrend, verachtet er automobilen Prunk und Protz seiner Priester oder Nonnen. „So etwas geht nicht", so Papst Franz kürzlich in Rom.

 

Während Papst Franz für seine Lebensweise und Aussagen weltweit Anerkennung gar Jubel erntet, hat er den Kampf mit der Wirklichkeit gerade erst begonnen. Widerstand und Murren in seiner direkten Umgebung und Teilen der Kurie und der konservativen Katholiken, Karrierepriestertum vor allem in den reichen Ländern der Catholica, Vatikanbank, Seilschaften aller Art und noch viel mehr. Endlich keine Samthandschuhe mehr, keine roten Pantöffelchen, kein pelzverbrämtes Brimborium. Beim Ausmisten ist noch viel zu tun.

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Kommentar

München, 20.6.2013

Gesellschaft/Religion/Arbeitsrecht der Catholica

Entweltlichung und der „Dritte Weg“

von Georg Korfmacher, München

 

Auf dem Arbeitsmarkt hat sich die Catholica mit einem eigenen, „Dritten Weg“ die Bahn geebnet für Macht und Rechte vorbei an christlicher Nächstenliebe und gesellschaftlicher Verantwortung. Wie ist das vor unserem Grundgesetz möglich? Was treibt die deutsche Catholica, ihre Sozialvorstellungen menschenrechtswidrig durchzusetzen? Was ist aus dem barmherzigen Samariter geworden?

 

Ausgangspunkt für alle Überlegungen muss in unserer Demokratie das Grundgesetz (GG) sein, das vor allen Gesetzen und Einzelregelungen bei deren Auslegung absolut Vorrang hat. Und im GG steht die Würde des Menschen an erster Stelle.

Neben zahlreichen Einzelregelungen betreffend die Beziehungen von Staat und Kirche haben die Väter unseres GG in Art.140 GG i.V.m. WRV Art. 135 bis 141 einige bemerkenswerte Grundsätze festgeschrieben. So z.B. in Art. 137 WRV, dass es keine Staatskirche gibt. Das ist ein fundamentales Bekenntnis des Staates zur Neutralität gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen. Konsequent ist daher ebenda festgelegt, dass jede Religionsgesellschaft ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes ordnet und verwaltet. Also, Selbstverwaltung ja, Sonderrechte nein. Wie bei jedem Verein.

 

Nicht nur vor diesem Hintergrund verfängt sich der Star der deutschen katholischen Soziallehre, Kardinal Marx, im Gewirr der eigenen Fussangeln, wenn er mit Blick an das Ende der Welt gegen „Strukturen der Ausbeutung“ wettert. Dabei übersieht er nämlich geflissentlich, dass in den Werken seiner Kirche und in unserer Republik vom Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) bis hin zum Mitbestimmungsgesetz (MitbestG) kein für alle anderen Arbeitnehmer geltendes Recht anwendbar ist. Damit sind die Werke der Catholica gegenüber allen anderen Unternehmen nicht hinnehmbar und GG-widrig privilegiert. 

 

Das arabesk als „Dritter Weg“ bezeichnete Mitarbeitervertretungsrecht der Catholica ist demokratisch ein Holzweg und ähnelt eher einer Struktur der Ausbeutung, einem Irrweg, auf dem die eigenen Mitarbeiter bezüglich ihres Schutzes wesentlich schlechter gestellt werden als ihre Kollegen in der Privatwirtschaft.

 

Unabhängig von wohlwollenden oder durch religiösen Gehorsam geprägten allerhöchsten Gerichtsurteilen nimmt die deutsche Catholica schamlos im GG ausgeschlossene Sonderrechte in Anspruch. Wenn sie sich dabei selbst auf Glaubensgrundsätze beruft, darf sie sich gerade nicht auf noch so ausgetüftelte Meinungen von Kirchenrechtlern zurückziehen. Glauben ist nicht Recht. Und was rechtens ist, ist nicht immer gerecht oder richtig.

 

Da muss der neue Papstberater sich wohl zunächst vom neuen Papst Rat holen, wie der seine Forderung an seine Priester und Primaten versteht, dass diese sich „nicht lächerlich machen und der Kirche schaden, indem sie dem Geld und der Karriere folgen“. Oder die Forderung nach mehr Solidarität, wobei das gesamte System auf den Prüfstand gestellt und mit den fundamentalen Rechten aller Menschen in Einklang gebracht werden müsse.

 

Nähme Marx diese mahnenden Worte seines neuen Pontifex zu Herzen, müsste er umgehend den Sondermüll seines dritten Weges entsorgen und unter Beachtung der Würde des Menschen und seiner Rechte (Art. 1 GG) die für alle geltenden demokratischen, arbeitsrechtlichen Regelungen in den Werken der Catholica anwenden.

Ein für die deutsche Catholica unerwartet steifer Wind aus Rom weht da dem schwarzen Marx ins Gesicht. Der neu gebackene Papstberater und Aalkönig muss beim neuen Papst erst einmal in die Nachhilfestunde gehen und sich erklären lassen, was dieser unter dem Dienst als wahrer Macht versteht und warum er knallhart fordert, dass seine Primaten es genau so  machen wie der uneigennützig helfende barmherzige Samariter. 

 

Nach Überzeugung namhafter deutscher Katholiken (Cordes, Lütz) hätte der barmherzige Samariter beim Caritasverband heute kaum eine Chance, weil nicht getauft und mit dem falschen Glauben. Und doch steht er im Zentrum christlicher Lehre.


Aus ehemals ob ihrer Werke durchaus angesehenen christlichen Einrichtungen sind vielfach eine Arbeitgebermacht entstanden, die Gewalt an Menschen mit Glaubensgrundsätzen ausübt. Dabei haben diese mit beruflicher Qualifikation überhaupt nichts zu tun. Es ist GG-widrig, wenn ein Arbeitssuchender Fragen nach seinem Bekenntnis, seinen Neigungen und Einstellungen, seiner Parteizugehörigkeit u.ä. beantworten soll. Dadurch diskriminiert die Catholica Arbeit suchende Menschen, die verzweifelt eine gute Arbeit für ein Leben in Würde suchen. Was haben ein entzündeter Blinddarm oder eine ordentliche Buchführung mit katholischer Glaubenslehre zu tun? Was ein sauber gereinigtes Büro oder ein pädagogisch einwandfrei geführter Kindergarten? Die Willkür kirchlicher Arbeitgeber scheint schrankenlos und wird gnadenlos als Kontrolle in Glaubenssachen praktiziert. In unserer Demokratie heute!

 

Aber hier prangert der neue Pontifex an, dass Kirchenmänner oft Kontrolleure und nicht Wegbereiter des Glaubens seien, und dass es gälte, „den Menschen wieder ins Zentrum zu rücken“. Und auch eine neue, aufgeklärte Richtergeneration und Gewerbeaufsicht machen bei dem Regelungsgeflecht der Catholica nicht mehr mit: Kündigungen müssen zurückgenommen werden, das versagte Streikrecht wird aufgeweicht und mehr und mehr zwingen öffentliche Meinung und Protest  zur Aufgabe unhaltbarer Gängelungen durch kirchliche Arbeitgeber und Primaten. 

 

Die letzte entscheidende Rede des papa emeritus in Freiburg hat die deutsche Catholica mit seiner Forderung nach Entweltlichung in ein Dilemma gestürzt. Der  papa electus geht genau da konsequent weiter und fordert - vor allem -, die Würde des Menschen zu achten. Solidarität müsse wieder staatsbürgerliche Tugend werden, auch und gerade für die deutsche Catholica, wenn sie sich dann nach Art des armen Samariters Verantwortung übernehmen und sich nicht nur für fragwürdige und als Unrecht empfundene Dienste satt aus öffentlichen Mitteln bezahlen lassen will.

 

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Kommentar

15.3.2013

Religion/Gesellschaft

Papst: wer nicht für Gott ist, huldigt dem Teufel

von Georg Korfmacher

 

Ob wirklich alle 7,1 Mrd. Erdbewohner an der Neuwahl eines Papstes derCatholica interessiert sind, mag dahin gestellt sein. Viele von ihnen müssenaber gleich bei der ersten Predigt des neuen Papstes an seine „Brüder“ bei seiner ersten Messe aufschrecken, verteufelt er doch pauschal als Teufelspack, was nicht zum Gott der Catholica betet. Diese harte Linie passt so gar nicht zu den lobhudeligen Kommentaren, die offenbar unreflektiert durch die Medien rauschen.

 

Diesen neuen Mann als Stellvertreter Gottes auf der Erde der Catholica hatte keiner auf der Liste. Umso überschwänglicher die Freude über einen neuen Papst mit neuen Ideen für alte Probleme. Kenner der Szene wissen aber, dass neue Ideen aus Südamerika vom Vatikan stets heftigst unterdrückt worden sind, so z.B. die Befreiungsthelogie, auch vom neuen Papst, als er noch keiner war. Auch Frauen und Homosexuelle haben beim Tango liebenden Pontifex keinen guten Stand, ganz zu schweigen von den Bestrebungen der Ökumene.

 

Ein Blick über den Zaun nach Brasilien zeigt die erschreckend fundamentalistische Einstellung der catholica latina zu einer aufgeklärten Welt. Inbrünstig „im Versprechen unserer unerschütterlichen Treue zum Papst, richten wir, die unterzeichneten römisch-katholischen und apostolischen Christen, diesen Appell an Sie, den noch unbekannten Heiligen Vater und knien im Geiste vor Ihrer Gestalt ehrfürchtig nieder“. Das Instituto Plinio Correa de Oliveira (IPCO) richtete mit einem Aufruf „Bitten“ an den neuen Papst, darunter die „grundlegenden Glaubenswahrheiten“ der Existenz der Hölle zu bestätigen, die „Unauflöslichkeit der Ehe“ zu verteidigen, die „Unzulässigkeit einer ‚zweiten (Ehe)Verbindung‘“ zu bekräftigen, die schwere sittliche Perversion homosexueller Beziehungen und das abscheuliche Verbrechen der Abtreibung zu bekräftigen.

 

Der neue Papst solle sich „an erster Stelle“ dem „Laizismus-Tsunami“ widersetzen, „der sich in den westlichen Ländern ausbreitet“, wo Staaten katholische Einrichtungen „zwingen wollen, zu Helfershelfern bei zahllosen Übertretungen des göttlichen Gesetzes zu werden“. Er möge „sich nicht von der Heimtücke des atheistischen oder agnostischen Laizismus umgarnen“ lassen, sondern ihn öffentlich bekämpfen, „damit Abermillionen von Seelen, im Vertrauen auf den göttlichen Beistand, wieder auf den rechten Weg zurückgeführt werden können.“

 

Wenn auch nur ein Teil dieser Bitten erhört werden sollte, stehen uns stürmische Zeiten bevor und wahrscheinlich noch mehr Kirchenaustritte. Der neue Papst Franziskus werde »die Frauen- und Sexualfeindlichkeit fortsetzen«, so Uta Ranke-Heinemann in einem Interview mit junge Welt. »Den Frauen, die nicht bereit sind, ihren Verstand aufzugeben, bleibt nur noch die Flucht. Politisch repräsentiert Franziskus das Reaktionärste, was die katholische Kirche momentan zu bieten hat.«

 

Indem der neue Papst sich dazu bekennt „Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel“, stellt er sich barsch gegen 5,8 Mrd. Erdbewohner. Diese unwirklich brutale Kampfansage katholischer Nächstenliebe ist fürwahr ein makabres Markenzeichen des neuen Pontifikats. Gut, dass man sich rechtzeitig darauf einstellen kann.

 

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Kommentar

23.2.2013

Religion/Gesellschaft

Papst sollte sich nach Rücktritt stellen

von Georg Korfmacher, München

 

Spätestens sobald der derzeitige Papst vom seinem allmächtigen Amt als Stellvertreter des Gottes der Catholica auf Erden zurückgetreten sein wird und dann bar aller Ämter und mit beschränkten Würden ist, wird sein Pontifikat haarklein analysiert werden. Dazu wird die ungelöste Klärung des Missbrauchs Minderjähriger durch Priester gehören. Und hier auch der Widerspruch zwischen seinen Gesten während des Pontifikats und seinen Taten davor.

 

Dabei geht es nicht nur um die weltweiten Abscheulichkeiten der Taten an sich, sondern vor allem darum, dass und wie sich die Catholica über weltliches Recht hinweggesetzt hat, um eindeutige Straftaten zu vertuschen, und das auch weiter vorzuhaben scheint. Zwei Zeit- und Kronzeugen untadeligen Rufes melden sich dazu seit Jahren zu Wort, sein Konzilskollege Hans Küng und seine Kommilitonin Ute Ranke-Heinemann.

 

Küng (Quelle. PHOENIX): „Er (der Papst) war führend beteiligt an der Vertuschung der Missbrauchsfälle". Und er verweist auf die Geheimhaltungsvorschrift, die der Kardinal Josef Ratzinger als Vorsitzender der Glaubenskongregation 2001 für alle Bischöfe wegen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche weltweit verbindlich gemacht hatte. Damit setzte sich der deutsche Kardinal flagrant über alle einschlägigen Rechtsvorschriften zivilisierter Staaten hinweg, so auch über das Grundgesetz unserer Republik. Dort ist nämlich eindeutig geregelt, dass die Catholica zwar ein Selbstverwaltungsrecht haben soll, aber eben nur in den Schranken der für alle geltenden Gesetze. Insofern ist die Geheimhaltungsvorschrift des Kardinals Ratzinger eine sakrosankte Vorschrift, der sich der Papst Benedikt XVI. auch nicht durch noch so viele Gesten des Mitleids und der Entschuldigungen entziehen kann, und ein krasses Beispiel für die Notwendigkeit einer klaren Trennung der Aufgaben von Staat und Kirche. Der CIC darf in Strafsachen und zivilrechtlich keinen Bestand oder gar Vorrang gegenüber den Gesetzen unserer Republik haben. Aber genau das hat der Kardinal als Grossinquisitor der Catholica gewollt und getan. Und als Papst war er an seine Anweisungen als Kardinal gebunden. Sacra perversitas!

 

Ranke-Heinemann geht noch weiter: „Papst Benedikt hat das Evangelium zu einer Bordellbotschaft gemacht“. Dieses überaus schmerzhafte Urteil fiel im Zusammenhang mit der Feststellung eines afrikanischen Pfarrers, dass auch bei Ansteckung und Todesgefahr Kondome nicht erlaubt seien. „Ehefrauen, die sich bei ihrem Ehemann angesteckt haben, das sind die Märtyrerinnen unseres Jahrtausends." (Quelle: derstandard.at vom 20.2.2013).

 

Das hat nur scheinbar nichts mit den unzähligen Missbrauchsfällen zu tun, erhält aber einen makabren Beigeschmack, wenn man die Äusserung des als Papstnachfolger gehandelten afrikanischen Kardinals Peter Turkson ernst nimmt. Dieser stellte nämlich in einem CNN-Interview Homosexualität mit Kindesmissbrauch gleich.  Wiederum geht es nicht um Menschenrechte und Schutz Betroffener, sondern nur um die Oberhoheit der Catholica. Moralvorgaben und Androhung von Höllenpein statt Barmherzigkeit. Wenn ein demokratischer Staat bei solchem Treiben tatenlos zuschaut, verliert er seine Glaubwürdigkeit. Der Papst sollte sich nach seinem Rücktritt stellen, anstatt sich in einem vatikanischen Kloster zu verkriechen.

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Kommentar

13.2.2013

Religion/Gesellschaft

Papst schmeisst hin und stirbt zweimal

von Georg Korfmacher, München

 

Wohlbedacht teilte der Papst seinen um ihn versammelten Primaten mit, dass er nicht mehr kann und ab Monatsende nicht mehr will. Und die Verkündung just am Rosenmontag war sicher keine Narretei. Zum ersten Mal in seinem Leben handelt der Papst überraschend konsequent und bricht mit der von ihm so hochgehaltenen Tradition der Catholica. Das verdient Respekt.

 

Respekt gegenüber seiner Person sicherlich, aber Erstaunen darüber, dass er sein Amt in einer dramatischen Krisensituation der Catholica so einfach schmeisst. Die Gläubigen rennen in Scharen davon und opponieren gegen die Macht und Willkür der Primaten. Und ungelöst sind die Probleme vom Missbrauch unschuldiger Kinder, vom Umgang mit Frauen, mit Homosexuellen, mit dem Zölibat, mit dem kirchlichen Arbeitsrecht ausserhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze, mit der gewaltsamen Eintreibung der Kirchensteuer durch den Staat, mit dem Religionsunterricht in öffentlichen Schulen bei Ausgrenzung aller nicht christlich Gläubigen u.s.w.

 

Da könnte ein Rücktritt völlig ausser der Reihe und gegen die eherne Tradition auch  Flucht bedeuten. Oder will er nur als Ausnahme in die Kirchengeschichte eingehen? Will er nicht noch mehr Porzellan zerschlagen, wie z.B. mit seiner Islam-Rede in Regensburg, mit seiner Erlaubnis für Kondome nur für praktizierende Homosexuelle, mit seiner Buhlschaft um die Piusbrüder und seiner Unfähigkeit, die Skandale in seiner Vatikanbank auszutrocknen? Mit seiner neuen Karfreitagsbitte "Für die Bekehrung der Juden" hat er sich die „älteren Brüder“ auch wieder vergrault, und den Protestanten den Status einer Kirche abzusprechen, macht einen aufgeklärten Menschen nur sprachlos. Die kürzlich veröffentlichte Sinus-Studie bescheinigt krass, dass die Catholica mit ihren Botschaften nur noch wenige Gesellschaftsgruppen erreicht. "Die fromme Kulisse aus Wolken von Weihrauch und zahllosen Vorhängen edler Gewandungsstücke konnte die Abgründe an Unmenschlichkeit, Machtmissbrauch, Loyalitätserzwingung und Erpressung – gerade bei den zahlreichen homosexuellen Klerikern – nur ansatzweise verdecken", so der Theologe David Berger in seinem Nachruf. Und Ute Ranke-Heinemann, die zusammen mit dem Papst Theologie studierte und lateinische Texte übersetzte, hält sein Pontifikat schlicht für eine Katastrophe. Sie hält den Vatikan für „das Idealbiotop für keusche Homosexuelle“.

 

Und dann noch das eigenartige Verständnis der Catholica für das Papstamtes. Danach gibt ein Mensch sein persönliches Leben mit dem Antritt seines Amtes als Papst auf und wird als Stellvertreter Gottes dessen absoluter, unfehlbarer Alleinherrscher auf Erden. Ihm muss „alle menschliche Kreatur bei Verlust ihrer Seelen Seligkeit untertan sein“ (Unam Sanctam). Indem der Papst in diesem höchsten Amt abwinkt und abdankt, stirbt er als Papst. Als Mensch wird er eines Tages hoffentlich in Ruhe entschlafen. Dann ist er zweimal gestorben. Amen!

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Kommentar

28.1.2013

München

Religion/Gesellschaft

Papst und seine Primaten stehen im Regen

von Georg Korfmacher, München

 

Jetzt liegen die Karten auf dem Tisch. Man braucht nur noch auszuzählen. „Katholiken aller Milieus gehen auf Distanz zum Papst“, titelt DIE WELT am 24.01.2013. Aus einem geballten Wolkengebilde prasseln die Fakten hernieder und lassen den Papst und seine Primaten im Regen stehen. Umso erstaunlicher, dass die von der MDG Medien-Dienstleistung GmbH, München, herausgegebene und von der SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH, Heidelberg, erarbeitete Studie aus Mitteln des Treuhandfonds Medien des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) gefördert worden ist.

 

Die zehn sog. Sinus-Milieus – vielleicht einfacher Gesellschaftsgruppen - der Studie „bilden eine soziologische Brille“, durch die alle Mitglieder der Catholica genau analysiert werden können. „Mit vielen ihrer Angebote erreicht die Kirche aber nur wenige Milieus“, so die Studie gleich vorab. Peinlich genau und schonungslos werden die Milieus bezüglich ihrer religiösen und kirchlichen Orientierungen beschrieben und ausgewertet. Befragt wurden nur Mitglieder der katholischen Kirche (keine Ausgetretenen) in ihrem privaten Umfeld.

 

Von den gerade noch 30 Prozent Katholiken in der deutschen Gesellschaft (d.s. ca. 24,6 Mio.) befinden sich 25 Prozent (d.s. 6,15 Mio.) im "konservativ-etablierten" und "traditionellen" Milieu. Im entgegengesetzten Milieu der Prekären, Hedonisten und Expeditiven tummeln sich aber jeweils 9, 15 und 6 Prozent Katholiken (d.s. 2,21, 3,69 und 1,48, also 7,38 Mio.). Die viel gerühmte bürgerliche Mitte umfasst mit 14 Prozent (d.s. 3,44 Mio.) gar weniger als die Spassgläubigen (Hedonisten). Die Gruppe der Liberal-Intellektuellen (7%), Performer (7%), Sozialökologischen (7%), Expeditiven (6%) und Adaptiv-Pragmatischen (9%) stellen mit 36 Prozent (d.s. 8,86 Mio.) den grössten Block gegen den Papst und seine Primaten.

 

Daraus kann man schliessen, dass von allen Katholiken nur etwa 9,59 Mio. noch relativ fest zu ihrem Glauben stehen, d.s. 11,7% der Gesamtbevölkerung, während der Rest, nämlich ca. 15 Mio., nur ein vages bis ablehnendes Verhältnis zu ihrer Kirche und ihren Vorgesetzten haben.

 

Alle Milieus treibt ein grosses Unbehagen mit bzw. Ablehnung der Kirchenleitung mit deren Sexuallehre, dem Umgang mit Frauen und Homosexuellen sowie Ihrer Einstellung gegenüber Geschiedenen um. In allen Gruppen ist deutlich eine Lockerung der Glaubensüberzeugungen manifest.

 

Was den Papst und seine Primaten in Deutschland erschüttern muss, ist günstig für unsere Demokratie mit ihrer Gesinnungsvielfalt. Die seit 1933 zugebilligten Privilegien der Catholica, wie z.B. staatlich eingezogene Kirchensteuer und Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, passen nicht mehr in unsere Zeit, wenn sich nur 12 % der Bevölkerung noch zu ihrem katholischen Glauben bekennen. Selbst wenn man eine ähnliche Minderheit von Protestanten hinzurechnet, wollen mehr als 75% unserer Bevölkerung keinerlei Gängelung durch die beiden „Amtskirchen“. Nur ein laizistisch verfasster Statt mit klarer institutionaler Trennung von Staat und Kirche kann unserer Gesellschaft gerecht werden und eine Demokratie ohne Diskriminierung und Bevorteilung gewähren. Das ist das eindringliche Ergebnis der Studie.

 

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18.1.2013

München

Religion/Gesellschaft/medizinischer Notfall

Catholica versagt Hilfe im Notfall

von Georg Korfmacher, München

 

Die Catholica setzt sich dreister denn je über unser Grundgesetz (GG) und die elementarsten Regeln unserer Gesellschaft hinweg. Nach Anfrage einer behandelnden Ärztin verweigern zwei Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft in Köln eine gynäkologische Untersuchung zur Beweissicherung. In welcher Republik leben wir? Ärztliche Dienste werden vom Staat bezahlt, und das Krankenhaus verweigert eine elementare medizinische Leistung!

 

Die beiden Krankenhäuser in Köln mit dem vielversprechenden Namen Vinzenz-Hospital und Heilig-Geist versagten einer Patientin mit Verdacht auf Vergewaltigung eine gynäkologische Untersuchung zur Beweissicherung, die von der Notfallärztin empfohlen und angefragt worden war. Flugs ist ein dienstbeflissener Advokat mit dem Hinweis zur Stelle, dass kirchliche Einrichtungen Tendenzbetriebe mit erheblichen Sonderrechten seien.

 

Stimmt. Und doch auch nicht. In unserem GG ist eindeutig geregelt, dass die Kirchen ihre Angelegenheiten zwar selbstverantwortlich regeln, aber eben nur „in den Schranken des für alle geltenden Gesetzes“. Ebenso schreibt unser GG vor, dass alle Grundrechte als unmittelbar geltendes Recht bindend sind. Und niemand darf wegen seiner religiösen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Unser Deutsches Volk bekennt sich zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit.

 

Nicht so die Catholica. Nach Diktum ihres ortsansässigen Oberaufsehers muss eine ärztliche Leistung dann verweigert werden, wenn sie den religiösen Vorgaben der Catholica nicht entspricht. In Köln ging es aber nur um eine elementar triviale gynäkologische Untersuchung zur Beweissicherung nach einer vermuteten Vergewaltigung und nach Einweisung durch eine Fachärztin. Was hat das mit Religion zu tun?

 

Und doch. Hat es! Denn mit ihrem Diktum setzt sich die Catholica sogar über ihre eigene Bibel mit ihren wundersamen Behandlungen und Heilungen aller Art an Fremden und auch sonst verwerflichen Personen hinweg. Diese freihändigen Wohltaten ihres Religionsstifters predigt die Catholica zwar tagein tagaus, will aber selbst von unseren Steuergeldern bezahlte und ganz normale medizinische Leistungen nicht erbringen. Wie lange will sich unsere Demokratie solchen Rechtsmissbrauch noch gefallen lassen?

 

voreiligem Gehorsam gegenüber der Catholica verstehen, dass vor unserem Gesetz alle Menschen gleich sind.

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15.1.2013

München

Kirche/Gesellschaft/Geldwäsche

Papst, Pinke, Peinlichkeiten

von Georg Korfmacher

 

Kaum hat der Papst das Neue Jahr mit Pomp, Friedensappellen und Feierlichkeiten zur Wahrung des „heiligen Scheins“ begonnen, wird er holterdiepolter vom Italienischen Staat vorgeführt. Die italienische Staatsbank hat jeglichen Scheck- und Kreditkartenverkehr mit dem Vatikan gesperrt.

 

Die Staatsbank hat die Nase voll. Das "Institut für die religiösen Werke" (Istituto per le Opere di Religione - IOR), die Bank des Vatikans, erfüllt gerade mal 56 % der Anforderungen an die Transparenz europäischer Banken. Lang ist die Liste der Vorwürfe gegenüber dem IOR, das mitnichten religiöse Werke förderte, sondern wild spekulierte, Waffen-, Maffia- wie Drogengelder wusch, anonyme Nummernkonten führt, über die anonym Geld verschoben und gewaschen wird, zuletzt 23 Mio. €, die allerdings von der Staatsbank beschlagnahmt wurden. Ein Banker mit dubiosen Geschäftsbeziehungen zum IOR hat sich ungeklärt an einem Strick unter einer Themse-Brücke verfangen, seine Sekretärin ist ungeklärt aus einem Fenster gefallen, der letzte Direktor des IOR steht nach seinem Tagebuchvermerk "Ich habe im Vatikan Dinge gesehen, die mir Angst machen" unter Polizeischutz. Die italienische Filiale der Deutschen Bank hat ihre Lizenz für die Betreibung von Geldautomaten im Vatikan verloren, sie darf keine Geldgeschäfte mehr mit dem Vatikan betreiben. Mehr geht auf keine Kuhhaut. Bei der Catholica aber ist nichts unmöglich. Gleich neben dem Stuhl Petri ein kleines, herrliches Steuerparadies mitten in Rom. Pecunia non olet!

 

Der Papst wollte an sich Transparenz und hatte extra einen qualifizierten Banker gerufen. Aber er kann nicht, was er möchte, und er will nicht, was er könnte. Sein Adlatus Bertone war stärker, der Banker wurde geschasst. Und jetzt steht der Papst mit seiner Pinke und allen damit verbundenen Peinlichkeiten allein. Ein Wort von ihm würde genügen, ist er doch der unumschränkte Herrscher seiner Kirche. Aber Angst um die sich dann auftuenden Abgründe lähmt ihn.

 

Bei dieser allzu evidenten Weltlichkeit des Vatikans und seiner Catholica ist sein Ruf  nach Entweltlichung mehr als verständlich. Peinlich, jetzt müssen alle Besucher des Vatikans und seiner Einrichtungen bar zahlen, selbst der Papst hat keinen Kredit mehr. Vielleicht fällt ihm jetzt wie Schuppen von den Augen, was sein Religionsstifter wirklich mit seinem radikalen Vorgehen gegen Geldgeschäfte im und um den Tempel herum wollte. Aber jetzt sind seine drei Bücher geschrieben, und dieses Kapitel hat er wohl übersehen oder falsch verstanden.

 

Jetzt stehen etliche Würdenträger und andere Schieber in Rom im Regen – und nicht nur dort - , funktioniert ihr IOR vorerst doch nicht mehr für klandestine Geldschiebereien aller Art, nicht nur zum Frommen der Kirche. Dabei sollte der Papst aus Schaden eigentlich klug geworden sein, ist das IOR doch schon seit seiner Gründung 1942 immer wieder in Skandale verwickelt. Aber das hat der Kirche bisher nicht geschadet, und solange er vom IOR jährlich Millionensummen zur persönlichen Verfügung erhält - 2010 55 Mio. € -, wird er die Sache wohl auszusitzen versuchen. Wer hat so leicht schon soviel Pinke? Und was bedeutet schon „schwarze Liste“ für seine Bank, ist schwarz doch die vertraute Farbe der Soutane seiner Primaten.

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13.1.2013

Kirche/Gesellschaft/Missbrauch

Ackermann gegen Marx: 0 zu 1

von Georg Korfmacher

 

Mit Stolz hatte der Beauftragte der DBK, Bischof Ackermann aus Trier, den anerkannten Kriminologen Christian Pfeiffer mit der Klärung von Missbrauchsfällen beauftragt. Doch jetzt wirft der Kriminalexperte das Handtuch, weil die Catholica ihm ins Handwerk pfuschen will. Sie will die Untersuchungsgremien nach ihrem Gusto besetzen und mitbestimmen, was veröffentlicht werden darf und was nicht.  Der Druck kam vom Oberaufseher Marx, Ackermann ging in  die Knie und alles wieder ganz langsam von vorne….. oder auch nicht.

 

In der deutschen Catholica schwelt ein Machtkampf zwischen den Bischöfen. Die einen wollen forsch aufklären, die anderen wollen eben das nicht. Allen voran der Oberaufseher Marx in München, der schon einmal vorgemacht hat wie er, der Sozialethiker, sich Aufklärung vorstellt. Vieles von einer zur Verschwiegenheit verpflichteten Anwältin untersuchen lassen, alles für den internen Gebrauch in ein Buch binden und dann im Tresor verschwinden lassen. Was in diesem roten Buch drin steht, darf nicht an die Öffentlichkeit, obwohl es rechtlich brisant relevant ist.

 

Genau das will der grosse Kardinal mit dem kleinen pileolus jetzt mit Professor Pfeiffer machen, was der sich als freier Gutachter nicht gefallen lassen will. Er spricht von Zensurversuch. Aber nein, von Zensur könne eigentlich nicht die Rede sein, kommt gleich die Replik des Kardinals. Eigentlich? Na, was denn sonst?

 

Demokraten dreht es bei dieser Rabulistik den Magen um. Noch kürzlich bei einem Symposium in Rom hatte der grosse Kardinal vor seinen Amtsbrüdern lautstark gefordert, dass die Krise der Catholica nach den Missbrauchsskandalen nur durch eine richtige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle überwunden werden könne, "Abschottung, Verharmlosung und Relativierung führen nicht zum Ziel, neue Glaubwürdigkeit zu gewinnen." Da hat der hohe Herr heute ein überraschend kurzes Gedächtnis, denn es ist er selbst, der seinen Co-Primaten Ackermann zurückpfeift und somit Pfeiffer zur Aufgabe zwingt, verbunden mit einer Unterlassungserklärung, dass Pfeiffer von Zensur nicht reden dürfe. Widerlich die Erklärung des Kardinals, dass er habe abwägen müssen, zwischen dem Wohl der Opfer und dem Interesse der Öffentlichkeit gegenüber dem Wohl seiner ihm unterstehenden Mitbrüder.

 

Diese Leier kennen wir schon. Die Catholica hat sich immer vor ihre Hirten gestellt und die geschundenen Schäflein totgeschwiegen. Offenbar betroffene Mitbrüder hatten sich bei der DBK beschwert, dass es „juristisch wie menschlich höchst bedenklich“ sei, wenn ihre Akten zur Untersuchung weitergegeben würden. Das mag aus Datenschutzgründen zwar problematisch sein, aber es geht hier um den Schutz der Opfer und nicht der Täter, Herr Marx.

 

Nach diesem 1:0 für Marx gegen Ackermann mit dem Stopp der Studie zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche steht die Catholica wieder ganz am Anfang, und von den hehren Worten in Rom bleibt wieder nur Schall und Rauch. Ja, der grosse Kardinal desavouiert sich gar selbst: vom grosskopferten Aufklärer zum kleinkarierten Verhinderer. Nicht gerade einträglich für seine Glaubwürdigkeit.

 

Aber aufgepasst! Pfeiffer kündigte nämlich an, jetzt eine eigene Untersuchung zum Missbrauch in der Catholica zu erstellen. Das verspricht, spannend zu werden.

 

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Kommentar

18.12.2012

Religion/Gesellschaft

Marx und das Strafrecht

Georg Korfmacher, München



Kardinal Marx betonte bei einer Veranstaltung der Technischen Universität München die ethische Verantwortung des Einzelnen. Da diese Feststellung so trivial ist wie das Amen in der Kirche, musste er vor dem anspruchsvollen Publikum wohl oder übel nachlegen. Und das hörte sich dann so an.

„Es ist ein großer Irrtum zu glauben, wir könnten darauf verzichten, dass Menschen in sich eine sittliche Verantwortung haben“, dozierte der Erzbischof von München und Freising. Für ihn reiche eine Rahmenordnung wie das Strafrecht nicht aus.

Also da scheint der Grossmeister des Marxismus der Catholica etwas durcheinander zu bringen. Ein eherner Grundsatz aller Juristen besagt, dass ein Blick ins Gesetzbuch die Rechtsfindung erleichtert. Und die Rahmenordnung in unserer Demokratie ist das Grundgesetz, an das sich alle in unserem Staat zu halten haben. Tun sie das nicht, bestimmen andere Gesetze, wann und wie das zu sanktionieren ist. Und damit muss der Kardinal in eine fatale Gewissensnot geraten, hat er doch seinem Papst absoluten Gehorsam geschworen. Die Ergebnisse eines solchen Schwurs wurden nicht nur in unserer Demokratie eindrucksvoll vorgeführt. Jahrelang hat die Catholica sexuellen Missbrauch an Minderjährigen an der Justiz vorbei auf ihre Weise behandelt und solange zu vertuschen versucht, bis die Schandtaten nach den Regel des Rechts „verjährt“ wären. Von Ethik keine Spur!

„Die richtige Verantwortlichkeit wahrzunehmen, dazu gehört mehr, als ins Gesetzbuch zu schauen.“ Glaubt der hohe Herr wirklich, was er da im Brustton seiner Überzeugung von sich gibt? Wie soll sich unser Gemeinwesen denn geordnet organisieren, wenn sich nicht einmal die Catholica an das vom Kardinal so bezeichnete „Minimalprogramm“ hält?

Der „schwarze“ Marx muss sich gefallen lassen, dass er nicht nur an seinen Worten, sondern auch und vor allem an seinen Werken gemessen wird. Es lässt sich leicht plaudern, wenn die Werke christlicher Caritas und das eigene Auskommen (ca.12T€/Monat) grosszügig voll aus öffentlichen Steuermitteln finanziert werden. Und was mit den prekären Arbeitsverhältnissen und der Missachtung unseres Grundgesetzes mit dem Diskriminierungsverbot wegen Rasse und Bekenntnis in den Betrieben der Catholica? Was schon Grundschüler im Ethikunterricht lernen, scheint der grosse Kardinal mit dem kleinen roten Käppchen zu ignorieren. Der dritte Weg ist wohl ein Weg in den Irrtum ausserhalb unserer Rechtsordnung.

In Sachen Ethik ist man mit Kant offensichtlich besser bedient als mit den marx’schen Worthülsen. Aber Kant hat der Kardinal in Schule oder Studium wohl verpasst oder in seiner Rolle der Macht schlicht und einfach verdrängt. Kategorisch ist er nur in Sachen Demokratie. Und die hat er qua CIC und Schwur auf den Stellvertreter Gottes aus seinem Bewusstsein verbannt. Insofern stellt sich der Kardinal selbst ins Abseits. Aber was dann?

Als Demokrat und ethisch handelnder Mensch fällt er offenbar aus. Da kann er sich wohl nur noch demütig auf seine Rolle als „Eunuch für das Himmelreich“ (Mt 19,12) konzentrieren. Aber, oh Graus, da wird er möglicherweise in seinem prunkvollen Haus abgelenkt, das seinerzeit für einen Bastard von Bayern und dessen Maitresse gebaut worden ist.

 

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Kommentar

1.12.2012

Katholische Soziallehre/Gesellschaft

„Marxismus“ der Catholica: Plattform der Plattitüden

von Georg Korfmacher, München



Nun hat der Münchner Kardinal mit dem anspruchsvollen Namen noch einen Übungsplatz für die Feuerwerke seiner Worthülsen: er ist jetzt auch Präsident der EU-Bischofskommission ComECE. Wie oft schon, schwingt der deutsche Kardinal auch hier die Keule der sog. katholischen Soziallehre zur Heilung der aktuellen Wirtschaftskrise in Europa. Diese ist nämlich nach Meinung des grossen Kardinals mit dem kleinen roten Käppchen nicht nur wirtschaftlicher und sozialer, sondern auch moralischer Natur.

 

Die Europäer müssen ihren Lebensstil überdenken, so der Kardinal vor der ComECE, in der sich Vertreter der Bischofskonferenzen aller 27 EU-Mitgliedstaaten als Lobby zusammengetan haben. Denn für den Grossmeister des „schwarzen Marxismus“ muss die Krise in der EU "auch als christliches Projekt“ gesehen werden.

 

Und was hilft da besser als die katholische Soziallehre. Diese basiert in ihrer heutigen Ausprägung im Wesentlichen auf einer Epistel (rerum novarum) von 1891, die der seinerzeitige und unfehlbare Papst an seine erwürdigen Brüder, Primaten etc. verschickt hatte, also deutlich nach den auch heute noch besser bekannten Thesen des „roten“ Marx. In dieser für seine Primaten geschriebenen Belehrung hat der mächtigste Mann nach Jesus auf Erden ausser salbungsvollen Bibelsprüchen nicht viel zu bieten. Dabei werden die sarkastischen Sprüche eines Paulus ex Tarsus und des grossen Augustin tunlichst nicht zitiert. Nach diesen beiden Protagonisten des katholischen Sozialverständnisses sollen nämlich nur die essen, die auch arbeitet, und Sklaventum wird ausdrücklich als von Gott gewollt befürwortet.

 

Aber weder zur wirtschaftlichen, noch zur sozialen und schon gar nicht zur moralischen Natur der Krise ein Wort. Nur die worthülsige Behauptung, dass viele christlich geprägten Vorstellungen auch für Nicht-Christen akzeptabel seien. So kann wohl nur fabulieren, wer allen Ernstes postuliert, die Wurzeln der Aufklärung seien christlich, oder wer für ein gelingendes Europa das Zweite Vatikanische Konzil als Vorbild empfiehlt, eben der Grossmeister des „Marxismus“ der Catholica.

 

Auch ein Blick in die päpstliche Epistel von 1891 hilft dem „schwarzen“ Marx nicht weiter. Dort wird nämlich der sozialistische Lösungsversuch als ungerecht, weil gegen das Naturrecht des Privateigentums gerichtet, pauschal verurteilt und der arbeitende Mensch auf das Jenseits vertröstet, wenn es hienieden nicht klappen sollte.

 

Dabei wird der vorsitzende Primat Marx den ihn umgebenden Primaten erklären müssen, was z.B. an seinem „Dritte Weg“ im Arbeitsrecht sozial sein soll, oder was die deutsche Catholica mit all ihrem Reichtum für die Armen tut, während ihre Caritas fast vollständig aus öffentlichen Steuermitteln finanziert wird, für die sie nicht einmal Rechenschaft ablegen muss. Und dabei steht er allein auf einer Insel der Glückseligen inmitten einer Vielfalt von laizistischen oder weitgehend so geprägten Staaten.

 

Mit Weihrauch und ebensolchem Wasser werden soziale und wirtschaftliche Problemen nirgendwo gelöst. So wird ein womöglich honoriges Gremium eher zu einer Plattform der Plattitüden herabgestuft. Übrigens, die Bezeichnung „Primaten“ (Herrentiere) für seine Brüder im Herrn stammt vom Begründer der katholischen Soziallehre selbst. Doch kein Affentheater. Nur Zeitgeist.  

 

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Kommentar

20.11.2012

 

Religion/Gesellschaft 

Der Papst und die deutsche Kirchensteuer

von Georg Korfmacher, München

 

Die Kirchensteuer ist ein leidiges Thema und für viele Betroffene ein Grund, bei der zuständigen staatlichen Behörde ihren Kirchenaustritt zu erklären. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass man damit automatisch exkommuniziert ist. Dem Thema konnte sich auch die Katholische Akademie in Bayern nicht entziehen, als sie am 13. Nov. zu einem lobenswerten Gespräch zwischen R. Spaemann und E.-W. Böckenförde eingeladen hatte.

 

Die Kirchensteuer in ihrer heutigen Form und Prozedur ist eine insbesondere von der deutschen Catholica aus dem Hitler-Konkordat von 1933 in unsere Zeit gerettete Knute zur Züchtigung ihrer Schäflein. Zahlt man sie nicht, wird man ohne jegliches Verfahren mit der höchsten Kirchenstrafe belegt, also exkommuniziert. Da machen auch alle Gerichte mit, die mit der Zwangskoppelung von Erklärung vor dem Staat und Exkommunikation durch die Catholica befasst wurden. Sie waschen ihre Hände in Unschuld, fühlen sich nur für den formalen Akt zuständig und nicht für die verhängte Strafe.

 

Zunächst ist es in unserer Demokratie ein Unding, dass sich der Staat überhaupt zum Handlanger einer Kirche macht. Damit verstösst er eklatant gegen das Gebot der Neutralität. Und dann muss man schon fragen, ob es der Liebe und Barmherzigkeit predigenden Catholica ansteht, Menschen wegen schnöden Mammons der ewigen Verdammnis preiszugeben und gleichzeitig z.B. sexuelle Missbräuche und Verbrechen in den eigenen Reihen unter der Decke zu halten, ja gar zu versuchen, sie der staatlichen Justiz zu entziehen. Und was mit ihrem Mammon en masse?

 

Genötigt durch die anhaltende Diskussion um die Kirchensteuer, hat nun die deutsche Catholica eine Erklärung über die Folgen eines Kirchenaustritts veröffentlicht. Darin kommt das Wort Exkommunikation erstaunlicherweise nicht vor, es werden aber – Gipfel der Scheinheiligkeit – alle Strafen aufgeführt, die eben die Exkommunikation bedeuten. Das fand auch R. Spaemann unwürdig, und E.-W. Böckenförde verwies auf ein Verlautbarung des heutigen Papstes, wonach es keine Zwangskoppelung zwischen Kirchenaustritt und Exkommunikation gibt.

 

Wann endlich macht unser Staat diesem Spuk des Inkassos für die Kirchen mit den grauenhaften Folgen für gläubige Menschen ein Ende. Im laizistischen Frankreich z.B. kann man fröhlicher Katholik sein und gleichwohl keine Kirchensteuer zahlen. Wann sehen die beiden deutschen (Noch)Grosskirchen endlich ein, dass sie ihre Angelegenheiten selbst regeln müssen (Art. 140 GG i.V.m. WRV). Auch hier ist R. Spaemann Zeuge für ein Gespräch, das er früher mit dem heutigen Papst hatte. Dabei hatte der Noch-Nicht-Papst seinem Freund anvertraut, dass das Problem der Kirche ihr Reichtum sei, sie habe zuviel Geld.

 

Beide Problem könnte der mächtigste Mann der Catholica heute leicht lösen, hätte er nicht erbitterten Widerstand in den eigenen Reihen. Marx und Co. wollen das deutsche System im Ausland gar als Muster für rechte Kumpanei zwischen Staat und Kirche verkaufen. Aber darum darf es überhaupt nicht gehen! Der Staat muss die Würde seiner Bürger achten und schützen, und die Kirchen sollten sich barmherzig um ihre Gläubigen kümmern. Jeder für sich und das Grundgesetz für uns alle.

 

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Kommentar

22.10.2012



Religion/Gesellschaft

Honi soit qui mal y pense auf Bayrisch

von Georg Korfmacher, München

 

Auf einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie München bekannte ein vom Staat stattlich gelöhnter hoher katholischer Würdenträger auf eine kritische Anfrage, dass er an sich lieber von seiner Kirche bezahlt würde. Dieser Wunsch soll jetzt in Bayern Wirklichkeit werden, wenn ein von der bayer. Staatsregierung vorgelegter Gesetzentwurf (16/13835) zur Änderung des Gesetzes über die Bezüge der Erzbischöfe, Bischöfe und Mitglieder der Domkapitel sowie über die Zuschüsse zum Personalaufwand des Landeskirchenrats durchgeht. Im Brustton der Überzeugung argumentiert die Staatsregierung: „Dem Gedanken der organisatorisch-institutionellen Trennung von Kirche und Staat würde es besser entsprechen, wenn die Kirche die Geistlichen selbst besoldet…“. Prompt jubeln alle Laizisten und flüchtigen Leser, dass nun endlich Bewegung in die unseligen Verflechtungen von Staat und Kirche kommt.

 

Leider kommt im Nachsatz die eiskalte Dusche: „und der Staat hierfür Erstattungszahlungen leistet. Diese wären nach bayerischem Besoldungsrecht zu bemessen.“ Da reibt man sich verdutzt die Augen und fragt sich, was diese Umstöpseleien der kommunizierenden Röhren sollen und warum in einer Zeit der selbst vom Papst angemahnten Entweltlichung der Kirche eine Umstellung auf bayerisches Besoldungsrecht angezeigt sein soll.

 

Natürlich haben schwarze Politiker und Verwaltungsjuristen viele Gründe, warum diese aberwitzige Umstellung richtig und gut sein soll. Allen voran gibt es da offenbar wirtschaftliche Gründe. Bei einer Pauschalzahlung an die Kirche sollen von dieser ein „erheblicher Teil der Versorgungslasten“ übernommen werden. Spekuliert wird über Einsparungen in der Grössenordnung von knapp 2 Mio. € im Staatshaushalt. Hoffentlich ist da die Rechnung nicht ohne die privilegierten geistlichen Herren gemacht worden. Aber wahrscheinlich ist vielmehr, dass das alles im Vorhinein bereits  ausgekungelt worden ist.

 

Grundlage der ganzen Veranstaltung ist und bleibt das 1925 übereilt abgeschlossene (bayer.) Konkordat mit dem Vatikan. Also, im Grunde nichts Neues. Alte Zöpfe werden neu geflochten. Demnach wird z.B. Kardinal Marx nach Besoldungsgruppe B 10 wie ein Direktor beim Deutschen Bundestag, ein Direktor des Bundesrates, ein General oder Admiral gelöhnt, um nur einige Beispiele zu nennen. Plus Zulagen bedeutet das ein Monatsgehalt von etwa 12.000 € für eine Leistung, die sich jeder Kontrolle entzieht und auf Kosten aller Staatsbürger unabhängig von ihrer Religion oder Weltanschauung. Ein Rüpel, wer Böses dabei denkt, gerade in Bayern!

 

Dabei sind wir einfältigen Demokraten so naiv, zu glauben, dass auch die bayer. Staatsregierung an unser Grundgesetz gebunden ist. In dem ist in Art. 140 unter Beibehaltung der Weimarer Reichsverfassung von 1919 die Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen festgeschrieben. Nicht nur in Bayern scheinen Konkordate Vorrang vor dem Grundgesetz zu haben, selbst wenn sie auch nur in Teilen verfassungswidrig sind. Im Kontext der derzeitigen Diskussion um eine saubere Trennung von Staat und Kirche kann man nur grübeln: Honi soit qui mal y pense auf Bayrisch.

 

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Kommentar

München, 20.10.2012

Religion/Gesellschaft

Der Papst und sein Dilemma

von Georg Korfmacher, München

 

In der aktuellen Diskussion um Erinnerungen und Enttäuschungen an das und nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-65) gerät die Catholica in Erklärungsnot. Jeder will aus den Texten lesen, was er will. Und jeder findet sich darin wieder und hat recht. Allen voran der Papst mit seiner pauschalen Aufforderung an alle „vom Christentum entfremdeten Menschen“,  "nur mit notwendigem Gepäck" den Weg des Lebens zu bewältigen, selbst aber Prunk und Protz wie kaum ein anderer vor ihm zu pflegen. Er postuliert, „die Neuheit in der Kontinuität zu erfassen", während sein Freund und Widersacher Hans Küng die Zeichen der Zeit verstehen … und mittelalterliches Kirchenrecht, mittelalterliche Theologie und mittelalterliche Liturgie im Mittelalter belassen möchte.

 

Was geht das, mag man sich fragen, einen Laizisten an? Nun, wenn das Haupt der Catholica der Welt „geistige Verwüstung“ nachsagt und Glaubensfeindlichkeit unterstellt, muss man sich als aufgeklärter Mensch dazu äussern. Zeitzeuge Bischof Luigi Bettazzi erinnert sich noch lebhaft, dass Papst Johannes XXIII. die Sprachlosigkeit der Kirche gegenüber der modernen Welt überwinden wollte. Und einen der Gründe für diese immerwährende Sprachlosigkeit formuliert dieser Konzilsvater sehr spitz: „Die Kirche ist keine Demokratie, sondern Gemeinschaft. Und… „in dieser „Communio“ gebührt der Hierarchie das letzte Wort.“ Und das hat der Papst. Wie ein Pfropf auf der Flasche hütet er Inhalt und Wahrheit und will uns als Theokrat vorschreiben, wo es in unserer Welt lang gehen soll. Und das seit 391, als die Catholica sich als Staatsreligion verweltlichte. Seitdem wogt und tobt Kampf und Streit zwischen Staat und Kirche um Meinungshoheit und Macht. In unserer Republik auf verschiedenen Gebieten bis heute.

 

Erst unsere aus der Aufklärung und der französischen Revolution mit grossen Wehen geborene Demokratie war stark genug, sich der Meinungshoheit der Catholica zu widersetzen und unsere westliche Welt nachhaltig zu verändern. Nach fast genau 1400 Jahren krachte es heftig. Napoleon legte mit der Säkularisation die Richtung fest. Die Dritte Republik machte dann ab 1871 mit der Laizität Nägel mit Köpfen, während die Catholica nördlich der Alpen an alten Zöpfen weiter flocht und Glaubensfreiheit und Demokratie als Wahnsinn und Häresie verschrie, die Laizität als Pest der Zeit.

 

Und dann dieses 2. Vatikanische Konzil mit ganz neuen Tönen zur Glaubensfreiheit, Ökumene und Aufbruch. Endlich die „Verheutigung“ der Kirche, das „aggiornamento“. Aber der Papst von heute misstraut dem Geist des Konzils von damals. Zur Verblüffung seiner Parteigänger redet er jetzt unter Berufung auf die Säkularisation von „Entweltlichung“, lässt aber weitgehend offen, was genau er darunter versteht. Ein typischer Habitus der Catholica: vieles so sagen, dass man hinterher alles Mögliche darunter verstehen kann. Und damit befindet sich der Hüter der absoluten Wahrheit in einem peinlichen Dilemma und im Widerspruch zur eigenen Bibel: „Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein. Alles andere ist von Übel“ (Mt 5,37). Demokratie braucht jedoch zuverlässige Gesprächpartner für ihre stetige Weiterentwicklung. Die Catholica ist aber nach eigener Aussage eindeutig kein Hort der Demokratie.

 

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 Kommentar

1.9.2012

Religion/Gesellschaft

Der Papst zieht den Schwanz ein

Georg Korfmacher, München

 

Nachdem sich der Papst der Catholica durch einen Titel eines Satire-Magazins in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt gefühlt und im Handstreich eine einstweilige Verfügung gegen das Magazin erwirkt hatte, zieht er jetzt seinen Antrag zwar sang- aber nicht klanglos zurück. Jetzt sollen weitere rechtliche Maßnahmen geprüft werden, um Angriffen auf die Würde des Papstes und der katholischen Kirche wirksam zu begegnen. Nach der zunächst erlassenen Verfügung ist das aber vor allem eine riesige Blamage für das unfehlbare Oberhaupt der Catholica und äusserst peinlich obendrein.

 

Wenn es um religiöse Befindlichkeiten geht, wird Meinungsfreiheit mit zweierlei Mass gemessen: dem der absoluten Wahrheiten der Catholica und dem unseres Grundgesetzes. Hier wollte es der Stellvertreter Gottes wohl nicht auf eine Entscheidung zwischen kirchlicher Meinung und staatlich garantierter Meinungsfreiheit ankommen lassen und zog vor der eigentlichen Gerichtsverhandlung feige den Schwanz ein. Die Sprachrohre der Catholica verkaufen das prompt als grosse Weisheit und Besonnenheit, gleichwohl auch als bittere Lektion. Aber was soll dann die plumpe Androhung weiterer wirksamer, rechtlicher Massnahmen gegen Papst und Kirche zu prüfen. Gegen welche Angriffe? Aus dem stürmischen Vorgehen des Papstes gegen das Satire-Magazin ist zunächst ein Stürmchen im Wassergläschen geworden, während der Papst jetzt weiter in befleckter Soutane als Hinweis auf die undichten Stellen im Vatikan gezeigt werden darf.

 

Die Satire ist mit Überzeichnung, Verzerrung, Sarkasmus und Spott ein anerkanntes und unverzichtbares Merkmal und Mittel unserer Ausdruckskultur. Ihrer bediente sich auch weidlich die Catholica z.B. in ihrem Kampf gegen Luther. Aber wenn zwei dasselbe tun, ist dass offenbar nicht das gleiche.

 

In seiner ihm eigenen Unschärfe richtet sich der Papst zeitgleich mit einem Gruss an die Gesellschaft Katholischer Publizisten: "Wo es eine Fülle von Nachrichten und Informationen gibt, wird die Stille unentbehrlich, um das, was wichtig ist, von dem, was unnütz oder nebensächlich ist, zu unterscheiden". Bessere Einsichten kann man dem Papst kaum zubilligen. Sein Kneifen scheint vielmehr Ausdruck seiner manifesten Angst vor der zunehmenden Ohnmacht seines Amtes gegenüber der Demokratie, die sich andere Spielregeln gegeben hat als den Macht- und Wahrheitsdünkel der Catholica.

 

Solche und ähnliche Peinlichkeiten könnte sich die Catholica ersparen, wenn sie sich auch in Deutschland auf eine saubere Trennung von Staat und Kirche einlassen und die Menschenrechte generell anerkennen würde.

 

Aber vielleicht ist diese miserable Show nur eine weiterer Beweis der „Crisi di un papato“, wie sie von dem angesehene italienische Vatikanist Marco Politi in seiner  kritischen Bilanz «Joseph Ratzinger - crisi di un papato » (Krise eines Papsttums) aufgezeigt wird. Politi hält den Papst für einen unnachgiebigen Mann der Glaubensdoktrin und strenger vatikanischer Werte. Nun, jetzt hat er ein deutliches Zeichen einer seinem Selbstverständnis zuwider laufenden Verunsicherung gesetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentar

 München, 27.03.2012

 

Missbrauchsfälle/Gesellschaft

Hörnix, weissnix, tunix

von Georg Korfmacher, München

 

Spätestens als tote Fledermäuse in seinem Weihwasser schwammen, war Guido Ittmann ultimativ gewarnt, von ihm aufgedeckte und angezeigte Missbrauchsfälle nicht weiter zu verfolgen. Auch der Personalchef seines Bischofs hatte in angewiesen, den Missbrauchsfällen nicht nachzugehen. Moment einmal! Leben wir in einer Gesellschaft, in der Kirchenfürsten selbstherrlich über Recht und Gesetz befinden können?

 

 Wieder einmal muss die Presse an den Tag bringen (SPIEGEL 13/2012, S.14), was die Catholica zu vertuschen und zu unterdrücken sucht. Pikanterweise trifft es gerade den Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, Bischof von Trier. Der scheint sich lieber um die zweifelhafte Reliquie des heiligen Rocks zu kümmern, als um das Wohl und Recht der ihm ausdrücklich anvertrauten Missbrauchsopfer. Auf sehr spezifische Meldungen seiner Priester hört er nicht und verweist diese in den Bereich der Gerüchte. Im Übrigen sei das Bistum kirchenrechtlich nicht zuständig. Das stinkt zum Himmel!

 

 

Nach dem „hörnix“ des Bischofs soll die ganze Angelegenheit möglichst unbemerkt in der Gruft des „weissnix“ versenkt werden. Also ergeht eine „tunix“-Anweisung an seinen Diener des Herrn mit Redeverbot. Das Generalvikariat des Bischofs beschied den Priester Ittmann kurzerhand, dass jegliche Veröffentlichung des Pfarrers vorher abgezeichnet werden müsse. Das ist ein eklatanter Verstoss gegen elementare Menschenrechte und die Gesetze unserer Republik. Hier müsste die Staatsanwaltschaft von Amts wegen einschreiten!

 

Damit sind wir unvermittelt wieder mit der offensichtlich mehr als hinkenden Trennung von Staat und Kirche in unserem Land konfrontiert. Eine Demokratie, die sich gefallen lässt, dass die Catholica trotz der ausdrücklicher Weisung im GG Art. 140 i.V.m. Art.137 WRV (Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes) in höchst zweifelhafter Weise Recht und Gesetz zu beugen sucht, verdient diese Bezeichnung eigentlich nicht. Missbrauch von Jugendlichen ist ein diese lebenslang prägendes Verbrechen, das nie verjähren darf. Wenn sich die Catholica bei ihrem scheinheiligen Moralanspruch durch windige Rechtsvorstellungen (z.B. wie beim Klau von Marmelade) herausreden will, dann muss sie mit heftigstem Widerstand aufrichtiger Demokraten rechnen, die schon bei sehr viel geringeren Vergehen zur Kasse oder hinter Gitter gebeten werden. Von Kant’schen Moralvorstellungen ganz zu schweigen. Aber die sind für die Catholica ja sowieso ein rotes Tuch.

 

Und dann noch dieses unglaubliche, mittelalterliche Drohrepertoire: Drohbriefe, Tierkadaver vor der Haustüre und Fledermäuse im Weihwasser der anklagenden Priester. Na, wenn es da nicht mit dem Teufel zugeht! Nicht verwunderlich, wenn der ebenfalls betroffene Pfarrer Klaus Gorges im saarländischen Köllenbach anprangert: „Die Umstände des Missbrauchs sind ungeheuerlich“. Wohl wahr. Aber für den Bischof mit dem roten Scheitelkäppchen (Pileolus) in Trier geht Macht scheinbar vor Moral. Hörnix, weissnix, tunix. Pfui Daifi!

 
                                                                                    

 



 

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Kommentar

 München, 20.03.2012

 

Religion/Gesellschaft

Marx schwelgt im Glück

von Georg Korfmacher, München

 

Just zur Fastenzeit schwelgt Marx im Glück. Nein, nicht wegen Erfolgen in Glaubenssachen, sondern wegen eher weltlicher Genüsse. Ein Palais in München, ein Palazzo in Rom für Protz und Prunk im Dienst, aber wohl kaum im Geist, des Demut predigenden Gottes der Catholica. Für den Münchner Kardinal gleichwohl die rechte Bühne für seine barocken und machtbewussten Auftritte.

 

In Bestlage in Rom und zum Schnäppchenpreis von knapp 10 Mio. € ist die römische Hauptstadt eine erste Adresse reicher: „Palazzo Marx“ auf der Viale delle Medaglie d’Oro. Nomen est omen, kläglich hingegen die Erklärungsversuche des Kardinals und seines Adlatus: der ideale Platz, um mit dem „Heiligen Stuhl stetig im Dialog zu sein“. Heiliger Bimbam! Aber vielleicht braucht der Papst ja wirklich Verstärkung aus der Heimat bei seinem aktuellen Kampf gegen Intrigen und Lecks im Vatikan.

 

Kein Cent Kirchensteuergeld sei dafür geflossen. „Der Kauf wurde aus dem Vermögen der Erzdiözese bestritten“, so der Adlatus des Kardinals, um gleich geschäftstüchtig hinzuzufügen, dass es wohl kein Nachteil sei, in Immobilien zu investieren. Da befindet sich der schwelgerische Marx allerdings in bester Gesellschaft mit seinen österreichischen Kollegen, die derzeit landauf landab Grundstücke kaufen, um das Vermögen der Kirche mündelsicher anzulegen.

 

Und, ach ja, es soll keine Luxusvilla sein, nur „ein Haus der Begegnung, das Mitgliedern des Domkapitels, Mitarbeitern des Ordinariats, Vertretern der Laienräte, aber auch kleinen Pilgergruppen zur Verfügung stehen soll.“ Die Villa diente bisher als spartanisch eingerichtetes Seniorenheim, also sicher nichts für die oben angesprochene Klientel. Da bedarf es dann wohl noch einer standesgemäßen Renovierung. Aber diese Bagatelle zahlt der Kardinal dann aus der Portokasse. Man hat’s ja.

 

In Anbetracht der immer wieder wehleidig beklagten Notlage der Kirche in Deutschland kommt man bei solchem Gehabe ins Grübeln. Soziale Verantwortung sieht anders aus! Auch für den Kardinal gilt das Grundgesetz, wonach Eigentum eigentlich verpflichtet, aber das gilt für die reiche Catholica trotz gegenteiliger Beteuerungen offenkundig nicht. Und mit der von seinem Heiligen Vater geforderten Entweltlichung ist das auch nicht kompatibel. Ganz zu schweigen von den schönen Worten in der Bibel und der Klage des Papstes, als er es noch nicht war, dass die Kirche zuviel Geld habe.

 

Aber was dem barocken Kardinal in Rom recht ist, ist dem selbstherrlichen Erzbischof in München billig. Er hat soeben sein kircheneigenes Schlösschen in Schwabing verlassen, um sich in bester Lage in der Innenstadt im staatseigenen Rokoko-Palais Holnstein mit Haus und Hof einzurichten. Das Palais war für die Kleinigkeit von 8,7 Mio. € vom Staat standesgemäß renoviert worden. Hier lebt jetzt der Kardinal, wie auch schon sein Vorgänger in München und heutiger Papst, mit seinem Sekretär und zwei Schwestern für seinen Haushalt. Nobel, nobel. Alldieweil die Ärmsten der Stadt um einen Notgroschen für ihr Überleben kämpfen. Wer es fassen kann, der fasse es. (Mt 19,12)

 

 

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Kommentar

 München, 9.03.2012

 

Religion/Gesellschaft

Papst rügt Mangel an Glaubenswissen

von Georg Korfmacher, München

 

Trotz der Fülle der vom ihm angeschobenen Aktivitäten, wie Neuevangelisierung, Vorhof der Heiden, verschiedene Missionsreisen (Staatsbesuche) und Welt-Jugend-Tage, rügt der Papst der Catholica vor allem seine eigenen Schwestern und Brüder im Glauben ob deren mangelhaften Wissens in Glaubenssachen. Das ehrt den alten Mann auf dem höchsten Thron der größten Religionsgemeinschaft der Welt. Alles Ignoranten, oder was?

 

Der durch Geburt in Bayern geadelte deutsche Papst ist tatsächlich erschüttert, dass trotz grundgesetzlich verordnetem Religionsunterricht "..gar so wenig hängen bleibt,..“(Licht der Welt, Freiburg 2010, S. 169). Natürlich hat der Papst mit seiner Feststellung recht!

 

Gleichwohl, der Ansatz schon ist grundsätzlich falsch. Glauben ist eben nicht Wissen. Nach eigenem Glaubensbekenntnis ist Glaube eben Glaube und steht über Wissen.„sola fide“ war auch der Wahlspruch der Reformation. „Wahrscheinlich ist es die einzige Religion der Welt, die verspricht, man komme allein deshalb in den Himmel, wenn man nur feste glaubt. Die konkrete Lebenserfahrung zählt nicht. Also, nach der Geburt harrt man glaubensfest 85 Jahre auf Erden aus, dann Himmelfahrt und Feierabend." (Jürgen Fliege, in Frankfurter Rundschau, "Die Kirchen wissen wenig über die Seele", 30.7.2009). Aber gibt es einen besseren Zeugen als Paulus ex Tarsus, den Erfinder des Christentums?„So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“ (Römer 3,28).

 

Nur der Glaube also, so die selbstsichere Catholica, kann die letzten Dinge erklären, während die Wissenschaft sich bescheidet, (noch) nicht alles zu wissen – gleichwohl immer ein wenig mehr. Und dieses „wenig mehr“ ist unendlich mehr als das Wissen, das die Catholica sich in 2000 Jahren gebastelt hat.

 

Während die Welt sich mit den Gedanken von Kopernikus, Giordano Bruno, Tycho Brahe und Galilei anfreundete, publizierte die Catholica zeitgleich ein Traktat über die Saturnringe als Manifestation der in den Himmel aufgefahrenen Vorhaut des Herrn. (Leo Allatius - 1661 bis 1669 Leiter der Vaticana - in seiner Schrift „Traktat über die Vorhaut unseres Herrn Jesus Christus“) Grottengeil! Pfui Daifi!

 

Selten sind Stimmen der Vernunft. So veröffentlichte 1563 der deutsche Arzt Johann Weyer eine Abhandlung "Von der Täuschung der Dämonen", in der er nicht Hexen, sondern Krankheiten für unerklärliche Erscheinungen verantwortlich machte. Die Kirche setzte das Buch auf den Index.“ (Karl Pawek) 

 

In Umkehr der Spezialisten-Definition von Hacker ist die Catholica wohl eher eine Institution, die immer mehr über immer weniger weiß, bis sie alles über gar nichts weiß.

 

Warum soll es auch im Religionsunterricht besser laufen als in Mathematik, Chemie oder Physik? Spätestens 10 Jahre nach der Schule weiß man kaum noch etwas. Der Papst denkt da wohl an seine eigene Jugend, als der Religionslehrer die allerhöchste Kompetenz überhaupt und in allem und es ein Sport eifriger Schüler und Ministranten war, Gebete und Litaneien vorwärts und rückwärts abzuspulen, um diese Kunst dann aber auch schnell wieder zu vergessen.

 

Gut also, dass es einen Glauben gibt, der über jedem Wissen steht? Genau das sehen gerade junge Menschen zunehmend kritisch. Nur mit Glauben kommt man nicht weit, kann man sich kein Handy kaufen, kommt man im Beruf nicht weiter (außer als Religionslehrer), wird der Regelsatz im Alter nicht an die wirklichen Lebensbedingungen angeglichen etc. etc.

 

Aber vielleicht sind Religionsunterricht und Bildung ja nur ein Vorwand für die Ausübung von Macht durch die Catholica. Groteskes Beispiel sind die Konkordatslehrstühle in Bayern. Dafür lässt aber auch ein bezeichnendes Beispiel aus Peru aufhorchen, wo die katholische Universität in Lima mit Rom über ihrer akademische Freiheit und Autonomie in heftigem Streit liegt. Sie wehrt sich gegen Eingriffe der Kirchenleitung in Rom. „Im Fall der PUCP dreht sich der Streit vor allem um das Recht, den Rektor zu ernennen oder zu wählen, aber auch um die Hoheit über das beträchtliche Immobilienvermögen der Universität. Über letzteres tobt seit fünf Jahren ein Rechtsstreit zwischen dem Kardinal und der Universität.“ (Domradion 5.3.2012) Macht ist geil! Hoch lebe die Befreiungstheologie!

 

                  Nun zurück zur bayerischen Heimat des Papstes auf dem hohen Thron, gleich neben seinem Gott. Hier werden heute noch Kinder bei der Einschulung mit einem Faltblatt unter dem Titel „Fragen nach Gott und die Welt“ traktiert. Ein solches Angebot ist geradezu fahrlässig. Erstens ist es schlampig formuliert und zweitens bedeutet es umgangssprachlich: über alles und nichts zu reden. Das aber ist ein unverantwortlicher Umgang mit öffentlichen Steuergeldern, zumal von solchem Tun, laut Papst, so wenig hängen bleibt. Da wäre es doch viel besser, den Glauben Privatsache sein zu lassen und sich in der Schule voll auf Wissensvermittlung zu konzentrieren. Dann würde sich Ignoranz in Glaubenswissen auch nicht in einer abstrusen Benotung für Religion im Zeugnis niederschlagen. Einfach abschaffen. Basta.Amen!

 

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Kommentar

 München, 28.2.2012

 

Religion/Gesellschaft/Soziales

Marx kneift

von Georg Korfmacher, München

 

Hehre Worte, leere Gesten! Der Münchner Kardinal gerät bei seinen Managementkünsten ins Stolpern. Solange es nichts kosten, aber Publicity verspricht, ist er wieselflink dabei. Aber Marx kneift, wenn er sich einlassen muss, wie z.B. bei der Lösung seines Weltbild-Problems.

 

So folgte der leutselige Kardinal einer Einladung zur Betriebsversammlung des Weltbild-Verlages/Hugendubel ohne jegliche Entschuldigung nicht, meldet sich aber unaufgefordert fast gleichzeitig in München, als Nokia - Siemens -Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze kämpfen. In üblicher, worthülsiger Manier mahnte er an, "ob wirklich alles getan wurde, um die Arbeitsplätze in München zu erhalten und die Existenz der Beschäftigten zu sichern. Der Konzern steht in der Verantwortung für die Arbeitnehmer …“. Und was macht er im eigenen Haus? Nichts, Aussitzen, warten bis wem auch immer die Luft ausgeht! Die Glocken tief und den Strick hoch hängen, damit nur er nach seinem Belieben daran ziehen kann. Heilige Einfalt!

 

Dabei müsste ihm das Trommelfell platzen wenn er die Worte seines im Vatikan für Sozialfragen zuständigen Kardinalskollegen Robert Sarah hören würde: „Korruption, Anhäufung von Geld, Gewalt und Leben auf Kosten der Gemeinschaft ohne einen eigenen Beitrag sind die wahren Krebsgeschwüre, die die Gesellschaft von innen bedrohen“, so der Kardinal in Rom. Dieweil stehen die Mitarbeiter von Hugendubel im Regen, verlassen vom freundlich grinsenden Marx mit all seiner Sozialverantwortung. Ginge es nur um die Schäflein seiner Kirche, müsste man sich wohl schamvoll zurückhalten. Hier aber geht es um Familien mit Kindern, die wohl mehr zufällig als gewollt am Tropf der Catholica hängen und nur guten Lohn und vernünftige Sicherheiten für gute Arbeit wollen.

 

Aber Geld und Macht war schon immer ein Lieblingsthema von Prälaten mit rotem Scheitelkäppchen, sind sie doch ein Dreh- und Angelpunkt einer absolutistischen Kirchenherrschaft. Laien haben grundsätzlich zu schweigen….und zu zahlen. Alles andere ist des Teufels. Auch die 400 Protestpostkarten der Hugendubel-Mitarbeiter werden ihn nicht kitzeln.

 

Schon kursiert bei Hugendubel der Spruch vom Kardinal mit den zwei Geschwindigkeiten. Die eine in Messeinheiten der Ewigkeit, wenn es um die Lösung von sozialen Nöten gerade auch in den eigenen Unternehmungen geht. Die andere in Nano-Sekunden, „nämlich in der KMSRMPTZ, der Kardinal-Marx-Social-Responsability-Media-Publicity-Time-Zone“.

 

Aber die Lösung scheint nahe! Mit seinem auf der siebten Wolke schwebenden neuen Kardinalsbruder aus Berlin ist er zum großen Umbruch angetreten. Sie wollen „der Kirche in Deutschland ein Gesicht zu geben“. Da kann man auf die Geschwindigkeit gespannt sein. Außer für leere Worte kommt die zweite wohl kaum infrage. Man ahnt es schon, weitere Kardinalfehler sind geradezu vorprogrammiert. Welche gemeinsame Sprache werden der Kardinal im Schloss in München und der in der Dachwohnung in Berlin überhaupt finden. Prunk und Protz vertragen sich kaum mit der Experimentierfreudigkeit eines ehrgeizigen Anfängers. Selbst wenn auch der jetzt die Farbe der Macht trägt.

 

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Kommentar
München, 1.2.2012

 

Religion/Gesellschaft
Marx murxt
von Georg Korfmacher, München

Nein. Hier ist nicht die Rede vom großen Karl, sondern vom Kardinal in Mün-chen. Namensgleichheit bedeutet nicht unbedingt gleiche Qualität. Und da wagt sich der Kardinal auf ein Eis und in eine Politik, die ein Gewicht seines Kalibers nur schwerlich trägt. Für den Kardinal, und das ist verständlich, gibt es kein Europa ohne Gott. Ob aber die aktuelle Finanzkrise durch die Anwen-dung christlicher Prinzipen vermeidbar gewesen wäre, darf mit Fug und Recht und einem Blick in die Geschichte der Catholica ernsthaft bestritten werden.

Es ist zunächst absolut richtig, dass es noch nie eine Welt und auch Europa nie ohne Gott gegeben hat. Die Frage ist nur, welcher Gott bzw. welche Götter, wann und für welchen Zweck. Lässt man die letzten 6.000 Jahre Revue passieren, gab es immer schon Götter und Göttinnen mit sehr menschelnden Problemen, Streitigkeiten, Jung-ferngeburten, Himmelfahrten, Tod und Auferstehung. Da nehmen sich die Gottesvor-stellungen der Catholica seit knapp 2000 Jahren eher wie eine Spielart bekannter Muster aus. Bis hin zur Trinität, die es bei den Römern im Trio Jovis-Mars-Quirin auch schon gab, oder der Mutter Gottes bei den alten Ägyptern. Ja gar der große Alexander soll jungfräulich geboren worden sein.
So ziemlich genau vor 1.700 Jahren nahm dann die Catholica das Heft in die Hand, nachdem ihr Kaiser Galerius am 30.April 311 mit seinem Toleranzedikt die Ausübung ihrer Religion erlaubte, solange sie sich an die Ordnung halte. Das klingt ganz aktuell und ist sogar in unserem GG unter Bezug auf § 137 WRV festgeschrieben, wo Reli-gionsfreiheit „in den Schranken des Gesetzes“ toleriert wurde. Seitdem und bis heute hat sich die Catholica an diese Auflage nicht gehalten. Sie hat sich unter Berufung auf ihren Gott stets in die Angelegenheiten der Menschen und Regierenden einge-mischt, bis hin zu blutigen Zwangschristianisierungen und Verbrennen missliebiger Menschen und Schriften. Von allen bisher bekannten Göttern scheint der Gott der Catholica angesichts der Handlungen seiner Diener einer der Grausamsten zu sein. Da ist es ganz verständlich, dass nicht alle Menschen an eben diesen Gott glauben können und wollen. Und blind vor Eifer sagt der Kardinal: "Die wichtigste Aufklärung, die Europa erlebt hat, war die Verkündigung des Evangeliums". Da hat er wohl in der Schule die Stunde über die Aufklärung in Frankreich verpasst, aber auch z.B. über Pelagius und Marcion, die schon in der Frühzeit des Christentums gegen die abstru-sen Auslegungen christlicher Lehren durch selbstberufene Kirchenoberen wetterten. Aber die Catholica ist dann, wenn der säkulare Druck zu groß wird, immer schon als Erfinderin von Titeln und Thesen aufgetreten, die es schon lange vorher gab.

Im vom Kardinal beschworenen Evangelium kam sein Verfasser im späten 4. Jahr-hundert um Paulus von Tarsus leider nicht herum. Und damit sind wir bei der christli-chen Auffassung von Sozialpolitik. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, polterte Paulus gegen die Thessalonikier. Und er verlangte unbedingt von der Milch der Schafe zu trinken, die er weidete. Religionslehre zum Broterwerb! Kaum eine Institu-tion hat solange Sklaven (Leibeigene) gehalten wie die Catholica. Ausbeutung von Menschen im Namen Gottes zur Bewirtschaftung von Gütern und Pfründen. Alle heh-ren Grundsätze der Bibel über Bescheidenheit und Verzicht auf Reichtum werden konsequent über den Haufen geworden, wenn es um den Vorteil der Catholica geht.
So wirkt die Behauptung des Kardinals grotesk vor dem Hintergrund der finanziellen Machenschaften des Vatikans (Stichpunkt Vatikan AG von G. Nuzzi), den zahllosen Finanzbeteiligungen der Catholica an Rüstungsbetrieben und anderen Wirtschaftsun-ternehmen, die mit dem „Geschäftszweck“ der Catholica auch im Entferntesten nichts zu tun haben,  wilden Immobilienspekulationen mit Millionenverlusten z.B. in der ar-men Diözese Magdeburg, satter Pensionen für geschasste Bischöfe bei schamvol-lem Schweigen zu Hartz IV, staatlichem Einzug von Kirchensteuer bei Verlust des Sakraments der hl. Kommunion, wenn man das nicht will. Alles Mittel und Manifesta-tionen von Macht, die mit dem behaupteten sozialen Auftrag der Catholica unverein-bar sind, abstoßende Beispiele eines "Casino-Kapitalismus", der nur um Kapitalrendi-te kreist. Und dieses System bietet der Kardinal aus München zur Lösung der aktuel-len Finanzkrise an. Nein Danke! So blind für die Realität kann nur ein Kardinal Marx murxen und eben nicht der große Karl gleichen Namens.

 

 

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 Kommentar
München, 12.1.2012

 


Religion/Gesellschaft
Dialektische Kakophonie der Catholica 
von Georg Korfmacher, München

Was so geschrieben steht oder gesagt wird, darf man so nicht verstehen. Und was so nicht geschrieben steht oder gesagt wird, muss man aber sehr wohl richtig verstehen. Über Jahrhunderte hat sich die Catholica in Wortgewürgen durchgemogelt und nichts sagend die Welt nach ihrem Bild zu formen versucht. Bis dann die Aufklärung Licht in so manche dunklen Winkel brachte. Seitdem sind Aufklärung und Säkularisation die „Pest der Zeit“.

Ein aktuelles Beispiel dieser kakophonen Dialektik liefert der absolut regierende Papst mit seiner Forderung nach Entweltlichung einerseits und Geisselung der Homosexualität andererseits.
Kaum hatte der Papst seine Freiburger Rede mit der Forderung nach Entweltlichung beendet und somit bekundet, dass man durch diese zum wahren Kern der Kirche fände, geiferten seine Bischöfe und Kardinäle schon, dass man das ja nicht so zu verstehen sei. Dabei sollte im Kreis der langen Röcke und weissen Krägen doch hinreichend bekannt sein, dass der Papst seit langem den Reichtum der Kirche gerade in Deutschland anprangert. Noch kürzlich hat er in seiner Rede an die vor ihm vereinigten Diplomaten Italien als Vorbild für alle angepriesen. Und dort gibt es z.B. keine zwangsweise vom Staat eingetriebene Kirchensteuer, die bei Nicht-Zahlung zwangs-weise in die Exkommunikation führt, und keine Konkordatslehrstühle, die wissenschaftlichen Anforderungen nur sehr eingeschränkt entsprechen, wenn überhaupt, nur zwei Beispiele, über die man sich gerade in Italien verwundert die Augen reibt. Aber das ist nach Ansicht episkopaler „Eunuchen für das Himmelreich“ in Deutschland ja alles ganz anders. Und die Dummen sind die Gläubigen (siehe Marx und Wir-sind-Kirche) und natürlich vor allem die Ungläubigen, eben die „Aussätzigen der Zeit“.
Aber es ist immer wieder erstaunlich, was ein Papst nicht sagt und doch meint. So z.B. seine Geisselung der Homosexualität als Bedrohung der Menschheit schlechthin in seiner Rede vor Diplomaten. Zugegeben: da kommt auf Anhieb nicht jeder mit, wenn er vom hohen Ideal der Familie mit Mann und Frau als Garant für die Zukunft der Menschen spricht, während alles andere den Untergang der Welt bedeute. Dabei war er doch gerade in Afrika, das ganze Aids-Elend dort hat er offenbar geflissentlich übersehen. Aber ja, natürlich darf man homosexuell sein, ist ja keine Sünde an sich, nur sagen oder gar praktizieren darf man es eben nicht. Siehe David Berger. Genau so wie man als Priester (Africae Munus) keine Frau haben darf, weil man ja laut Bibel nicht zwei Herren dienen kann. Oh, Hallo, aus welchem Zusammenhang ist denn dieses Bibelzitat gerissen? Jeder, der lesen kann, kennt das Zitat im Zusammenhang mit dem schnöden Mammon (siehe Entweltlichung). Und natürlich hat Paulus ex Tarsus, der Begründer des Christentums, Homosexualität als ein Laster seiner Zeit angeprangert, seine Gemeindevorsteher aber nur angehalten, sich mit einer Ehefrau zu begnügen und – frei nach Shakespeare - ihren Löffel daneben nicht in andere Suppen zu stecken. Dialektische Kakophonie der Catholica.   


 

 

 

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Kommentar

 München, 27.12.2011

 

Religion/Gesellschaft

Schöne Bescherung: Neuer Zoff in alten Tüten – nach Porno jetzt Wirtschaftsferkelei

von Georg Korfmacher, München

 

Noch krebst die Catholica in Augsburg mit ihrem Weltbild-Verlag herum, da gibt es in Magdeburg schon wieder einen schamvoll kaschierten Schwelbrand. Diesmal nicht Porno, jetzt ein Beispiel par ecellence für Wirtschaftsferkelei. Der Papst mit seiner Forderung nach Entweltlichung lässt grüssen.

 

Während die Catholica in Augsburg, allen voran Kardinal Marx, sich mit dem Pornoskandal um den kircheneigenen Weltbild-Verlag, Augsburg, um eine Lösung „bemüht“, ist in Magdeburg die Welt aus den Fugen geraten. Auch dort hat sich die Catholica in Wirtschaftsabenteur übelster Art verstrickt, die ebenso übel wie typisch sind. Schöne Bescherung.

 

An sich ist die Diozöse Magdeburg arm, bitter arm verglichen mit Diozösen im Westen, insbesondere München-Freising, und daher konnte sie von der wundersamen Vermögensvermehrung nicht lassen. Und hüben wie drüben bestellt man keine professionellen Fachleute, sonder hier den Privatsekretär des Kardinals, der schon voll mit der Produktion von Worthülsen für seinen Vorgesetzen beschäftigt ist, um 6500 Arbeitsplätze „verantwortungsvoll“ abzuwickeln, und dort ein frommes Beichtkind, das mit seiner Frau schon in der Gemeindearbeit unter klerikaler Anleitung angenehm aufgefallen war. Privatsekretariat und Gemeindearbeit sind aber etwas anderes als professionelle Kompetenz, um intendierte Verkäufe oder wundersame Vermögensvermehrungen zu betreiben, ganz zu schweigen davon, dass der von der Catholica vielgelobte Jesus von Nazareth solche Geschäfte tief verabscheut hat.

 

Querschläger brachten es an den Tag: In Augsburg Porno, in Magdeburg die Lehmann-Pleite und zweifelhafte Immobiliengeschäfte. Wie kann sich, fragt sich der erstaunte Demokrat, die über alle Massen vom Staat subventionierte Catholica in Porno und Finanzspekulation einlassen und sogar damit Geld verdienen, Vermögen mehren?

 

Solange alles gut geht, schaut man weg und lässt gewähren. Sobald es klemmt, hat keiner etwas gewusst und ist natürlich nicht verantwortlich. Hier haben dann wohl die Kräfte des Bösen gewirkt, womöglich sogar der Laizismus, der Angelegenheiten des Staates strikt von denen der Catholica zu trennen sucht.

 

Halt, die hohen Herren und Gierhälse! Wenn hier und dort und noch sonst wo Steuergelder übel missbraucht werden, dann ist das nicht die Verantwortung eines laizistisch verfassten Staates, sonder allein und ganz und gar die Verantwortung klerikaler Geld- und Machtgier. Obwohl die Catholica 100%-iger Inhaber des Weltbild-Verlags ist, will sie das Porno-Gebaren nicht wahrgenommen haben. Plumper und widerlicher kann man die eigene Verantwortung wohl kaum zu vertuschen suchen. Und 45 Millionen bei Beratung eines in den Aufsichtrat der Gero AG in Magdeburg berufenen Bankers zu sublimieren und das heute mit der Lehmann-Pleite zu exkulpieren, ist ebenso schamlos wie dumm. Pikante Details in BRAND EINS 11/2011. Geschäfte beider und ähnlicher Art hätten von der Catholica nie betrieben werden dürfen! So wird das von der Catholica impertinent geforderte Vertrauen nicht nur bei ihren Gläubigen unumkehrbar zerstört. Nein: Jauchzet und frohlocket! Siehe Mt 6: Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen…Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz…. Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet…. Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Aber diese hehren Worte haben die hohen Herren wohl überlesen oder geflissentlich vergessen. „Erkenntnis und Wille gehen nicht notwendig miteinander": Papstwort vom 22.12.2011.

 

 

 

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Kommentar

 München, 9.12.2011

 

Religion/Gesellschaft

Wie hätten Sie es denn gerne, Herr Kardinal?

von Georg Korfmacher, München

 

Angoraweich oder stachelig wie die Dornenkrone? Wenn ein erklärter Anti-Demokrat der Demokratie etwas empfehlen will, dann muss er sich gefallen lassen, dass diese sich wehrt. Noch kürzlich wies Kardinal Marx seine Schäflein barsch in die Schranken, dass er von Demokratie nichts wissen wolle, allenfalls von Partizipation mit klerikalem Einverständnis. Und jetzt beschwört er das hinkende Verhältnis von Staat und Kirche in Deutschland als Modell für Europa. Welche Realitätsferne!

 

Während die etwas frühere Veranstaltung der Evangelischen Akademie München über das Verhältnis von Staat und Kirche in erfrischender Offenheit verlief (mit Ausnahme des ausgebuhten Beitrags eines CSU-Politikers) glänzt die Veranstaltung der Catholica (Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit) durch nichtssagend pralle Wortarabesken und Realitätsferne bis hin zu bemerkenswert unwahren Darstellungen. So z.B. die von Kardinal Marx aufgestellte Behauptung, wonach er das deutsche Staat-Kirche-Verhältnis als "zukunftsweisend" für die europäische Entwicklung hält. Dabei übersieht er, dass fast alle Staaten Europas und deren Kirchen nur mit Verwunderung bzw. Ablehnung auf das deutsche Modell sehen und dementsprechend keinerlei Anstalten machen, dieses zu übernehmen. Ja der Papst der Catholica selbst ist da offenbar anderer Meinung, und die sollte sein Aufpasser (episkopein = aufpassen) in Bayern an sich kennen. Wissen Sie, was das größte Problem der Kirche in Deutschland ist?“, hatte der ehemalige Erzbischof von München seinen Gesprächspartner Robert Spaemann einmal gefragt und seine Antwort auch sogleich geliefert: „Sie hat zu viel Geld.“ (R. Spaemann in DIE WELT vom 29.9.2011). Und Spaemann muss es als Freund und Intimus des Pontifex wissen. „Viele Bischöfe außerhalb Deutschlands zeigten sich immer wieder überrascht vom "wertschätzenden Miteinander", das die Politik und die Kirchen hierzulande miteinander verbinde,“ so hingegen Marx. Glanzvolle Realitätsferne!

 

Aber Marx fühlt sich wohl in dieser kuscheligen Vertrautheit von Staat und Kirche bei gleichzeitigem Verlust seiner Meinungsunabhängigkeit . Auch der bayerische Kultusminister, Historiker und Theologe, schwärmt von dem "Naheverhältnis" zu den Kirchen, dessen Wurzeln er bis ins Mittelalter hinabreichen sieht und sinnigerweise sein zwiespältiges Verhältnis zum Islam damit begründet, dass es bei den deutschen Muslimen "keine Ansprechpartner mit den Strukturen und einer verbindlichen Autorität wie bei den Kirchen" gebe.“ Also lieber kungeln, als sich mit der politischen Realität auseinandersetzen. Und Marx springt ihm prompt zur Seite, indem er eine Überführung des bestehenden Staatskirchenrechts in ein "allgemeines Religionsrecht" dann ablehnt, wenn "das historisch gewachsene Verhältnis zwischen Staat und Kirchen relativiert" werde. Nein Herr Kardinal, das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Deutschland ist nicht historisch gewachsen. Es ist insbesondere seit der Säkularisation unter Napoleon listenreich erschlichen, durch Drohungen erzwungen. Und ganz nebenbei: es verstösst gegen unser GG, das strikte Neutralität fordert.

 

Auf den Einwand, dass die Volkskirchen zerbröseln und die innere Legitimierung schwinde antwortete der grosse Kardinal kleinlaut, dass die Kirchen sich auf die Socken machen müssten. Na, dann machen Sie mal, Herr Kardinal!

 

Aber bitte nicht mit Argumenten von unter der „Käseglocke“ der Geschichte. „An vielen der Stellen, wo vermeintlich der Eigenbereich der Religionsgemeinschaften geschützt wird, ist die Wirkung strukturkonservativ. Es gleicht einer Käseglocke“. (Dr. Daniel Bogner). Und auch bitte nicht mit dem Totschlagargument: „die Staatsleistungen erwachsen aus der Säkularisierung“. Auch hier befindet sich der Kardinal in seltsamem Widerspruch zu seinem Pontifex, der in seiner nicht mehr weg zu diskutierenden Freiburger Rede ganz klar gesagt hat: „Die Säkularisierungen - sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder Ähnliches - bedeuteten nämlich jedes Mal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich ja dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößte und wieder ganz ihre weltliche Armut annahm.“ Na, da müsste sich der Kardinal an sich die Augen reiben, aber man weiss ja, dass er das ganz anders liest. Und dann auch noch die Konzilsakten des II. Vatikanischen Konzils Art. 76, in dem festgehalten ist: „Doch setzt sie (die Kirche) ihre Hoffnung nicht auf Privilegien, die ihr von der staatlichen Autorität angeboten werden. Sie wird sogar auf die Ausübung von legitim erworbenen Rechten verzichten, wenn feststeht, dass durch deren Inanspruchnahme die Lauterkeit ihres Zeugnisses in Frage gestellt ist, oder wenn veränderte Lebensverhältnisse eine andere Regelung erfordern. Also nicht, wie Sie es gerne hätten, schön angoraweich, sonder stachelig wie die Dornenkrone. Mit gutem Beispiel voran wie der Herrn, dem Sie dienen und alles verdanken! Mit dem Staat als Erfüllungsgehilfen. Das riecht nicht gut!

 

 

 

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Kommentar

München, 19.10.2011

Religion/Gesellschaft

Papst feiert nur Feste, die er mag

von Georg Korfmacher, München

 
           In einem speziellen motu proprio verkündet der Papst seinen Gläubigen frohlockend ein Jahr des Glaubens in Erinnerung an das 50-jährige Jubiläum des Vaticanum II und an das 20-jährige des katholischen Katechismus. Geflissentlich hat er übersehen, dass wir just heutzutage des 700-jährigen Jubiläums eines Konzils gedenken sollten, bei dem seinerzeit die Abschlachtung der Templer und die Auflösung des Ordens bestätigt wurden. Aber der Papst feiert aus Prinzip nur Feste, die er mag.           

 

Die Vernichtung des Templerordens zwischen 1307 und 1311 ist eines der schändlichsten Verbrechen einer unheilvollen Allianz von Krone und Kreuz, begangen im Namen eines Glaubens, zu dem wir vom „pastore tedesco“ heute neuerlich aufgerufen werden. Etwas seltsam, wenn man bedenkt, dass es diesen Glauben ja schon seit 2000 Jahren geben soll. Offenbar versteht jede Zeit unter Glauben etwas anderes. „Während es in der Vergangenheit möglich war, ein einheitliches kulturelles Gewebe zu erkennen, das in seinem Verweis auf die Glaubensinhalte und die von ihnen inspirierten Werte weithin angenommen wurde, scheint es heute in großen Teilen der Gesellschaft aufgrund einer tiefen Glaubenskrise, die viele Menschen befallen hat, nicht mehr so zu sein ...“, so in dem motu proprio.

 

Daraus schliesst man messerscharf, dass das kulturelle Gewebe von seinerzeit mit seinem zwanghaften Bezug zum Glauben heutzutage nicht mehr sein kann, weil es nicht mehr sein darf.

 

            Nach Humanismus und Aufklärung handelt es sich bei diesen Einsichten nicht um einer tiefen Glaubenskrise, sondern um die grundlegende Erkenntnis, dass viele Menschen heute mehr selber nachdenken, als sich blind und kritiklos auf salbungsvolle Heilversprechen nach dem Tod - mit manchmal fatalen Folgen für das Diesseits - zu verlassen. Am 16. Oktober 1311 hatte Papst Clemens V. das Konzil von Vienne eröffnet und brutal eine Akte geschlossen, die bis heute nicht geklärt ist. Wie sich die Bilder gleichen: bis heute gibt es keine abschliessende Klärung der ungezählten Seelenmorde unschuldiger Kinder durch klerikale Diener Gottes. Wen wundert es da, dass nicht nur die Betroffenen von Schande und Rechtsverletzung sprechen und eben nicht von Glaubenskrise. Das riecht doch mehr nach Kirchenkrise, denn wie beim Fisch stinkt die Sache immer zuerst vom Kopf. Solche Dinge gehen heute einfach nicht mehr durch, schon gar nicht, wenn sie mit Glauben in Zusammenhang gebracht werden.

 

            Manifeste Symptome der Krise der Catholica sind z.B. die kakophonen Reaktionen im katholischen Episkopat auf die Freiburger Rede des Papstes, bei der dieser Verzicht auf Privilegien einforderte, um zu einer glaubwürdigen Verkündigung zurückzufinden. Verzichten will aber keiner, selbst wenn der Verzicht mit Glauben eigentlich gar nichts zu tun hat. So auch der Star-Kardinal Marx, der Demokratie nicht will, allenfalls Partizipation. Diese aber bitte nur im Ehrenamt und nach episkopalem Belieben.

            Und ob der Katechismus mit seinen unzähligen Verdammnisandrohungen ein Jubiläum wert ist, bringt so manchen Geist ins Grübeln.

 

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Meinungsmix in der „CAUSA MIXA“

von Georg Korfmacher 26.1.2011

 

Die Meldung über das neue Domizil des geschassten Bischofs böte an sich reichlich Stoff für eine Lachnummer ähnlich der in der Kölner „Stunksitzung“, wäre die ganze Sache nicht so anrüchig wegen der unendlichen Verquickung von Staat und Kirche.

 

Was war passiert? Die zur Armut verpflichteten Franziskanerinnen in Fünfstetten konnten dem anspruchsvollen Bischof nur 50 qm Wohnraum bieten, so dass der dort nicht einmal seine prunkvollen Möbel unterbringen konnte. Und wie zum Teufel sollte er da seine üppige Pension von schätzungsweise € 7.500 pro Monat und im Voraus aus öffentlichen Steuermitteln bezahlt sinnvoll ausgeben?! Die örtlich zuständige Bischof in Eichstätt sprang dem geschassten und in Augsburg verhassten Altbischof hilfreich zur Seite, indem er diesem die Prunkvilla Barbara (Stiftung eines Gönners) herrichten liess. Es ist noch ungeklärt, was mit dem Bierkeller in der Villa passiert. Auf jeden Fall kann Mixa jetzt wieder angemessen in seinen Prunkmöbeln in einer Prunkvilla inmitten eines Prunkparkes von 20.000 qm residieren, verwöhnt von seiner Haushälterin, die er allerdings wahrscheinlich aus eigener Tasche zahlen muss. Aber das muss ja schliesslich jeder, der sich gerne betutteln lässt. Darüber ist der örtlich zuständige Pfarrer sogar glücklich, weil jetzt endlich der eigentliche Stiftungsgedanke erfüllt sei: Pfarrer im Haus und Messen in der Gemeinde.

Kaum wegen seiner neuen Residenz im Gespräch, sorgt der wegen Missbrauchs von Schutzbefohlenen und Veruntreuung von Geldern in seinem Zugriff „à la catholica“ aus Amt und Würden gejagt wurde, wieder für Unruhe und Widerspruch. Die „causa Mixa“ ist in einen neuen Meinungsmix ausgeartet. Seriöse Tageszeitungen (u.a. die SZ) vermelden eine geplante Vortragstournée mit einem Bodyguard zum Thema Jesus ebenso wie eine geplante Buchveröffentlichung. „Mixa ist frei“ jubelt die pnp am 22.1.2011 und dass der Ex-Bischof auf Vortragsreise gehen dürfe. Das verwirrt. War er denn vorher eingesperrt? Gar noch bei den armen Franziskanerinnen? Die hatten doch auf Anfrage von FOCUS Online eher kühl vermerkt: „Das ist ein reines Mietverhältnis“.

Auch kath.net, wohl in Kenntnis der internet-Botschaft des Papstes vom 24.1.2011 mit der Mahnung zur „christlichen Stilpräsenz“ - was immer das sein mag - , vermeldet, dass der ehemalige Augsburger Bischof Walter Mixa für Vorträge im deutschen Sprachraum bereit stehe.

Aber prompt kommt ein Dementi von katholischer Seite. Christoferuswerk: „Bischof Mixa plant weder ein Buch noch eine "Vortragstournee". Und auch kath.net rudert zurück: „Im Bistum Augsburg möchte man am liebsten, dass Bischof Mixa derzeit noch schweigt“. Kath.net will sogar erfahren haben, dass es hochrangige Kirchenkreise in Deutschland gäbe, „die Mixa dazu bewegen möchten, dass dieser zumindest bis zum kommenden Papstbesuch keine öffentlichen Reden abhält“.

Umgangssprachlich nennt man das alles einen Riesen-Kuddelmuddel oder auch kleinkarierte Schmierenkomödie, über die man eigentlich nur lachen könnte, wenn nicht unser aller Steuergeld im Spiel wäre. Muslime, Buddhisten, Konfessionslose und auch sonst wie nicht organisierte Religiöse – das sind derzeit über 30% unserer Bevölkerung - zahlen für einen prunksüchtigen alten Mann, vor dem so mancher Ekel haben könnte. Demokratisch ist das auf keinen Fall. In einem laizistisch verfassten Staat wäre so etwas nicht möglich!

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 



Kommentar

München, 17.5.2012

 

 

Kommentar

München, 17.5.2012

 

Gesellschaft

Der rote Balken im Wappen am Haus des Kardinals

von Georg Korfmacher, München

 

Schön ist das Palais Holnstein in der Münchner Innenstadt, ein Prachtbau des Rokoko mit einem vielsagenden Wappen am Hausgiebel. Kunstkennern und Wappenkundlern zaubert der kleine rote Balken zwischen den Löwen der Wittelsbacher ein Schmunzeln ins Gesicht. Einfache Demokraten fragen sich, ob die rote Farbe, die so gar nicht ins Wappen der Bayern passt, vielleicht mit der roten Farbe des pileolus des dort wohnenden Kardinals zu tun hat, oder mit den roten Knöpfen entlang seiner Sutane, oder mit den roten Papstpantoffeln, oder überhaupt mit dem vielen Rot an allen möglichen Gewändern katholischer Kirchen-fürsten?

Auf Anfrage würde man die historisch nicht haltbare Erklärung erhalten, dass die rote Farbe an das Blut der Märtyrer erinnern soll und an die Demut der Träger dieser Farbe. Die Erklärung der Catholica klingt zwar katholisch schön, ist aber ebenso zweifelhaft wie bezeichnend für das Prunk- und Prachtgehabe seiner Träger. Als nämlich die Christen unter dem grossen Konstantin flügge wurden, eigneten sie sich flugs einige Zeichen der Macht an, so die rote Farbe. Diese war an sich hohen Staatsbeamten, Senatoren u.ä. vorbehalten und überhaupt eine Farbe politischer Macht. Die niedlichen roten Papstpantöffelchen sind ein lächerlicher Überrest dieses Machtgehabes. Der Sonnenkönig von Frankreich forderte ostentativ die rote Farbe an seinen Absätzen exklusiv für sich. Der machtgeile Kardinal Richelieu lief nur noch rot herum. Rot ist bis heute auch eine Farbe der Macht.

Und da passt es natürlich trefflich, dass der Balken im Wappen am Haus des Kardinals auch rot prangt. Prächtig! Da fühlt man sich doch gleich zuhause. Besser geht es nun wirklich nicht! Und alle sind stolz und freuen sich, vor allem der Kardinal.*******

Aber welch grausame Macht des Schicksals! Der Balken in der noch so schönen Farbe rot sagt nämlich nur überdeutlich, dass dies das Haus eines Bastards war, zwar eines höchst adeligen, aber eben doch eines Bastards. Daher nennen Kenner den schönen (roten) Balken auch Bastardbalken. Zwar haben die Wittelsbacher aus dem heraldischen Balken ein putziges Bälkchen gemacht, gleichwohl ist und bleibt es ein Bastardbalken, unter dem der Kardinal täglich ein- und ausgeht.

Aber das Haus ist schön, und man darf annehmen, dass der Geist des Bastards nach neuerlicher Renovierung für lächerliche 6,5 Mio. € nicht mehr in seinen Gewölben umgeht. Dank der Denkmalbehörde, die das Haus und sein Wappen mit Steuergeldern so trefflich restauriert hat. Ob jedoch das Haus eines Bastards und einer Maitresse ein würdiger Sitz für einen Kardinal der Catholica ist, bleibt eine offene Frage.

Kommentar

München, 19.6.2012

Religion/Gesellschaft

Bibbern um grundgesetzwidrige Privilegien

von Georg Korfmacher, München

 

Als der grosse Augustinus sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere als PR-Chef des Römischen Kaisers aus Frust mit seinem Freund in eine gleichgeschlechtliche (Gem)Einsamkeit in seine Heimat zurückzog, setzten die hilflosen Christen dort alles daran, den beredten Mann in höchste Kirchenwürden als ihren Bischof in Hippo zu hieven. Im heutigen Bayern muss die Catholica um grundgesetzwidrige Privilegien bibbern, weil sie eine in gleichgeschlechtlicher Gemeinsamkeit lebende Erzieherin feuern will.

 

Die betroffene Dame hatte ihrem Arbeitgeber die Geburt ihres Kindes gemeldet und Mutterschaftsurlaub beansprucht. Gleichzeitig hatte sie ihm mitgeteilt, dass sie mit einer anderen Dame in Lebensgemeinschaft lebt. Daraus pfriemelte der Arbeitgeber eine gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft scheinbar unmoralischer Art und kündigt der jungen Mutter fristlos. Leben In der Catholica nicht auch (zwar immer weniger) Männer und Frauen in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften (Klöstern) zusammen, besonders in besonders strengen. Warum muss die Gemeinschaft zwischen der jungen Mutter und ihrer Freundin schlecht sein?

Penetrant pocht der Arbeitgeber, eine kirchliche Einrichtung, auf einem Selbstbestimmungsrecht, das ihm laut GG nicht zusteht. Dort ist nämlich eindeutig geregelt, dass die Kirchen ihre Angelegenheiten zwar eigenverantwortlich aber eben nur im Rahmen der für alle geltenden Gesetze verwalten. Von Selbstbestimmung keine Spur! Was die Catholica hier treibt ist eher Anmassung und Missachtung der in unserer Demokratie für alle geltenden Rechte und Gesetze.

Während in unserer Demokratie niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf und jeder das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit hat, setzt sich die Catholica dreist über unser GG hinweg und will sich ihr eigenes Recht basteln.

Nun hat ihr aber die Gewerbeaufsicht in die Suppe gespuckt und die Kündigung der jungen Mutter abgelehnt. Seltsam zwar, dass hier die Gewerbeaufsicht und nicht das Arbeitsgericht eingeschritten ist, gleichwohl aber erfreulich, dass eine Aufsichtsbehörde gegen den offensichtlichen Machtmissbrauch einer mit Steuergeldern finanzierten kirchlichen Einrichtung einschreitet. Endlich erinnert sich jemand daran, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind und dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Besonders die Würde einer jungen Mutter, die ehrlich mit sich und der Welt umgeht.

Aber Ehrlichkeit und Recht scheinen der Catholica ein Bergriffspaar, das ihr gerade in Sachen Moral nicht schmeckt, besonders, wenn es sich um geschlechtsbezogene Moral handelt. Was Nonnen und Mönche, also Kleriker, dürfen, soll Laien verwehrt sein? Ach ja, schon wieder vergessen. Kleriker sind ja Eunuchen für das Himmelreich (Mt 19, 12) und geniessen irgendwie die Freiheit der Narren. Aber bitte nicht in unserer Demokratie!

 

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Kommentar

München, 1.6.2012

Religion/Gesellschaft

Papst schmollt – bei einem elenden Schmierentheater

von Georg Korfmacher, München

 

Just zur Zeit des Festes der dritten Gottheit manifestiert sich in der Catholica ein Geist, der zwiespältiger und weltlicher nicht sein kann. Während der Stellvertreter Gottes realitätsfremd schmollt, rumort es in seiner Kirche allenorten und auf jeder Ebene. Die Zweiklassengesellschaft Klerus hier und Laien dort bröselt und bröckelt. Offener Protest gegen den Papst auf dem Petersplatz ist nur eine Sache, die Intrigen und Zwiste in Kurie und Klerus sind eine andere. Alles gleichwohl Ausdruck tiefster Zerrissenheit der Catholica.

 

Der scheidende Professor für Exegese des Neuen Testaments in Luzern, Walter Kirchschläger, fordert offen eine kirchliche Verfassung, wie sie Papst Paul VI. 1965 angeregt hatte und in der Grundrechte, Gewaltentrennung, Schieds- und Schlichtungsverfahren sowie die Genderproblematik umfassend geregelt sind. Für ihn gibt es nicht eine Zentrale, die alles regiert. Glaubensgemeinschaft „wächst von unter“, Ämter und Aufgaben sollen nach „Charisma und Fähigkeiten“ unabhängig vom Stand (Kleriker oder Laie) verteilt werden. Sein Kollege Martin Rhonheimer, Philosoph und Opus-Dei-Priester ist für eine grundlegende Laizität des Staates. Der leidenschaftliche und volksnahe Priester Helmut Schöller fordert gar zum Ungehorsam auf.

 

Das kann den hohen Herren in den roten Röcken ebenso wie dem Papst nicht passen. Während dieser sich schmollend in seine Bücher vergräbt, schreiten die Rotröcke zur Tat. Der erste Stein im Domino ist der Kammerdiener. Und das volle Repertoire von Machtkampf und Intrige nimmt seinen Lauf. Wie schon immer und zu allen Zeiten. Insofern also im Vatikan nicht Neues. Mord und Totschlag nicht ausgeschlossen. Da verhallen die hehren Worte von christlichen Werten, Befruchtung - gar Voraussetzung - der Demokratie, sozialen Werten, Brüderlichkeit, Wahrheit, Ehrlichkeit wie Schall und Rauch. Man kann es nicht mehr hören!

 

Kein Wunder also, wenn Rhonheimer politische Parteien, die sich "christlich" nennen, als "gewissen Anachronismus" bezeichnete. Katholiken sollten sich vielmehr im Spektrum der Parteien dort engagieren, "wo sie sich von ihrem Gewissen her am besten einbringen können". Kompetenz vor religiöser Tünche. Der Papst macht mit Pomp und Pracht vor, wie es eben nicht funktioniert. Er hat den Koloss von Macht und Gier nicht im Griff. Mit unerklärlichen Wortarabesken legt er seine Sicht der Dinge einem verdutzten Kirchenvolk dar, macht aus einem Opfer für alle ein Opfer nur noch für viele. Demnächst möglicherweise nur für wenige und schliesslich nur noch für Auserwählte. Selbst ein Kardinal Lehmann kommt da ins Stolpern. Beruhigend lässt er wissen, dass viele eigentlich alle meint. Man versuche, das einmal einem Deutschlehrer klar zu machen. Ungenügend!

 

Zurück zur Laizität. Wir leben in dieser Welt und wir Laien müssen uns mit ihr auseinandersetzen, wie sie ist. Ohne jegliche religiöse Gängelung und Privilegien. Der Vatikan macht trotz Anspruch auf die absolute Wahrheit gerade vor, dass er nicht nur kein Deut besser ist, sondern ein elendes Schmierentheater liefert.



 

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Kommentar

München, 26.8.2012

Religion/Gesellschaft

Beschneidung: Es geht um mehr als um einen Zipfel Vorhaut

von Georg Korfmacher, München

 

Bei der derzeit heftig diskutierten Beschneidung unmündiger Knaben geht es um mehr  als um einen Zipfel Vorhaut. Unsere Gesellschaft hat sich stark geändert und ändert sich immer schneller. Diesen Veränderungen müssen wir uns stellen, offen und ehrlich, ohne Scham, Vorurteile und Schuldgefühle.

 

Wer durch Geburt oder freiwillige Entscheidung Mitglied unserer Staatsgemeinschaft ist, unterliegt nolens volens unserem Grundgesetz. Dort sind alle Grundrechte festgeschrieben die in keinem Falle in ihrem Wesensgehalt angetastet werden dürfen. (GG Art. 19 (2))

In der derzeit tobenden Diskussion um religiös bedingte Beschneidung von Unmündigen sind folgende grundsätzlichen Regeln unserer Verfassung zwingend:

1.     Niemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder Feierlichkeit oder zur Teilnahme an religiösen Übungen oder zur Benutzung einer religiösen Eidesform gezwungen werden. Art.140 GG (§ 136 WRV);

2.     Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständiginnerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Art.140 GG (§ 137 WRV);

3.     Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Art.2 (2) GG;

4.     Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. Art. 6 (2) GG;

 

All diese Grundrechte sind Menschenrechte. Diese zu vertreten und zu verteidigen muss ein fundamentales Anliegen aller aufrechten Demokraten sein. Beim Beschneidungsurteil von Köln handelt es sich zwar um eine jener allzu voreilig und leichtfertig abgetanen Einzelfallentscheidungen, aber es ist vor allem eine Chance, die aufgeworfene Problematik grundsätzlich und offen zu diskutieren. Da braucht man sich nicht schamhaft hinter angetanem Unrecht zu verstecken. Unsere Geschichte ist voll davon, jeder gegen jeden und allen voran die Catholica. Auch die Meinung des Ethik-Rates ist nur eine unter vielen und eher fragwürdig, wenn 50% seiner Mitglieder durch religiöse Funktionen befangen sind.

 

Der rechtliche Rahmen ist haarklein und messerscharf im GG vorgegeben. Sonderregelungen sind daher nicht nötig und höchstwahrscheinlich verrfassungswidrig. Hier sind vor allem die betroffenen Religionsgemeinschaften gefordert, auch die christlichen. Sie müssen sich klar werden und festlegen, wie sie ihre religiösen Rituale im Rahmen der für uns alle geltenden Gesetze regeln wollen. Uns steht eine interessante Diskussion bevor. Es geht wirklich um mehr als um einen Zipfel Vorhaut. Es geht um die Würde des Menschen, insbesondere des wehrlosen.

 

 

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Kommentar

München, 13.08.2012

Religion/Gesellschaft

Taufe von Unmündigen verfassungswidrig

von Georg Korfmacher, München

 

Das Kölner Beschneidungsurteil hat eine Nebenwirkung, die jeden Arzt oder Apotheker hilflos macht. Sie wurde hervorgerufen durch eine voreilige Reaktion der Catholica in ihrer gemeinsamen Empörung mit Juden und Muslimen über ein Urteil, das nach unserer Gesetzeslage gar nicht anders ausfallen konnte. Zu früh empört, zu kurz gedacht. Völlig unerwartet bläst der Catholica jetzt Gegenwind durch eine Verfassungsregelung ins Gesicht, wonach niemand zu einer kirchlichen Handlung oder Feierlichkeit oder zur Teilnahme an religiösen Übungen oder zur Benutzung einer religiösen Eidesform gezwungen werden darf. Demnach ist die Taufe von Unmündigen verfassungswidrig. Wer hat jemals darüber nachgedacht.

 

Nach dem Hitler-Konkordat von 1933 muss die Catholica endlich zur Kenntnis nehmen, dass bereits in der Weimarer Verfassung eine glasklare Bestimmung stand, die in § 140 in unserem Grundgesetz uneingeschränkt weitergeführt und verankert ist. An diesem Beispiel wird überaus deutlich, wie unsäglich undemokratisch und religionslastig unser Staat insbesondere mit den Amtskirchen verquickt ist. Natürlich tut Taufen körperlich nicht weh, hat aber gleichwohl gravierende bis irreversible Folgen für den unmündigen Täufling, nämlich lebenslange finanzielle Bürde durch die vom Staat eingezogene Kirchensteuer und - in der Catholica - Exkommunikation, wenn man das als Erwachsener nicht will.

 

Unmündige Kinder sind nämlich nicht Leibeigenen ihrer Eltern, sondern eigene Rechtssubjekte. Nach Dr. Dr. Joachim Kahl, Marburg, ist es den Eltern verwehrt, „irreversible oder als irreversibel vorgestellte Mitgliedschaften  überzustülpen. Denn dieser unfaire Paternalismus nutzt den kindlichen Zustand der Wehrlosigkeit und Unmündigkeit aus und verletzt das Recht, nur freiwillig  und ohne Zwang einer Religion oder Weltanschauung beizutreten oder eben nicht beizutreten.“ Während z.B. ein Franzose fröhlich Katholik und gleichzeitig Laizist sein kann, ist das dem deutschen Katholiken verwehrt. Sieht nämlich ein deutscher Katholik nicht ein, warum und dass ein Beitrag für seine Kirche zwangsweise bis zum Gerichtsvollzieher durch den Staat eingezogen wird, und sich dagegen wehrt, wird er kurzum und ohne wenn und aber exkommuniziert. Das ist für viele zwar keine körperliche, aber durchaus eine seelische Pein. Mord und Totschlag wird vergeben, eine Weigerung zur Zwangskirchensteuer – zumal durch den Staat eingetrieben – führt zum Ausschluss. „Das hohe Alter von Traditionen und die identitätsstützende Inbrunst, mit der bestimmte religiös motivierte Praktiken heute verteidigt werden, besagen überhaupt nichts über…. deren rechtsstaatliche Legitimität“, so Kahl.

 

Die Taufe ist nach eigenem Verständnis der Catholica irreversibel und verstösst somit gegen § 140 GG, weil es eine spätere eigene Entscheidung eines mündigen Menschen mit Ausschluss bedroht und bestraft. Besonders makaber: hier macht sich der Staat zum Handlanger der Catholica, weil durch eine Meldung eines Kirchenaustrittes beim Standesamt zwangsläufig die Exkommunikation ausgelöst wird. Wann endlich hört dieser Spuk und Missbrauch in unserer säkularen Demokratie auf!? 

 

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Kommentar

München, 05.08.2012

Religion/Gesellschaft

Das schickt sich nicht, Herr Schick

von Georg Korfmacher, München

 

Ob sie wollen oder nicht, auch die höchsten Vertreter der Catholica müssen sich an Recht und Gesetz in unserer Demokratie halten. Sonderregelungen darf es nicht geben. Schon gar nicht für Religionsgemeinschaften, denn Glauben ist Privatsache. Ist § 166 StGB (Beschimpfung von Bekenntnissen) schon kontrovers genug und gehört an sich nicht in unsere säkulare Demokratie, gibt es noch § 185 StGB (Beleidigung) und zahlreiche andere Gesetze zum Schutz der Persönlichkeit. Aber der katholische Erzbischof  Schick fordert ein Blasphemie-Verbot in Deutschland. Anlass war wohl die befleckte Sutane des Papstes. Der konnte sich jedoch mit dem bestehenden Rechtsinstrumentarium wehren.

 

Schick will schlicht die durch unsere Verfassung geschützte Meinungsfreiheit mit der Forderung beugen, dass gegen "heilige Personen, heilige Schriften, Gottesdienste und Gebete sowie heilige Gegenstände und Geräte aller Religionen" kein Spott und Hohn zugelassen werden dürfe. Aber wo war denn die Stimme dieses hohen Herren, als die Mohamed-Karikaturen veröffentlicht wurden?

 

Selbstverständlich muss man sich wundern und auch spotten dürfen über z.B. die Vorhaut Jesu, die als Ringe um den Saturn kreisen soll, über die ihrem Vater beischlafenden Töchter in der Bibel oder den Eid beim Gemächte seines Herrn, als dieser seinen Diener auf Brautschau schickte und, und, und. Aber nein, Schick fordert, "dass die Person Jesu Christi, Gott der Vater, Maria, die Heiligen, die Hostie des Altarsakraments, die sakralen Gegenstände wie Kelche und Monstranzen, auch die Kirchengebäude und Prozessionen von unserem Staat geschützt werden". (Der heilige Geist ist da irgendwo auf der Strecke geblieben) Nein Herr Schick, dafür sind neue Gesetze nicht nötig. Der elfte Abschnitt unseres StGB für Straftaten mit Bezug auf Religion und Weltanschauung ist mehr als hinreichend.

 

Insofern befindet sich auch Thomas Goppel auf dem Holzweg, wenn er postuliert: "Wer nicht so zu seinem Anstand findet, der braucht ein Gesetz". Ein Blick ins Gesetz würde auch ihm für die Rechtsfindung behilflich sein. Für den Purpurträger Marx ist das Thema nicht neu, und seine Reaktion auf den Kollegen eher diplomatisch zurückhaltend.

 

Es schickt sich nicht, Herr Schick, wenn ein Bischof sich hier scheinheilig zum Sprecher aller Religionsgemeinschaften aufspielt. Sollte dieser Kirchenmann wirklich schon vergessen haben, wie viele Andersgläubige und Andersdenkende durch die Catholica umgebracht worden sind, als diese noch das Sagen hatte? Das, Herr Schick, ist endgültig vorbei und darf nicht wiederkommen. Unser Recht ist sicherlich nicht perfekt und bedarf der stetigen Entwicklung. Aber es gilt nun einmal für alle, auch für die Catholica, die sich laut GG nur im Rahmen der für alle geltenden Gesetze zu bewegen hat. Ein religionsspezifisches Sonderrecht ist ein Frontalangriff auf unsere demokratische Ordnung. Dagegen muss sich jeder vernünftig denkende Mensch in dieser Republik vehement wehren.

 

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Kommentar

München, 26.8.2012

Religion/Gesellschaft

Beschneidung: Es geht um mehr als um einen Zipfel Vorhaut

von Georg Korfmacher, München

 

Bei der derzeit heftig diskutierten Beschneidung unmündiger Knaben geht es um mehr  als um einen Zipfel Vorhaut. Unsere Gesellschaft hat sich stark geändert und ändert sich immer schneller. Diesen Veränderungen müssen wir uns stellen, offen und ehrlich, ohne Scham, Vorurteile und Schuldgefühle.

 

Wer durch Geburt oder freiwillige Entscheidung Mitglied unserer Staatsgemeinschaft ist, unterliegt nolens volens unserem Grundgesetz. Dort sind alle Grundrechte festgeschrieben die in keinem Falle in ihrem Wesensgehalt angetastet werden dürfen. (GG Art. 19 (2))

In der derzeit tobenden Diskussion um religiös bedingte Beschneidung von Unmündigen sind folgende grundsätzlichen Regeln unserer Verfassung zwingend:

1.     Niemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder Feierlichkeit oder zur Teilnahme an religiösen Übungen oder zur Benutzung einer religiösen Eidesform gezwungen werden. Art.140 GG (§ 136 WRV);

2.     Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Art.140 GG (§ 137 WRV);

3.     Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Art.2 (2) GG;

4.     Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft. Art. 6 (2) GG;

All diese Grundrechte sind Menschenrechte. Diese zu vertreten und zu verteidigen muss ein fundamentales Anliegen aller aufrechten Demokraten sein. Beim Beschneidungsurteil von Köln handelt es sich zwar um eine jener allzu voreilig und leichtfertig abgetanen Einzelfallentscheidungen, aber es ist vor allem eine Chance, die aufgeworfene Problematik grundsätzlich und offen zu diskutieren. Da braucht man sich nicht schamhaft hinter angetanem Unrecht zu verstecken. Unsere Geschichte ist voll davon, jeder gegen jeden und allen voran die Catholica. Auch die Meinung des Ethik-Rates ist nur eine unter vielen und eher fragwürdig, wenn 50% seiner Mitglieder durch religiöse Funktionen befangen sind. 

Wann endlich macht unser Staat diesem Spuk des Inkassos für die Kirchen mit den grauenhaften Folgen für gläubige Menschen ein Ende. Im laizistischen Frankreich z.B. kann man fröhlicher Katholik sein und gleichwohl keine Kirchensteuer zahlen. Wann sehen die beiden deutschen (Noch)Grosskirchen endlich ein, dass sie ihre Angelegenheiten selbst regeln müssen (Art. 140 GG i.V.m. WRV). Auch hier ist R. Spaemann Zeuge für ein Gespräch, das er früher mit dem heutigen Papst hatte.

Die Europäer müssen ihren Lebensstil überdenken, so der Kardinal vor der ComECE, in der sich Vertreter der Bischofskonferenzen aller 27 EU-Mitgliedstaaten als Lobby zusammengetan haben. Denn für den Grossmeister des „schwarzen Marxismus“ muss die Krise in der EU "auch als christliches Projekt“ gesehen werden.

Dabei wird der vorsitzende Primat Marx den ihn umgebenden Primaten erklären müssen, was z.B. an seinem „Dritte Weg“ im Arbeitsrecht sozial sein soll, oder was die deutsche Catholica mit all ihrem Reichtum für die Armen tut, während ihre Caritas fast vollständig aus öffentlichen Steuermitteln finanziert wird, für die sie nicht einmal Rechenschaft ablegen muss. Und dabei steht er allein auf einer Insel der Glückseligen inmitten einer Vielfalt von laizistischen oder weitgehend so geprägten Staaten.

Auch ein Blick in die päpstliche Epistel von 1891 hilft dem „schwarzen“ Marx nicht weiter. Dort wird nämlich der sozialistische Lösungsversuch als ungerecht, weil gegen das Naturrecht des Privateigentums gerichtet, pauschal verurteilt und der arbeitende Mensch auf das Jenseits vertröstet, wenn es hienieden nicht klappen sollte.

Dabei wird der vorsitzende Primat Marx den ihn umgebenden Primaten erklären müssen, was z.B. an seinem „Dritte Weg“ im Arbeitsrecht sozial sein soll, oder was die deutsche Catholica mit all ihrem Reichtum für die Armen tut, während ihre Caritas fast vollständig aus öffentlichen Steuermitteln finanziert wird, für die sie nicht einmal Rechenschaft ablegen muss. Und dabei steht er allein auf einer Insel der Glückseligen inmitten einer Vielfalt von laizistischen oder weitgehend so geprägten Staaten.

Kommentar

München, 1.8.2013

Religion/Gesellschaft

Papst, Demokratie und Komfortzonen

von Georg Korfmacher, München

 

Geradezu revolutionär scheint es, wenn das Oberhaupt der Catholica ohne wenn und aber verkündet, dass seine Kirche wieder zur Armut zurückkehren muss, wenn sie sich in einer Zeit der Säkularisierung vor allem im Norden der Welt noch Gehör finden will. Das sagt ein Mann, der sich auch nicht scheut, mehr Humanismus zu fordern und den Menschen mit seinen Nöten wieder in den Mittelpunkt zu nehmen.

 

Und das lebt er auch noch vor. Ohne Berührungsängste führt er seinen Primaten und Klerikern vor, was es heisst, die ach so lieb gewonnen Komfortzonen zu verlassen und den Menschen wieder ihre Würde zurückzugeben, als Hirte den Stallgeruch der Schafe anzunehmen, den Armen Anwalt zu sein. Und ebenso prompt rumort es in der konservativen Catholica, deren Primat aus Philadelphia mahnend verkündet, dass der konservative Flügel innerhalb der Kirche derzeit nicht wirklich glücklich sei mit den ersten Monaten des Papstes.

 

Vor diesem Hintergrund erscheint die Schönwetterreise des Münchener Primaten auch eher fragwürdig. Dieser reist zurzeit durch sein Bistum und will so mit den Menschen ins Gespräch kommen, dieweil seine Gemeinde in Bayern drastisch schrumpft. Auf einem photogenen Berggipfel ist gut ohne Widerspruch dozieren. Aber hat der hohe Herr sich jemals in die Niederungen der Arbeitslosenseelsorge begeben, um sich dort Informationen aus erster Hand von armen Menschen in Not zu holen? Nein. Er ist gegen Mindestlohn im Allgemeinen und gegen Streikrecht in den Unternehmen der Catholica im Besonderen. Und von Demokratie will er qua Regeln seiner Kirche sowieso nichts wissen. Da wird er sich als Papstberater wohl etwas einfallen lassen müssen. Denn der ist eher sozial links eingestellt. Solidarität, Verantwortung und Hilfe für die Armen will er. Kein Protz und keine Show! Raus aus den schönen Sesseln, hinaus auf die Straßen und in die Elendsviertel. Keine Gottesfurcht predigen, sondern Respekt, Würde und Solidarität. Für den neuen Mann an der Spitze der Catholica gibt es keine Komfortzonen für seine Kleriker.

 

Der Papst lebt es vor. Er wohnt im Gegensatz zu einigen Primaten seiner Catholica in Deutschland nicht in einem Palais. Er isst in einer Kantine und lässt sich nicht von devoten Nonnen und Sekretären verwöhnen. Alles Zeichen, die es so bisher nicht gab, inklusive Abberufung von zwei Erzprimaten, die Geld verzockt hatten. Da müssen in so manchen Palais in Deutschland die Warnglocken schrillen.

 

Nun ist nicht zu erwarten, dass die Catholica sich zum Hort der Demokratie entwickelt. Aber es ermutigt zu sehen, dass der Papst sich auf den Glauben konzentriert und alles Weltliche dem Staat überlassen will. Erst mit klarer Distanz kann er sich auf seine Art einmischen, ohne Religion und Staat zu vermauscheln und voneinander abhängig zu machen. “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.” (Mk 12,17) scheint für den Papst klare Trennungs- aber auch Kampflinie zu sein.

 

 

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Kommentar

München, 23.7.2013

Religion/Gesellschaft

Joseph von Nazareth angekommen

von Georg Korfmacher, München

 

Na endlich! Mehr als 2000 Jahre nach dem großen Ereignis denkt die katholische Kirch daran, dass der Gottessohn ja auch einen Vater hatte. Am Tag der Arbeit, dem 1. Mai 2013, unterzeichnete Papst Franz ein entsprechendes Dekret zugunsten seines Bruders Josef. Ab sofort wird er gleich nach seiner Frau in Hochgebeten ehrend erwähnt.

 

Die Begründung im Dekret ist zwar etwas verschnörkelt und auf Anhieb nicht jedem verständlich, aber das ist beim Gebet ja auch gar nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass er jetzt endlich und offiziell als „Musterbeispiel“, „Haupt der Familie des Herrn“, liebevoller Ehemann und freudiger Erzieher seines Sohnes gilt. Leider schweigt das Dekret zu den anderen Kindern der ganzen Familie, so wie sie bei Markus erwähnt werden (Mk Kap.3, 3,32), und obwohl der älteste Sohn Jakobus mit Pomp und Gloria in Santiago di Compostela in Spanien schon seit Jahrhunderten verehrt wird.

 

Nun könnte die späte Ehre des Familienvaters ja endlich dazu führen, dass seine Verehrung auch ganz offiziell in Kirchen stattfindet. Da gibt es z.B. in München eine Kirche namens „Hl. Familie“, in der zur grossen Überraschung des verehrungswilligen Besuchers von Josef weit und breit und auch bei genauem Hinsehen nichts zu sehen ist. Da scheint also Nachbesserungsbedarf. Alle möglichen Heilige hängen dort an den Wänden, nur den hl. Josef gibt es nicht. Draussen im Hof steht zwar eine etwas grobe Figurengruppe einer Familie mit einem Kind und einem finster dreinschauenden Mann. Der aber ist in Anbetracht der lobenden Erwähnungen im neuen Dekret kaum als Josef zu identifizieren.

 

Abgesichert durch das Dekret mit der Erhebung des Familienvaters Josef könnte die Catholica jetzt ein Zeichen setzen gegen die zahllosen und zunehmenden vaterlosen und alleinerziehenden Lebensformen. Papst Franz führt doch gerade vor, wie stark Bilder wirken. Ja, zur Erziehung eines Kindes gehört idealerweise ein Mann, ebenso wie notwendigerweise zu seiner Zeugung.

 

Aber bis Josef von Nazareth in seiner Hl. Familie in München angekommen ist, bedarf es wahrscheinlich noch vieler formaler Akte und auch Geld, das die gerade neu zusammengewürfelte Gemeinde nicht hat. Vielleicht hilft es, dass der Pfarrer auch Josef heisst, Joseph Pandiappallil. Nomen est Omen.

 

Kommentar

24.7.2013

Gesellschaft/Religiion

Papst zwischen Jubel und Wirklichkeit

von Georg Korfmacher, München

 

Papst Franz punktet und lässt zahlreiche Primaten aus den Reihen der Kurie und auch andere Kardinäle im Regen stehen. Während er ohne viel Federlesen zu den Ärmsten nach Lampedusa reist, predigt sein Münchner Berater hilflos darüber, was wohl neuerdings zu machen sei. Warum hat er nicht selber die nur fünf Gehminuten von seinem Palais kampierenden Asylanten besucht? Da tun sich Welten zwischen Tat und Getue auf in der Catholica, insbesondere in der deutschen.

 

Die soeben erschienen Enzyklika „zu vier Händen“ Lumen fidei ist für einen normalen Menschen schwer zu lesen, enthält sie doch höchst arabeske Darlegungen zu Glaubensfragen aller Art. Nur aus den wenigen Hinzufügungen des neuen Papstes kann man entnehmen, dass Glaube mehr mit Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu tun hat als mit Androhung von Strafen, wie z.B. die Androhung der Exkommunikation bei Nichtzahlung der Kirchensteuer. Und flugs spitzt da die Freiburger Rede von Benedikt mit der Forderung nach Entweltlichung hervor und wird von Franz unmissverständlich bekräftigt. Spätestens jetzt können die deutschen Primaten nicht mehr kalt abblocken und wegschauen: die Kirchensteuer muss weg! Sie hat nicht nur nichts mit der Glaubensverkündung zu tun, sondern verstösst eklatant gegen das von Papst Franz vehement gefordertes und vorgelebtes Gebot der Armut und verletzt obendrein das in unserem GG festgeschriebene Gebot der Neutralität des Staates gegenüber allen Religionen. Der Staat darf nicht der Büttel der Kirche sein, selbst wenn Hitler und Pacelli das seinerzeit so ausgekungelt haben. Heutzutage leben wir in einer Demokratie, der solche Sonderbehandlungen fremd sein sollten.

 

Schon der bayerische Papst hatte sich darüber beklagt, dass die Kirche in Deutschland zu reich sei. Sein argentinischer Nachfolger geht da radikal weiter: Geistliche müssen Armut vorleben! Da muss bei so manchem Kirchenfürst die Schamröte das Rot der Tracht verblassen lassen. In der ganzen Welt geht es ohne Kirchensteuer, und schon gar nicht vom Staat eingetrieben. Aber das ist ja so bequem, es lebt sich doch so gut in einer satten und reichen Kirche. Aber nicht nur der papa emeritus hat seine deutsche Catholica gezielt ermahnt. Kritik kommt mittlerweile auch aus Italien: eine „reiche, bürokratisierte, politisierte, aber glaubensarme Kirche“, so der Vatikanist Sandro Magister. Das ist die Wirklichkeit in Deutschland. Geld in Hülle und Fülle, sogar für einen 10-Mio-Palazzo seines Beraters in Rom. Das passt nicht zur Forderung des papa electus nach einer „armen Kirche und einer Kirche für die Armen“. Selbst in einem Ford Escort fahrend, verachtet er automobilen Prunk und Protz seiner Priester oder Nonnen. „So etwas geht nicht", so Papst Franz kürzlich in Rom.

 

Während Papst Franz für seine Lebensweise und Aussagen weltweit Anerkennung gar Jubel erntet, hat er den Kampf mit der Wirklichkeit gerade erst begonnen. Widerstand und Murren in seiner direkten Umgebung und Teilen der Kurie und der konservativen Katholiken, Karrierepriestertum vor allem in den reichen Ländern der Catholica, Vatikanbank, Seilschaften aller Art und noch viel mehr. Endlich keine Samthandschuhe mehr, keine roten Pantöffelchen, kein pelzverbrämtes Brimborium. Beim Ausmisten ist noch viel zu tun.

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Kommentar

München, 20.6.2013

Gesellschaft/Religion/Arbeitsrecht der Catholica

Entweltlichung und der „Dritte Weg“

von Georg Korfmacher, München

 

Auf dem Arbeitsmarkt hat sich die Catholica mit einem eigenen, „Dritten Weg“ die Bahn geebnet für Macht und Rechte vorbei an christlicher Nächstenliebe und gesellschaftlicher Verantwortung. Wie ist das vor unserem Grundgesetz möglich? Was treibt die deutsche Catholica, ihre Sozialvorstellungen menschenrechtswidrig durchzusetzen? Was ist aus dem barmherzigen Samariter geworden?

 

Ausgangspunkt für alle Überlegungen muss in unserer Demokratie das Grundgesetz (GG) sein, das vor allen Gesetzen und Einzelregelungen bei deren Auslegung absolut Vorrang hat. Und im GG steht die Würde des Menschen an erster Stelle.

Neben zahlreichen Einzelregelungen betreffend die Beziehungen von Staat und Kirche haben die Väter unseres GG in Art.140 GG i.V.m. WRV Art. 135 bis 141 einige bemerkenswerte Grundsätze festgeschrieben. So z.B. in Art. 137 WRV, dass es keine Staatskirche gibt. Das ist ein fundamentales Bekenntnis des Staates zur Neutralität gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen. Konsequent ist daher ebenda festgelegt, dass jede Religionsgesellschaft ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes ordnet und verwaltet. Also, Selbstverwaltung ja, Sonderrechte nein. Wie bei jedem Verein.

 

Nicht nur vor diesem Hintergrund verfängt sich der Star der deutschen katholischen Soziallehre, Kardinal Marx, im Gewirr der eigenen Fussangeln, wenn er mit Blick an das Ende der Welt gegen „Strukturen der Ausbeutung“ wettert. Dabei übersieht er nämlich geflissentlich, dass in den Werken seiner Kirche und in unserer Republik vom Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) bis hin zum Mitbestimmungsgesetz (MitbestG) kein für alle anderen Arbeitnehmer geltendes Recht anwendbar ist. Damit sind die Werke der Catholica gegenüber allen anderen Unternehmen nicht hinnehmbar und GG-widrig privilegiert. 

 

Das arabesk als „Dritter Weg“ bezeichnete Mitarbeitervertretungsrecht der Catholica ist demokratisch ein Holzweg und ähnelt eher einer Struktur der Ausbeutung, einem Irrweg, auf dem die eigenen Mitarbeiter bezüglich ihres Schutzes wesentlich schlechter gestellt werden als ihre Kollegen in der Privatwirtschaft.

 

Unabhängig von wohlwollenden oder durch religiösen Gehorsam geprägten allerhöchsten Gerichtsurteilen nimmt die deutsche Catholica schamlos im GG ausgeschlossene Sonderrechte in Anspruch. Wenn sie sich dabei selbst auf Glaubensgrundsätze beruft, darf sie sich gerade nicht auf noch so ausgetüftelte Meinungen von Kirchenrechtlern zurückziehen. Glauben ist nicht Recht. Und was rechtens ist, ist nicht immer gerecht oder richtig.

 

Da muss der neue Papstberater sich wohl zunächst vom neuen Papst Rat holen, wie der seine Forderung an seine Priester und Primaten versteht, dass diese sich „nicht lächerlich machen und der Kirche schaden, indem sie dem Geld und der Karriere folgen“. Oder die Forderung nach mehr Solidarität, wobei das gesamte System auf den Prüfstand gestellt und mit den fundamentalen Rechten aller Menschen in Einklang gebracht werden müsse.

 

Nähme Marx diese mahnenden Worte seines neuen Pontifex zu Herzen, müsste er umgehend den Sondermüll seines dritten Weges entsorgen und unter Beachtung der Würde des Menschen und seiner Rechte (Art. 1 GG) die für alle geltenden demokratischen, arbeitsrechtlichen Regelungen in den Werken der Catholica anwenden.

Ein für die deutsche Catholica unerwartet steifer Wind aus Rom weht da dem schwarzen Marx ins Gesicht. Der neu gebackene Papstberater und Aalkönig muss beim neuen Papst erst einmal in die Nachhilfestunde gehen und sich erklären lassen, was dieser unter dem Dienst als wahrer Macht versteht und warum er knallhart fordert, dass seine Primaten es genau so  machen wie der uneigennützig helfende barmherzige Samariter. 

 

Nach Überzeugung namhafter deutscher Katholiken (Cordes, Lütz) hätte der barmherzige Samariter beim Caritasverband heute kaum eine Chance, weil nicht getauft und mit dem falschen Glauben. Und doch steht er im Zentrum christlicher Lehre.


Aus ehemals ob ihrer Werke durchaus angesehenen christlichen Einrichtungen sind vielfach eine Arbeitgebermacht entstanden, die Gewalt an Menschen mit Glaubensgrundsätzen ausübt. Dabei haben diese mit beruflicher Qualifikation überhaupt nichts zu tun. Es ist GG-widrig, wenn ein Arbeitssuchender Fragen nach seinem Bekenntnis, seinen Neigungen und Einstellungen, seiner Parteizugehörigkeit u.ä. beantworten soll. Dadurch diskriminiert die Catholica Arbeit suchende Menschen, die verzweifelt eine gute Arbeit für ein Leben in Würde suchen. Was haben ein entzündeter Blinddarm oder eine ordentliche Buchführung mit katholischer Glaubenslehre zu tun? Was ein sauber gereinigtes Büro oder ein pädagogisch einwandfrei geführter Kindergarten? Die Willkür kirchlicher Arbeitgeber scheint schrankenlos und wird gnadenlos als Kontrolle in Glaubenssachen praktiziert. In unserer Demokratie heute!

 

Aber hier prangert der neue Pontifex an, dass Kirchenmänner oft Kontrolleure und nicht Wegbereiter des Glaubens seien, und dass es gälte, „den Menschen wieder ins Zentrum zu rücken“. Und auch eine neue, aufgeklärte Richtergeneration und Gewerbeaufsicht machen bei dem Regelungsgeflecht der Catholica nicht mehr mit: Kündigungen müssen zurückgenommen werden, das versagte Streikrecht wird aufgeweicht und mehr und mehr zwingen öffentliche Meinung und Protest  zur Aufgabe unhaltbarer Gängelungen durch kirchliche Arbeitgeber und Primaten. 

 

Die letzte entscheidende Rede des papa emeritus in Freiburg hat die deutsche Catholica mit seiner Forderung nach Entweltlichung in ein Dilemma gestürzt. Der  papa electus geht genau da konsequent weiter und fordert - vor allem -, die Würde des Menschen zu achten. Solidarität müsse wieder staatsbürgerliche Tugend werden, auch und gerade für die deutsche Catholica, wenn sie sich dann nach Art des armen Samariters Verantwortung übernehmen und sich nicht nur für fragwürdige und als Unrecht empfundene Dienste satt aus öffentlichen Mitteln bezahlen lassen will.

 

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Kommentar

15.3.2013

Religion/Gesellschaft

Papst: wer nicht für Gott ist, huldigt dem Teufel

von Georg Korfmacher

 

Ob wirklich alle 7,1 Mrd. Erdbewohner an der Neuwahl eines Papstes derCatholica interessiert sind, mag dahin gestellt sein. Viele von ihnen müssenaber gleich bei der ersten Predigt des neuen Papstes an seine „Brüder“ bei seiner ersten Messe aufschrecken, verteufelt er doch pauschal als Teufelspack, was nicht zum Gott der Catholica betet. Diese harte Linie passt so gar nicht zu den lobhudeligen Kommentaren, die offenbar unreflektiert durch die Medien rauschen.

 

Diesen neuen Mann als Stellvertreter Gottes auf der Erde der Catholica hatte keiner auf der Liste. Umso überschwänglicher die Freude über einen neuen Papst mit neuen Ideen für alte Probleme. Kenner der Szene wissen aber, dass neue Ideen aus Südamerika vom Vatikan stets heftigst unterdrückt worden sind, so z.B. die Befreiungsthelogie, auch vom neuen Papst, als er noch keiner war. Auch Frauen und Homosexuelle haben beim Tango liebenden Pontifex keinen guten Stand, ganz zu schweigen von den Bestrebungen der Ökumene.

 

Ein Blick über den Zaun nach Brasilien zeigt die erschreckend fundamentalistische Einstellung der catholica latina zu einer aufgeklärten Welt. Inbrünstig „im Versprechen unserer unerschütterlichen Treue zum Papst, richten wir, die unterzeichneten römisch-katholischen und apostolischen Christen, diesen Appell an Sie, den noch unbekannten Heiligen Vater und knien im Geiste vor Ihrer Gestalt ehrfürchtig nieder“. Das Instituto Plinio Correa de Oliveira (IPCO) richtete mit einem Aufruf „Bitten“ an den neuen Papst, darunter die „grundlegenden Glaubenswahrheiten“ der Existenz der Hölle zu bestätigen, die „Unauflöslichkeit der Ehe“ zu verteidigen, die „Unzulässigkeit einer ‚zweiten (Ehe)Verbindung‘“ zu bekräftigen, die schwere sittliche Perversion homosexueller Beziehungen und das abscheuliche Verbrechen der Abtreibung zu bekräftigen.

 

Der neue Papst solle sich „an erster Stelle“ dem „Laizismus-Tsunami“ widersetzen, „der sich in den westlichen Ländern ausbreitet“, wo Staaten katholische Einrichtungen „zwingen wollen, zu Helfershelfern bei zahllosen Übertretungen des göttlichen Gesetzes zu werden“. Er möge „sich nicht von der Heimtücke des atheistischen oder agnostischen Laizismus umgarnen“ lassen, sondern ihn öffentlich bekämpfen, „damit Abermillionen von Seelen, im Vertrauen auf den göttlichen Beistand, wieder auf den rechten Weg zurückgeführt werden können.“

 

Wenn auch nur ein Teil dieser Bitten erhört werden sollte, stehen uns stürmische Zeiten bevor und wahrscheinlich noch mehr Kirchenaustritte. Der neue Papst Franziskus werde »die Frauen- und Sexualfeindlichkeit fortsetzen«, so Uta Ranke-Heinemann in einem Interview mit junge Welt. »Den Frauen, die nicht bereit sind, ihren Verstand aufzugeben, bleibt nur noch die Flucht. Politisch repräsentiert Franziskus das Reaktionärste, was die katholische Kirche momentan zu bieten hat.«

 

Indem der neue Papst sich dazu bekennt „Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel“, stellt er sich barsch gegen 5,8 Mrd. Erdbewohner. Diese unwirklich brutale Kampfansage katholischer Nächstenliebe ist fürwahr ein makabres Markenzeichen des neuen Pontifikats. Gut, dass man sich rechtzeitig darauf einstellen kann.

 

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Kommentar

23.2.2013

Religion/Gesellschaft

Papst sollte sich nach Rücktritt stellen

von Georg Korfmacher, München

 

Spätestens sobald der derzeitige Papst vom seinem allmächtigen Amt als Stellvertreter des Gottes der Catholica auf Erden zurückgetreten sein wird und dann bar aller Ämter und mit beschränkten Würden ist, wird sein Pontifikat haarklein analysiert werden. Dazu wird die ungelöste Klärung des Missbrauchs Minderjähriger durch Priester gehören. Und hier auch der Widerspruch zwischen seinen Gesten während des Pontifikats und seinen Taten davor.

 

Dabei geht es nicht nur um die weltweiten Abscheulichkeiten der Taten an sich, sondern vor allem darum, dass und wie sich die Catholica über weltliches Recht hinweggesetzt hat, um eindeutige Straftaten zu vertuschen, und das auch weiter vorzuhaben scheint. Zwei Zeit- und Kronzeugen untadeligen Rufes melden sich dazu seit Jahren zu Wort, sein Konzilskollege Hans Küng und seine Kommilitonin Ute Ranke-Heinemann.

 

Küng (Quelle. PHOENIX): „Er (der Papst) war führend beteiligt an der Vertuschung der Missbrauchsfälle". Und er verweist auf die Geheimhaltungsvorschrift, die der Kardinal Josef Ratzinger als Vorsitzender der Glaubenskongregation 2001 für alle Bischöfe wegen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche weltweit verbindlich gemacht hatte. Damit setzte sich der deutsche Kardinal flagrant über alle einschlägigen Rechtsvorschriften zivilisierter Staaten hinweg, so auch über das Grundgesetz unserer Republik. Dort ist nämlich eindeutig geregelt, dass die Catholica zwar ein Selbstverwaltungsrecht haben soll, aber eben nur in den Schranken der für alle geltenden Gesetze. Insofern ist die Geheimhaltungsvorschrift des Kardinals Ratzinger eine sakrosankte Vorschrift, der sich der Papst Benedikt XVI. auch nicht durch noch so viele Gesten des Mitleids und der Entschuldigungen entziehen kann, und ein krasses Beispiel für die Notwendigkeit einer klaren Trennung der Aufgaben von Staat und Kirche. Der CIC darf in Strafsachen und zivilrechtlich keinen Bestand oder gar Vorrang gegenüber den Gesetzen unserer Republik haben. Aber genau das hat der Kardinal als Grossinquisitor der Catholica gewollt und getan. Und als Papst war er an seine Anweisungen als Kardinal gebunden. Sacra perversitas!

 

Ranke-Heinemann geht noch weiter: „Papst Benedikt hat das Evangelium zu einer Bordellbotschaft gemacht“. Dieses überaus schmerzhafte Urteil fiel im Zusammenhang mit der Feststellung eines afrikanischen Pfarrers, dass auch bei Ansteckung und Todesgefahr Kondome nicht erlaubt seien. „Ehefrauen, die sich bei ihrem Ehemann angesteckt haben, das sind die Märtyrerinnen unseres Jahrtausends." (Quelle: derstandard.at vom 20.2.2013).

 

Das hat nur scheinbar nichts mit den unzähligen Missbrauchsfällen zu tun, erhält aber einen makabren Beigeschmack, wenn man die Äusserung des als Papstnachfolger gehandelten afrikanischen Kardinals Peter Turkson ernst nimmt. Dieser stellte nämlich in einem CNN-Interview Homosexualität mit Kindesmissbrauch gleich.  Wiederum geht es nicht um Menschenrechte und Schutz Betroffener, sondern nur um die Oberhoheit der Catholica. Moralvorgaben und Androhung von Höllenpein statt Barmherzigkeit. Wenn ein demokratischer Staat bei solchem Treiben tatenlos zuschaut, verliert er seine Glaubwürdigkeit. Der Papst sollte sich nach seinem Rücktritt stellen, anstatt sich in einem vatikanischen Kloster zu verkriechen.

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Kommentar

13.2.2013

Religion/Gesellschaft

Papst schmeisst hin und stirbt zweimal

von Georg Korfmacher, München

 

Wohlbedacht teilte der Papst seinen um ihn versammelten Primaten mit, dass er nicht mehr kann und ab Monatsende nicht mehr will. Und die Verkündung just am Rosenmontag war sicher keine Narretei. Zum ersten Mal in seinem Leben handelt der Papst überraschend konsequent und bricht mit der von ihm so hochgehaltenen Tradition der Catholica. Das verdient Respekt.

 

Respekt gegenüber seiner Person sicherlich, aber Erstaunen darüber, dass er sein Amt in einer dramatischen Krisensituation der Catholica so einfach schmeisst. Die Gläubigen rennen in Scharen davon und opponieren gegen die Macht und Willkür der Primaten. Und ungelöst sind die Probleme vom Missbrauch unschuldiger Kinder, vom Umgang mit Frauen, mit Homosexuellen, mit dem Zölibat, mit dem kirchlichen Arbeitsrecht ausserhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze, mit der gewaltsamen Eintreibung der Kirchensteuer durch den Staat, mit dem Religionsunterricht in öffentlichen Schulen bei Ausgrenzung aller nicht christlich Gläubigen u.s.w.

 

Da könnte ein Rücktritt völlig ausser der Reihe und gegen die eherne Tradition auch  Flucht bedeuten. Oder will er nur als Ausnahme in die Kirchengeschichte eingehen? Will er nicht noch mehr Porzellan zerschlagen, wie z.B. mit seiner Islam-Rede in Regensburg, mit seiner Erlaubnis für Kondome nur für praktizierende Homosexuelle, mit seiner Buhlschaft um die Piusbrüder und seiner Unfähigkeit, die Skandale in seiner Vatikanbank auszutrocknen? Mit seiner neuen Karfreitagsbitte "Für die Bekehrung der Juden" hat er sich die „älteren Brüder“ auch wieder vergrault, und den Protestanten den Status einer Kirche abzusprechen, macht einen aufgeklärten Menschen nur sprachlos. Die kürzlich veröffentlichte Sinus-Studie bescheinigt krass, dass die Catholica mit ihren Botschaften nur noch wenige Gesellschaftsgruppen erreicht. "Die fromme Kulisse aus Wolken von Weihrauch und zahllosen Vorhängen edler Gewandungsstücke konnte die Abgründe an Unmenschlichkeit, Machtmissbrauch, Loyalitätserzwingung und Erpressung – gerade bei den zahlreichen homosexuellen Klerikern – nur ansatzweise verdecken", so der Theologe David Berger in seinem Nachruf. Und Ute Ranke-Heinemann, die zusammen mit dem Papst Theologie studierte und lateinische Texte übersetzte, hält sein Pontifikat schlicht für eine Katastrophe. Sie hält den Vatikan für „das Idealbiotop für keusche Homosexuelle“.

 

Und dann noch das eigenartige Verständnis der Catholica für das Papstamtes. Danach gibt ein Mensch sein persönliches Leben mit dem Antritt seines Amtes als Papst auf und wird als Stellvertreter Gottes dessen absoluter, unfehlbarer Alleinherrscher auf Erden. Ihm muss „alle menschliche Kreatur bei Verlust ihrer Seelen Seligkeit untertan sein“ (Unam Sanctam). Indem der Papst in diesem höchsten Amt abwinkt und abdankt, stirbt er als Papst. Als Mensch wird er eines Tages hoffentlich in Ruhe entschlafen. Dann ist er zweimal gestorben. Amen!

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Kommentar

28.1.2013

München

Religion/Gesellschaft

Papst und seine Primaten stehen im Regen

von Georg Korfmacher, München

 

Jetzt liegen die Karten auf dem Tisch. Man braucht nur noch auszuzählen. „Katholiken aller Milieus gehen auf Distanz zum Papst“, titelt DIE WELT am 24.01.2013. Aus einem geballten Wolkengebilde prasseln die Fakten hernieder und lassen den Papst und seine Primaten im Regen stehen. Umso erstaunlicher, dass die von der MDG Medien-Dienstleistung GmbH, München, herausgegebene und von der SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH, Heidelberg, erarbeitete Studie aus Mitteln des Treuhandfonds Medien des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) gefördert worden ist.

 

Die zehn sog. Sinus-Milieus – vielleicht einfacher Gesellschaftsgruppen - der Studie „bilden eine soziologische Brille“, durch die alle Mitglieder der Catholica genau analysiert werden können. „Mit vielen ihrer Angebote erreicht die Kirche aber nur wenige Milieus“, so die Studie gleich vorab. Peinlich genau und schonungslos werden die Milieus bezüglich ihrer religiösen und kirchlichen Orientierungen beschrieben und ausgewertet. Befragt wurden nur Mitglieder der katholischen Kirche (keine Ausgetretenen) in ihrem privaten Umfeld.

 

Von den gerade noch 30 Prozent Katholiken in der deutschen Gesellschaft (d.s. ca. 24,6 Mio.) befinden sich 25 Prozent (d.s. 6,15 Mio.) im "konservativ-etablierten" und "traditionellen" Milieu. Im entgegengesetzten Milieu der Prekären, Hedonisten und Expeditiven tummeln sich aber jeweils 9, 15 und 6 Prozent Katholiken (d.s. 2,21, 3,69 und 1,48, also 7,38 Mio.). Die viel gerühmte bürgerliche Mitte umfasst mit 14 Prozent (d.s. 3,44 Mio.) gar weniger als die Spassgläubigen (Hedonisten). Die Gruppe der Liberal-Intellektuellen (7%), Performer (7%), Sozialökologischen (7%), Expeditiven (6%) und Adaptiv-Pragmatischen (9%) stellen mit 36 Prozent (d.s. 8,86 Mio.) den grössten Block gegen den Papst und seine Primaten.

 

Daraus kann man schliessen, dass von allen Katholiken nur etwa 9,59 Mio. noch relativ fest zu ihrem Glauben stehen, d.s. 11,7% der Gesamtbevölkerung, während der Rest, nämlich ca. 15 Mio., nur ein vages bis ablehnendes Verhältnis zu ihrer Kirche und ihren Vorgesetzten haben.

 

Alle Milieus treibt ein grosses Unbehagen mit bzw. Ablehnung der Kirchenleitung mit deren Sexuallehre, dem Umgang mit Frauen und Homosexuellen sowie Ihrer Einstellung gegenüber Geschiedenen um. In allen Gruppen ist deutlich eine Lockerung der Glaubensüberzeugungen manifest.

 

Was den Papst und seine Primaten in Deutschland erschüttern muss, ist günstig für unsere Demokratie mit ihrer Gesinnungsvielfalt. Die seit 1933 zugebilligten Privilegien der Catholica, wie z.B. staatlich eingezogene Kirchensteuer und Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, passen nicht mehr in unsere Zeit, wenn sich nur 12 % der Bevölkerung noch zu ihrem katholischen Glauben bekennen. Selbst wenn man eine ähnliche Minderheit von Protestanten hinzurechnet, wollen mehr als 75% unserer Bevölkerung keinerlei Gängelung durch die beiden „Amtskirchen“. Nur ein laizistisch verfasster Statt mit klarer institutionaler Trennung von Staat und Kirche kann unserer Gesellschaft gerecht werden und eine Demokratie ohne Diskriminierung und Bevorteilung gewähren. Das ist das eindringliche Ergebnis der Studie.

 

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Kommentar

18.1.2013

München

Religion/Gesellschaft/medizinischer Notfall

Catholica versagt Hilfe im Notfall

von Georg Korfmacher, München

 

Die Catholica setzt sich dreister denn je über unser Grundgesetz (GG) und die elementarsten Regeln unserer Gesellschaft hinweg. Nach Anfrage einer behandelnden Ärztin verweigern zwei Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft in Köln eine gynäkologische Untersuchung zur Beweissicherung. In welcher Republik leben wir? Ärztliche Dienste werden vom Staat bezahlt, und das Krankenhaus verweigert eine elementare medizinische Leistung!

 

Die beiden Krankenhäuser in Köln mit dem vielversprechenden Namen Vinzenz-Hospital und Heilig-Geist versagten einer Patientin mit Verdacht auf Vergewaltigung eine gynäkologische Untersuchung zur Beweissicherung, die von der Notfallärztin empfohlen und angefragt worden war. Flugs ist ein dienstbeflissener Advokat mit dem Hinweis zur Stelle, dass kirchliche Einrichtungen Tendenzbetriebe mit erheblichen Sonderrechten seien.

 

Stimmt. Und doch auch nicht. In unserem GG ist eindeutig geregelt, dass die Kirchen ihre Angelegenheiten zwar selbstverantwortlich regeln, aber eben nur „in den Schranken des für alle geltenden Gesetzes“. Ebenso schreibt unser GG vor, dass alle Grundrechte als unmittelbar geltendes Recht bindend sind. Und niemand darf wegen seiner religiösen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Unser Deutsches Volk bekennt sich zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit.

 

Nicht so die Catholica. Nach Diktum ihres ortsansässigen Oberaufsehers muss eine ärztliche Leistung dann verweigert werden, wenn sie den religiösen Vorgaben der Catholica nicht entspricht. In Köln ging es aber nur um eine elementar triviale gynäkologische Untersuchung zur Beweissicherung nach einer vermuteten Vergewaltigung und nach Einweisung durch eine Fachärztin. Was hat das mit Religion zu tun?

 

Und doch. Hat es! Denn mit ihrem Diktum setzt sich die Catholica sogar über ihre eigene Bibel mit ihren wundersamen Behandlungen und Heilungen aller Art an Fremden und auch sonst verwerflichen Personen hinweg. Diese freihändigen Wohltaten ihres Religionsstifters predigt die Catholica zwar tagein tagaus, will aber selbst von unseren Steuergeldern bezahlte und ganz normale medizinische Leistungen nicht erbringen. Wie lange will sich unsere Demokratie solchen Rechtsmissbrauch noch gefallen lassen?

 

voreiligem Gehorsam gegenüber der Catholica verstehen, dass vor unserem Gesetz alle Menschen gleich sind.

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Kommentar

15.1.2013

München

Kirche/Gesellschaft/Geldwäsche

Papst, Pinke, Peinlichkeiten

von Georg Korfmacher

 

Kaum hat der Papst das Neue Jahr mit Pomp, Friedensappellen und Feierlichkeiten zur Wahrung des „heiligen Scheins“ begonnen, wird er holterdiepolter vom Italienischen Staat vorgeführt. Die italienische Staatsbank hat jeglichen Scheck- und Kreditkartenverkehr mit dem Vatikan gesperrt.

 

Die Staatsbank hat die Nase voll. Das "Institut für die religiösen Werke" (Istituto per le Opere di Religione - IOR), die Bank des Vatikans, erfüllt gerade mal 56 % der Anforderungen an die Transparenz europäischer Banken. Lang ist die Liste der Vorwürfe gegenüber dem IOR, das mitnichten religiöse Werke förderte, sondern wild spekulierte, Waffen-, Maffia- wie Drogengelder wusch, anonyme Nummernkonten führt, über die anonym Geld verschoben und gewaschen wird, zuletzt 23 Mio. €, die allerdings von der Staatsbank beschlagnahmt wurden. Ein Banker mit dubiosen Geschäftsbeziehungen zum IOR hat sich ungeklärt an einem Strick unter einer Themse-Brücke verfangen, seine Sekretärin ist ungeklärt aus einem Fenster gefallen, der letzte Direktor des IOR steht nach seinem Tagebuchvermerk "Ich habe im Vatikan Dinge gesehen, die mir Angst machen" unter Polizeischutz. Die italienische Filiale der Deutschen Bank hat ihre Lizenz für die Betreibung von Geldautomaten im Vatikan verloren, sie darf keine Geldgeschäfte mehr mit dem Vatikan betreiben. Mehr geht auf keine Kuhhaut. Bei der Catholica aber ist nichts unmöglich. Gleich neben dem Stuhl Petri ein kleines, herrliches Steuerparadies mitten in Rom. Pecunia non olet!

 

Der Papst wollte an sich Transparenz und hatte extra einen qualifizierten Banker gerufen. Aber er kann nicht, was er möchte, und er will nicht, was er könnte. Sein Adlatus Bertone war stärker, der Banker wurde geschasst. Und jetzt steht der Papst mit seiner Pinke und allen damit verbundenen Peinlichkeiten allein. Ein Wort von ihm würde genügen, ist er doch der unumschränkte Herrscher seiner Kirche. Aber Angst um die sich dann auftuenden Abgründe lähmt ihn.

 

Bei dieser allzu evidenten Weltlichkeit des Vatikans und seiner Catholica ist sein Ruf  nach Entweltlichung mehr als verständlich. Peinlich, jetzt müssen alle Besucher des Vatikans und seiner Einrichtungen bar zahlen, selbst der Papst hat keinen Kredit mehr. Vielleicht fällt ihm jetzt wie Schuppen von den Augen, was sein Religionsstifter wirklich mit seinem radikalen Vorgehen gegen Geldgeschäfte im und um den Tempel herum wollte. Aber jetzt sind seine drei Bücher geschrieben, und dieses Kapitel hat er wohl übersehen oder falsch verstanden.

 

Jetzt stehen etliche Würdenträger und andere Schieber in Rom im Regen – und nicht nur dort - , funktioniert ihr IOR vorerst doch nicht mehr für klandestine Geldschiebereien aller Art, nicht nur zum Frommen der Kirche. Dabei sollte der Papst aus Schaden eigentlich klug geworden sein, ist das IOR doch schon seit seiner Gründung 1942 immer wieder in Skandale verwickelt. Aber das hat der Kirche bisher nicht geschadet, und solange er vom IOR jährlich Millionensummen zur persönlichen Verfügung erhält - 2010 55 Mio. € -, wird er die Sache wohl auszusitzen versuchen. Wer hat so leicht schon soviel Pinke? Und was bedeutet schon „schwarze Liste“ für seine Bank, ist schwarz doch die vertraute Farbe der Soutane seiner Primaten.

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Kommentar

13.1.2013

Kirche/Gesellschaft/Missbrauch

Ackermann gegen Marx: 0 zu 1

von Georg Korfmacher

 

Mit Stolz hatte der Beauftragte der DBK, Bischof Ackermann aus Trier, den anerkannten Kriminologen Christian Pfeiffer mit der Klärung von Missbrauchsfällen beauftragt. Doch jetzt wirft der Kriminalexperte das Handtuch, weil die Catholica ihm ins Handwerk pfuschen will. Sie will die Untersuchungsgremien nach ihrem Gusto besetzen und mitbestimmen, was veröffentlicht werden darf und was nicht.  Der Druck kam vom Oberaufseher Marx, Ackermann ging in  die Knie und alles wieder ganz langsam von vorne….. oder auch nicht.

 

In der deutschen Catholica schwelt ein Machtkampf zwischen den Bischöfen. Die einen wollen forsch aufklären, die anderen wollen eben das nicht. Allen voran der Oberaufseher Marx in München, der schon einmal vorgemacht hat wie er, der Sozialethiker, sich Aufklärung vorstellt. Vieles von einer zur Verschwiegenheit verpflichteten Anwältin untersuchen lassen, alles für den internen Gebrauch in ein Buch binden und dann im Tresor verschwinden lassen. Was in diesem roten Buch drin steht, darf nicht an die Öffentlichkeit, obwohl es rechtlich brisant relevant ist.

 

Genau das will der grosse Kardinal mit dem kleinen pileolus jetzt mit Professor Pfeiffer machen, was der sich als freier Gutachter nicht gefallen lassen will. Er spricht von Zensurversuch. Aber nein, von Zensur könne eigentlich nicht die Rede sein, kommt gleich die Replik des Kardinals. Eigentlich? Na, was denn sonst?

 

Demokraten dreht es bei dieser Rabulistik den Magen um. Noch kürzlich bei einem Symposium in Rom hatte der grosse Kardinal vor seinen Amtsbrüdern lautstark gefordert, dass die Krise der Catholica nach den Missbrauchsskandalen nur durch eine richtige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle überwunden werden könne, "Abschottung, Verharmlosung und Relativierung führen nicht zum Ziel, neue Glaubwürdigkeit zu gewinnen." Da hat der hohe Herr heute ein überraschend kurzes Gedächtnis, denn es ist er selbst, der seinen Co-Primaten Ackermann zurückpfeift und somit Pfeiffer zur Aufgabe zwingt, verbunden mit einer Unterlassungserklärung, dass Pfeiffer von Zensur nicht reden dürfe. Widerlich die Erklärung des Kardinals, dass er habe abwägen müssen, zwischen dem Wohl der Opfer und dem Interesse der Öffentlichkeit gegenüber dem Wohl seiner ihm unterstehenden Mitbrüder.

 

Diese Leier kennen wir schon. Die Catholica hat sich immer vor ihre Hirten gestellt und die geschundenen Schäflein totgeschwiegen. Offenbar betroffene Mitbrüder hatten sich bei der DBK beschwert, dass es „juristisch wie menschlich höchst bedenklich“ sei, wenn ihre Akten zur Untersuchung weitergegeben würden. Das mag aus Datenschutzgründen zwar problematisch sein, aber es geht hier um den Schutz der Opfer und nicht der Täter, Herr Marx.

 

Nach diesem 1:0 für Marx gegen Ackermann mit dem Stopp der Studie zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche steht die Catholica wieder ganz am Anfang, und von den hehren Worten in Rom bleibt wieder nur Schall und Rauch. Ja, der grosse Kardinal desavouiert sich gar selbst: vom grosskopferten Aufklärer zum kleinkarierten Verhinderer. Nicht gerade einträglich für seine Glaubwürdigkeit.

 

Aber aufgepasst! Pfeiffer kündigte nämlich an, jetzt eine eigene Untersuchung zum Missbrauch in der Catholica zu erstellen. Das verspricht, spannend zu werden.

 

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Kommentar

18.12.2012

Religion/Gesellschaft

Marx und das Strafrecht

Georg Korfmacher, München



Kardinal Marx betonte bei einer Veranstaltung der Technischen Universität München die ethische Verantwortung des Einzelnen. Da diese Feststellung so trivial ist wie das Amen in der Kirche, musste er vor dem anspruchsvollen Publikum wohl oder übel nachlegen. Und das hörte sich dann so an.

„Es ist ein großer Irrtum zu glauben, wir könnten darauf verzichten, dass Menschen in sich eine sittliche Verantwortung haben“, dozierte der Erzbischof von München und Freising. Für ihn reiche eine Rahmenordnung wie das Strafrecht nicht aus.

Also da scheint der Grossmeister des Marxismus der Catholica etwas durcheinander zu bringen. Ein eherner Grundsatz aller Juristen besagt, dass ein Blick ins Gesetzbuch die Rechtsfindung erleichtert. Und die Rahmenordnung in unserer Demokratie ist das Grundgesetz, an das sich alle in unserem Staat zu halten haben. Tun sie das nicht, bestimmen andere Gesetze, wann und wie das zu sanktionieren ist. Und damit muss der Kardinal in eine fatale Gewissensnot geraten, hat er doch seinem Papst absoluten Gehorsam geschworen. Die Ergebnisse eines solchen Schwurs wurden nicht nur in unserer Demokratie eindrucksvoll vorgeführt. Jahrelang hat die Catholica sexuellen Missbrauch an Minderjährigen an der Justiz vorbei auf ihre Weise behandelt und solange zu vertuschen versucht, bis die Schandtaten nach den Regel des Rechts „verjährt“ wären. Von Ethik keine Spur!

„Die richtige Verantwortlichkeit wahrzunehmen, dazu gehört mehr, als ins Gesetzbuch zu schauen.“ Glaubt der hohe Herr wirklich, was er da im Brustton seiner Überzeugung von sich gibt? Wie soll sich unser Gemeinwesen denn geordnet organisieren, wenn sich nicht einmal die Catholica an das vom Kardinal so bezeichnete „Minimalprogramm“ hält?

Der „schwarze“ Marx muss sich gefallen lassen, dass er nicht nur an seinen Worten, sondern auch und vor allem an seinen Werken gemessen wird. Es lässt sich leicht plaudern, wenn die Werke christlicher Caritas und das eigene Auskommen (ca.12T€/Monat) grosszügig voll aus öffentlichen Steuermitteln finanziert werden. Und was mit den prekären Arbeitsverhältnissen und der Missachtung unseres Grundgesetzes mit dem Diskriminierungsverbot wegen Rasse und Bekenntnis in den Betrieben der Catholica? Was schon Grundschüler im Ethikunterricht lernen, scheint der grosse Kardinal mit dem kleinen roten Käppchen zu ignorieren. Der dritte Weg ist wohl ein Weg in den Irrtum ausserhalb unserer Rechtsordnung.

In Sachen Ethik ist man mit Kant offensichtlich besser bedient als mit den marx’schen Worthülsen. Aber Kant hat der Kardinal in Schule oder Studium wohl verpasst oder in seiner Rolle der Macht schlicht und einfach verdrängt. Kategorisch ist er nur in Sachen Demokratie. Und die hat er qua CIC und Schwur auf den Stellvertreter Gottes aus seinem Bewusstsein verbannt. Insofern stellt sich der Kardinal selbst ins Abseits. Aber was dann?

Als Demokrat und ethisch handelnder Mensch fällt er offenbar aus. Da kann er sich wohl nur noch demütig auf seine Rolle als „Eunuch für das Himmelreich“ (Mt 19,12) konzentrieren. Aber, oh Graus, da wird er möglicherweise in seinem prunkvollen Haus abgelenkt, das seinerzeit für einen Bastard von Bayern und dessen Maitresse gebaut worden ist.

 

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Kommentar

1.12.2012

Katholische Soziallehre/Gesellschaft

„Marxismus“ der Catholica: Plattform der Plattitüden

von Georg Korfmacher, München



Nun hat der Münchner Kardinal mit dem anspruchsvollen Namen noch einen Übungsplatz für die Feuerwerke seiner Worthülsen: er ist jetzt auch Präsident der EU-Bischofskommission ComECE. Wie oft schon, schwingt der deutsche Kardinal auch hier die Keule der sog. katholischen Soziallehre zur Heilung der aktuellen Wirtschaftskrise in Europa. Diese ist nämlich nach Meinung des grossen Kardinals mit dem kleinen roten Käppchen nicht nur wirtschaftlicher und sozialer, sondern auch moralischer Natur.

 

Die Europäer müssen ihren Lebensstil überdenken, so der Kardinal vor der ComECE, in der sich Vertreter der Bischofskonferenzen aller 27 EU-Mitgliedstaaten als Lobby zusammengetan haben. Denn für den Grossmeister des „schwarzen Marxismus“ muss die Krise in der EU "auch als christliches Projekt“ gesehen werden.

 

Und was hilft da besser als die katholische Soziallehre. Diese basiert in ihrer heutigen Ausprägung im Wesentlichen auf einer Epistel (rerum novarum) von 1891, die der seinerzeitige und unfehlbare Papst an seine erwürdigen Brüder, Primaten etc. verschickt hatte, also deutlich nach den auch heute noch besser bekannten Thesen des „roten“ Marx. In dieser für seine Primaten geschriebenen Belehrung hat der mächtigste Mann nach Jesus auf Erden ausser salbungsvollen Bibelsprüchen nicht viel zu bieten. Dabei werden die sarkastischen Sprüche eines Paulus ex Tarsus und des grossen Augustin tunlichst nicht zitiert. Nach diesen beiden Protagonisten des katholischen Sozialverständnisses sollen nämlich nur die essen, die auch arbeitet, und Sklaventum wird ausdrücklich als von Gott gewollt befürwortet.

 

Aber weder zur wirtschaftlichen, noch zur sozialen und schon gar nicht zur moralischen Natur der Krise ein Wort. Nur die worthülsige Behauptung, dass viele christlich geprägten Vorstellungen auch für Nicht-Christen akzeptabel seien. So kann wohl nur fabulieren, wer allen Ernstes postuliert, die Wurzeln der Aufklärung seien christlich, oder wer für ein gelingendes Europa das Zweite Vatikanische Konzil als Vorbild empfiehlt, eben der Grossmeister des „Marxismus“ der Catholica.

 

Auch ein Blick in die päpstliche Epistel von 1891 hilft dem „schwarzen“ Marx nicht weiter. Dort wird nämlich der sozialistische Lösungsversuch als ungerecht, weil gegen das Naturrecht des Privateigentums gerichtet, pauschal verurteilt und der arbeitende Mensch auf das Jenseits vertröstet, wenn es hienieden nicht klappen sollte.

 

Dabei wird der vorsitzende Primat Marx den ihn umgebenden Primaten erklären müssen, was z.B. an seinem „Dritte Weg“ im Arbeitsrecht sozial sein soll, oder was die deutsche Catholica mit all ihrem Reichtum für die Armen tut, während ihre Caritas fast vollständig aus öffentlichen Steuermitteln finanziert wird, für die sie nicht einmal Rechenschaft ablegen muss. Und dabei steht er allein auf einer Insel der Glückseligen inmitten einer Vielfalt von laizistischen oder weitgehend so geprägten Staaten.

 

Mit Weihrauch und ebensolchem Wasser werden soziale und wirtschaftliche Problemen nirgendwo gelöst. So wird ein womöglich honoriges Gremium eher zu einer Plattform der Plattitüden herabgestuft. Übrigens, die Bezeichnung „Primaten“ (Herrentiere) für seine Brüder im Herrn stammt vom Begründer der katholischen Soziallehre selbst. Doch kein Affentheater. Nur Zeitgeist.  

 

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Kommentar

20.11.2012

 

Religion/Gesellschaft 

Der Papst und die deutsche Kirchensteuer

von Georg Korfmacher, München

 

Die Kirchensteuer ist ein leidiges Thema und für viele Betroffene ein Grund, bei der zuständigen staatlichen Behörde ihren Kirchenaustritt zu erklären. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass man damit automatisch exkommuniziert ist. Dem Thema konnte sich auch die Katholische Akademie in Bayern nicht entziehen, als sie am 13. Nov. zu einem lobenswerten Gespräch zwischen R. Spaemann und E.-W. Böckenförde eingeladen hatte.

 

Die Kirchensteuer in ihrer heutigen Form und Prozedur ist eine insbesondere von der deutschen Catholica aus dem Hitler-Konkordat von 1933 in unsere Zeit gerettete Knute zur Züchtigung ihrer Schäflein. Zahlt man sie nicht, wird man ohne jegliches Verfahren mit der höchsten Kirchenstrafe belegt, also exkommuniziert. Da machen auch alle Gerichte mit, die mit der Zwangskoppelung von Erklärung vor dem Staat und Exkommunikation durch die Catholica befasst wurden. Sie waschen ihre Hände in Unschuld, fühlen sich nur für den formalen Akt zuständig und nicht für die verhängte Strafe.

 

Zunächst ist es in unserer Demokratie ein Unding, dass sich der Staat überhaupt zum Handlanger einer Kirche macht. Damit verstösst er eklatant gegen das Gebot der Neutralität. Und dann muss man schon fragen, ob es der Liebe und Barmherzigkeit predigenden Catholica ansteht, Menschen wegen schnöden Mammons der ewigen Verdammnis preiszugeben und gleichzeitig z.B. sexuelle Missbräuche und Verbrechen in den eigenen Reihen unter der Decke zu halten, ja gar zu versuchen, sie der staatlichen Justiz zu entziehen. Und was mit ihrem Mammon en masse?

 

Genötigt durch die anhaltende Diskussion um die Kirchensteuer, hat nun die deutsche Catholica eine Erklärung über die Folgen eines Kirchenaustritts veröffentlicht. Darin kommt das Wort Exkommunikation erstaunlicherweise nicht vor, es werden aber – Gipfel der Scheinheiligkeit – alle Strafen aufgeführt, die eben die Exkommunikation bedeuten. Das fand auch R. Spaemann unwürdig, und E.-W. Böckenförde verwies auf ein Verlautbarung des heutigen Papstes, wonach es keine Zwangskoppelung zwischen Kirchenaustritt und Exkommunikation gibt.

 

Wann endlich macht unser Staat diesem Spuk des Inkassos für die Kirchen mit den grauenhaften Folgen für gläubige Menschen ein Ende. Im laizistischen Frankreich z.B. kann man fröhlicher Katholik sein und gleichwohl keine Kirchensteuer zahlen. Wann sehen die beiden deutschen (Noch)Grosskirchen endlich ein, dass sie ihre Angelegenheiten selbst regeln müssen (Art. 140 GG i.V.m. WRV). Auch hier ist R. Spaemann Zeuge für ein Gespräch, das er früher mit dem heutigen Papst hatte. Dabei hatte der Noch-Nicht-Papst seinem Freund anvertraut, dass das Problem der Kirche ihr Reichtum sei, sie habe zuviel Geld.

 

Beide Problem könnte der mächtigste Mann der Catholica heute leicht lösen, hätte er nicht erbitterten Widerstand in den eigenen Reihen. Marx und Co. wollen das deutsche System im Ausland gar als Muster für rechte Kumpanei zwischen Staat und Kirche verkaufen. Aber darum darf es überhaupt nicht gehen! Der Staat muss die Würde seiner Bürger achten und schützen, und die Kirchen sollten sich barmherzig um ihre Gläubigen kümmern. Jeder für sich und das Grundgesetz für uns alle.

 

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Kommentar

22.10.2012



Religion/Gesellschaft

Honi soit qui mal y pense auf Bayrisch

von Georg Korfmacher, München

 

Auf einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie München bekannte ein vom Staat stattlich gelöhnter hoher katholischer Würdenträger auf eine kritische Anfrage, dass er an sich lieber von seiner Kirche bezahlt würde. Dieser Wunsch soll jetzt in Bayern Wirklichkeit werden, wenn ein von der bayer. Staatsregierung vorgelegter Gesetzentwurf (16/13835) zur Änderung des Gesetzes über die Bezüge der Erzbischöfe, Bischöfe und Mitglieder der Domkapitel sowie über die Zuschüsse zum Personalaufwand des Landeskirchenrats durchgeht. Im Brustton der Überzeugung argumentiert die Staatsregierung: „Dem Gedanken der organisatorisch-institutionellen Trennung von Kirche und Staat würde es besser entsprechen, wenn die Kirche die Geistlichen selbst besoldet…“. Prompt jubeln alle Laizisten und flüchtigen Leser, dass nun endlich Bewegung in die unseligen Verflechtungen von Staat und Kirche kommt.

 

Leider kommt im Nachsatz die eiskalte Dusche: „und der Staat hierfür Erstattungszahlungen leistet. Diese wären nach bayerischem Besoldungsrecht zu bemessen.“ Da reibt man sich verdutzt die Augen und fragt sich, was diese Umstöpseleien der kommunizierenden Röhren sollen und warum in einer Zeit der selbst vom Papst angemahnten Entweltlichung der Kirche eine Umstellung auf bayerisches Besoldungsrecht angezeigt sein soll.

 

Natürlich haben schwarze Politiker und Verwaltungsjuristen viele Gründe, warum diese aberwitzige Umstellung richtig und gut sein soll. Allen voran gibt es da offenbar wirtschaftliche Gründe. Bei einer Pauschalzahlung an die Kirche sollen von dieser ein „erheblicher Teil der Versorgungslasten“ übernommen werden. Spekuliert wird über Einsparungen in der Grössenordnung von knapp 2 Mio. € im Staatshaushalt. Hoffentlich ist da die Rechnung nicht ohne die privilegierten geistlichen Herren gemacht worden. Aber wahrscheinlich ist vielmehr, dass das alles im Vorhinein bereits  ausgekungelt worden ist.

 

Grundlage der ganzen Veranstaltung ist und bleibt das 1925 übereilt abgeschlossene (bayer.) Konkordat mit dem Vatikan. Also, im Grunde nichts Neues. Alte Zöpfe werden neu geflochten. Demnach wird z.B. Kardinal Marx nach Besoldungsgruppe B 10 wie ein Direktor beim Deutschen Bundestag, ein Direktor des Bundesrates, ein General oder Admiral gelöhnt, um nur einige Beispiele zu nennen. Plus Zulagen bedeutet das ein Monatsgehalt von etwa 12.000 € für eine Leistung, die sich jeder Kontrolle entzieht und auf Kosten aller Staatsbürger unabhängig von ihrer Religion oder Weltanschauung. Ein Rüpel, wer Böses dabei denkt, gerade in Bayern!

 

Dabei sind wir einfältigen Demokraten so naiv, zu glauben, dass auch die bayer. Staatsregierung an unser Grundgesetz gebunden ist. In dem ist in Art. 140 unter Beibehaltung der Weimarer Reichsverfassung von 1919 die Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen festgeschrieben. Nicht nur in Bayern scheinen Konkordate Vorrang vor dem Grundgesetz zu haben, selbst wenn sie auch nur in Teilen verfassungswidrig sind. Im Kontext der derzeitigen Diskussion um eine saubere Trennung von Staat und Kirche kann man nur grübeln: Honi soit qui mal y pense auf Bayrisch.

 

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Kommentar

München, 20.10.2012

Religion/Gesellschaft

Der Papst und sein Dilemma

von Georg Korfmacher, München

 

In der aktuellen Diskussion um Erinnerungen und Enttäuschungen an das und nach dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-65) gerät die Catholica in Erklärungsnot. Jeder will aus den Texten lesen, was er will. Und jeder findet sich darin wieder und hat recht. Allen voran der Papst mit seiner pauschalen Aufforderung an alle „vom Christentum entfremdeten Menschen“,  "nur mit notwendigem Gepäck" den Weg des Lebens zu bewältigen, selbst aber Prunk und Protz wie kaum ein anderer vor ihm zu pflegen. Er postuliert, „die Neuheit in der Kontinuität zu erfassen", während sein Freund und Widersacher Hans Küng die Zeichen der Zeit verstehen … und mittelalterliches Kirchenrecht, mittelalterliche Theologie und mittelalterliche Liturgie im Mittelalter belassen möchte.

 

Was geht das, mag man sich fragen, einen Laizisten an? Nun, wenn das Haupt der Catholica der Welt „geistige Verwüstung“ nachsagt und Glaubensfeindlichkeit unterstellt, muss man sich als aufgeklärter Mensch dazu äussern. Zeitzeuge Bischof Luigi Bettazzi erinnert sich noch lebhaft, dass Papst Johannes XXIII. die Sprachlosigkeit der Kirche gegenüber der modernen Welt überwinden wollte. Und einen der Gründe für diese immerwährende Sprachlosigkeit formuliert dieser Konzilsvater sehr spitz: „Die Kirche ist keine Demokratie, sondern Gemeinschaft. Und… „in dieser „Communio“ gebührt der Hierarchie das letzte Wort.“ Und das hat der Papst. Wie ein Pfropf auf der Flasche hütet er Inhalt und Wahrheit und will uns als Theokrat vorschreiben, wo es in unserer Welt lang gehen soll. Und das seit 391, als die Catholica sich als Staatsreligion verweltlichte. Seitdem wogt und tobt Kampf und Streit zwischen Staat und Kirche um Meinungshoheit und Macht. In unserer Republik auf verschiedenen Gebieten bis heute.

 

Erst unsere aus der Aufklärung und der französischen Revolution mit grossen Wehen geborene Demokratie war stark genug, sich der Meinungshoheit der Catholica zu widersetzen und unsere westliche Welt nachhaltig zu verändern. Nach fast genau 1400 Jahren krachte es heftig. Napoleon legte mit der Säkularisation die Richtung fest. Die Dritte Republik machte dann ab 1871 mit der Laizität Nägel mit Köpfen, während die Catholica nördlich der Alpen an alten Zöpfen weiter flocht und Glaubensfreiheit und Demokratie als Wahnsinn und Häresie verschrie, die Laizität als Pest der Zeit.

 

Und dann dieses 2. Vatikanische Konzil mit ganz neuen Tönen zur Glaubensfreiheit, Ökumene und Aufbruch. Endlich die „Verheutigung“ der Kirche, das „aggiornamento“. Aber der Papst von heute misstraut dem Geist des Konzils von damals. Zur Verblüffung seiner Parteigänger redet er jetzt unter Berufung auf die Säkularisation von „Entweltlichung“, lässt aber weitgehend offen, was genau er darunter versteht. Ein typischer Habitus der Catholica: vieles so sagen, dass man hinterher alles Mögliche darunter verstehen kann. Und damit befindet sich der Hüter der absoluten Wahrheit in einem peinlichen Dilemma und im Widerspruch zur eigenen Bibel: „Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein. Alles andere ist von Übel“ (Mt 5,37). Demokratie braucht jedoch zuverlässige Gesprächpartner für ihre stetige Weiterentwicklung. Die Catholica ist aber nach eigener Aussage eindeutig kein Hort der Demokratie.

 

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 Kommentar

1.9.2012

Religion/Gesellschaft

Der Papst zieht den Schwanz ein

Georg Korfmacher, München

 

Nachdem sich der Papst der Catholica durch einen Titel eines Satire-Magazins in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt gefühlt und im Handstreich eine einstweilige Verfügung gegen das Magazin erwirkt hatte, zieht er jetzt seinen Antrag zwar sang- aber nicht klanglos zurück. Jetzt sollen weitere rechtliche Maßnahmen geprüft werden, um Angriffen auf die Würde des Papstes und der katholischen Kirche wirksam zu begegnen. Nach der zunächst erlassenen Verfügung ist das aber vor allem eine riesige Blamage für das unfehlbare Oberhaupt der Catholica und äusserst peinlich obendrein.

 

Wenn es um religiöse Befindlichkeiten geht, wird Meinungsfreiheit mit zweierlei Mass gemessen: dem der absoluten Wahrheiten der Catholica und dem unseres Grundgesetzes. Hier wollte es der Stellvertreter Gottes wohl nicht auf eine Entscheidung zwischen kirchlicher Meinung und staatlich garantierter Meinungsfreiheit ankommen lassen und zog vor der eigentlichen Gerichtsverhandlung feige den Schwanz ein. Die Sprachrohre der Catholica verkaufen das prompt als grosse Weisheit und Besonnenheit, gleichwohl auch als bittere Lektion. Aber was soll dann die plumpe Androhung weiterer wirksamer, rechtlicher Massnahmen gegen Papst und Kirche zu prüfen. Gegen welche Angriffe? Aus dem stürmischen Vorgehen des Papstes gegen das Satire-Magazin ist zunächst ein Stürmchen im Wassergläschen geworden, während der Papst jetzt weiter in befleckter Soutane als Hinweis auf die undichten Stellen im Vatikan gezeigt werden darf.

 

Die Satire ist mit Überzeichnung, Verzerrung, Sarkasmus und Spott ein anerkanntes und unverzichtbares Merkmal und Mittel unserer Ausdruckskultur. Ihrer bediente sich auch weidlich die Catholica z.B. in ihrem Kampf gegen Luther. Aber wenn zwei dasselbe tun, ist dass offenbar nicht das gleiche.

 

In seiner ihm eigenen Unschärfe richtet sich der Papst zeitgleich mit einem Gruss an die Gesellschaft Katholischer Publizisten: "Wo es eine Fülle von Nachrichten und Informationen gibt, wird die Stille unentbehrlich, um das, was wichtig ist, von dem, was unnütz oder nebensächlich ist, zu unterscheiden". Bessere Einsichten kann man dem Papst kaum zubilligen. Sein Kneifen scheint vielmehr Ausdruck seiner manifesten Angst vor der zunehmenden Ohnmacht seines Amtes gegenüber der Demokratie, die sich andere Spielregeln gegeben hat als den Macht- und Wahrheitsdünkel der Catholica.

 

Solche und ähnliche Peinlichkeiten könnte sich die Catholica ersparen, wenn sie sich auch in Deutschland auf eine saubere Trennung von Staat und Kirche einlassen und die Menschenrechte generell anerkennen würde.

 

Aber vielleicht ist diese miserable Show nur eine weiterer Beweis der „Crisi di un papato“, wie sie von dem angesehene italienische Vatikanist Marco Politi in seiner  kritischen Bilanz «Joseph Ratzinger - crisi di un papato » (Krise eines Papsttums) aufgezeigt wird. Politi hält den Papst für einen unnachgiebigen Mann der Glaubensdoktrin und strenger vatikanischer Werte. Nun, jetzt hat er ein deutliches Zeichen einer seinem Selbstverständnis zuwider laufenden Verunsicherung gesetzt.

 

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Nachdem die Catholica sich (nur in Deutschland!) dieses menschenunwürdige Recht herausnimmt, müssen wir als Bürger tätig werden. Wer anderen Hilfe im Notfall verweigert, macht sich strafbar.