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Das verräterische Wappen des Bastards Holstein über dem bischöflichen Palais in München

Kommentar

München, 09.09.2016

Gesellschaft/Demokratie

Marxmurks in Sachen TTIP

von Georg Korfmacher, München

 

Marx warnt vor dem Scheitern von TTIP, weil nach seiner Meinung dieses Freihandelsabkommen die richtigen Regeln für eine gerechte wirtschaftliche Ordnung bringt. Damit stellt sich der Primat von der Isar und Exponent der katholischen Soziallehre gegen die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung und zieht die Bedenken seines eigenen Fußvolkes (ZdK) ins Lächerliche.

In Brüssel hatte der Kardinal von päpstlichen Gnaden und Vorsitzende der EU-Bischofskommission Anfang September davor gewarnt, die Verhandlungen über das überaus umstrittene Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA abzubrechen, weil das  keine Lösung der derzeitigen Probleme bedeuten würde. Wer hätte das gedacht? Noch im Juni hatten sich die COMECE mit ihrem Häuptling Marx mit der Bischofskonferenz der USA auf eine Position geeinigt, wonach „die Partizipation der Bürger, der Sozialschutz und nachhaltige Entwicklung Grundvoraussetzungen“ für ein faires Abkommen zum Vorteil aller seien. Ähnlich hatte sich  des ZdK in einer langen Liste von Bedenken geäußert, wobei diese Bedenken eben jene haarsträubenden Verstöße gegen Rechtsstaatlichkeit und Demokratie darstellen. Auch der Misereor-Chef hatte nur einen Tag zuvor den Staats- und Regierungschefs vorgeworfen, einseitig auf Wirtschaftswachstum zu setzen. "Sie ignorieren damit aber nicht nur die Grenzen unseres Planeten, sondern bleiben damit auch alten Lösungen verhaftet, die in der Vergangenheit keinen Schritt zu globaler Gerechtigkeit, insbesondere für die Verletzlichsten, beigetragen haben." (katholisch.de)

Wie lässt sich die abstruse Einstellung des obersten Soziallehrers der Catholica in Anbetracht der Aushebelung elementarer Rechte und Regelungen unserer Demokratie nur erklären? Scheinbar wohl deshalb, weil er selbst qua seines Glaubens und der damit verbundenen Machtstrukturen der Catholica kein Demokrat ist. Denn wie könnte er sonst für Sonderklagerechte für Großkonzerne stehen, mit denen Verbraucherschutz ausgehebelt und Umwelt- und Sozialstandards verhindert werden können? Nein, er weiss es besser: Macht Euch die Erde untertan, wer nicht für mich ist, ist gegen mich, oder nach Paulus: „Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen.“ Dieser Sicht kann man trefflich die Einsicht von Anselm Feuerbach entgegensetzen, wonach der Unverstand die unbesiegbarste Macht auf Erden ist.

Natürlich gibt es schon immer auch internationale Schiedsgerichtsverfahren neben der normalen Jurisdiktion mit allerdings dem entscheidenden Merkmal, dass sich beide  Streitparteien bewusst und freiwillig auf ein solches privatrechtliches Verfahren einlassen. Soll sich die EU wirklich dem Risiko aussetzen, dass unter TTIP jeder Konzern einen Staat wegen für seine Wirtschaftsziele unliebsamer Gesetze vor ein solches Privatgericht zerren und Schadenersatz fordern kann, zumal das Schiedsgericht investitionsfreundlich richten soll? Vom Parlament im Namen des Volkes erlassene und oft unter großen Schwierigkeiten errungene Gesetze würden dann in einem Handstreich wirkungslos. Das ist schlicht undemokratisch und daher ohne Wenn und Aber abzulehnen. Insofern verstößt TTIP auch gegen die Grundsätze der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wie sie in der EU-Grundrechte-Charta festgeschrieben sind. Demgegenüber scheint der Primat der Catholica gutzuheißen, dass privilegierte Konzerne ihr unternehmerisches Risiko auf Zielmärkte abwälzen können. Honi soit qui mal y pense.

Aber das alles scheint den vom Staat satt alimentierten Kirchenmann offenbar nicht zu rühren. Wohl auch nicht, dass TTIP viel mehr ist als ein 0815-Handelsabkommen. Neben den völlig undemokratischen privaten Schiedsgerichten geht es nämlich auch um eine deutliche Schwächung von Vorsorgeprinzip, Verbraucherschutz und Deregulierung im Dienstleistungsbereich. Ist es all das, was der Kirchenmann für die richtigen Regeln für eine gerechte Wirtschaftsordnung hält? Nein, das ist ein übler Kardinalfehler, ein übler Marxmurks typischer Eigenart. Ein Auftritt dieses Kalibers schreit nach Rücktritt, mindestens nach einem konsequenten Rückzug aus der res publica in die Intimität der res privata.

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Kommentar

München, 01.06.2016

Religion/Gesellschaft

Islamunterricht für kritische Auseinandersetzung mit dieser Religion

von Georg Korfmacher, München

                                                                                                                                    

Der Ratsvorsitzende der Ev. Kirche in Deutschland fordert einen flächendeckenden Islamunterricht an allen Schulen mit der Unterstellung, dass dies die beste Möglichkeit sei, sich kritisch mit der eigenen Religion auseinanderzusetzen und auf dem Boden des Grundgesetzes Neues über den Islam zu lernen.

Mit diesem Rundumschlag zeigt der Kirchenmann, dass er die Wirklichkeit nur mit den Scheuklappen islamfeindlicher Schreihälse sieht und wie wenig er den Boden unseres Grundgesetzes (GG) kennt. Ein Blick in eben dieses GG erleichtert die Sachklärung und muss für alle die Ausgangsbasis bei diesem allzu emotionsgeladenen Thema sein.

Dort steht in Art. 7, dass das gesamte Schulwesen unter der Aufsicht des Staates steht. Das ist in einer Demokratie gut so und ein Ergebnis (mit Wehen) der französischen Aufklärung und der Laizität. Unser GG räumt klug und auch grundsätzlich ein, dass die Erziehungsberechtigten das Recht haben, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen. Dies ist ein Grundrecht! Ohne hier die unendlichen Diskussionen um die Praxis der Ausübung dieses Selbstbestimmungsrechts aufwühlen zu wollen, ist also festzustellen, dass die Teilnahme am Religionsunterricht von der Entscheidung der Eltern und selbstverständlich auch von der der religionsmündigen Betroffenen abhängt und eben nicht von irgendwelchen missionarischen Phantasien oder gar Intentionen. Grundsätzlich kann sich also jeder ganz legal einem Religionsunterricht verweigern. Und niemand darf zur Teilnahme an einem Religionsunterricht gezwungen oder genötigt werden, auch nicht ein Lehrer.

Unabhängig davon, dass Art. 7 GG in der Bundesrepublik Ausnahmen kennt (in Bremen und Berlin ist der Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen kein ordentliches Lehrfach), setzt man sich im Religionsunterricht keineswegs kritisch mit dem auseinander, was Kinder in der Familie oder den Kirchen gehört haben oder dort praktizieren. Das würde nämlich einen Tsunami der Entrüstung seitens der „Amtskirchen“ Catholica und Evangelica auslösen. Insofern ist die Forderung des evangelischen Kirchenmannes absurd, allenfalls islamophob, indem er dem Islam pauschal Unsauberkeiten unterstellt. Und für Neues über was auch immer gibt es andere Fächer wie Geschichte, Sozialkunde, Philosophie, Ethik etc., die für Sachwissen besser geeignet sind. Die lamentable Situation des Ethik-Unterrichts sei hier nur beiläufig erwähnt. Weiss der gute Mann wirklich nicht, dass er z.B. sein Rechnen mit arabischen Zahlen dem Islam verdankt?

Irgendwie scheint der diesbezüglich einseitig orientierte Kirchenmann auch zu übersehen oder will nicht wahrhaben, dass nach GG Art. 3 (3) niemand wegen … seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Bei uns herrscht selbstbestimmte Meinungs- und Religionsfreiheit, in die sich keiner nach Belieben einmischen darf. Nach Art.4 GG ist die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses unverletzlich. Die weltweit einmalige Privilegierung (leider auf dem Boden unseres Grundgesetzes) der beiden „Amtskirchen“ ist schon absurd genug, diese aber dahingehend auszulegen, andere religiöse Einstellungen jetzt christlich bevormunden zu wollen, ist skandalös und muss im Sinne unserer säkularen Demokratie strikt zurückgewiesen werden.

Jede Glaubens- oder Weltanschauungsgemeinschaft muss sich selbstverständlich an die für alle geltenden Gesetze halten. Insofern muss man hinterfragen und sehr kritisch prüfen, ob im Inland tätige Religionsführer/Bischöfe/Imame von ausländischen Machtzentren bestellt und/oder gar bezahlt werden. Eine solche Praxis würde die Souveränität unserer Republik untergraben und muss ohne Wenn und Aber abgestellt werden. Dazu ist aber ein wie auch immer geregelter Religionsunterricht nicht geeignet, sondern nur ein konsequent staatsrechtliches Einschreiten. Dass ein des Deutschen nicht mächtiger Religionsführer im Inland seine Muttersprache spricht, ist normal. Erteilt er aber Unterricht, muss er sämtliche dafür notwendigen Qualifikationen haben, unterliegt der Aufsicht des Staates (Art. 7 GG) und muss Deutsch sprechen, denn das ist die Amtssprache hier. Man stelle sich einen Lehrer aus Afrika vor, der Mathematikunterricht in Kisuaheli gibt. Absurd!

Und selbstverständlich hat die Mehrheit unserer Bevölkerung etwas dagegen, „dass Kinder ihrem westlichen Umfeld entfremdet werden“ und „einer archaischen Didaktik ausgesetzt sind und einer grundgesetzfernen Indoktrination“ (Heribert Prantl, SZ). Aber dann muss man auch christliche Indoktrination hinterfragen, denn bis heute hat die Catholica die Allgemeinen Menschenrechte nicht anerkannt, steht also im Konflikt mit unserem GG Art. 1, nach dem sich das deutsche Volk vor allem anderen zu den unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt bekennt. Insofern drängt sich doch eher die Forderung nach Abschaffung des Religionsunterrichts an allen öffentlichen Schulen überhaupt auf. Denn, es wird ja Glauben und nicht Wissen vermittelt. Und das widerspricht dem Neutralitätsgebot des Staates.

Da Religionsunterricht (unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes) in Übereinstimmung mit den Grundsätzen einer Religionsgemeinschaft erteilt wird (GG Art. 7(3)), ist er für eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Religion nicht nur denkbar ungeeignet, sondern fördert explizit die Missionierung/Indoktrination entsprechend eben den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften. Da hat der christliche Sozialethiker mit seiner Forderung nach kritischer Auseinandersetzung mit der Religion in der Schule wohl ein Eigentor geschossen.

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Kommentar

München, 23.05.2016

Soziales/Gesellschaft

Welcher Teufel reitet unsere Bundessozialministerin?

von Georg Korfmacher, München

 

Jeden Tag können wir in allen Medien verfolgen, dass und wie dramatisch sich die „Sozial“demokratische Partei unseres Landes (SPD) auf die Bedeutungslosigkeit hin entwickelt. Und just in dieser parteibedrohlichen Zeit betreibt unsere Bundessozialministerin, Andrea Nahles, eine Gesetzesänderung, die Alleinerziehende für den Besuch eines Kindes beim anderen Elternteil mit finanzieller Bestrafung belegen soll. Sekundiert wird sie dabei von Kerstin Griese, die bezeichnenderweise dem Stiftungsrat der Kindernothilfe angehört.

 

Welcher Teufel reitet dieses Gespann aus zwei überzeugten christlichen Politikerinnen bei dem Vorhaben, alleinerziehenden Müttern/Vätern pro Tag € 10,20 als Bestrafung für den Besuch eines Kindes beim anderen Elternteil abzuziehen, wenn sie für ihren Lebensunterhalt auf Hartz-4 angewiesen sind. Nicht nur steht hier die ganze Abstrusität der Notwendigkeit des Aufstockens aufgrund der vertrackten Arbeitsmarktlage im Fokus, sondern insbesondere die Perversität der Diskriminierung des Kindeswohls in solchen ohnehin schon schwierigen Situationen. Ganz zu schweigen von der dadurch für die zuständigen Behörden aufgestoßenen Tür, solche Abzüge auch bei anderen „finanziellen Vorteilen“ anderer Menschen im Hartz-4- oder Grundsicherungsbezug zu praktizieren.

 

Ist den christlichen Protagonistinnen des Gesetzesvorhabens wirklich nicht bekannt, dass Alleinerziehende in unserem reichen Land im europäischen Vergleich unverhältnismäßig benachteiligt sind? Dann schauen sie doch einmal auf deren ungerechter Besteuerung und auf die völlig unzureichenden Gesetze zum Kindesunterhalt. Aber offenbar schauen sie da bewusst weg, denn sonst müssten sie ja von ihrem Vorhaben schleunigst absehen. Und auch ist es um ihr Kurzzeitgedächtnis erschreckend schlecht bestellt. Noch 2013 hatte Nahles verkündet, dass Steuererhöhungen wegen Kosten der Bildung für Spitzenverdiener unausweichlich seien. Schon damals war Volker Kauder dagegen, und die Sache ist bis heute nicht entschieden. Also machen sich die beiden christlichen Schwestern über die Schwächsten in unserer Gesellschaft her, wohl wissend, dass „Einsparungen“ bei diesen keineswegs die großen Löcher durch verschwenderische Ausgaben ganz oben stopfen können. Oder sind sie wirklich so dumm?

 

Denn, wen trifft die Einsparung wirklich? Die Kinder! Die Hoffnung unserer Nation! Alleinerziehende im Hartz-IV-Bezug haben es schon schwer genug, aber Kinder können mit dieser Situation nicht umgehen. Sie werden von Gleichaltrigen gemobbt und drangsaliert, weil sie mit den als „in“ geltenden Gewohnheiten nicht mithalten können. Aber davon scheint die Stiftungsrätin der Kindernothilfe noch nie etwas gehört zu haben, und die katholische Mutter Nahles hat nach mehreren gescheiterten Beziehungen diesbezüglich auch kein Problem. Beide kennen keine materielle Not.

 

Welcher Teufel reitet also diese beiden selbstherrlichen Politikerinnen in Ihrem Vorhaben, zigtausende von Kindern zu diskriminieren und in ihrer Entwicklung zu benachteiligen?

 

Der Umgang eines Kindes mit dem anderen Elternteil wird von Jugendämtern und Gerichten wegen des Kindeswohls gewünscht und gefördert. Und das sollt jetzt bestraft werden!? Und dabei bedeutet ein solcher Umgang keinerlei nennenswerte Einsparung. Weder die Miete, noch Versicherungen, noch Bekleidung, noch Mietnebenkosten, noch sonstige Kosten werden dadurch verringert. Und kein Kind „verfrisst“ am Tag € 10,20! Es sei denn, die beiden christlichen Politikerinnen gehen in ihrem Verständnis für christliche Nächstenliebe von solchen Größenordnungen aus.

Und nur ganz nebenbei: haben die eigentlich an den bürokratischen Mehraufwand gedacht? Jeder Umgangstag müsste dokumentiert, überprüft und gerechtfertigt werden. Und was, wenn eine Meldung übersehen wird? Gibt es dann doppelte Strafe oder schlimmeres? Zu absurd und unsozial, um wahr zu sein!

 

Nahles sollte an sich wissen, dass nach ihrem Pontifex hinter jeder Ecke ein Teufel lauert. Nun hat sie sich selbst hinter die Ecke gestellt, und man kann nur hoffen, dass unsere Demokratie Wege und Mittel findet, ihr bei ihrem total unsozialen und teuflischen Vorhaben ein Beinchen zu stellen.

Kommentar

München, 17.05.2016

Religion/Gesellschaft

Spiritueller Analphabetismus

von Georg Korfmacher, München

 

Und wenn man nicht mehr weiter weiss, dann ruft man nach dem Heiligen Geist. Diesmal zum Kampf gegen den spirituellen Analphabetismus. Dieser manifestiere sich nach dem Pontifex der Catholica „in der Unfähigkeit des Menschen zu beten und andere Menschen als Brüder zu betrachten“. Die Allzweckwaffe Heiliger Geist „stelle die zerstörte "innerste DNA" des Menschen wieder her und führe zu einer Wiedergeburt“.

 

Solche geistigen Arabesken schreien nach einer Diskussion über den immer wieder formulierten Anspruch der Catholica auf weltweite Deutungshoheit in Sachen geistiger Einstellung, jetzt gar bis in die Genetik. Der Pontifex sollte an sich wissen, dass die „innerste DNA“ der Menschen (neue Rangordnung der Catholica) keine Ahnung von Religion und schon gar nicht vom Heiligem Geist hat, diesbezüglich also nichts zerstört werden kann. Oder zeigt sich in dieser Überdehnung wieder einmal, dass der „Vertreter des Herrn auf Erden intellektuell keine erste Wahl“ ist? (H.M. Broder)

Also, Genetik einmal beiseite, schauen wir auf die 290 Geistlichen, vom Kardinal bis zum einfachen Priester, die wohl stellvertretend für alle Geistlichen der Catholica dem Sermon ihres Pontifex im Petersdom lauschten. Die KNA vermeldet nämlich einen „geistlichen Analphabetismus“ mit dessen synonymen Bedeutungen von kirchlich, klerikal, religiös (Duden). So gesehen macht der Papstsermon Sinn, denn es ist kaum vorstellbar bzw. wäre inakzeptabel, dass der Pontifex der Catholica schlichtweg alle Menschen weltweit unter den Verdacht des spirituellen Analphabetismus stellt. So passt der neuerliche Aufruf zu seiner Warnung vor der geistigen Demenz seiner Kleriker.

Die Ausgießung des Heiligen Geistes …..  sei für die ganze Menschheit "wie ein unendlicher Gnadenstrom". Nur, dass die weit überwiegende Mehrheit der Menschheit von solchen Ergüssen nichts weiss und auch nichts spürt, geht es doch nur um einen Hauch, dem aber Gottgleichheit attestiert wird. Übrigens, der Glaubensstifter der Catholica hatte seinerzeit auch nichts von seinem Nebengott gewusst. Der vielbeschworene Geist, ob heilig oder nicht, ist eine reine Menschenerfindung, genauer eine Erfindung der Evangelisten/Kleriker, um jederzeit und für alles Mögliche die große Keule schwingen zu können, die keiner versteht aber alle fürchten sollen.

Irgendwann wird auch die Catholica zur Kenntnis gelangen müssen, dass es auf dieser Welt mehrheitlich Menschen gibt, die ihr Leben selbstbestimmt gestalten wollen und dazu nicht unbedingt einen Gott und schon gar keinen Heiligen Geist brauchen. Dagegen hält der Primat von der Isar: „Was wird aus den Menschen, wenn sie nicht die Chance bekommen, die Botschaft vom Leben mit Christus zu hören?" Na, was wohl? Sie werden entweder abgeschlachtet wie seinerzeit die Ureinwohner Amerikas nach der Entdeckung durch Kolumbus, oder sie leben unbekümmert und glücklich, nehmen ihr Leben selbst in die Hand, lieben auch ohne Trauschein und tragen zum Fortbestand der Menschheit bei, auch ohne sich unbedingt wie Karnickel zu vermehren. Aber da müssen die Kleriker der Catholica sowieso passen. Zu dieser essentiellen Aufgabe der Menschen tragen sie nichts bei. Und da versagt auch der Heilige Geist. Außer bei Maria. Der soll er ihren Sohn eingehaucht oder  eingeblasen haben. Aber bitte! Wissen die Kleriker wirklich nicht wie Zeugung geht? Sind sie schon dement oder nur Analphabeten? Wer wissenschaftlich sauber belegte Vorgänge nicht nur ignoriert, sondern stattdessen den Menschen Phantasiegeschichten als unumstößliche Glaubenswahrheiten vorschreibt, rennt über kurz oder lang ins eigene Messer.

Und dass der Spiritus Sanctus eine Antriebskraft für die Menschheit sein soll erschließt sich wohl nur analphabetischen und/oder dementen Klerikern. Die Evolution erklärt uns lupenrein, wie der Mensch entstanden ist. Eben nicht aus einem Klumpen Lehm! Und jetzt wollen die sich ängstlich an ihr „Herren“tum klammernden Kleriker den Menschen auch noch inkulkieren (frz. inculquer = beibringen, lehren), dass sie ihren Spiritus Sanctus als Sprit für ihr Fortkommen brauchen. Honi soit qui mal y pense. Was die Menschen viel eher brauchen sind Selbstvertrauen und Altruismus. Und das gibt es auch ohne den Sprit der Catholica.

Kleriker der Catholica mit hohen Weihen scheuen sich in ihrem missionarischen Eifer  nicht, prämierungsverdächtige Geschichten zu erzählen, um den Heiligen Geist aufzuwerten. Denn trotz Kreuzigung und Auferstehung, die allgemein als Kern der katholischen Glaubenslehre gehandelt werden, soll da noch etwas ganz entscheidendes gefehlt haben, nämlich der Geist Gottes. Und der kam dann mit 50 Tagen Verspätung und selbstverständlich auch nur auf die Apostel/Kleriker nieder. Nachdem Paulus von Tarsus damals nicht dabei war, der stand nämlich seinerzeit in Spitzeldiensten des Hohen Priesters gegen die aufmüpfige Nazarener-Gemeinde, ist der Geistesblitz dann wohl an ihm vorbeigefahren, hat allenfalls Schmauchspuren hinterlassen. Und doch bezieht sich die Catholica immer wieder auf dessen Briefe. Natürlich auch auf die vier sorgfältigst ausgesuchten Evangelisten, von denen aber kein einziger als Autor nachgewiesen ist. Ganz zu schweigen von hunderten nachgeschobener Dogmen. Da hilft anscheinend nur der Heilige Geist weiter, und der geistliche Analphabetismus treibt weiter Blüten um Blüten. Schöner heiliger, geistlicher Schein.

Und da sitzt jetzt ein Mensch als Stellvertreter Gottes auf Erden auf dem Stuhle Petri, der außer im Film Quo Vadis wohl nie in Rom war, schaut dem Volk aufs Maul und sagt seinen Klerikern frei ins Gesicht, was er von ihnen denkt und dass man sich vor ihrem Analphabetismus als kulturell, bildungs- oder psychisch bedingtem individuellen Defizit bis hin zum völligen Unvermögen hüten muss. Wie man ihn aber überwindet, sagt er nicht. Vielleicht hilft gegen spirituellen Analphabetismus ein Super-Sprit, der neue Power und klare Erkenntnisse bringt. Wir müssen allerdings davon ausgehen, dass gerade bei der Catholica ein Fortschritt nur in winzigen darwinistischen Schritten möglich ist. Aber Geduld, auch der dickste Brocken zerfällt nach einem ersten winzigen Haarriss bis zum feinsten Staub.

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Kommentar

München, 02.05.2016

Religion/Gesellschaft

Laizität: der Schluckauf der LINKEN

von Georg Korfmacher, München

 

Nach dem weitgehend diffusen Antrag des LV Sachsen der Partei DIE LINKE zum Thema Laizität an den nächsten Parteitag Ende Mai legt nun eine weitere Gruppe von mittel- und schwergewichtigen Parteigrößen einen Gegen-Antrag zur Trennung von Staat und Kirche vor.

Um es auch hier gleich vorweg zu sagen: Auch dieser Antrag strotzt von Widersprüchen und Hilflosigkeit. Und weil man offensichtlich nicht mehr weiter weiss, gründe man einen Arbeitskreis. Eine „religionspolitische Kommission“ soll es richten. Auch diesem Antrag fehlt das Grundverständnis von Laizität als Autonomie der Laien in Sachen Politik. Gäbe es dieses, würden sich viele Fragen erübrigen bzw. als Scheingefechte herausstellen.

Überdeutlich erkennt man die Handschrift christlicher Parteimitglieder mit ihrem Lob für das Engagement von Kirchen und Religionsgemeinschaften (K&R), “wenn die Würde des Menschen aus ihrer Sicht in Gefahr ist“. Dabei enttarnt schon der letzte Halbsatz die einseitige Sichtweise der K&R und auch der Antragsteller, so dass der neuerliche Antraf eher eine Sackgasse als ein Ausweg ist.

Gerade beim Empfang der Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof zeigten spontan junge Menschen ohne jegliches Herausstellen ihrer Religion - mit weltweiten TV-Echo -, wie humanes Verhalten gegenüber Menschen in Not auch sein kann, bevor sich die Oberkleriker in München bemüßigt fühlten, sich auch beifallheischig am Hauptbahnhof zu präsentieren. Erst die Show, dann ein paar Almosen.

Geradezu trivial ist es, dass die Antragsteller auf plurale Bündnisse setzen, „wenn es um Frieden, den Schutz der Natur, um soziale Gerechtigkeit oder die Kritik am Kapitalismus geht, im Kampf gegen Ausbeutung, Krieg, gegen Sozial- und Demokratieabbau und vor allem im Kampf für eine Alternative zum Kapitalismus“ geht. Was aber hat das mit Religionspolitik zu tun?

Und dann die abstruse Fehleinschätzung, dass die LINKE eine laizistische Partei sei und gleichzeitig die in der Kommission zu beantwortende Frage, was denn „der Kern einer Laizität“ sei! Die Partei ist also etwas, von dem sie gar nicht weiss, was es eigentlich ist. Dümmlicher geht’s nimmer. Nochmals und ganz langsam: Laizität ist die Autonomie des Laien in Sachen Politik. Es geht also um eine res publica. Im Gegensatz dazu ist Religion eine res privata. Der Staat hat sich also um Religion und deren Ausübung im Rahmen der für alle geltenden Gesetze nur im Sinne des Schutzes der Meinungsfreiheit zu kümmern. Dieses Menschenrecht kennen wir erst seit der Französischen Revolution, und es musste gegen den erbitterten Widerstand von K&R, insbesondere der Catholica, durchgesetzt werden.

Wäre die LINKE wirklich laizistisch, würde sie nicht in der Kommission Mitglieder der Partei berufen, „die christlichen, jüdischen, muslimischen und laizistischen sowie atheistischen Traditionen verbunden sind“. Mit dieser Ankündigung rühren die Antragsteller Laizisten in einen Topf mit eindeutig religiös geprägten Menschen und verkennen dabei offensichtlich, dass man sehr wohl ein fröhlicher Christ und gleichzeitig Laizist sein kann. Siehe Frankreich. Dabei wäre ein genauerer Blick über den Rhein durchaus kein Rückfall „in Vorstellungen des 19. Jahrhunderts“, wie die Südd. Zeitung süffisant zitiert, sondern die nüchterne Einsicht in eine politische Regelung seit 1905, hinter der wir Deutschen bis heute jämmerlich hinterher hinken. Dabei bezieht sich die SZ auf eine Äußerung eines christlichen Antragstellers (Theologie-Professor), der unter Bezug auf den Antrag aus Sachsen von zwanghaftem Laizismus spricht.

Gewagt bis absurd ist es, wenn die Antragsteller aus dem Schutz der korporativ-institutionellen Religionsfreiheit herleiten, dass „Religion nicht bloß Privatsache ist, sondern auch eine öffentliche Angelegenheit“. Unter korporativ-institutioneller Religionsfreiheit versteht man das Recht, sich religiös zu entfalten und zu diesem Zweck  in einer Religionsgemeinschaft zusammenzuschließen. Keine Rede von öffentlicher Angelegenheit! Nur der Schutz der Meinungsfreiheit als res publica. Ebenso wie Soziale Gerechtigkeit, Frieden, Solidarität und Toleranz, Merkmale, die man von monotheistischen Religionen kaum erwarten kann.

Bei einem sauberen Verständnis der Laizität erübrigt sich an sich eine Diskussion aller Einzelanträge/fragen, wäre da nicht ein eklatantes „Eigentor“ zum Thema Kirchensteuer. Von welcher Dummheit der Leser/Parteimitglieder gehen die Antragsteller eigentlich aus, wenn sie unterstellen, „dass aus Kirchensteuern z.T. auch gesellschaftliche Aufgaben und soziale Dienste finanziert werden“. Erwiesenermaßen ist es doch so, dass sich die Kirchen und deren Institutionen ihre Dienste bis nahezu 100% aus öffentlichen Steuermitteln finanzieren lassen (sieh C. Frerk, Kirchenrepublik Deutschland und Violettbuch Kirchenfinanzen).

Der zweite Antrag geht derart an der eigentlichen Sache der Laizität in Deutschland vorbei, dass er keine Chance auf Gehör haben darf, will die Partei DIE LINKE sich nicht gänzlich der Lächerlich preisgeben. Hoffentlich handelt es sich nur um einen vorübergehenden Schluckauf.

PS: Getragen wird dieser Gegen-Antrag von keinem einzigen Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Laizismus der Partei DIE LINKE, sondern fast ausschließlich von den christlichen Kirchen verbundenen Parteimitgliedern, wie u.a. dem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, dem Pfarrer Jürgen Klute, dem Theologen Jonas-Christopher Höpken oder gar dem Theologie-Professor Franz Segbers und der Sprecherin der trotzkistischen Gruppierung Marx21 Christine Buchholz. Siehe http://www.freigeist-weimar.de/ für den ungekürzten Gegen-Antrag.

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Kommentar

München, 22.02.2016

Religion/Gesellschaft

Marx und Demokratie (3)

von Georg Korfmacher, München

 

Der Primat der Catholica von der Isar hatte im Dezember 2015 erklärt: „Kirchen wollten nicht selbst Politik machen, sondern Politik möglich machen. Dazu überprüften sie, ob die konkrete Politik mit dem christlichen Menschenbild vereinbar sei“. Hier soll die dritte Behauptung durchleuchtet werden, nämlich:

 

3. Überprüfen, ob die konkrete Politik mit dem christlichen Menschenbild vereinbar ist.

Will das „Alfa-Männchen“ (domradio) der Catholica sich wirklich anmaßen, eine in einem demokratischen Prozess entwickelte Politik auf Vereinbarkeit mit den Gottesrechten einer Theokratie zu überprüfen? Täte er das öffentlich z.B. in öffentlichen Anhörungen, Konferenzen oder Verlautbarungen, gäbe es dagegen möglicherweise nichts einzuwenden. Geschieht die Überprüfung oder gar die Beeinflussung aber in einer Weise, dass “wir in Teufels Küche kämen, wenn auch nur andeutungsweise bekannt würde, mit welchen Fragen wir uns beschäftigen” und mahnt ‘äußerste Diskretion’ an“ (Frerk, Kirchenrepublik Deutschland, S. 70 f), dann hört der Spaß für einen Demokraten auf.

Wie immer das christliche Menschenbild aussehen mag, es ist Menschenwerk mit allen Schwächen und Unzulänglichkeiten. Die wesentlichen Merkmale, an denen demokratische Politik sich auszurichten hat, sind die säkularen Menschenrechte, die Gewaltenteilung und die politische, demokratische Willensbildung. Begriffe wie Demokratie und Menschenrechte kommen aber im von der Bibel und den Dogmen der Catholica geprägten christlichen Menschenbild nicht vor, von Gewaltenteilung ganz zu schweigen. Die gibt es gar nicht! Alles in einer Hand!

Nach welchen überprüfbaren Kriterien will die Catholica eigentlich die Politik auf Vereinbarkeit mit dem christlichen Menschenbild prüfen? Was ist eigentlich das christliche Menschenbild? Nach Reiner Jungnitsch (www.reinerjungnitsch.de) ist[GK1] [GK2]  das christliche Menschenbild durch 7 Grundaussagen gekennzeichnet. Diese Grundaussagen mögen zwar nicht die offizielle Diktion der Catholica sein, sie sind aber immerhin Lehrmaterial für den Religionsunterricht. Also dann:

1.) Der Mensch ist eine Einheit aus Körper und Seele (Materie u. Geist).  Er ist ein Teil der Natur, d. h. er ist (chemisch-physikalisch-biologisch) mit allen anderen       Lebewesen eng verbunden. Er ist mit den anderen Geschöpfen verwandt.

Kommentar: Ist trivial, seit weit vor dem Christentum geläufig und spätestens seit Darwin ohne jeden Gottesbezug Stand der Wissenschaft. Seele wird aber heute eher als Geist definiert.

2.) Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes, sein „Ebenbild“. Er vertritt den unsichtbaren Gott in der Welt. (Würde/Rechte)

Kommentar: Das glauben eifersüchtig nur die drei abrahamitischen Religionen. Für die Demokratie ist dies kein Entscheidungskriterium. Spätestens seit Darwin ist es Stand des Wissens, dass der Mensch als Spezies nicht erschaffen wurde, sondern sich aus einem Einzeller entwickelt hat (Evolution). Und wenn der seinerzeitige Edelkleriker von der Lahn Ebenbild und Vertreter welchen Gottes auch immer sein soll, dann kommen erhebliche Zweifel hoch.

3.) Der Mensch lebt in Freiheit und trägt deshalb eine weitreichende Verantwortung  für sein Handeln in allen seinen Lebens-Beziehungen. (Moral/Ethik/Normen/Werte)

Kommentar: Dem könnte man zustimmen, zumal es sich nicht um eine christliche Erkenntnis handelt. Schon Konfuzius sah den Menschen in seiner Verantwortung für sich und seine Umwelt und auch Protagoras postulierte den Menschen als Maß aller Dinge. Beide Jahrhunderte vor dem Christentum.

4.) Der Mensch existiert als Mann und Frau in gleichberechtigter Gemeinschaft.

Kommentar:  Hoppla! Sind Frau und Mann nur gleichberechtigt, wenn sie in Gemeinschaft leben? Diese Behauptung wird durch die Praxis der Catholica permanent und eklatant konterkariert. So hat Papst Pius X. z.B. noch im Jahr 1903 Frauen ausdrücklich von der Kirchenmusik ausschlossen, während praktisch gleichzeitig in Frankreich im Zuge der Säkularisation die Laizität (1905) Gesetz wurde. Noch heute sind Frauen in der Catholica von hohen kirchlichen Ämtern ausgeschlossen, während Kleriker sich mit langen Röcken bekleiden. Wohl nicht, um Gleichberechtigung vorzugaukeln. Nein, das katholische Bild der Frau kann und darf nach der Französischen Revolution und der Erklärung der Menschenrechte kein Vorbild für politisches Handeln sein.

5.) Der Mensch ist in der Lage, zwischen dem Guten und dem Bösen zu unterscheiden und den Weg des Guten zu wählen. (Bewusstsein/Sprache/Wissen/ Gewissen/Dekalog/Liebesgebot)

Kommentar: Weil das ganz offenbar nicht so ohne weiteres geschieht, haben wir ein GG und auf der Basis des Code Napoléon ein Gesetzeswerk, an dem unser Handeln gemessen werden kann. Das zählt in einer Demokratie und gibt uns Rechts- und Planungssicherheit.

6.) Die religiöse Perspektive sieht den Menschen in einer Beziehung und Verantwortung, die über den weltlichen Zusammenhang hinausreichen. Der Tod wird daher nicht als endgültige Grenze betrachtet. 

Kommentar: Politik beschäftigt sich nur mit weltlichen Dingen und denkt (leider) nur im Rhythmus der Legislaturperioden. Dinge über den weltlichen Zusammenhang hinaus sind für die Niederungen der Politik völlig unerheblich, ja eher hinderlich.

7.) Seiner umfassenden Verantwortung wird der Mensch nie völlig gerecht. Er ist nicht vollkommen und verfügt nur über begrenzte Macht und ein begrenztes Erkenntnisvermögen. Jeder Mensch wird schuldig (Sünder) und stirbt letztlich in dieser anhaltenden Verstrickung von Versagen und Schuld. Eine endgültige Vergebung und Erlösung liegen daher nicht in der Hand des Menschen, sondern können nur in seiner Gottesbeziehung erhofft werden.

Kommentar: Auch das wussten die Menschen schon vor dem Christentum. Nur die Arme-Sünder-Mentalität der Catholica (Augustinus etc.) teilt die Mehrheit der Weltbevölkerung nicht. So manchem Politiker wäre das zwar recht, aber weit überwiegend ist das kein politisches Argument. Politik ist die Kunst des Möglichen und nicht des Vollkommenen. Das sollten wir spätestens seit Bismarck wissen.

 

Was bleibt dann noch? Der Primat von der Isar sagt konkret nichts, wohl eingedenk der Tatsache, dass das Christentum ja überhaupt kein konkretes politisches Programm hat. Nebelwolken sind da offenbar hilfreicher als konkrete Anweisungen. An denen könnte man ja selbst gemessen werden. Z.B. in Sachen Finanzgebaren, Missbrauch und kirchliche Gerichtsbarkeit neben der für alle verbindlichen Gerichtsbarkeit, Arbeitsrecht ausserhalb des Rahmens des für alle geltenden Rechts, Finanzierung ihrer Veranstaltungen aus öffentlichen Mitteln, also von allen Steuerzahlern, und viele Dinge mehr, die nur üble Gefühle und Fragen über Fragen aufwerfen.

Ach ja, auffallend oft taucht in Verlautbarungen der Catholica der Begriff der Menschenwürde auf, oft im Zusammenhang mit den Menschenrechten und als besonderes Merkmal christlicher Gesinnung. Die Menschenwürde war aber schon Gegenstand antiker Rechtsüberlegungen (Solon), ist also als Gedankengut älter als das Christentum und dessen seltsame Auslegung über Jahrhunderte und ist auch in Art.1 GG festgehalten. Die christliche Auslegung der Menschenwürde z.B. in Sachen Scheiterhaufen und z.B. Missionierung Mittelamerikas (Dezimierung der Urbewohner im heutigen Mexiko von ca. 25 Mio. auf gerade mal 700.000 in nur 100 Jahren) usw. sollte den Primaten von der Isar und seine Glaubensbrüder eher zur Zurückhaltung animieren. Denn der Machtwille der Rechtgläubigkeit gerade der Catholica zeigt sich allenthalben, hängt sich aber auch gern den Mantel der Scheintoleranz um (Eduard Kaeser, 03.02.2016 Journal21): „Andere Wege des Heils sind möglich und erlaubt, solange sie in die Ecclesia universalis des Christentums münden. Der christliche Geist ist in den andern Religionen präsent, nur nicht so voll ausgewachsen wie in der Kirche. Muslime, Juden, Hindus, Buddhisten haben immer noch ein religiöses Minus im Vergleich mit den Christen. So verlautet z.B. die Schrift „Christentum und die Weltreligionen“ (1997) der römischen Glaubenskongregation, als deren Präfekt der spätere Papst Benedikt amtete. Er, dessen empfindliches gelehrtes Geruchsorgan in jeder Art von religiöser Vielfalt den versteckten Pferdefuss des Relativismus witterte“. Von Menschenwürde keine Rede.

Und hier nochmals Mariano Delgado:musste…. die Überwindung der Verschmelzung von Staat und Christentum durch die Französische Revolution erkämpft werden. Erst danach sind in der westlichen Welt die Voraussetzungen, auf denen das Christentum als öffentliche Polis-Religion verstanden werden konnte, gefallen – und dies nicht zuletzt auch als Folge der Religionskriege und der damit verbundenen europäischen Erfahrung, dass die Religion als das „Wesen des Unterschieds“, wie Karl Marx sie nannte, keine tragfähige Grundlage zur Regelung des friedlichen Zusammenlebens in einem politischen Gemeinwesen darstellt“. Nach Delgado hat die Catholica spätestens seit dem 2. Vaticanum keine Kriterien, Politik auf was auch immer zu überprüfen. Spätestens seitdem geht es um die „Anerkennung der „Autonomie der irdischen Wirklichkeiten“. Siehe auch die Forderung nach Entweltlichung des papa emeritus bavaricus. Laizität und Pluralismus sind nach Delgado als das Prinzip der „Autonomie der Laien in der Politik“ zu betrachten. Mystik und Politik gehören - eben nicht - zusammen (mkn). Amen.

Und schliesslich: bevor die Kirchen erhaben über Politik richten wollen, sollten sie ehrlich ihr eigenes Gebaren und das ihrer Parteigänger überprüfen. Während mehr als 227.000 Bürger/innen mehr Transparenz, weniger Lobbyismus im Bundestag und ein öffentliches Lobbyregister fordern, kläfft der zuständige parlamentarische Geschäftsführer der Union pervers, dass er einen Appell für ein Lobbyregister nicht entgegennehmen wolle, weil er sich von Lobbyist/innen nicht beeinflussen ließe. Der gute Mann will wohl nicht wahr haben, dass es in einer Demokratie wichtig ist, zu wissen, wer mit wem über was und mit welchem/wieviel Geld unter Umgehung der öffentlichen Wege auf Politiker Einfluss nimmt. Der geistige Beistand bzw. die ganzheitliche Betreuung durch die Kirchen scheint hier gravierende Defizite zu haben. Und von ihrer Politik aus christlicher Verantwortung ist auch z.B. die CSU-Bundestagsabgeordnete Julia Obermeier zutiefst überzeugt. Dabei geht sie gar das Risiko ein, von einem Spagat zwischen Kirche und Staat schier zerrissen zu werden. Als Politikerin muss sie im Parlament und Verteidigungsausschuss weltliche Werte, wie z.B. die Menschenrechte vertreten, während sie als Bischöfliche Beauftragte für Missbrauchsprävention und als Leiterin des Arbeitsstabes der Katholischen Militärseelsorge den Werten ihres Glaubens folgen muss. Kriegseinsätze vs. das 5. Gebot ihres Glaubens? Missbrauchsprävention bei paralleler Gerichtsbarkeit? Freude über die Berufung in den Allgemeinen Rat der Katholischen Akademie in Bayern durch den Primaten von der Isar? Dienerin zweier Herren? Ein eklatantes Beispiel für die Verstrickungen von Staatsamt und Kirchenamt und die daraus entstehenden Interessenkonflikte. Ein Beispiel für den Kitt, der Kirche und Staat zusammenhalten soll. Nein, die Autonomie der Laien in der Politik fordert die konsequente Trennung von Staat und Kirche.

Zusammenfassend ist es schier unmöglich, hinter jeder Einzelbehauptung des Primaten von der Isar oder auch insgesamt einen Sinn auszumachen. Worthülsen ohne überprüfbaren Sachgehalt, Worte um der Worte willen und partout nichtssagend bzw. durch eigene Agitation widersprochen. „Religiöse Bekenntnisse ersetzen nicht die Sachkenntnis“, so Delgado. Auch sollte der Primat seinen Zuhörern und Lesern nicht seinen eigenen Horizont unterstellen, denn dazu meinte Albert Einstein spitz: "Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null, und das nennen sie dann ihren Standpunkt."

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Kommentar

München, 08.02.2016

Religion/Gesellschaft

Marx und Demokratie (2)

von Georg Korfmacher, München

 

Der Primat der Catholica von der Isar hatte im Dezember 2015 erklärt: „Kirchen wollten nicht selbst Politik machen, sondern Politik möglich machen. Dazu überprüften sie, ob die konkrete Politik mit dem christlichen Menschenbild vereinbar sei“. Hier soll die zweite Behauptungen näher durchleuchtet werden, nämlich:

2. …sondern Politik möglich machen.

Da muss sich doch jeder auch nur halbwegs mit Vernunft begabte Mensch fragen, wie das gehen soll? In unserem Land geht alle Macht vom Volk aus. So steht es wenigstes in Art. 20, GG. Wir sind eine Demokratie, und die  ist wahrlich keine Erfindung der Catholica, ja wird in der eigenen Struktur strikt abgelehnt. Wer könnte da wohl mögen, dass die Kirche(n) Politik möglich machen soll? Wir leben in einer Demokratie mit Menschenrechten. Keiner will einen Rückfall in eine Theokratie mit Gottesrechten! Wie es dort zugeht, hat uns die Catholica über Jahrhunderte vorgeführt. Und die Gräuel einer auf einen allmächtigen Gott ausgerichteten Macht werden uns heute durch den IS vorgeführt.

Paulus von Tarsus, der Jesus trotz intensiver Spitzelarbeit nie aufgespürt hat und gleichwohl als Protagonist der „Christen“ und somit des Christentums gilt, hat in seinem authentisch dokumentierten Brief an die Römer im Kapitel 13 sehr klar postuliert: „Jedermann ordne sich den Obrigkeiten unter, die über ihn gesetzt sind“. Dazu gehören also auch die Prälaten der Catholica. Sie sind keinen Deut besser als Jedermann. Und weiter: „Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um des Zorngerichts, sondern auch um des Gewissens willen“. Wenn schon die Catholica in Deutschland im Gegensatz zur Forderung des Paulus keine Steuern an den Staat zahlt, sollte sie wenigstens beherzigen, dass „Liebe die Erfüllung des Gesetzes“ ist. Von Politik möglich machen - vielleicht sogar auf der vielbeschworenen Augenhöhe - ist da nicht die Rede. Unterordnen!

„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“, sagt die Bibel (Mt. 22, 21b) eindringlich. Die Regeln der menschlichen Gesellschaft sind also getrennt von den Beziehungen zu Göttern zu sehen. Politik können nur Menschen machen, während im Glauben der Catholica Gott eifersüchtig auf sein Machtmonopol achtet und Abweichungen mit Höchststrafen belegt. Nein, keiner kann einen Kirchenstaat mit katholischer Anleitung für theokratisches Wohlverhalten wollen. „Jeder soll auf seine Fasson selig werden“(der Alte Fritz), aber in der Politik hat Kirche nichts zu suchen. Und nach Prof. Dr. Dr. Mariano Delgado, einem eher aufgeklärten Glaubensbruder des Primaten von der Isar, ist „Politisches Prälatentum“ nicht akzeptierbar und die Unterscheidung von Staat und Kirche eine „Grundgestalt des Christentums“. Politik ist res publica, Religion res privata.

Die Aufgabe der Kirchen könnte ja nun darin bestehen, die Menschen moralisch so zu bilden, dass die Politik zur Lösung von ethisch/moralischen Problemen nicht mehr eingreifen müsste. Da haben aber gerade die monotheistischen Religionen weitestgehend versagt und bewiesen, dass sie eine an Menschenrechten ausgerichtete Politik eben nicht möglich machen können. Die Catholica hat die UN-Menschenrechts-konvention von 1948 bis heute nicht ratifiziert. Das ist ein Armutszeugnis und Beweis, dass sie sich von den Menschenrechten distanziert. Die sind aber Grundlage unseres GG. Wie will da die Catholica Politik möglich machen? Geheimnis über Geheimnis.

Und überhaupt, worin besteht denn eigentlich die Moral der Catholica, die sie befähigen könnte, Politik möglich zu machen. Andreas Edmüller stellt dazu nüchtern fest: „Die moralische Kompetenz des Christentums entspricht seiner naturwissenschaftlichen – sie ist im Rahmen verantwortungsvoller und vernünftiger Diskussion vernachlässigbar”1, sie strebt also gegen null. Ein Blick in die Geschichte zeigt widerlich, dass das Christentum moralische Erklärungen für alles parat hält, sei es gut oder böse, Krieg oder Frieden, Diktaturen oder Parlamente, Recht oder Unrecht, Thron oder Scheiterhaufen. Nachhilfen solcher Art für Politik in einer säkularen Demokratie sind mehr als entbehrlich.

Die Kirchen können mit diesem Misstrauen natürlich nicht zufrieden sein und auch nicht recht damit umgehen. Lichtscheu suchen sie also Kontakte mit der Politik, um diese „entsprechend dem christlichen Menschenbild“ zu beeinflussen, denn “Christliche Moral rechtfertigt, erlaubt und verbietet alles”2. Bei Gott sind (eben) alle Dinge möglich (Mt. 19:26).

Aber auch so manche Politiker aller Parteien sind in Sachen Kirche lichtscheu und wollen nicht, dass undemokratische und undurchsichtige Lobby-Beziehungen zwischen Staat und Kirche offengelegt werden. Laut abgeordnetenwatch.de soll das nun in einer transparenten Regelung geändert werden, nachdem im Juni 2015 ein Gericht den Deutschen Bundestag dazu verurteilt hatte, abgeordnetenwatch.de die Inhaber von Lobbyisten-Hausausweisen zu nennen. Nach einer zunächst eingelegten Berufung hat die Parlamentsverwaltung das Urteil doch anerkannt. Und jetzt wird es eng für die Kirchen, denn die wollen sich partout nicht in die öffentliche Lobbyliste beim Präsidenten des Deutschen Bundestages eintragen lassen.

Nun könnten die Kirchen spitzzüngig argumentieren, dass sie von dieser neuen  Regelung schon deshalb nicht betroffen seien, weil sie ja gar keinen Lobbyisten-Ausweis haben bzw. brauchen. Ihre Kontakte sind ja soz. institutionalisiert, und in den von ihnen betriebenen Arbeitskreisen und anderen Zirkeln diskutiert es sich so ungeniert doch viel besser. An einer solchen Haarspalterei beteiligt sich kein Demokrat guten Willens.

Und schließlich könnte man sich ja zu der kühnen These versteigern, dass eine „Ganzheitliche Betreuung“3 der Politiker durch die Kirchen Politik erst möglich machen würde. Eine solche Betreuung umfasst dann Gebetsfrühstücke, Morgenfeiern im Andachtsraum im Bundestag und parlamentarische Abende – auch mit Ministerialbeamten! – zur Pflege des „Sozialkapitals“, „denn ein Element des Sozialkapitals ist das ‚Netz der Bindungen‘, das den ‚Cliquenkitt‘ bewirkt4. Heiliger Schein für üble, undemokratische und intransparente Unterwanderung und Beeinflussung der vom Volk gewählten Vertreter und Verwaltungsstrukturen.

Eine besondere Rolle für dieses ‚bonding‘ spielt das katholische Büro in Berlin für sein Kerngeschäft, nämlich den „direkten persönlichen Kontakt“5.  Hier spielt der Primat von der Isar eine besonders pikante und intransparente Rolle, werden ihm doch „die Beobachtung der Gesetzgebungsvorhaben des Bundes, die sachkundige Begleitung bei der Vorbereitung von Gesetzen und politischen Entscheidungen, die Abgabe von Stellungnahmen zu Gesetztgebungsverfahren des Bundes“6 zur Information und nötigenfalls zum Tätigwerden direkt vorgelegt. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Primat in nach seiner Ansicht zentrale Aufgaben investieren will, nämlich in „die stärkere Präsenz der katholischen Kirche in Berlin“ (KNA 31.1.2016). Was will die Catholica denn noch umtreiben, um Politik möglich zu machen? Eindeutigkeit scheint die Stärke des Primaten von der Isar nicht zu sein. Vielleicht will er sie ja gar nicht. Im Dunkeln ist gut Munkeln, und dafür will man sich obendrein beim absoluten Wahrheitsanspruch der Catholica beim Volk sowieso nicht entschuldigen oder auch nur rechtfertigen. Daher möchte man dem Primaten von der Isar empfehlen, zu entschleunigen und sich bei seinen politischen Umtrieben auf einige bezeichnende Zeugnisse seiner Kirche zu besinnen: "Jede Religion ist gut, die beste aber - die dümmste." (Papst Alexander VI, 1492 bis 1503) oder "Wieviel dieses Märchen von Christus uns und den unseren genützt hat, ist allbekannt!" ( Papst Leo X, 1513 bis 1523 ). Und der aktuelle Papst hat kürzlich gar behauptet, dass Gott nicht katholisch sei (La Repubblica). Wo sind da Kompetenz und Basis der Catholica für Politik? Ganz im Gegenteil: Theokratie kann Demokratie überhaupt nicht möglich machen.

 

1 Andreas Edmüller, Die Legende von der christlichen Moral, S. 8, 2 ebd. S. 59,              3 Carsten Frerk, Kirchenrepublik Deutschland, S. 77ff, 4 ebd. S. 81, 5 ebd. S. 83,               6 ebd. S. 84,

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Kommentar

München, 27.01.2016

Religion/Gesellschaft

Marx und Demokratie (1)

von Georg Korfmacher, München

 

Wer gerne plaudert, verplappert sich auch unversehens. So der Primat der Catholica von der Isar: „Kirchen wollten nicht selbst Politik machen, sondern Politik möglich machen. Dazu überprüften sie, ob die konkrete Politik mit dem christlichen Menschenbild vereinbar sei“.

Mit dieser zu locker-selbstgerechten Bemerkung hat Marx unverblümt dargetan, welches Demokratieverständnis insbesondere die Catholica hat. Mit welchem Recht spricht der Primat eigentlich von Kirchen? Wie wollen die denn Politik möglich machen? Und wie stellt sich der Primat dann die Überprüfung konkreter Politik auf Vereinbarkeit mit dem christlichen Menschenbild vor? Diese drei Behauptungen sollen näher durchleuchtet werden. Hier:

  1. Kirchen wollen nicht selbst Politik machen…

Wenn der Primat der Catholica hier selbstsicher für die Kirchen spricht, verrät er sicher ungewollt, dass die Kirchen, und zwar insbesondere die beiden Amtskirchen, seit jeher in Sachen Politik und eigener Vorteile kungeln. „Wenn wir zusammenhalten, verhauen wir das ganze Dorf“1, meinte seinerzeit ein evangelischer Beauftragter, als noch in Bonn regiert wurde. Die Kirchen deklarieren zwar heuchlerisch, nicht politisch aktiv sein zu wollen, agieren aber gleichwohl heftigst im Untergrund bzw. hinter den Kulissen. So weigern sich die beiden „Amtskirchen“, ihre (Lobby)Kontakte in der Politik offenzulegen, und entziehen sich damit jeder demokratischen Ordnung und Kontrolle. Das soll dann „partnerschaftliches Verhältnis“ zwischen Staat und Kirchen sein? Nicht öffentlich bekanntes und somit auch nicht kontrollierbares Einwirken auf unser Recht und Gesetz gefährdet die Demokratie.

Aber wie gehen nicht wollen und doch können zusammen? Da handelt es sich scheinbar um einen Geburtsfehler unserer Republik, denn seit der Erarbeitung unseres Grundgesetzes durch den Parlamentarischen Rat sitzen die Kirchen mit am Tisch und genießen eine Art „de-facto-Akkreditierung“2. Seinerzeit waren ca. 90% aller Deutschen Gläubige der christlichen Amtskirchen, und auch die PolitikernInnen waren mehrheitlich streng gottgläubig. So nahm man die Umtriebe der Kirchen mit ihren Kirchenbüros nicht so recht wahr oder eher wohlwollend hin, zumal sich die Kirchen mit ihren Einrichtungen schon damals zu wichtigen Arbeitgebern entwickelten. Die Kirchen selbst brauchen also gar nicht offen politisch aktiv zu sein. Sie verfügen über Erfüllungsgehilfen zuhauf in der Zivilgesellschaft und der Politik, um heimlich still und leise ihren Willen durchzusetzen.

Und das tun die Kirchen weidlich und in schlechter Gewohnheit über ihre „Büros“, obwohl sie sich durchaus bewusst waren und wohl auch noch sind, dass es für die unkontrollierten Kontakte zwischen Staat und Kirchen keinerlei Rechtsgrundlage gab und bis heute nicht gibt. So stellte der stellvertretende Leiter des Katholischen Büros in Bonn 1979 unumwunden fest, dass es für die „institutionalisierten Kontakte“ zwischen Staat und Kirchen keine Rechtgrundlage gäbe. Und der Mann muss das als Jurist wissen. Nach seiner Meinung ginge das alles so reibungslos wegen der überaus flexiblen und „oft auf Personen abgestellten Kontaktarbeit“3.

Diese Subkultur verletzt ganz offenbar unsere demokratische Ordnung und grenzt an subversive Tätigkeit, weil sie ohne jede Kontrolle und am Parlament vorbei unsere Gesetzgebung im Sinne christlicher Welt- und Wertvorstellungen zu beeinflussen trachtet. Dabei agitiert gerade die Catholica auch in der Judikative, indem sie mehrere Mitglieder des Bundes-Verfassungsgerichts mit hohen päpstlichen Orden auszeichnete4 und auch weiter hofiert.

Warum wohl? Wohl weil sie nicht selbst Politik und à la Pilatus sich die Hände schmutzig machen will. Sie scheut das Licht und steuert Politik lieber im Untergrund. Das ist gesetzeswidrig und in unserer Demokratie entschieden abzulehnen. Wann endlich wachen unsere Politiker und Bürger auf und beenden diesen untragbaren Zustand? Oder anders herum: wie lange wollen wir uns noch am Ring durch die Manege führen lassen, während der Leiter des katholischen Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin, Prälat Dr. Karl Jüsten, selbstgefällig feststellt: "Unser Erfolg beeindruckt manchmal auch die Bankenlobby oder die Atomlobby."5  

Wenn denn, so Marx, die Kirchen wirklich nicht selbst Politik machen wollen, warum sträuben sie sich dann so vehement gegen das laizistische Trennungsgebot von Staat und Kirche? Im säkularen Frankreich gibt es diese Trennung  seit 1871 in der 3. Republik, während gleichzeitig (1897) deutsche Soldaten „Mit Gott für König und Vaterland“ auf dem Helm deutsches Staatsverständnis verteidigten. Und wer es noch nicht wissen sollte: In Frankreich ist jeder Staatsbürger jeden Glaubens jederzeit eingeladen, sich an der politischen Meinungsbildung z. B. durch Wahlen und zahlreiche demokratisch legitimierten Tätigkeiten zu beteiligen. Laizität bedeutet nur aber energisch, dass sich Religionen als Institutionen im öffentlichen Bereich nicht einmischen dürfen, insbesondere nicht in der Bildung, der Rechtsprechung und der Verwaltung. Glauben sollte wie jenseits des Rheins auch diesseits Privatsache sein. Politik ist Sache des Volkes. Insofern hätte der Primat von der Isar mit seiner ersten Behauptung sogar Recht, wenn man ihm denn glauben könnte.

1 Carsten Frerk, Kirchenrepublik Deutschland, S. 69, 2 ebd. S. 47, 3 ebd. S. 44,              4 ebd. S. 295, 5 ebd. S. 297.

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Kommentar

München, 21.01.2016

Religion/Gesellschaft

Marx möchte gern…

von Georg Korfmacher, München

 

Berockt, berückt und in barockem Ambiente plaudert der Primat von der Isar kürzlich in Pressegesprächen darüber, was ihn zu bewegen bzw. zu bedrücken scheint. „Wichtig ist doch, dass wir über alle Probleme reden, sie ansprechen“, so Marx. Na dann. Aber bitte, nur ansprechen, nicht anpacken.

Natürlich treibt auch ihn die fratzenhaft verzerrte Islamisierung um, zumal da bei ihm unangenehme Erinnerungen an grauenhafte Christianisierungen hochkommen müssen. Also wiegelt er lieber ab. Nein, man dürfe die Muslime, die man ja zur Sicherung des eigenen Wohlstandes ins Land eingeladen hätte, zur Ausübung ihres Glaubens nicht in Garagen verbannen. Das wäre dann wirklich ähnlich den ersten Christen im alten Rom, die in den Untergrund der Katakomben gezwungen waren. Und überhaupt sei religiöse Vielfalt auch eine Möglichkeit für viele Christen, wieder vertiefter zu ihrem eigenen Glauben zu finden. Wenn die also schon nicht mehr in die eigenen Kirchen gehen, könnten sie also einmal bei den Muslimen vorbeischauen. Vielleicht gefällt es ihn dann dort doch nicht so mit dem vielen auf und nieder und sie kommen dann doch lieber in die Kirchen zurück, wo man sich wenigstens ordentlich setzen kann. Ansonsten gab er zu diesem Thema vom Primaten nichts Neues.

Ach ja, die Flüchtlinge. Erst als junge Menschen am Münchner Hauptbahnhof mit weltweitem Medienecho vormachten, wie es auch gehen könnte, lief auch er eilig dorthin und zeigte sich beifallheischig. Bis dahin hatte man von Marx zu diesem Thema nichts gehört und gesehen. Wo war er z.B. als Asylanten auf dem Münchner Rindermarkt wegen miserabler Bedingungen in den Hungerstreit getreten waren und von der Polizei weggeschleppt wurden? Seinerzeit war das Thema wohl zu heikel, heutzutage ist es telegen. Da muss man sich zeigen. Und ausserdem sei das von Gott auf die Tagesordnung gesetzt. Da sei es ein humanitärer Skandal und kurzsichtig, wenn die westliche Welt nicht genügend Mittel für die Flüchtlinge bereitstelle. Aber warum geht die weltweit tätige Catholica da nicht mit gutem Beispiel voran? Weil sie gerade für eine Stange Geld den Domberg in Freising aufwendig renovieren muss? Diskussionen über Obergrenzen hält er für Scheingefechte, weil sie in die Irre führten. Gleichwohl müsse man über eine Begrenzung der Zuwanderung nachdenken, zumal „den Kirchen in Deutschland langfristig die Aufgabe zuwachse, besonders den Christen unter den Flüchtlingen nahe zu sein“. Menschenwürde also doch eher nur für Christen? Also doch Abschottung und Präferenz? Eine ziemlich vermurkste Argumentation.

Tiefgründig aber nicht ganz neu die Gedanken zu Kirche und Staat. „Kirchen wollten nicht selbst Politik machen, sondern Politik möglich machen. Dazu überprüften sie, ob die konkrete Politik mit dem christlichen Menschenbild vereinbar sei“. Wie das genau geht, kann man in „Kirchenrepublik Deutschland“ von Carsten Frerk nachlesen. Einfach grauenhaft!

Ebenso bemerkenswert wie dümmlich die Aussage, dass sich die Kirche früher – früher? - mit Demokratie und Liberalismus schwer getan habe, während er heute wisse: „Eine freie und offene Gesellschaft entspricht dem Evangelium." Die Zukunft liege "in einer offenen und vielfältigen Gesellschaft". Diese Erkenntnis scheint nagelneu, geradezu revolutionär und sicherlich mit seinem kurialen Primaten-Kollegen Müller nicht abgestimmt. Der bayerische Vorgängerpapst hatte dazu auch eine dezidiert andere (unfehlbare) Meinung. Es muss ein marx‘sches Geheimnis bleiben, wo und was in der Bibel über eine freie und offene Gesellschaft nachzulesen sein soll. Nach gesicherter allgemeiner Erkenntnis ist die Catholica in Geist und Struktur zutiefst anti-demokratisch und hat bis heute die UN-Menschenrechtskonvention von 1948 nicht ratifiziert. Zu brennenden Gesellschaftsfragen schweigt sich der Primat von der Isar höchst vorsorglich und beharrlich aus. Da möchte er wohl gerne lieber nichts. Sein Papst wird’s mit seinen Inspirationen schon richten.

Ach ja, er wolle die Finanzstrukturen seines Bistums transparenter machen. Das verspricht er zwar schon seit dem Skandal von Limburg, geschehen ist bisher nichts. Ist ja auch sooo kompliziert bei all den Körperschaften des öffentlichen Rechts bis hinab in die kleinsten Pfarreien. Auch da wäre dem Kardinal eine Nachhilfestunde bei Carsten Frerk zu empfehlen.

Zum neuerlichen Einsatz deutscher Soldaten in Syrien vermerkt er sybillinisch, dass er nicht erkennen könne, „dass das der richtige Weg wäre". Erst mit einem Friedensplan hält er einen militärischen Einsatz für moralisch gerechtfertigt. Auch nicht neu. Seit Konstantin hat die Catholica jeweils mit einem Heilsplan verheerende militärische Einsätze gegen Andersdenkende gefördert und/oder geführt. Militärische Einsätze sind immer mit Mord verbunden. Das ahndet die Catholica eigentlich in einem Gebot, scheint es aber durch Militärseelsorge eher zu fördern.

Die Freiheit! Natürlich! Theologisch müssten die Religionsgemeinschaften intensiver über Freiheit nachdenken. Nein! Nur ja nicht theologisch, sondern nach den Regeln der Demokratie! Gerade noch hatte sein Pontifex öffentlich verkündet, dass Religion Krieg in sich trägt, weil sie Menschen beherrschen und kontrollieren will. Freiheit ist spätestens seit der Französischen Revolution ein unveräusserliches Menschenrecht, das keinerlei theologischen Nachdenkens bedarf. Das sollte der vielgereiste Kirchenmann spätestens seit seinem Studium in Paris wissen. Aber da war er vielleicht zutiefst mit Schöpfungstheologie beschäftigt. Und da kommt demokratische Freiheit nicht vor.

Bei seiner Aufforderung, "auf der Basis echter Kenntnisse und in ernster Weise" zu diskutieren, sollte sich der Primat von der Isar an die eigene Nase packen. Geplaudert hat er viel und praktisch doch nichts gesagt. Was möchte Marx eigentlich gern?

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Kommentar

München, 05.09.2015

Religion/Gesellschaft

Die christlichen Werte und die Flüchtlinge

von Georg Korfmacher, München

 

Der Flüchtlingsstrom nach Deutschland flutet täglich und stundenlang die Wohnzimmer. Da kann die Catholica sich nicht mehr wegducken. Mit großspurigen Forderungen aber leeren Versprechungen will sie sich jetzt einmischen, während linke Jugendliche in München vormachen, wie es auch gehen kann.

Das war noch ganz anders, als seinerzeit beim Hungerstreik von Flüchtlingen auf dem Rindermarkt in München die Catholica schwieg. Heutzutage kann man sich mit dem Thema profilieren, und offenbar auf allen Kanälen besser als auf den Kanzeln. Und einestages wird sie sich dem beherrschenden Thema unserer Zeit stellen müssen, zumal das spontane Münchener Willkommensritual bereits als Vorbild für Deutschland gehandelt wird.

Die KNA vermeldet vollmundig die Feststellung eines Kirchenfürsten, dass wir mehr Flüchtlinge aufnehmen und verkraften können, ohne allerdings auch nur im Entferntesten anzudeuten, wie das gehen soll und was die Catholica dazu beitragen will. Ihre Warnung vor Fremdenfeindlichkeit und unbedachter Wortwahl heute kommt nicht nur zu spät, sondern erstickt in worthülsigen Ankündigungen und Forderungen ohne Substanz.

Wie hält es die Catholica denn mit Vorschlägen, Flüchtlinge nach ihrer Religion auszusortieren und dabei eine Religion zu bevorzugen? Das würde allein schon das Neutralitätsgebot unserer Demokratie verletzen, ganz zu schweigen von der evidenten Missachtung der Menschenrechte. Aber die hat die Catholica eh nicht ratifiziert, und Demokratie geht ja überhaupt nicht. "Wer deutschen Boden betritt, soll menschenwürdig und gerecht behandelt werden“, ist die verblüffend neue Erkenntnis des Primaten von der Isar, und darum fordert er eine „grosse Solidarität“.

Alldieweil verbünden sich 500 Freiwillige (SZ), überwiegend linke junge Menschen, mit der Polizei unter der  Devise "Wasserbecher statt Wasserwerfer“ und empfangen Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof, die nach langer Drangsal erstmals ein Lächeln sehen und konkrete Hilfe erfahren.

Und was tut die Catholica? Leere Klöster werden zu Wohlfühlherbergen für Sinnsucher umgebaut oder glänzen weiter durch gähnende Leere ebenso wie Gästehäuser. Leere Pfarrhäuser stehen weiter leer. Leere Worte statt beispielgebende Taten. Vorwurfsvolle Appelle an die Politik, den eigenen Reichtum will man aber nicht teilen. St. Martin lässt grüßen.

Heribert Prantl (SZ) fordert zur gleichen Zeit, dass wir schnell umdenken müssen, wenn wir das größte Problem des 21. Jahrhunderts lösen und das „Überleben von Millionen Menschen“ sichern wollen.(1) Also kein Platz mehr für schnöde Worte, es zählen nur noch Taten. Und das schnell.

Da erscheint es schamlos, wenn die Kirchenobrigkeit beifallheischig auf die Freiwilligen und üppigen Kleiderspenden lobend hinweist, um damit eigenes Nichtstun zu überspielen. Flüchtlinge sind in lebensbedrohlicher Not! Da muss man handeln und den Notleidenden nicht eigene Vorstellungen überstülpen, um sich dann zu wundern, dass man am eigentlichen Notstand vorbei handelt.

Die aktuelle und zeitlich nicht absehbare Flüchtlingssituation wäre an sich eine Parademöglichkeit für die Catholica und artverwandte Bewegungen, beispielhaft vorzuleben, was in ihren heiligen Büchern steht (aber bitte nur die positiven Dinge) und seit Jahrhunderten der Bewährung bedarf. Aber nein! Auch die ebenso gefälligen wie eindringlichen Appelle des aktuellen Pontifex verhallen im Dickicht des unermesslichen Reichtums der deutschen Catholica. Nächstenliebe aus den Paulusbriefen zitieren ist offensichtlich billiger als praktizierte Nächstenliebe vor Ort. Leider gebe es "turbulente und schwierige Situationen, die Gefahr ist größer als in den vergangenen Jahrzehnten", so der Primat von der Isar, und «Dafür brauchen wir einen langen Atem». Den langen Atem pflegt die Catholica seit jeher, fühlt sie sich doch für das Himmelreich und nicht das Diesseits zuständig.

Daran erinnert die grosse Sozialenzyklika des Leo XIII. (eine der Säulen der christlichen Werte): "Denn unsere vorübergehende und leichte Trübsal in der Gegenwart erwirkt uns ein überschwängliches Maß von Glorie in der Ewigkeit". Warum  sich also hienieden plagen, wenn es danach sowieso nur Glorie gibt? Zumal, wenn die derzeitig Gefahr größer ist als früher. Denn Gott hat uns [Leo XIII] nicht für die hinfälligen und vergänglichen Güter der Zeit geschaffen, sondern für die ewigen des Himmels, und er hat uns die Erde nicht als eigentlichen Wohnsitz, sondern als Ort der Verbannung angewiesen“.

Dieweil springen verständnisvolle Bürger in die Bresche und tun das, wozu Catholica eigentlich berufen sein sollte: Essen, Kleider und Wohnraum zur Verfügung stellen für Menschen, die unter für uns satte Gutmenschen unvorstellbaren Gefahren lebensbedrohender Not entronnen sind.

Es gibt aber nach Leo XIII. doch einen zwingenden Grund, Flüchtlinge willkommen aufzunehmen. Ein dringendes Gesetz der Natur verlangt, dass der Familienvater den Kindern den Lebensunterhalt und alles Nötige verschaffe, und die Natur leitet ihn an, auch für die Zukunft die Kinder zu versorgen, sie gegenüber den irdischen Wechselfällen instand zu setzen, sich selbst vor Elend zu schützen; er ist es ja, der in den Kindern fortlebt und sich gleichsam in ihnen wiederholt“. Also doch Hilfe ohne Wenn und Aber, aber bitte auch für die Ehefrau, verlobte oder Freundin.

Dafür helfen Kamingespräche, Grußbotschaften und TV-Interviews wenig. Wohltätigkeit und Almosen sind eine wichtige und tiefgreifende Lehre der Catholica. Wenn das Volk bereits freiwillig vormacht, wie es auch gehen kann, sollten Kirchenfürsten nicht mehr schwafeln. Weder die Catholica noch die Politik können das Flüchtlingsproblem gerade bei der gebetsmühlenartigen Berufung auf die christlichen Werte auf Distanz halten. Wann endlich stellen sie sich einem der größten und akuten Probleme Europas? Oder sind sie auf dem linken Auge blind?

1 http://www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlinge-jahrhundert-problem-1.2609060

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Kommentar

München, 15.08.2015

Religion/Gesellschaft

Katholische Ethik durch die Hintertür

von Georg Korfmacher, München

 

Mit zunehmender Pluralität unserer Gesellschaft und gleichzeitigem Rückgang der Menschen, die sich zu einer christlichen Glaubensgemeinschaft bekennen, schwelt seit Jahren ein großes Unbehagen über die sogar von unserem Grundgesetz gedeckte Privilegierung christlicher Religionen in unserem Bildungswesen. Das verführt kirchliche Kreise zu der absurden Behauptung, dass der Religionsunterricht der einzige grundgesetzlich geschützte Unterricht sei.

Um diesem Unbehagen abzuhelfen wurde an Bayerischen Schulen der sog. Ethikunterricht eingeführt, der bei nicht-christlichen Eltern den Eindruck erwecken soll, dass in diesem Unterricht eben keine spezifisch christlichen Werte vermittelt werden. Unabhängig von der oft bemängelten Qualifikation der „Ethiklehrer“ kann der Ethikunterricht bei genauerem Hinschauen als Weg einer katholischen Ethik durch die Hintertür entlarvt werden.

Es begann 1968 mit der Abschaffung der katholischen Bekenntnisschule nach einem für die Catholica vernichtenden Volksentscheid und der Einführung der christlichen Gemeinschaftsschule. Das war zwar nur ein kleiner Schritt, aber eine schmerzliche Beschneidung der „Hoheitsrechte“ der in Bayern geradezu allmächtigen katholischen Kirche, und eine beschämende Niederlage für die herrschende christlich-soziale Partei. Um den Einfluss auf junge Menschen im Sinne einer Erziehung zu christlichen Werten zu stärken, vereinbarte die Bayer. Staatsregierung dann 1974 in einer Zusatzbestimmung zum Konkordat zwischen dem Hl. Stuhl und dem Freistaat Bayern, dass der Freistaat Bayern sich verpflichtet, an sieben bayerischen Universitäten „in einem für das erziehungswissenschaftliche Studium zuständigen Fachbereich je einen Lehrstuhl (Konkordatslehrstuhl) für Philosophie, für Gesellschaftswissenschaften und für Pädagogik“ (Art. 3 § 5) einzurichten. Soweit so gut bzw. unverfänglich. Völlig undemokratisch und entgegen jedem Rechtsverständnis in unserer Gesellschaft wurde aber auch konzediert, dass gegen die Ernennung der jeweiligen Lehrstuhlinhaber dem örtlichen Bischof ein Vetorecht eingeräumt wurde.

Nur über diesen Exkurs erkennt man die List des Kontraktes zwischen Staat und Kirche. Die Ausbildung der Lehrer für den Ethik-Unterricht liegt nämlich weitgehend in der Hand katholischer Moralphilosophen, denen der zuständige Bischof „einen katholisch-kirchlichen Standpunkt“ bescheinigt hatte. Also sind junge Menschen oft, ohne es zu wissen oder wollen und gar „gutgläubig“ einer Lehrkraft ausgeliefert, die sie möglicherweise unterschwellig aber gezielt mit kirch-katholischen Werten indoktriniert. Unabhängig davon, dass diese Praxis Art. 1, 4 und 7 unseres Grundgesetzes wiederspricht, sollte man also mit Bedacht vorgehen, wenn man vollmundig einen Ethikunterricht fordert. Das kann erst dann sinnvoll sein, wenn eine weltanschaulich neutrale Ausbildung der Lehrer sichergestellt ist und wenn die Catholica sich jeder Beeinflussung in der Bildungspolitik z.B. über „katholische Büros“ enthält.

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Kommentar

München, 12.07.2015

Religion/Gesellschaft

Religion Quelle der Demokratie

von Georg Korfmacher, München

 

Nach der Überzeugung des Primaten von der Isar muss man sich bei den Schlüsselthemen der Zukunft unserer Demokratie stets der Quelle bewusst sein, aus der die Demokratie schöpft. Für den Primaten ist das selbstverständlich die Religion, seine Catholica. Plumper und vermurxter kann er seine queren Gedanken kaum offenlegen.                                                                                    Demokratie gab es in Griechenland schon weit vor der Catholica, wurde dann unter der Catholica 1789 minus 381 Jahre lang brutal unterdrückt und musste dann in der Französischen Revolution gegen den vehementen Widerstand eben dieser Catholica wieder erkämpft werden. Seitdem sind die wesentlichen Merkmale der „Herrschaft des Volkes“ Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Seitdem schwindet die Bedeutung von Religion in der modernen Gesellschaft unaufhaltbar und stetig, obwohl sie sich speziell in unserer Demokratie immer noch hinter geilen Fratzen von Privilegien und Subventionen insbesondere finanzieller Art zeigt. Es klingt geradezu pervers, dass unsere Demokratie heute bei Wertedebatten oder dem Eintreten für Solidarität die Religionen brauchen soll, gegen die sie die Menschenrechte und heutigen Säulen der Demokratie erkämpfen musste.                                                              Bezeichnenderweise predigte der Primat der Catholica das beim Empfang der Kirchen für die Obersten Bundesgerichte in Karlsruhe. Wo sind denn bitte in der Catholica die Gewaltenteilung, Demokratie, Geschlechtergleichheit und Verzicht auf Gewalt? Scheiterhaufen und Torturen schlimmster Art während der Inquisition sind nicht dadurch geheilt, dass die Betroffenen wenigstens ein dokumentiertes Verfahren gehabt hätten. Und Steigbügelhalterschaft für das 1000-jährige Reich und dessen offene Unterstützung („Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich Volk und Vaterland allzeit treu und redlich dienen und als tapferer und gehorsamer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“) sind wahrhaftig keine Referenzen für demokratische Werte heute.                                                                                           Und wo war die große friedensstiftende Kraft der Kirchen, als sie 30 Jahre lang wegen Glaubensideologien Tot und Elend über Europa brachten und wenn heute noch christliche Heerscharen mit Mord und Totschlage über Andersgläubige in Afrika herfallen. Vielleicht wissen die Primaten davon gar nichts. So verurteilte der neue Primat von Freiburg vollmundig den Missbrauch von Religion als Rechtfertigung für Gewalt und Terror. "Die barbarischen terroristischen Grausamkeiten haben uns in den vergangenen Monaten immer wieder fassungslos gemacht." Worthülsen streuen hier nur Nebelbomben. Noch nie hat die Catholica sich für die Menschenrechte und damit für die unantastbare Würde des Menschen eingesetzt. Bis heute ist sie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 nicht beigetreten! „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Was hindert die Catholica daran, diese Bestätigung von Demokratie zu unterschreiben? Quelle also für was? Religion als Ideologie brauchen wir nicht, und Glauben ist Privatsache.

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Kommentar

München, 06.07.2015

Religion/Gesellschaft

Aus der Geschichte lernen

von Georg Korfmacher, München

 

Wenn es ums Lernen aus der Geschichte geht, bewegt sich die Catholica auf extrem dünnem Eis. Grotesk wird die Sache dann und obendrein, wenn Würdenträger der Catholica öffentlich anprangern, dass Kriege und „Gewaltorgien“ an der Lernfähigkeit der Menschen zweifeln lassen. Eine Empfehlung zum Griff an die eigene Nase ist zu schwach, die ganze Absurdität dieser Verantwortungszuweisung aufzuzeigen.

 

Wo standen denn all die „Todesangst-Christi-Kapellen“ während der Zeit der Gewaltorgien der Inquisition mitten im christlich beherrschten Europa? Deren Opfer werden notorisch aus dem kollektiven Gedächtnis der Catholica gelöscht. Die deutsche Catholica war trotz Kenntnis der Hitler-Bibel aktiv am Aufstieg von Hitler 1933 beteiligt und hat die Gewaltorgien der Nazizeit nahezu kritiklos begleitet. Ganz offensichtlich sind Kleriker trotz Geistlichkeit auch nur Menschen, die nichts aus der Geschichte gelernt haben und sich weiter strikt weigern, daraus zu lernen, insbesondere deren Primaten.

Dachau heute ist derart aufgehübscht und verfremdet, dass junge Besucher sich keine richtige Vorstellung von der Zeit damals machen können und vielleicht auch nicht machen wollen, weil derart unvorstellbar. Die gesamte Nazizeit inklusive Holocaust ist eine Erfahrung, aus der die Menschheit bei ihrer Evolution lernen muss und sicherlich, wenn auch in darwinistisch kleinen Schritten, lernt. Weitere Erfahrungen ähnlicher Art könnten die Entwicklung der Menschheit fördern.

Es genügt aber nicht, mit feistem Zeigefinger auf solche evident falschen Entwicklungen mahnend hinzuweisen und sich somit autoritätsheischig auf die Seite der Guten zu stellen. Änderungen im Sinne von Entwicklung zum Besseren muss man in der aktuellen Gesellschaft fordern und in ihren vielfältigen Ausprägungen realistisch berücksichtigen. Durch ihr wiederholtes Beispiel führt uns die Catholica tagtäglich ihre Einstellung gegen Demokratie vor, zuletzt bei der Qualifizierung der demokratischen Entscheidung in Irland für die Ehe für alle als "Niederlage für die Menschheit". Ein so anmaßender Anspruch auf Deutungshoheit wird heute nicht mehr hingenommen und führt dazu, dass „die Menschheit“ der Catholica den Stinkefinger zeigt.

Bedauerlicherweise nutzt die Catholica stets so emotional besetzte Orte wie Dachau, um ihre retro-gerichtete Deutungshoheit zu betonen. Das ist endgültig vorbei und gesellschaftlich nicht förderlich. Seit der französischen Revolution und nach unserem Grundgesetz sind alle Menschen gleich. „Eunuchen für das Himmelreich“ und Kauderwelsch sind ein Auslaufmodell für demokratisch denkende Menschen.

Die Catholica packe sich an die eigene Nase und werfe erst mit Steinen, wenn sie selbst nicht mehr im Glashaus sitzt. Ein Ende dabei  aber ist bei ihrer Masse von Schuld nicht absehbar. Nur: sie muss sich realistisch bewusst werden, dass unsere Gesellschaft das nicht mehr mitmacht. Die Sturzflut der Kirchenaustritte sollte da an sich ein Warnsignal sein. Für die Catholica ist das aber nur ein Zeichen für Qualitätszuwachs. Von „aus der Geschichte lernen“ keine Spur.

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Kommentar

München, 07.06.2015

Religion/Gesellschaft

Christentum vernunftgeleitete Aufklärung?

von Georg Korfmacher, München

 

In Zeiten von Facebook und Shitstorm tut sich der Primat von der Isar schwer, klaren Kurs zu halten. Noch nie war die Fülle und Geschwindigkeit der Verbreitung von Wissen so groß wie heute. Da kommt die Catholica mit ihrer Nacherfinderei großer geschichtlicher Ereignisse nicht nur schwer nach, sondern verstrickt sich in geradezu lächerliche Widersprüche und Knieschüsse.

 

          Bei seiner pathetischen Forderung nach der „Entscheidung für Wahrheit“ insinuiert der Primat mit dem sorgfältig gepflegten Stoppelbart wider besseren Wissens, dass sich seine Kirche die Errungenschaften der Aufklärung auf ihr Revers heften könne. Mitnichten! Ausnahmslos alle Gewinne der Aufklärung sind gegen den erbitterten Widerstand der Catholica durchgesetzt worden. Die Aufklärung läutete die Totenglocke der Missionierung. Beginnend mit Descartes und seinem Rationalismus, über Montesquieu mit seiner Gewaltenteilung, Voltaire mit seinen religionskritischen Diskursen bis Diderot mit seiner Enzyklopädie und schließlich der Französischen Revolution mit der Erklärung der Menschenrechte und dem Volk als Souverän sind all Merkmale unseres heutigen Staatsverständnisses Ergebnis heftigster Kämpfe gegen die repressiven Machtansprüche der Catholica. Genützt hat es ihr nichts. Die Aufklärung markiert das Ende des vielbeschworenen christlichen Abendlandes. Seitdem geht es für die Catholica nur noch bergab.

          Geradezu visionär sieht der Berater des Pontifex eine „neue Episode des Christentums“ und sucht Schulterschluss mit der Evangelica. Flucht in eine illusionäre Gemeinsamkeiten gegen peinlichen Schwund in den eigenen Reihen. Und dann immer wieder seine Mühle von der christlichen Ethik, wonach „Gewinn“ im christlichen Sinne nicht mit dem Streben nach materiellem Erfolg zu verwechseln sei. Dabei übersieht der Primat von der Isar geflissentlich, dass seine Kirche über mehr als tausend Jahre nichts anderes getan hat. Noch heute zahlen alle Steuerzahler unseres Landes jährlich einen millionenschweren Ausgleich für eben diese entgangenen Gewinne der Catholica. Honi soit qui mal y pense!

Und dann noch so ein köstlich unbedachter Versprecher: Die „Bedeutung der Freiheit als Voraussetzung für die Liebe“. Natürlich ja, wie z. B. in Irland. Aber prompt müllert es aus Rom, dass die demokratische Entscheidung der Iren eine "Diskriminierung des Ehebundes von Mann und Frau und somit eben auch der Familie" sei. Zudem sage die Mehrheit nichts über die Wahrheit aus. Was bitte weiß der „Eunuch für das Himmelreich“ über Liebe und Ehe?! Das unabdingbare Recht eines Menschen ist seine Selbstbestimmung. Liebe ist zwischen allen Menschen gleichgültig welchen Geschlechts und welcher Hautfarbe möglich. Wer nichts weiß muss alles glauben, sagte schon Marie von Ebner-Eschenbach. Die zwangsweise „verkehrsfreien“ Tage der Catholica sind endgültig vorbei, und die Freiheit ist die Erfindung der Catholica nicht. Von vernunftgeleiteter Aufklärung kann da wahrlich nicht die Rede sein.

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Kommentar

München, 01.06.2015

Religion/Gesellschaft

Atheisten sind dumm

von Georg Korfmacher, München

 

Im Musterland christlicher Kultur und Werte, so wenigstens die Vorstellung der Bayerischen Landesregierung, läuft im Dunstkreis der überwiegend nicht-christlichen Landeshauptstadt der tolldreiste Versuch, eine Realschule auf streng christlichen Kurs zu trimmen. Ein eklatanter Verstoß gegen § 3 (3) unseres GG und eindrücklicher Beweis, wie selbstherrlich und stur sich die Catholica – mit Schützenhilfe der Politik - über geltendes Recht hinwegsetzt.

In unserem GG ist geregelt, dass niemand wegen seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf. Der Staat ist also grundsätzlich zu strikter Neutralität verpflichtet und darf keinem irgendwelche religiösen Anschauungen oder Rituale aufzwingen. Und genau das will ein Realschulleiter und Diakon der Catholica in Personalunion. Alle Schüler sollen täglich ein Gebet sprechen. Zur Begründung  behauptet er, dass Atheisten dumm seien, dass das in der Bibel stünde und dass das Gesetz das erlaube.

In allen Punkten irrt der Schulleiter bemerkenswert, was die Frage nach seiner Qualifikation für das Amt aufwirft. In Sachen Recht und Gesetz sei er an den Beschluss vom 16.5.1995; Aktenzeichen:1 BvR 1087/91, des BVG mit dem amtlichen Leitsatz erinnert:                1. Die Anbringung eines Kreuzes oder Kruzifixes in den Unterrichtsräumen einer staatlichen Pflichtschule, die keine Bekenntnisschule ist, verstößt gegen Art. 4 1 GG.                                2. § 13 1 3 BayVSO (Volksschulordnung) ist mit Art. 4 1 GG unvereinbar und nichtig.

Gleichwohl segnet der eifrige Diakon nicht nur Kreuze und hängt sie in den Schulräumen auf, sondern er segnet auch noch ungefragt ein in der Fastenzeit der Catholica einen Lutscher schleckendes Mädchen. Die Details des abstrusen Rechtfertigungsgestammels sind nachzulesen auf http://www.spiegel.de/schulspiegel/religion-im-unterricht-schulleiter-in-geretsried-bayern-a-1034993.html.

Obwohl oft recht eingeschränkt, haben Eltern auch in Bayern das Recht und die Freiheit, ihre Kinder solchen Schulen/Lehrern anzuvertrauen, die ihre Erziehungshoheit respektieren und Recht und Gesetz achten. Und genau das tun jetzt mehr und mehr Eltern mit der Folge, dass die Neuanmeldungen an der hier betroffenen Realschule deutlich zurückgehen. Zugeben will das weder die Realschule noch das Kultusministerium, obwohl die Gründe auf der Hand liegen und zwei andere Realschulen im Landkreis bereitwillig Auskunft über steigende Neuanmeldungen geben.

Dabei eskaliert die Situation gefährlich. „Die Stimmung zwischen Lehrerkollegium und Schulleiter gilt als angespannt, im März trat der Personalrat geschlossen zurück. Das Kultusministerium setzte einen Mediator ein. Mit deutlichen Worten hat sich Ex-Schulleiter Rudolf Zins zur Situation an der Schule geäußert. Die Erziehung zu Toleranz werde derzeit „mit Füßen getreten“, schrieb er in einem offenen Brief an Eder. „Es geht nur um religiösen Eifer.“(mm 21.05.15) Der Dumme ist wohl eher der Diakon.

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Kommentar

                                                                              München, 26.05.2015

Religion/Gesellschaft

Per Volksbescheid zur religiösen Freiheit

von Georg Korfmacher, München

 

Das traditionell erzkatholisch geprägte Irland hat sich per Volksentscheid von religiöser Bevormundung befreit. Dort ist das geradezu eine soziale Revolution. Bei uns wäre es gerademal ein formaler Akt zur Gleichstellung der Homo-Ehe im BGB. Eine Grundposition der Catholica ist schwer erschüttert und erstmals demokratisch ausgehebelt.

 

62% aller wahlberechtigten Iren stimmten für die Aufnahme der Homo-Ehe in die Verfassung. Und prompt rumort es auch bei uns bis hinein in die Reihen der Partei mit dem C. Im Grundgesetz ist die Ehe an sich bereits geschützt, es bedarf nur des Gesetzgebers, das auch noch ins Bürgerliche Gesetzbuch zu schreiben. Eine Hürde stellt noch das Bundesverfassungsgericht dar, das die Ehe zwischen Mann und Frau zum "Kernbereich" der Ehe erklärt, obwohl das GG in Art. 6 keine bestimmte Ehe vorschreibt. Die allgemeine Richtung ist aber schon vorgegeben, seit in der Entscheidung zu Transsexuellen (Januar 2011) darauf hingewiesen wurde, dass die Zuordnung von Menschen zum Institut Ehe oder dem der Lebenspartnerschaft willkürlich ist. Auch die Entscheidung zum Ehegattensplitting (Mai 2013) weist auf die Angleichung der Rechte von Eheleuten und Lebenspartnern hin.

          In Irland, wo sich 80% der Bevölkerung zum Glauben der Catholica bekennt, ist der Volksentscheid ein überdeutliches Signal, dass sich moderne Menschen Ethik und Moral nicht mehr von der Catholica vorschreiben lassen wollen. Das Volk hat gesprochen, und zwar gegen den vermeintlichen Willen des Gottes der Catholica. Nicht nur für die erzkatholischen Iren stehen Menschenrechte und Meinungsfreiheit offenbar über willkürlichen Auslegungen von Ethik und Moral durch die Catholica. Damit zwingen die Iren nicht nur ihre Geistlichkeit in eine weitere Entscheidungsnot, ob oder wie sie dem Gläubigenschwund allenthalben in Europa begegnen will.

          In der Schweiz wird offen diskutiert, den Begriff der Religion ganz abzuschaffen und adjektivisch zu definieren, wie z.B. „religiöse Ansicht“ (nach Schleiermacher). Während Religion stets eine spezifische Glaubensüberzeugung mit fester Organisation bedeutet, bleibt das Adjektiv „religiös“ unverbindlich und „bezeichnet Einstellungen, die wir zu jedem Gegenstand und zu jedem angebotenen Ziel oder Ideal haben können“ (John Dewey). Jeder soll nach seiner Fasson selig werden, hatte schon der Alte Fritz weit vor der Französischen Revolution gefordert und klar postuliert, dass Religion persönliche Überzeugungen nicht behindern darf.

          Diese persönliche Freiheit haben die Iren beispielgebend durch ihre Abstimmung mit den Füssen für alle Menschen freien Willens verteidigt und gegen den erklärten Willen der Catholica durchgesetzt. Säkularität steht deutlich über religiöser Willkür, vorgeführt in einem „Urland“ der Catholica. Die „hinkende Trennung von Staat und Kirche“ in unserem Land lässt so manchen Politiker noch blind durch unsere Welt wandeln bzw. stur wegschauen, was das Volk bei uns eigentlich will, nämlich: die Freiheit der Gedanken (seit 1780), die freie Selbstbestimmung (Menschenrecht) sowie die Gleichheit aller vor dem Gesetz (unser GG). Will die Catholica wirklich noch solange trickreich „hinwursteln“, bis sie einfach abgewählt wird?

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Kommentar

München, 19.05.2015

Religion/Gesellschaft

Kurienreform durch befristete Arbeitsverträge

von Georg Korfmacher, München

 

Während der Pontifex Maximus der Catholica seine Mitbrüdern in den oberen Rängen wegen geistigen Alzheimers und unangemessener Prunksucht ins Gewissen redet und der Primat von der Isar empfiehlt, die Treppe von oben zu kehren, hört man jetzt aus der K9 ganz neue Töne. Mit befristeten Arbeitsverträgen soll die Kurie in Rom reformiert werden.

Mit großer Geste kündigt ein K9-Mitglied eine Kurienreform ohne Entlassungen an. Großes Aufatmen allenthalben. Beruhigend lässt der Pontifex verlautbaren, dass er keine Arbeitsplätze zerstören wolle. Siehe dazu den abberufenen Primaten von der Lahn, der jetzt in der Kurie einen Arbeitsplatz gefunden hat. Möglicherweise nur mit einem befristeten Arbeitsvertrag wie viele Angestellte der Kurie. Diese sollen sich nämlich darauf einstellen, solange zwischen verschiedenen Diensten zu rochieren, bis sie die Pensionsgrenze erreicht haben.

Ein in unserem Land wohl bekanntes und durchaus nicht gerne gesehenes Beschäftigungsmodell hat nun offenbar auch den Vatikan erreicht: "Dann könnte ein Angestellter hier am Heiligen Stuhl fünf Jahre arbeiten und danach wieder zurück nach Hause gehen". Aber bitte nur ja nicht der diebische Elst. Nein, so der Vatikan beschwichtigend, aber es müsse Reformen im Vatikan geben. Und da scheint man bei den einfachen Angestellten üben zu wollen, denn man will in der Kurie Kosten senken. Wer hätte je gedacht, dass sich die Catholica radikal-kapitalistischer, säkularer Methoden zur Erreichung ihrer Ziele bedienen würde. Aber an sich wissen wir ja hinlänglich, dass beim Gott dieser Religion alles möglich ist. Warum also nicht bei seinem unfehlbaren Stellvertreter auf Erden.

Streik geht natürlich gar nicht, und andere Kündigungsgründe werden konsequent unter der Decke gehalten. So wird die Frage der Beschäftigung sehr heikel: Nächstenliebe oder Geldbeutel, Laien oder Kleriker und Ordensleute mit unabsehbaren Folgen für bestehende und intensiv gepflegte Partnerschaften. Eigentlich könnte man meinen, dass die größten Kosteneinsparungen wohl bei den Herren mit den roten pileoli zu realisieren wären, außer natürlich beim Treppenkehrer von der Isar, dessen Ein- und Auskommen ja von allen Steuerzahlern bezahlt wird.

Und so ist es noch gar nicht sicher, ob die zweifelhaften Intentionen überhaupt umgesetzt werden können, denn so der K9-Kuriale wörtlich: "Wäre ich Präsident einer vatikanischen Behörde und man würde mir sagen, dass ich es bald nicht mehr sein werde, weil meine Behörde mit einer anderen zusammengelegt wird, dann würde ich mich auch nicht gut fühlen".

Gegen solche Vorbehalte ist seit Jahrhunderten kein Kraut gewachsen, und befristete Arbeitsverträge heute wahrscheinlich schon gar nicht.

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Kommentar

München, 27.03.2015

Religion/Gesellschaft

Kein Barzuschuss für den Katholikentag 2018

von Georg Korfmacher, München

 

Da hat uns der Osterhase früh ein wunderschönes Ei beschert. Die bisherige und für Deutschland typische, stillschweigende Übereinkunft zwischen Kirchen, Städten, Ländern und Bund zur Förderung religiöser Großveranstaltungen wurde erstmals aufgebrochen. Ein längst fälliger Schritt, ein für unsere Republik geradezu historisches Ereignis.

Die Entscheidung im Rat der Stadt Münster viel nach demokratischen Regeln. Gleichwohl beschwerte sich der Fraktionsvorsitzende der Partei mit dem C, dass jedem Sozialhilfeempfänger Zuschüsse gegeben würden, während das ZdK als Veranstalter des Katholikentages leer ausginge. Übler geht es nimmer! Die überreiche Catholica will sich allen Ernstes und als Gewohnheitsrecht vom Staat, also von allen Bürgern, ihre Feier mit 1,2 Mio. € bar bezuschussen lassen und neidet den Ärmsten unter uns finanzielle Hilfe. Noch verquerer trieb es der Oberbürgermeister, ehemaliger Mitarbeiter des Bistums Münster, der einerseits einräumen musste, dass es derzeit noch keinerlei Programm für die Feier gäbe, es andererseits aber offenbar für ganz normal hielt, dass das ZdK sehr wohl heute schon den Mio.-Betrag für das noch nicht geplantes Programm einfordere. Auch seine Androhung, dass die Entscheidung für Münster wegen der Nichtfinanzierung durch die Stadt revidiert werden könne, zeugt von selbstherrlichem Machtgehabe.

          Es ist geradezu eine Posse der Catholica à la Mixa, Marx und Tebartz, die im Ausland nur noch mit Hohn, Spott und Kopfschütteln bedacht wird. Endlich ein für alle verständliches Beispiel, mit welcher Selbstverständlichkeit bis Dreistigkeit sich die Catholica bei unserem Staat für ihre Feste bedient. Die C-Partei beschimpft auch noch die anderen als  grundsätzlich religions- und kirchenfeindlich. Eine demokratisch gefällte Entscheidung ist zu respektieren. Wenn diese dann gar als „Bruch“ einer nicht demokratisch legitimierten Förderung religiöser Feste bezeichnet wird, zeugt das von einem eher abstrusen Verständnis für unsere Staatsordnung. Das Volk ist der Souverän und nicht die Catholica. Stillschweigende Übereinkünfte, möglichst noch am Parlament vorbei, sind zutiefst undemokratisch und ein Rückfall in überkommene Machtstrukturen à la Zwei-Schwerter-Gehabe. Da stach das Schwert der Kirche immer dasjenige der Staatsmacht.

          Nun ist die Catholica ob dieses Dammbruches zu Recht aufs höchste alarmiert, muss sie doch um Weiterungen fürchten. Nun rücken auch andere Organisationen mit kirchlicher Trägerschaft ins Visier rationaler Hinterfragung. Warum finanziert der Staat z.B. die Caritas oder Kindergärten fast vollständig und lässt sich dennoch gefallen, dass eben diese Organisationen immer wieder ihre Mitarbeiter/innen nötigen. Es ist undemokratisch und pervers, dass Menschen mit ihren Steuerabgaben solche Organisationen der Catholica finanzieren, von diesen aber schamlos diskriminiert werden. Ein wahrlich eindrucksvolles Beispiel christlicher Nächstenliebe! Wer zahlt, schafft an. Leider fehlt aber politische Führung und Kontrolle auch hier. Auch hier wären ein Dammbruch und eine Festschreibung gleichen Rechts für alle heilsam. Zunächst einmal kaut die Catholica aber an dem neuen Problem, dass stillschweigende Übereinkünfte offen infrage gestellt und endlich öffentlich, demokratisch aufgehoben werden. Dieser Dammbruch darf nicht repariert werden!

Die Kunstaktion "11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen" zeigt Wirkung im Rat von Münster

Moses im Ratssaal von Münster

Foto: © Daniela Wakonigg


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Kommentar

München, 27.01.2015

Religion/Gesellschaft

Der Treppenreiniger

von Georg Korfmacher, München

 

Wer hätte je gedacht, dass der Primat von der Isar eine radikale Umkehr der katholischen Kirche fordert? Dabei bemüht er das Bild einer Treppe, die man von oben nach unten kehren müsse. Recht hat er. Auch ein Fisch stinkt vom Kopf her.

          Seltsamerweise wird diese Forderung in den USA und nicht in unserem Land formuliert, würde man doch hier nicht nur an die prachtvollen Treppen in den Residenzen der Primaten der Catholica denken, sondern auch an die ungezählten und weitgehend unbekannten Treppen in all ihren Immobilien.

          Dabei propagiert er Forderungen, die seit langem von seinem Fussvolk hier ergebnislos gefordert werden: mehr Verantwortung für Frauen und Laien in leitenden Funktionen seiner Kirche. Besonders der Ausschluss der Frauen von Führungsaufgaben erscheint dem Kirchenmann „nicht im Geist des Evangeliums“. Wer hätte das gedacht? „Gott gibt uns all diese Menschen, und wir sagen, ‚nein, der ist kein Kleriker, der kann den Job nicht machen, oder seine Idee ist nicht so bedeutend‘. Das ist inakzeptabel.“ Na dann: Just do it!

          Auch wiederverheiratete Geschiedene will er wieder zur Kommunion zuzulassen. „Wir müssen nach Wegen für die Leute suchen, die Eucharistie zu empfangen, und nicht Wege finden, sie auszuschließen.“ Bei gleichgeschlechtlichen Paaren meint er doch glatt: „Wir sollten vielleicht nicht vom Geschlechtsverkehr ausgehen, sondern von Liebe, Treue und der Suche nach einer lebenslangen Beziehung.“ Wie wohltuend, dass der Kirchenmann einmal die Fixiertheit der Klerisei auf das Gemächte aufgibt! Er hält einen eindimensionalen Blick auf Homosexuelle für unmöglich, wenn sie „einander treu sind, wenn sie sich für die Armen einsetzen, wenn sie arbeiten, dann ist es nicht möglich, zu sagen, ‚alles, was ihr tut, ist negativ, weil ihr homosexuell seid‘.“ Recht so! Nur die Bedingung ‚wenn sie arbeiten’ ist wohl nur in Verbindung mit der Aussage von Paulus verständlich, wonach der nicht essen soll, der nicht arbeitet. Doch etwas vertrackt für einen Sozialethiker der Catholica.

Nicht überraschend treiben den Primaten auch die zahlreichen Paare ohne Trauschein und Segen der Kirche um. Er konzediert aber beschwichtigend, dass man solche Beziehungen nicht in Bausch und Bogen verurteilen solle.

          Das sind ganz neue Töne von einem Mann, der in seiner Organisation Demokratie nicht zulässt und hierzulande noch nie so gehandelt oder auch nur gesagt hat, was er jetzt in den USA fordert. Möglicherweise wagt er solch publikumsheischenden Worte nur in dem Wissen um den „fehlenden Mentalitätswandel“ im überwiegenden Teil der Leitung der Catholica. Da wird der selbsternannte Treppenreiniger trotz hoher Ämter in der Kurie noch viel zu putzen haben, und, um im Bild zu bleiben, über die unteren Stufen wird noch viel Dreck schwappen.

Gleichwohl: hoch lebe der Treppenreiniger. Ab sofort wird man ihn an seinen eigenen, mutigen Worten messen. Bei uns wird er seine Initiative wohl auch auf die Abschaffung der in der Welt einmaligen Kirchensteuer, des kirchlichen Arbeitsrechts und die auch von „Ungläubigen“ bezahlten Staatsleistungen richten müssen, ebenso wie auf eine für alle gesetzlich vorgeschriebene Transparenz der Einkünfte aus Vermögen und Geschäften. Der Treppenreiniger braucht eine starke Putzkolonne.

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Kommentar

München, 15.01.2015

Religion/Gesellschaft

Licht aus und durch

von Georg Korfmacher, München

 

Während „Licht aus“ am Kölner Dom für manche ein beeindruckendes Zeichen des Unmuts dortiger Domherren ist, will der Primat von der Isar scheinbar noch auf "oberhirtliche Anweisungen" warten, bevor er sich zum Gesellschaftsproblem Pegida festlegen möchte und darf. Ausser hehren Worten hat unser Staat Pegida nichts entgegenzusetzen.

Mangels einer konsistenten und zukunftsorientierten Immigrationspolitik hangelt sich unser Staat an einem seidenen Faden zwischen hausgemachten Flüchtlingsproblemen und Fremdenfeindlichkeit entlang. Flüchtlinge sind Menschen und verdienen zunächst und vorrangig eine menschenwürdige Behandlung. Nicht das reiche Europa hat ein Flüchtlingsproblem, sondern die Krisenregionen.

Erst das Verbrechen in Paris und die folgende Je-suis-Charlie-Bewegung scheint unsere Politik aus ihrem Beschwichtigungsschlaf aufzurütteln. An der Meinungsfreiheit als hohes und geschütztes Menschenrecht kommt jetzt keiner mehr vorbei. Ab sofort ist es nicht mehr akzeptabel, sich in religiös-nebulösen Debatten zu verlieren, und nicht das sich in Pegida manifestierende Gesellschaftsproblem anzugehen und mit den Mitteln des Staates zu lösen. Licht aus und durch reicht nicht.

Weder vom Staat noch von den Kirchen gab es eine überzeugende Aussage. Mutig sind es die Muslime, die in Berlin die erste öffetliche Manifestation gegen religiös motivierte Gewalt veranstalten. Der Islam gehört nicht erst seit Wulf und Merkel zu Deutschland und Europa. Ohne ihn würden wir heute nicht so rechnen, wie wir es eben tun, und ein Grossteil unseres Wissens wäre infolge der Unterdrückung durch die Catholica für immer verloren, hätten es nicht muslimische Gelehrte aufgeschrieben und aufgearbeitet.

Gerade in Sachsen ist es offensichtlich, dass Pegida den Islam instrumentalisiert, um so missbräuchlich ein Gesellschaftsproblem auf eine religiöse Ebene zu überhöhen, hinter dem sich manifest übler Nationalismus verbirgt. Und prompt fallen Staat und Kirche darauf herein. Im Gegensatz zum laizistischen Frankreich scheint es in unserer Republik nicht möglich, dass die gesamte Bevölkerung spontan und einmütig aufschreit. Bei uns gibt es in Politik, Kirche und Gesellschaft zu viele Ja-Aber-Überzeugte, die natürlich gegen jedes Verbrechen sind, aber gleichzeitig tumbe religiöse Motive dafür ausmachen. Ein Blick zurück durchaus im Zorn auf das christliche Abendland muss einen in schieres Entsetzen ob der Kriege und Morde im Namen Gottes stürzen. Unsere vielschichtigen Verkettungen zwischen Staat und Kirche haben z.B. schon in der Hitlerzeit zu widerlichen Verhalten auf beiden Seiten geführt und scheinen auch heute wieder einmal in eine Patt-Situation zu führen, die man auch als erschreckendes Versagen von Staat und Kirche im Hinblick auf des Gesellschaftsproblem Pegida bezeichnen kann.

Wann endlich macht sich unser Staat frei von religiösen Verbindlich- und Behutsamkeiten, um sich vorbehaltlos und nur auf Grundlage unserer Gesetze mit Gesellschaftsproblemen à la Pegida auseinandersetzen und zu handeln. Dann nämlich wären alle Personen und Institutionen vor dem Gesetz gleich zu behandeln, ohne Ausnahmen und Privilegien. Die haben unsere Gesellschaft schon so oft in üble Schwierigkeiten gebracht und tun das scheinbar weiterhin.

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Kommentar

München, 26.12.2014

Religion/Gesellschaft

Brisantes zum Jahresschluss

von Georg Korfmacher, München

 

Nach 10 Geboten, 265 Dogmen und ungezählten Kardinalfehlern jetzt noch 15 kuriale Krankheiten inklusive „spiritueller Alzheimer“! Bei derart drastischer papaler Diagnose ist die Furcht vor Ansteckung nicht verwunderlich.

 

Im Dom in Fulda, machte sich prompt während eines lateinischen Hochamtes ein beängstigendes Symptom geistlicher Verwirrung bemerkbar, als der dortige Primat die Windeln von neugeborenen Kindern mit Leichentüchern nicht nur gleichsetzte sondern gar als befreiende Botschaft seines Glaubens rühmte. Der Mann trägt zwar Rock, hat aber offenbar von den Gefühlen einer Mutter bei der Geburt ihres Kindes soviel Ahnung wie eine Kuh vom Sonntag. Keine Mutter denkt an Tod, wenn sie liebevoll ihr Kind wickelt, um es gesund zu halten. Sie denkt an Glück und Leben! Die Botschaft der Liebe des Primaten von Fulda lautet hingegen makaber, dass der Gott der Catholica „bereits in seiner Menschwerdung in die Tiefe der Todeswelt hinabgestiegen sei, in der die Menschheit auf das Licht von oben sehnsüchtig warte“ (bpf/cps). Von den heute sieben Milliarden Menschen auf der Welt ist dieser Meinung eine erdrückende Mehrheit (83% der „Menschheit“) mitnichten. Solche abstrusen Äusserungen scheinen die Diagnose des Pontifex aktuell zu bestätigen.

Aber die Rügen des Pontifex gegenüber seiner engsten Umgebung gehen erschreckend deutlich weiter. Sich unsterblich fühlen, Rivalität und Eitelkeit, Schizophrenie, geschlossene Zirkel und Prunksucht sind nur einige der Watschen, die der Pontifex austeilt. Da bedarf es keiner Namensnennungen, um diese besonderen Eigenschaften bestimmten Personen zeitnah zuzuordnen. Aber leider ist die Erkenntnis der eigenen Schwächen nicht die besondere Tugend einer narzistischen Klerisei.

Solche Brisanz zum Jahresschluss trifft aber auch Menschen, deren Geschäftsideen eben die vom Pontifex angeprangerten Unarten sind, wie z.B. die Ausstatter und Schneider der Catholica. Ihr Umsatz ist dramatische eingebrochen. Besonders schöne und teure Stücke liegen wie Blei in der Auslage und sind Anschauungsmaterial für jene, die es immer noch nicht wahr haben wollen. Keine grossen Karossen mehr, dafür aber teure PR-Veranstaltungen in der Sixtinischen Kapelle. Keine Prunkgewänder mehr mit Perlen, Steinen, Gold und Silber in den Kirchen, dafür aber Prunk und Protz in Residenzen und Palästen. Indigniertes Wegschauen, wenn die Polizei Flüchtlinge im Hungerstreik von einem Platz in der Stadtmitte wegschleppt seinerzeit, dafür heutzutage und nach Lampedusa eilbeflissene Worte der Nächstenliebe auch gegenüber Flüchtlingen, nachdem der Kollege von der anderen Fakultät vorgemacht hat, wie es auch gehen könnte.

Die Karrierevorstellungen so mancher Kleriker könnten nach der Standpauke mit den kurialen Krankheiten schwer erschüttert sein. Gänsewein predigen und selbst edelste Tropfen schlürfen (Stichwort: Sektfrühstück nach Priesterweihe an der Lahn) ist selbst dem willigsten Gläubigen nicht vermittelbar. Aus einer Welt des heiligen Scheins Scheinheiligkeiten vermitteln, ist mit Vernunft nicht zu erklären. Schon Konfuzius hatte gemahnt, dass Lernen ohne Denken gefährlich ist. Der Pontifex scheint erkannt zu haben, dass die Menschheit vor kurialen Krankheiten zu schützen sei. Statt huldvoller Geschenke und hohler Lobesworte Brisantes zum Jahresschluss.

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München, 18.11.2014

Religion/Gesellschaft

Ora et lava

von Georg Korfmacher, München

 

Kaum hatte der neue Primat von Passau einen modernen Arbeitskreis mit dem forscchen Titel b&p (believe and pray – glaube und bete) ins Leben gerufen, treten ihm seine Mitbrüder aus der Fakultät der Benediktiner mit einem schlimmen Querschläger gegen das Schienbein. In moderner Variante des uralten Wahlspruches „ora et labora“ (bete und arbeite) scheinen sich seine Mitbrüder jetzt in „ora et lava“ (bete und wasche) zu gefallen.

Wie so oft, brachte es ein fataler Zufall an den Tag. Beim Großreinemachen nach dem Tod eines hochverehrten Abtes eines zwar bekannten aber unverdächtigen Klosters tauchten in einem trödelverdächtigen Schreibtisch Sparbücher über 5 Mio. € auf. Und wie immer will keiner davon gewusst haben, zumal darüber natürlich keinerlei Aufzeichnungen bestanden.

Die systemische Unwissenheit hätte sich in Wohlgefallen aufgelöst, gäbe es da nicht einen Anwalt, der Ansprüche auf das zufällig gefundene Geld anmeldete. Da kann die Staatsanwaltschaft sich nicht mehr zurückhalten und ermittelt prompt wegen Geldwäsche…… gegen den Anwalt. Nun ist aber der einzige Zeuge tot und vielleicht schon im Himmel, hatte er doch 33 Jahre lang sein Kloster als beeindruckende Persönlichkeit fromm geleitet.

Nachdem es kaum möglich erscheint, durch „ora et labora“ soviel Geld zu verdienen, sonst wäre das schon längst ein erfolgreiches Geschäftsmodell, ist Geldwäsche wohl das wahrscheinliche Modell der wundersamen Geldvermehrung. Und wieder einmal stellt sich die Frage nach den undurchsichtigen Steuerprivilegien, die solche Geldgeschäfte in der Catholica überhaupt erst möglich machen. Der fordernde Anwalt spricht von einem Steuersparmodell mit dem pikanten Namen „Weinberg“, in dem bundesweit Geld eingesammelt worden sei, um sich dann mit dem Segen eines erfinderischen Abtes vor den Zugriff der Steuer zu sublimieren.

Nun ist aber „Ruhe in Frieden“ nicht unbedingt das Ziel von Geldanlagen, zumal der „shareholder value“ zur Triebfeder unseres modernen Kapitalismus geworden ist. Die Gier nach mehr kann sicherlich durch Weihwasser nicht gekühlt werden, wie schon beim vorerst letzten grossen Skandal an der Lahn widerlich vorgeführt. Also, was will uns die Spitze dieses Eisbergs wirklich sagen?

Wenn unser Staat nicht endlich dafür sorgt, dass alle vor dem Gesetz gleich zu behandeln sind, und gleichzeitig Kirchen Privilegien bei Recht (Arbeitsrecht) und Steuern eingeräumt werden, die jedem guten Menschenverstand widersprechen, werden die Kirchen Geschäfte mit heiligem Schein betreiben, für die jeder Normalbürger bestraft würde. Dabei verliert nicht nur der Staat sein Gesicht und seine Glaubwürdigkeit gegenüber all seinen Bürgern. Auch die Kirchen, und allen voran die Catholica, liefern ein jammervolles Zerrbild von Redlichkeit und Vorbild im Namen ihrer über alles hochgehaltenen Dreifaltigkeit. Vom 7. Gebot ganz zu schweigen.

An was soll da der Mensch noch glauben, wenn die Primaten der Catholica mit satten Gehältern vom Staat ausgehalten werden und gleichzeitig den Staat nach Strich und Faden verdummscheissern. Da hilft nicht glauben und beten, sondern nur klares Recht und Regeln mit gleichen Chancen und Strafen für alle.

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Kommentar

München, 28.10.2014

Religion/Gesellschaft

Von der Lehre zur Leere

von Georg Korfmacher, München

 

Wenn soeben ältere Herren in langen Röcken in Rom ohne Erfahrung in der Sache über Sex, Liebe und Ehe die Köpfe zusammengesteckt und darüber befunden haben, was dem Menschen frommt, kann man unschwer nachvollziehen, wie eine starre Lehre zielstrebig zur Leere mutiert.

          Wortgewandt und mit grosser Geste bezieht sich die Catholica bei ihren Wahrheiten stets auf die Bibel und bezeichnenderweise auch auf ihre Tradition. Beide sind menschengemacht. Während die Bibel voller Erotik ist, will die Tradition diese in der Catholica genehme Bahnen zwingen. Heute spricht man zwar nur noch hinter vorgehaltener Hand von der «lehrenden» und der «hörenden» Kirche, gleichwohl geht es nach wie vor um die Macht der hohen Klerisei über die gemeinen Gläubigen. Diese tiefe Kluft ist mittlerweile durch papale Umfrage belegt. Dennoch sieht sich die Führung der Catholica nicht in der Pflicht zur Reform, sondern verlangt Wandel vom gläubigen Volk. Am Beispiel Ehe kann man das sehr gut nachzeichnen.

          Gemäss der Bibel spielt der Mann in der Ehe die dominierende Rolle. Eine Frau wurde ihm aus politischen, finanziellen oder Prestigegründen angetraut. Aus einer Ehe konnten sich nur der hohe Adel oder sehr reiche Männer lösen. Mit Heinrich VIII. implodiert die Zwei-Schwerter-Lehre. Mit seinem Ehescheidungswunsch löste er die Abspaltung der Anglikanischen Kirche aus. Heute ist das Volk der Souverän, mit dem die Catholica sich arrangieren muss. Und im Volk werden laut Umfrage die Vorgaben in puncto Ehe nicht mehr ernst genommen.

          Nun hat aber die deutsche Catholica ein peinliches Dilemma. Sie lässt sich nämlich vom Volk finanzieren, macht sich also von ihm abhängig. Sie giert gar nach staatlichen, pekuniären Zuwendungen. Dadurch kann sie aber ihre machtprotzigen Tradition nicht mehr erzwingen. Das „hörende“ Kirchenvolk läuft ihr in Scharen davon. Gähnend leere Kirchen, in die nur noch 10% der amtlich registrierten Gläubigen gehen. Kirchliche Hochzeiten werden zu Events, oft schon in Begleitung der eigenen Kinder. Die Zivilehe ist heute der entscheidende Akt für die Gestaltung der Gesellschaft. Das versteht das Volk. Da gibt es handfeste Vorteile. Das kann man im Fall der Fälle wieder ändern.

          Nichts ist ewig. Auch für den Primaten von der Isar ist das Glas nur noch halb voll, und für seinen Kollegen Pell aus der G8 ist Barmherzigkeit nicht mehr alles. Für ihn geht es vorrangig darum, dass Frauen durch Sexualität à la Catholica wieder mehr Kinder kriegen. Und für den Papst im Ruhestand war schon 2011 zum Entsetzen seiner klerikalen Oberaufseher klar, dass nur eine «entweltlichte» Kirche sich nicht wegen Privilegien Ansprüchen beugt, die dem Evangelium widersprechen. Für ihn war der Reichtum der Kirche immer schon ihr größtes Problem.

          Die Catholica hangelt sich von Spaltung zu Spaltung. Zuerst vor etwa 1000 Jahren die Ostkirche. Dann die mit Luther vor 500 Jahren. Kurz danach die  Anglikaner, dann die Alt-Katholiken und tausende andere Christengemeinden. Und jetzt das Volk als Hydra mit tausend Köpfen bzw. Widerspenstigkeiten. Wenn die Catholica auf ihrer starren Lehre besteht und gleichzeitig bei ihrem Volk ins Leere läuft, wird sie sich weiterhin scheibchenweise spalten. Bis da nichts mehr zu spalten bleibt. Es gab und gibt eben nichts Absolutes.  Panta rhei!

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Kommentar

München, 23.09.2014

Religion/Gesellschaft

Palastrevolte

von Georg Korfmacher, München

 

Endlich kommt es im Koloss Catholica zu inneren Reibungen in einem solch umfassenden Ausmaß, dass nur eine evolutionäre Veränderung den Fortbestand der Institution retten kann. Am Beispiel der Sakramente für Menschen nach einer Scheidung bekämpfen sich Barmherzige und Hardliner pikanterweise just vor einer Synode, die den Pontifex zu diesem Thema beraten soll.

          Es geht um die Vorstellung der Catholica von der Unauflösbarkeit der Ehe, die von je her von den Betroffenen ausserhalb der Regeln der Catholica ebenso eigenwillig wie eigenverantwortlich gehandhabt wird. Nach dem Verleger des Hardliner-Buches „In der Wahrheit Christi bleiben - Ehe und Gemeinschaft in der katholischen Kirche“ , P. Fessio SJ, basiert die katholische Lehre direkt auf der Lehre Jesu“.

Also sollte doch ein Blick in die Bibel die Wahrheitsfindung erleichtern. Die Catholica stützt sich bei der Ehe auf MT 9,6: Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden! Dieser Satz steht nun aber in einem eher verblüffenden Gesamtzusammenhang. Es geht um den sog. Scheidebrief, mit dem Mann sich sang- und klanglos vom Eheweib trennen kann. Selbst Jesus anerkennt die Ehescheidung z.B. im Fall des Ehebruchs. Und auch schon Moses hatte die Scheidung wegen Herzenshärte erlaubt. Selbst seine engsten Vertrauten konnten mit der Vorstellung nicht fertig werden, dass eine Wiederverheiratung nach Scheidung Ehebruch sein sollte. Daher bekannten sie ihrem Meister offenherzig, dass es dann wohl besser sei, überhaupt nicht zu heiraten. Und prompt kam die beruhigende Aussage des Meisters, dass diese Auffassung nicht alle sondern nur die teilen, denen es gegeben sei. Dazu gehören solche, die von Geburt eheunfähig sind oder gewaltsam entmannt wurden, aber auch Eunuchen für das Himmelreich. Also solche, die mit Ehe eh nichts anfangen können. Wer es fassen kann, der fasse es!

          Und eben diese Eunuchen für das Himmelreich maßen sich immer noch an, über etwas zu entscheiden, was zwei Menschen sich gegenseitig versprochen haben, aber aus welchen Gründen auch immer später nicht halten können. Während die Hardliner auf ihrer Macht über Menschen und Deutungshoheit bestehen, baut der Pontifex bereits mit einer Initiative vor, Ehenichtigkeitsverfahren zu erleichtern bzw. die Ehevorbereitung zu verbessern. Ehe ist nicht Sache von Eunuchen und war es auch zu Jesu Zeiten nicht.

          Die aktuelle Palastrevolte in Rom zwischen dem Pontifex und einigen Hardlinern der Kurie zeigt überdeutlich, dass sich die Catholic an einem Scheideweg befindet, der zwangsweise in eine weitere Spaltung führt, wenn keine mehrheitlich konsensfähig Lösung gefunden wird. Menschen von heute finden sich nicht mehr damit ab, dass einige wenige karrieregeile Eunuchen für das Himmelreich die Meinungsfreiheit der Gläubigen permanent abwürgen und solchen in Not nicht helfen wollen. Insbesondere dann nicht, wenn ebendiese Eunuchen mit Knabenliebe, schwulen Beziehungen, Prunk und Protz und eheähnlichen Beziehungen vorleben, dass es anders sehr wohl geht. Aber eben nur bei ihnen. Bei anderen ist das dann Sünde und muss hart bestraft werden.

          Auch die Catholica unterliegt dem ewigen Gesetz des panta rhei.

 

 

Kommentar

München, 07.09.2014

Religion/Gesellschaft

Die unsoziale Kirchensteuer

von Georg Korfmacher, München

 

Nach dem Primaten von der Isar ist der zwangsweise Abzug der Kirchensteuer auf Arbeitseinkünfte unsozial. Nicht nur der säkular denkende Mensch freut sich über jede, selbst späte Einsicht. Gleichwohl beisst sich der Primat da wie die sprich-wörtliche Katze in den eigenen Schwanz.

«Es ist allein eine Frage der Gerechtigkeit, nicht nur die Steuer auf Arbeitseinkünfte, sondern auch auf Kapitalerträge einzubehalten», schwadroniert der Primat. «Alles andere wäre unsozial». Nein! Die ganze Kirchensteuer und alle Sonderleistungen des Staates an die Kirchen sind unsozial! Seit der Französischen Revolution sind der Zehnt an die Kirche und deren Pfründewirtschaft abgeschafft. Nur in Deutschland geht das munter weiter. Nur die Formen haben sich geändert. Die Kirchen sollen die Politik zur Einzelabfrage der Banken und Versicherungen beim Steueramt gedrängt haben. Macht doch alles viel einfacher! Aber sollte man nach der eigenen Schrift Bank und Religion doch nicht lieber getrennt halten?

Mit seiner platten Behauptung, dass der automatische Kirchensteuer-Einzug kein Grund zum Austritt sei, liegt der Primat von der Isar aber auch nach glatt daneben. Landauf landab beklagen sich kirchliche Amtsträger über eine "massiven" Zunahme der Kirchen-austritte gegenüber dem Vorjahr «Nach menschlichem Ermessen wird die Gesamtzahl 2014 höher liegen als 2013», so höchst vorsorglich ein Vertreter der Catholica. Dabei ist das Vergleichsjahr das Jahr des skandalösen Primaten von der Lahn. Es geht also immer noch schlimmer. Besonders die Senioren rennen den Kirchen davon. Ein Leben lang haben sie schon Steuer auf ihren Glauben zahlen müssen, und jetzt auch noch auf das von ihnen angesparte Geld für die Alters-versorgung. Und das nennt der Primat von der Isar sozial!? Ungläubig verfolgen die Kirchenbehörden gerade die Entwicklung bei den Senioren, die doch ein Leben lang treue Schafe waren. Lag die Quote der über 65-Jährigen 2013 noch bei 2,9 %, stieg sie im zweiten Quartal 2014 um mehr als 150 %. Im April waren es dann 7,44 %, im Mai 8,23 % und im Juni 7,29 %. (Stuttgarter Nacgrichten) Diese nüchternen Zahlen strafen die Aussagen des Primaten von der Isar Lügen.

Aber das absurde, neu Finanzierungssystem droht obendrein auch noch brutal ungerecht zu werden. Liegen nämlich den Banken bis Ende August nicht alle Steueridentifikationsnummern ihrer Kunden vor, kann der automatische Abzug der Kirchensteuer 2015 nicht flächen-deckend starten. Also nicht für alle gleich in unserer Demokratie! Man ist gespannt, welche Starthilfe sich die Catholica da einfallen lässt.

Die DBK, deren Anführer der Primat von der Isar ist, lässt bereits kleinlaut verlautbaren, dass bei der Catholica die größte Austrittswelle ihrer Geschichte ins Haus steht. Also, was denn nun? Die beste Lösung liegt eigentlich auf der Hand: die unsoziale Kirchensteuer einfach abschaffen. Dann können sich Staat und Banken endlich wieder ungestört auf ihr eigentliches Geschäft konzentrieren und müssen nicht als Büttel der Kirchen den zunehmenden Unmut ihrer Kunden abwehren. Nach seiner eigenen Aussage könnte selbst der Primat von der Isar gut damit leben. Warum schafft der grosse Sozialethiker der Catholica die unsoziale Kirchensteuer dann nicht konsequent ab? Geheimnis des Glaubens.

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Kommentar

München, 07.08.2014

Religion/Gesellschaft

Konkordatsleerstühle

von Georg Korfmacher, München

 

Seit Jahren gibt es an der Universität Erlangen einen abstrusen Rechtsstreit über die Neubesetzung eines Lehrstuhls für Praktische Philosophie. Die Fakultät will die an sich bestehende Konkordatsbindung nicht mehr, zumal die Bayerische Catholica im Januar 2013 erklärt hatte, ihr Vetorecht bei Konkordatslehrstühlen nicht mehr ausüben zu wollen.

          Aber, wie so häufig, legt sich die Catholica nicht endgültig rechtsverbindlich fest und hinterlässt lieber eine unklare Rechtslage. In dieses Vakuum stößt jetzt die Uni Erlangen mit ihrer Initiative der Loslösung der Lehrstühle für Praktische und Theoretische Philosophie aus der Konkordatsbindung. In einem säkularen Staat muss man sich wahrlich fragen, warum die Catholica bei diesen Fächern ein Vetorecht haben soll. Die Initiative ist insofern erfreulich und überzeugend, wird doch damit „ein moralphilosophischer Lehrstuhl dem Einfluss der Kirche entzogen“. (Th. Ebert).

          Gleichwohl geht die Kungelei weiter. Die Zahl der Konkordatslehrstühle soll dadurch nämlich nicht verringert werden. Die Konkordatsbindung soll nun an einen bestehenden und auch besetzten Lehrstuhl verschoben werden. Also doch nur peinliche Augenwischerei, obwohl die Catholica einstweilen verzichtet?
          Die jetzt in Karlsruhe anhängigen Verfassungsbeschwerden harren jetzt einer Entscheidung. Dort wird die Judikative unseres Staates ohne Staatskirche eindeutig Stellung beziehen müssen, ob die Catholica in die Besetzung säkularer Lehrstühle für Philosophie, Geschichte, Politologie oder Soziologie mit einem Veto einschreiten kann, nur weil der Bewerber nicht katholisch ist. Dabei geht es auch um Grundgesetzverletzungen (Art. 3, 4 und 33) und Beachtung des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes. Staatliche Universitäten sind keine Einrichtungen der Catholica (§ 9 AGG zieht nicht). Eindeutiger als in Art. 33 , 3 GG kann man es kaum festlegen: „…. die Zulassung zu öffentlichen Ämtern sowie die im öffentlichen Dienste erworbenen Rechte sind unabhängig von dem religiösen Bekenntnis. Niemandem darf aus seiner Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einem Bekenntnisse oder einer Weltanschauung ein Nachteil erwachsen.“ Was hat nun Vorrang? Unser GG oder seinerzeit unterwürfig gestrickte Konkordate?

          Eilig ist die Sache an sich nicht, laufen der Catholica die Gläubigen doch in Scharen davon. Mittlerweile gibt es in unserer Republik eine Überzahl von Menschen ohne den Glauben der Catholica. Da werden aus Lehrstühlen zwangsläufig Leerstühle. Und in einer Demokratie darf keine Religionsgemeinschaft – und sei sie auch überwiegend nur eine Kirchensteuergemeinschaft -  derart massiv in unserem Bildungswesen in Fächern einwirken, die mit Religion nichts zu tun haben. Pikant dabei ist nämlich, dass der Catholica in den Konkordaten ein Vetorecht vor allem hinsichtlich der pädagogisch relevanten Lehre an Universitäten ein Mitspracherecht eingeräumt werden soll. Mit unserem GG ist Gehirnwäsche verboten! Die Würde des Menschen steht über dem catholica-typischen Indoktrinationsgebot. Mag die Catholica in eigenen Lehranstalten treiben, was und wie sie es will - solange sie sich im Rahmen der für alle geltenden Gesetze bewegt - , wie z.B. ihre vertrackte Sexuallehre oder ähnlich total introvertierten Lehrmeinungen. Bei solchen Leerstühlen wird sich gähnende Leere einstellen. Die Catholica manövriert sich selbst ad absurdum.

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Kommentar

München, 31.07.2014

Religion/Gesellschaft

Säkular oder privilegiert?

von Georg Korfmacher, München

 

Die Verflechtung zwischen Kirche und Staat ist bei uns alt und tief. Der Staat muss sich immer wieder bei der Bevölkerung legitimieren. Dazu benutzt er auch andere wichtige Mächte, wie eben die Religion. Die Kooperation funktioniert bei uns deshalb wie geschmiert, weil wir eine weitgehend noch nicht säkulare Gesellschaft haben. Die christliche Religion hat bei uns immer noch eine politisch gewollte, privilegierte Stellung.

          Nun rührt sich was! Ausgerechnet in der bayerischen Provinz meldet sich Widerstand gegen eine dreiste Handhabung der Catholica unserer im Grundgesetz und anderen Gesetzen festgelegten Spielregeln unserer Gesellschaft. In Gröbenzell will die Gemeinde der Kirche die Bezuschussung verweigern, wenn sie weiterhin auf der Diskriminierung von Arbeitnehmern in ihren Einrichtungen besteht. Schließlich handelt es sich um Einrichtungen, die der allgemeinen Daseinsfürsorge dienen und weit überwiegend aus öffentlichen Steuergeldern finanziert werden.

          Nach Art. 3 Grundgesetz sind alle vor dem Gesetz gleich und niemand darf wegen seines Geschlechtes, …….., seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Art. 4 sagt ausdrücklich, dass die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses unverletzlich sind. Und Art. 137 (aus der Weimarer Verfassung übernommen) bestimmt in diesem Zusammenhang, dass jede Religionsgesellschaft ihre Angelegenheiten selbständig (nur) innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes ordnet und verwaltet.

Und dann gibt es noch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Ziel dieses Gesetzes ist es, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen. Und obwohl Diskriminierungen nach Maßgabe dieses Gesetzes unzulässig sind, ist in Art. 9 eben dieses Gesetzes der Kirche eine Ausnahme eingeräumt. Sie darf diskriminieren. Hier kommt die Kumpanei zwischen Staat und Kirche zum Ausdruck, die sich einem demokratischen Verständnis unserer Gesellschaft nicht erschließt. Dem gesunden Menschenverstand eh nicht.

          Nun könnte die Kirche ja in weiser Bescheidenheit ein solches Angebot des Staates nicht in Anspruch nehmen. Aber nein, sie beharrt darauf, winkt doch viel Geld und noch mehr Einfluss auf Menschen. So lehnte die Caritas die Trägerschaft einer Einrichtung ab, weil eben solche Auflagen der Nichtdiskriminierung Teil der Ausschreibung waren (s. FFB-Tagblatt vom 26. 07. 2014).

Jetzt ist die Sache in Gröbenzell konkret und der Primat von der Isar muss Stellung beziehen. Bekennt er sich zu Art. 137 GG oder will er für seine Catholica diskriminierende Sonderrechte. Dabei ist er an seine eigene Aussage gebunden, wonach er im Brustton der Überzeugung auf die Bedeutung der Trennung von Kirche und Staat für die Freiheit des Glaubens hingewiesen und betont hat, dass der Staat auch aus christlicher Perspektive ein säkularer Staat sein müsse.

            Jetzt könnte der fürstlich in München residierende Primat beweisen, ob er sich an seine eigenen Aussagen hält. Säkular oder doch lieber privilegiert?

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Kommentar

München, 23.07.2014

Religion/Gesellschaft

Und prompt dementiert der Primat von der Isar

von Georg Korfmacher, München

 

Langsam bringt er die Vielzahl seiner Ämter in die Reihe. Das Amt des Aalkönigs reicht er weiter. Seine barocke Residenz in München will er aber nicht verlassen. Die Berufung des Kardinals aus Berlin auf den begehrten Stuhl des reichen Erzbistums Köln hat in der Catholica Spekulationen um weitere Rochaden ausgelöst. Prompt dementiert der Primat von der Isar einen Wechsel an die Spree.

          Dann müsste er ja auf Schloss und Residenz in München sowie auf einen Palazzo in Rom verzichten und in eine eher bescheidene Dachwohnung in Berlin umziehen. Und in Berlin gibt es auch keine Berggipfel, auf die man medienwirksam zur Erkundung der Befindlichkeit der Gläubigen hienieden steigen könnte.

          Und dann würde er ja auch über seine eigene Beteuerung der Trennung von Staat und Kirche stolpern. Ihm scheint es zunächst ausreichend, dass die Catholica mit einem Lobby-Büro in Berlin aktiv ist. Das fällt nicht so auf. Wie sollte er auch auftreten, wenn er im Brustton der Überzeugung auf die Bedeutung der Trennung von Kirche und Staat für die Freiheit des Glaubens hingewiesen und betont hat, dass der Staat auch aus christlicher Perspektive ein säkularer Staat sein müsse. In einem solchen Staat dürfte kein Arbeitsrechts praktiziert werden, das sich nicht an die Schranken des für alle geltenden Rechts hält, und auch sein Gehalt dürfte nicht von Menschen finanziert werden, die seinen Glauben nicht teilen. Und warum soll sich ein säkularer Staat eigentlich um Religionsunterricht kümmern?

            Aber es kommt noch dicker! Die neuen Zahlen für kirchentreue Gläubige 2013 schrumpfen dramatisch. Auch deshalb bleibt er selbstverständlich in München. Hier kann er barock und machtbewusst seinen Lebensstil perfektionieren: jovial auftreten und knallhart in die Schranken der Catholica verweisen. Sein Gebaren  passt viel besser zur ländlichen Volksfrömmigkeit in Bayern. Hier gelingt ihm der Spagat zwischen Leben und Lehre besonders gut. Hier kann er seine sozialethische und undemokratische Einstellung trotz vollmundiger Beteuerungen des Gegenteils leben, ohne von seinem vorauseilenden Gehorsam gegenüber seinem Pontifex abzuweichen. Hier kann man von einem Zukunftsforum faseln, ohne die engen Grenzen der Verkündigung in Frage zu stellen. Hier sind die Menschen noch für die Kirche da.

Aber hatte sein Pontifex das nicht gerade andersherum gefordert? Diese Kehrtwende müsste dem Primaten von der Isar schwer fallen, bedeutet sie doch eine radikale Revision seines Standpunktes und seiner Lebensweise. Um diese muss er bei sinkenden Kirchensteuereinnahmen jetzt konkret fürchten. Automatischen Kirchensteuereinzug durch die Hausbank machen viele nicht mit. Austritt aus der Kirchensteuergemeinschaft ist für viele nur noch ein Akt der ökonomischen Vernunft. Für das Geld kann man auch in den Urlaub fahren. Und warum soll man auf Kapitalerträge Kirchensteuer zahlen, wenn die eigene Kirche das auch nicht tut.

Jetzt kommt unweigerlich die grosse „Götterdämmerung“: von 300 Plätzen in einer Kirche sind nur noch 30 besetzt. Bei dem eigenen Lebensstil ist da der Verweis auf Limburg wahrer Hohn. Wie eben auch sein Besuch in einem Asylantenheim der Caritas, wo Menschen wie wir im Dreck leben, nachdem er die Asylanten im Hungerstreik auf dem Rindermarkt in München tunlichst übersehen hatte.

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Kommentar

München, 12.07.2014

Gesellschaft

Was sagt uns der 14. Juli?

von Georg Korfmacher, München

 

Große Militärparade in Paris. Ausgelassene Freude, Straßenfeste, Tanz in ganz Frankreich. Ein Land feiert seinen Nationalfeiertag. Dieser Tag ist aber auch ein Feiertag für uns und die Welt, denn vor 225 Jahren wurde der Grundstein für unsere Demokratie heute gelegt.

Zuerst fiel die Bastille (14. Juli 1789) und einen Monat später (26.8.1789) wurden die Trennung der Gewalten in Legislative, Judikative und Exekutive sowie die Menschen- und Bürgerrechte erklärt. Die schon während der Aufklärung diskutierten Begriffe „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ wurden jetzt politisch durchgesetzt, wobei es zunächst mehr um Freiheit und Gleichheit ging. In 17 Artikeln finden wir zwar nicht alle heute definierten Menschenrechte, aber alle wesentlichen von heute finden sich bereits dort wieder.

Die Dreier-Parole machte an den Grenzen nicht Halt und wurde überall in Europa mehr oder weniger kontrovers diskutiert und umgesetzt. 1841 dichtete Hoffmann von Fallersleben „Das Lied der Deutschen“, dessen dritte Strophe den Dreiklang aus Frankreich mit den Worten „Einigkeit und Recht und Freiheit“ aufgreift, die Reihenordnung jedoch umdreht. Aus der Brüderlichkeit (Fraternité), die auch oft als Solidarität verstanden wurde, wurde die Einigkeit und aus der Gleichheit (Egalité) das Recht. Nur die Freiheit (Liberté) wurde ohne weitere Interpretation übernommen. So oder so, es sind inhaltlich die gleichen Begriffe. 1848 wurden „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ als „Grundsatz“ der Republik in die Verfassung aufgenommen.

In der Dritten Republik (1871) wurde die von der Catholica vereinnahmte Brüderlichkeit bevorzugt mit Solidarität bezeichnet, seit 1880 jedoch ist der ursprüngliche Wahlspruch unverändert bis heute.

Unser offizielles Bekenntnis zur Parole der Franzosen verdanken wir dem Sturkopf Konrad Adenauer, der die dritte Strophe skandalartig einführte, weil er endlich eine eindeutige Nationalhymne haben wollte, nachdem er mehrmals öffentlich mit Karnevalsliedern empfangen worden war. Erst seit 1991 ist sie aber bei uns verbindlich, während unsere Republik der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 längst beigetreten ist. Seltsamerweise hat sich der Vatikan diesbezüglich bisher kühl zurückgehalten.

Die Menschenrechte heutzutage umfassen zwangsläufig mehr Rechte als seinerzeit. Aber ohne die kühne Revolution von 1789 gäbe es Europa in der heutigen Form nicht. Panta rhei, so auch die Menschenrechte in der heute anerkannten Überzeugung, dass alle Gewalt vom Volk ausgeht. Freiheit geht einher mit Verantwortung, Gleichheit vor dem für alle geltenden Recht sollte eine Selbstverständlichkeit sein und Brüderlichkeit/Solidarität als Grundsatz für unsere menschliche Gesellschaft ist die Voraussetzung für unseren Fortbestand. So bleibt die Parole der Französischen Revolution ein Weckruf für unsere sich stetig wandelnde Weltgemeinschaft.

Wahrlich ein grosses Erbe und ein Fanal für unsere Zukunft. Der 14.Juli ist  mehr als ein Volksfest. Er ist ein Aufruf, unsere Freiheiten zu verteidigen und weiter zu entwickeln, unser Recht für alle gleich zu handhaben und unseren Mitmenschen solidarisches Mitgefühle entgegen zu bringen. Das ist ein Prozess und nie ein endgültig erreichter Zustand, in dem man sich wohlig einrichten kann.             Vive l’évolution!

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Kommentar

München, 03.07.2014

Religion/Gesellschaft

Der Tanz mit dem Teufel

von Georg Korfmacher, München

 

Der Pontifex der Catholica bleibt sich treu. Zu Beginn seines Pontifikats verkündete er überraschend hart, dass der des Teufels sei, der nicht an seinen Gott glaube. Jetzt hat er alle Mafiosi und Konsorten zum Teufel gejagt und damit einen Tanz angesagt, dessen Takt und Ende völlig offen sind.

          Bisher hat noch keiner überlebt, der sich mit der Mafia angelegt hat. Als 1993 sein Vorvorgänger harte Worte gegen die Mafia richtete, starben unerklärlich einige Priester und eine Bombe explodierte an der Kirche San Giovanni in Laterano. Dann verlief sich alles wieder im Sande. Sein Vorgänger distanzierte sich zwar in höchst arabesker Wortakrobatik, schickte aber den Mafiosi doch seinen höchstpäpstlichen Segensgruß anlässlich einer Heirat. Natürlich hat die Mafia dafür bezahlt!

          Und jetzt die pauschale Exkommunizierung der Mafiosi durch den Draufgänger mutig in deren Land und nicht in Rom. Tödlich für die Mafiosi ebenso wie für deren Kollaborateure in der Catholica und der Politik. Tödlich für die Mafiosi, weil ihnen damit der Mantel der Scheinheiligkeit entrissen wird, ebenso wie ihre katholischen Rituale. Nicht nur die „Santa“ (Führung der ’Ndrangheta) ist von den ersten Plätzen an der Kommunionbank verjagt, der Hl. Michael ist nicht mehr Schutzpatron der Mafiosi in Kalabrien. Die engen Verbindungen der Mafia-Clans zu den Pfarreien sind ab sofort tabu. Dabei traf der Bannstrahl des Pontifex alle Mafiosi mit den Worten: "Diejenigen, die den falschen Weg wählen, wie auch die Mafiosi, sind nicht in der Gemeinschaft mit Gott. Sie sind exkommuniziert".

          Tödlich also auch für Kleriker und der Catholica nahestehende Institutionen, die schmutziges Geld der Mafia über Spenden und andere Geldgeschäfte gewaschen haben, die Mafia gedeckt oder zum eigenen bzw. zum Vorteil der Kirche genutzt haben. So wie der einfältige Pfarrer, der das 3-jährige Mafiaopfer ohne wenn und aber und ohne zu hinterfragen mit allem Pomp beerdigt hatte und sich jetzt wundert, dass sein Pontifex die Sache nicht auf sich beruhen lässt. Oder wie beispielhaft jener Bischof im Film “Der Pate“, der dem Mafiaboss großzügig Mord und Totschlag vergibt. Natürlich hat die Mafia dafür bezahlt!

          Und tödlich auch für alle Politiker und Wirtschaftsbosse, die sich zwar gerne wortgewaltig zu Verteidigern des christlichen Abendlandes aufplustern, in ihren Werken aber keine Spur von Christlichkeit erkennen lassen. Vorne beten und hinten treten ist nicht mehr! Teilnehmer an mafiösen Strukturen in allerlei Geschäften sind nämlich nach den Worten des Pontifex auch exkommuniziert. Nicht nur Politiker mit dem „C“ im Parteinamen müssen sich ab sofort demütig fragen, ob ihr christliches Aushängeschild sich wirklich in ihren demokratischen Werken niederschlägt. Der Kirchensteuereinzug durch den Staat ist da keine Entschuldigung! Und das der Catholica eingestandene Arbeitsrecht außerhalb des für alle geltenden Rechts schon gar nicht! Eine Warnung sollte der Banker am Strick unter der Londoner Brücke sein, als ein Skandal in den Finanzen des Vatikans aufflog. Natürlich hat die Mafia dafür bezahlt!

          Der Tanz mit dem Teufel hat gerade erst begonnen. Mit seiner Ächtung hat der Pontifex mafiösen Aktivitäten den Wind aus den Segeln und den heiligen Schein genommen. Ab sofort bläst der Wind scharf von vorn. Lang lebe der Pontifex!

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München, 13.06.2014

Religion/Gesellschaft

Marx will Humanismus neu erfinden

von Georg Korfmacher, München

 

Nach Marx sollen Christen an einem neuen Humanismus für Europa mitbauen. Mit diesem neuen Humanismus müsse den globalen Herausforderungen wie Migration, Umweltzerstörung, Armut oder ungerechter Ressourcenverteilung begegnet werden. Dieser scheinheilige Vorstoß bedeutet aber nichts anderes, als dass die Christen auf diesen Feldern bisher offensichtlich versagt haben. Seit 2000 Jahren! Und jetzt soll es der Humanismus richten. Und wie soll der denn bitte aussehen? Dazu schweigt der Primat von der Isar weise.

Ein kurzer Blick zurück ohne Zorn macht überdeutlich, dass die Catholica bis dato alle humanistischen Ausdrucksformen und Ideen als Häresien bekämpft hat. Den Kirchenmann Giordano Bruno ließ sie 1600 verbrennen, weil er infolge von Kopernikus anders und weiter dachte als sie. Den von Descartes geprägten Rationalismus bekämpft sie bis heute aufs schärfste. Den Humanismus mit seinem Fokus auf den Menschen verdammt sie stur, ist ihr Fokus doch allein auf ihren Gott und dessen Himmel gerichtet, und der Weg zu diesem geht nur über die Catholica.

Und jetzt soll es gerade ein Humanismus neuer, christlicher Prägung schaffen, das kümmerliche Versagen der Catholica auszubessern. Hätte die Catholica von Anfang an das Wort des Konfuzius (551 – 479 v.u.Z.) beherzigt: Was man selbst nicht wünscht, das tue man anderen nicht an“, gäbe es heute deutliche weniger Mord und Totschlag und Hunger und Diskriminierung.

Man könnte dem umtriebigen Kirchenmann seinen kuriosen Vorstoß dann nachsehen, wenn er von dem von Loyola gemeinten Begriff der humanitas ausginge. Der hatte in Rom 1540 das Collegio Romano als „Schule für Grammatik, humanitas und christliche Lehre“ gegründet, aus dem dann die Gregoriana wurde. Und damit wären wir – etwas verkürzt – bei unseren humanistischen Gymnasien. Humanisten waren sehr gescheite und angesehene Leute in alten Sprachen und Philosophie und gelangten bis in die höchsten Ämter in der Kurie und an Adelshöfen. Aber diese humanitas kann der Primat von der Isar wohl nicht gemeint haben. Aber was denn dann, und was will er mit seinem europäischen Humanismus für das 21. Jahrhundert?

Da erleichtert ein Blick in die Amsterdam-Deklaration von 2002 die Sinnfindung. Dort werden in 7 Punkten (= Anzahl der Todsünden) die grundlegenden Prinzipien eines modernen Humanismus definiert. 1. Dass Humanismus ethisch ist, sollte der Sozialethiker der Catholica eigentlich wissen. Also nicht neu! 2. Dass Humanismus rational ist, muss er schon wegen der Verdammung durch seinen Ziehvater Benedikt ablehnen. Pech! 3. Dass Humanismus Demokratie und Menschenrechte unterstützt, kann ihm absolut nicht passen, will er doch Demokratie in seiner Kirche nicht und hat diese doch immer noch nicht die Menschenrechte ratifiziert. Eigentor!   4. Dass Humanismus darauf besteht, dass persönliche Freiheit mit sozialer Verantwortung kombiniert werden muss, passt ihm auch nicht so recht. Börsenschmerzen! 5. Und ganz ausrasten muss er, wenn Humanismus als eine Alternative zu  dogmatischer Religion definiert ist. Volltreffer! 6. Dass Humanismus für Kreativität, Imagination und Kunst  eintritt, geht noch durch (so la la), aber 7. als Lebenseinstellung nicht. Sacklzement!

Also alles wieder nur medienheischiges Geschwafel ohne Substanz !?

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Kommentar

München, 12.06.2014

Religion/Gesellschaft

Marx: Wendehals auf allen Boulevards

von Georg Korfmacher, München

 

Der Primat von der Isar tut sich zunehmend schwer mit seinen vielschichtigen Funktionen und Ämtern ausserhalb der Seelsorge, die er sowieso lieber auf Berggipfeln als auf der Straße betreibt. Westfälischer Sturkopf, Blitz-Karriere-Priester, Ämterhäufer. Leidenschaftlicher Raucher dicker Zigarren und ausweislich seiner Körperfülle auch sonst den Lüsten des Lebens nicht abgeneigt. Herr dreier Residenzen: Palais und Schloss in München und einen Palazzo in Rom. Sein Motto: Freiheit (nur) da, wo der Geist Gottes herrscht (Ubi spiritus domini, ibi libertas). Und da beginnt sein Problem. So schnell kann er an sich den großen Kopf mit dem gepflegten Stoppelbart auf dem kurzen Hals gar nicht wenden, um stets das rechte Wort über den rechte Boulevard zu rufen.

 

Seit seiner Berufung in das G8-Kardinalskollegium ist es ganz aus. Jetzt muss er mit einem Pontifex leben, der Flüchtlinge und Bedürftige in seine Arme nimmt, während er die Flüchtlinge im Hungerstreik am Rindermarkt in München keines Blickes gewürdigt hat. Jetzt posaunt er vom Zentrum in Rom, während sein Pontifex im Gegensatz dazu an die Ränder will. Jetzt bemüht er die angeblich christlichen Werte der beiden grossen Vertragspartner zur Rechtfertigung seiner grundsätzlichen Befürwortung von TTIP, während sein Pontifex ihm in seiner ENZYKLIKA LUMEN FIDEI aufgezeigt hat, wo es eigentlich lang gehen sollte.

Widersprüche allerorts. Aalkönig hier, Sonntagsredner dort. Natürlich hört er in Brüssel gerne, dass die Catholica die Demokratie in der EU stärken könne. Aber was hat denn die Catholica bisher für die Demokratie getan? Nichts! Bekämpft hat sie sie, von Anfang an, seit der Französischen Revolution und ist bis heute der Erklärung der Menschenrechte nicht beigetreten. Von einer Institution, die für sich demokratische Strukturen verweigert, kann man schlechthin nicht erwarten, dass sie auch nur im Ansatz Demokratie stärken könnte.

Allerdings kann man von ihr lernen, wie man Demokratie durch geschickte Verträge und deren Auslegung schröpft. Abfindungen bis in alle Ewigkeit für Grund und Boden, der ihr unter zweifelhaften Umständen zugefallen ist, während sie Abfindungen wegen schwerer Straftaten verweigert, vertuscht, verwässert, in die Verjährung laufen lässt. Steuer für den Glauben durch den Staat zwangsweise einziehen lassen, mit Androhung höchster Kirchenstrafe bei Nichtzahlung. Sich Kirchenfeste, Kirchentage, kirchliche Werke (Caritas etc.) weit überwiegend aus Steuergeldern von allen zahlen lassen; sich ein Arbeitsrecht außerhalb des Rahmens der für alle geltenden Gesetze ertrotzen; Menschen wegen ihrer geschlechtlichen Orientierung diskreditieren, obwohl doch nach ihrer eigenen Aussage vor Gott alle Menschen gleich sind. Der Hals ist zu kurz für einen Knoten vor lauter Wenden.

Da wird dem Primaten von der Isar noch einiges einfallen müssen, um als glaubwürdiges Glied unserer Demokratie mitzureden. Das Zukunftsforum seines Erzbistums hatte nämlich ein klares Nein zu einer demokratischen Kirche festgestellt. "Demokratie", sagte Marx, sei ein politischer Begriff. "Den streichen wir gleich." Partizipation hingegen sei erwünscht. Wobei auch klar sein dürfte, wer die Spielregeln festlegt (SZ). Die Botschaften hört man wohl, allein es fehlt der Glaube.

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Buchbesprechung

München, 30.05.2014

Religion/Gesellschaft

Die 245 Dogmen der Catholica und warum sie daran krankt

von Georg Korfmacher, München

 

Keine Zeile Langeweile! In einem handlichen Paperback mit dem etwas sperrigen Titel „An ihren 245 Dogmen krankt und stirbt die katholische Kirche“ hat Walter Gerhardt ein Sujet behandelt, das im Allgemeinen eher Desinteresse und Gähnen provoziert. Wer kennt schon die 245 unumstößlichen "de fide" (höchsten Glaubensgewissheiten) Gesetze? Auf nur 157 Seiten hängt der Autor die Catholica an ihren eigenen Glaubensgewissheiten auf und geißelt in einer modernen, direkten und flüssigen Sprache die mangelnde Logik und Absurdität so mancher Dogmen. Kein kirchen-akademisches Gebrabbel.

 

Das Buch kann und sollte jeder lesen und verstehen, auch ohne tiefschürfende Vorkenntnisse und Einweihungen. Der Autor behandelt das Thema in drei großen Blöcken. Im ersten zeichnet er skizzenartig ein Bild der Catholica, was sie war und wie sie sich heute präsentiert. Im zweiten nimmt er sich dann Dogma für Dogma die unumstößlichen Glaubensgewissheiten vor, um dann im dritten Block einen eher persönlich-versöhnlichen Ausblick zu signalisieren.

Und wenn bei den Qualifizierungen des Autors auch mal ein derbes Wort  fällt, ist man allsogleich versöhnt, wenn man den Grund seiner Verärgerung nachliest. So z.B. beim Dogma Nr. 8: “Die göttlichen Eigenschaften sind sowohl mit der göttlichen Wesenheit als auch unter sich real identisch“. Verstanden? Nein? Macht nix! In solchen Fällen hat die Catholica stets die stereotype Formel parat: „Geheimnis des Glaubens“. Und diese Formel dröhnt wie ein Paukenschlag durch das gesamte Buch an den Stellen, an denen der Verstand des Lesers bei der Lektüre der Dogmen seinen Dienst verweigert.

Nach den kritischen Äußerungen des Autors kommt der Leser ins Grübeln:  Warum diese sich in verquasten, kirchen-akademischen Wortgetakeln verstrickenden unumstößlichen, menschengemachten und in alle Ewigkeit währenden Definitionen neben oder gar über der Bibel? Der Eindruck drängt sich auf, dass die Mehrzahl der Dogmen schier unverständlich sind und eher zu Ungläubigkeit als zu einer Stärkung der biblischen Botschaft beitragen oder diese gar bestärken bzw. bestätigen.

Während in der Bibel z.B. von einer Dreifaltigkeit Gottes noch keine Rede ist, wurde diese nach ein paar Jahrhunderten der tieferen Einsicht von Klerikern in den Dogmen 34 bis 43 höchst detailliert in einer Weise definiert, der die Vernunft nicht folgen kann und die der Islam als Vielgötterei verwirft. Ähnlich einleuchtend geht es bei den Dogmen 98 bis 104 über die Mutter von Jesus zu. Geheimnis des Glaubens erst seit 64 Jahren ist, wohin sie denn wohl leiblich entschwunden ist.

Und so werden die Dogmen Stück für Stück als Menschenwerk der Catholica weit nach Jesus enttarnt, um die Menschen in die Knechtschaft der Kirche zu zwingen. Die Bibel jedoch spricht von Erlösung. Und eben an diesem Widerspruch krankt die Catholica nach Auffassung des Autors und wird daran sterben. Die Zerfletterung der christlichen Religion in tausende von unterschiedlichen Einzelkirchen bestätigt diesen Trend. Ein längeres Kapitel schreibt der Autor noch über ein Thema, das gar kein Dogma ist, den Zölibat. Aber der steht hier ja eigentlich auch nicht zur Diskussion.

Walter Gerhardt: An ihren in alle Ewigkeit wahren und unveränderbaren 245 Dogmen krankt und stirbt die Katholische Kirche, Frankfurter Verlagsgruppe AG, ISBN 978-3-8372-1264-8, € 15,80

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Kommentar

München, 02.05.2014

Religion/Gesellschaft

Siena und das peinliche Geheimnis

von Georg Korfmacher, München

 

Im Zuge der seltsam anmutenden Heiligsprechung zweier Päpste durch ihren übernächsten und unfehlbaren Nachfolger, der mindestens den neuesten Heiligen noch persönlich kannte, kommen unweigerlich die Umstände hoch, die zur Heiligkeit führen, und wie dann heilig gesprochene Menschen in Reliquienkulten verehrt werden. Bei einem Rückblick auf die jüngste Doppelheiligsprechung verwies der Heiligsprecher unglücklicherweise auf die Bedeutung der Hl. Katharina von Siena und erinnerte damit an ein besonders unseliges Beispiel dieser Spezialität der Catholica.

 

Für einen aufgeklärten Menschen stellt sich die Vita der Dame aus Siena eher wie die Anamnese einer Psychopatin dar. Für die Catholica hingegen ist sie nicht nur eine seit 1461 Heilige (60 Jahre nach ihrem Tod), sondern auch noch seit 1970 eine Kirchenlehrerin ("Doctor Ecclesiae universalis", ohne dass sie recht lesen und schreiben konnte), und seit 1999 die Schutzpatronin Europas durch Erklärung des neuesten Heiligen. Es ist zwar an sich erfreulich, dass der derzeitige Stellvertreter des Gottes der Catholica auf Erden dem Menschen „die nötige Einsicht geschenkt (hat), um den Sinn des eigenen Lebens und den Sinn der Geschichte erkennen zu können“ zubilligt, gleichwohl apodiktisch feststellt, dass er Gottes Plan für die Welt niemals ganz verstehen könne. Dazu bedürfe es der Hilfe desjenigen Drittels ihres Gottes, nämlich des Hl. Geistes, was der Islam als Vielgötterei ablehnt.

Bemüht man nun den zugebilligten Menschenverstand und lässt ganz bewusst die Möglichkeit der Einsichten durch einen hl. Geist außen vor, steht man fassungslos vor dem extatischen Gehabe der Dame aus Siena und einiger anderer Glaubensschwestern und Heiligen. Es fällt schwer, das Wirken eines Heiligen Geistes mit der Bedeutung der Europa-Patronin aus Siena in Einklang zu bringen. Über den hl. Geist weis man wenig bis gar nichts. Von der Dame aus Siena wissen wir, da von glaubwürdigen Feder überliefert, dass sie am Finger einen weichen Ring aus der Vorhaut des Herrn trug, natürlich vom Herren selbst übergestülpt, und dass sie Stigmata aufwies, wobei sie schamvoll beides nur selbst sah, während es anderen verborgen blieb. Da nun nicht nur die Vorhaut bis 1983 (dann ging sie unerklärt verloren), sondern auch der Finger mit dem weichen Ring als Reliquie verehrt wird, kommt nun die Catholica in Erklärungsnot, bis hin zum totalen Verbot für Katholiken 1900, über die präputio Jesu zu berichten.

Aber die Geschichten darüber sind zu pikant, als dass sie ganz einfach in Vergessenheit geraten könnten. Neben der Heiligen aus Siena ist nämlich auch die hl. Brigitta aus Schweden Patronin Europas und von ebensolch abstrusem Wissen über die Praeputio Domini Nostri Jesu besessen. Als Verlobungsring aller Nonnen offenbarte eine von ihnen (ɫ 1715) den süßen Geschmack des kleinen Häutchens auf ihrer Zunge, so dass sie beim Schlucken dieses Häutchens in allen Gliedern und Muskeln  eine süße Umwandlung fühle. Dezenter kann man einen Orgasmus kaum beschreiben. Man mag sich gar nicht vorstellen, was da noch alles mit dem blutgetränkten Tupfer oder anderen Teilen des jüngsten Heiligen passiert. Ob als süße Haut auf der Zunge oder als Ring des Saturn, peinliche Geheimnisse ohne Ende.

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Kommentar

München, 15.04.2014

Religion/Gesellschaft

Schlechtes Gewissen

von Georg Korfmacher, München

 

Der Moraltheologe Andreas Laun hält Gewissen und Glaube für untrennbare Geschwister. Im gleichen Atemzug stellt er aber auch sofort klar, dass man seinen Verstand unmöglich über die Weisung stellen könne, die von Gott käme. So sinniert der theologisch versierte Kirchenmann weiter, dass es heute überall zum guten Ton gehöre, das Gewissen als eine „Schöpfung des Menschen zu betrachten“, als das „Recht, zu denken, zu sprechen, zu schreiben und zu handeln, wie es ihrem Urteil oder ihrer Laune passt, ohne dabei irgendwie an Gott zu denken.“ 

 

          Da bringt der schlaue Kirchenmann wohl einige Dinge komplett durcheinander bzw. konstruiert Szenarien, die dann zu seiner Theologie passen und gegen die er dann trefflich spiegelfechten kann. Das Gewissen wird mitnichten als „Schöpfung“ des Menschen angesehen. Spätestens seit der Aufklärung ist dieser jedoch aufgerufen, seinen Verstand einzusetzen und sich Wissen anzueignen. Mit diesem Wissen stellt er nun zunehmend fest, dass es zur Entstehung unserer Welt und ihrer verschiedenen Bewohner keines Gottes bedurfte. Aus diesem Wissen und der damit verbundenen Verantwortung entsteht das, was man Gewissen z.B. nach der „Goldenen Regel“ (Was du nicht willst,…) nennen kann.

          Hätte die den einzig wahren Glauben beanspruchende Catholica nämlich ein Gewissen, hätte sie nicht über Jahrhunderte im Namen ihres Gottes gemeuchelt und gemordet, gerafft und gelogen. Es wäre interessant zu erfahren, wie der launische Kirchenmann da Glauben und Gewissen unter einen Hut bringen will.

          Nach den – allerdings nicht von der Catholica - anerkannten Menschenrechten hat der Mensch selbstverständlich das Recht der freien Meinungsäußerung. Der Glaubenskollege Raniero Cantalamessa ist da schon etwas moderater und sieht das Ideal in einer gesunden Balance zwischen dem Gewissen des Einzelnen und dem Lehramt der Kirche. Und noch weiter geht der heutige Papst mit seiner jüngsten Forderung, dass Theologie „unabgeschlossenes Denken“ brauche. In Anbetracht der ständigen Entwicklung geht es ihm darum, „Wissen zu vermitteln und eine „lebendige Lesart“ desselben anzubieten.“ Potz Blitz, was nun? Wer hat nun recht, der selbstherrliche Theologe oder der Stellvertreter des Gottes der Catholica auf Erden? Der Papst jedenfalls hält den Theologen für mittelmäßig, „der sich am eigenen abgeschlossenen Denken ergötzt.“

          „Die Freiheit der Völker ist jeweils mit der Gewissensfreiheit verbunden“, so der neue Papst. Also was? Wenn Menschen ihre Meinung äußern, ohne sich dabei auf den Gott der Catholica zu beziehen, ist das ein von diesem Gott unabhängiges Recht, das nicht durch zwanghaft übergestülpte Glaubensvorstellungen unterdrückt werden darf. Das gnadenlose panta-rhei-Gesetz des Heraklit wird auch die Catholica zu mehr Bescheidenheit zwingen, wenn sie jemals eine glaubwürdige Institution in unserer Welt werden will. „Auch das Dogma der christlichen Religion muss diesen Gesetzen folgen,“ so der vom Papst zitierte Vinzenz von Lérins. Solch neuer Wind aus Rom muss so manchem selbstgerechten Theologen den Atem verschlagen, es sei denn, er bekommt ein schlechtes Gewissen.

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Kommentar

München, 09.04.2014

Religion/Gesellschaft

Es ist vollbracht!

von Georg Korfmacher, München

 

Es ist vollbracht! Lug und heiliger Schein sind durch den Prüfungsbericht der DBK dokumentiert. Der Papst hat das zwingend notwendige Machtwort gesprochen. Der gewesene Oberaufseher von der Lahn ist weg und muss lange auf eine Tätigkeit warten, bei der er keinen Schaden anrichten kann. Damit ist das Dilemma der deutschen Catholica gleichwohl nicht beendet. Das schwant auch dem Kirchenfürsten von der Isar, der eine Besserung der Lage auch durch Transparenz und Kontrolle der Finanzen der Catholica angehen will.

 

          Eine grosse Erleichterung ging durch die Diözese an der Lahn und den Blätterwald, als der Papst eine überraschend aufgetauchte Verzichtserklärung des Protzbrockens von der Lahn annahm. Welch verquere Kirchendiplomatie! Bislang wollte er eben nicht verzichten. Das bestätigt er durch seinen prompten Protest und den Versuch, die ihm vorgeworfenen Vergehen seinem ehemaligen Generalvikar in die Schuhe zu schieben. Welch Schmierentheater! Der Prüfungsbericht bestätigt voll die Publikationen in der Presse.

          Seltsam auch die Diskrepanz zwischen hoch gelobter theologischer Kompetenz und menschlichem Verhalten des vom Hof gejagten Kirchenmannes. Was nützt die höchst Kompetenz in einer von der Catholica hochstilisierten komplexen Theologie, wenn der Theologe menschlich ein Totalversager ist. Hier werden die widerstrebenden Auffassungen des heutigen Papstes und seines Vorgängers offensichtlich, der Protagonisten einer Machtkirche wie Müller, Tebartz, Gänswein, Marx etc. protegierte. Letzterer will sich unbedingt auf das Zentrum (Rom) konzentrieren, während der Papst um Dezentralisation bemüht ist. Da muss man wohl ein Wendehals sein, wenn das zusammengehen soll.

          Der mit erstaunlicher Offenheit bestätigte Skandal an der Lahn ermöglicht auch erstmals einen tiefen Einblick in die komplexe Organisation der Catholica zu Erhalt, Mehrung und Verschiebung ihrer Vermögen. Limburg ist nur die Spitze eines riesigen und trägen Eisbergs. Besonders die deutsche Catholica ist hier gefordert, beruft sie sich doch betreffs ihres Vermögens und Prunks nicht auf Glauben, sondern auf Tradition. Am Beispiel Limburg wird die unselige und auch irgendwie unredliche Konstruktion der Körperschaften des öffentlichen Rechts deutlich. Da handelt es sich wohl mehr um Verschiebebahnhöfe als um öffentliche Körperschaften. Auf die angekündigte Transparenz und Kontrolle der Finanzen der Catholica darf man gespannt sein.

          Es reicht der Nachweis der Übeltaten des Ex v.d. Lahn nicht, um sich jetzt zufrieden die Hände in Unschuld zu waschen. Ein Bischof oder Kleriker, der dem Volk nicht dient, ist kein guter Mann, sagt der Papst. Ein Reue heuchelnder Oberaufseher, der sich gleichzeitig einen BMW-5er in Luxusausführung ordern lässt, ist kein leuchtendes Vorbild für gar nichts. Den säuselnden Worthülsen müssen jetzt konkrete Taten folgen. Der Stall ist solange nicht ausgemistet, wie die Hirten den Geruch ihrer Herden nicht annehmen wollen. Da ist sicher noch viel Stunk zu erwarten. Der Tunichtgut v.d. Lahn ist erst einmal weg. Das ist vollbracht.

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Kommentar

München, 22.03.2014

Religion/Gesellschaft

Marx: Pomp and Circumstance

von Georg Korfmacher, München

 

Im Selbstgefühl seiner Pracht und Herrlichkeit hat der Kirchenfürst von der Isar seine Wahl zum obersten Koordinator aller Oberaufseher der deutschen Catholica gerne angenommen. Jetzt kommt seine bisweilen verkannte Weitsicht zum Tragen: eine prachtvolle Residenz in der Stadtmitte von München, ein pracht-volles Verwaltungszentrum, ein Schlösschen in Schwabing zur Beherbergung seiner Gäste und einen Palazzo in Rom für angemessene Aufenthalte im Dunstkreis seines Allerhöchsten auf Erden.

Gleichwohl können dem opulenten Kirchenmann mit dem stets peinlichst gepflegten Stoppelbart nicht alle Kommentare zu seiner Wahl gefallen haben, es sei denn, er folgt der angelsächsischen Devise: Was immer Du über mich schreibst, Hauptsache Du schreibst meinen Namen richtig. Besonders lobend wurde allerdings seine Eloquenz hervorgehoben, gerne, frei und viel. Davon lieferte er gleich nach seiner Wahl in einem Interview ein überzeugendes Beispiel: er wolle sich auf das Zentrum konzentrieren. Na, jetzt wissen ja alle bescheid.

Etwas ins Schleudern geriet er auf die Frage nach seiner Ämterhäufung in Brüssel, Rom und jetzt auch in Deutschland. Da hatte er noch keine Lösung parat. Er fabulierte nur vage, dass er nicht nur Ämter oder Teile davon, sondern auch die damit verbundene Verantwortung delegieren wolle. Na, das kann ja ein schönes Chaos werden. Wohl nicht wird er darum herumkommen, seine Schnörkel-Futzel-Ämter abzugeben, mit oder ohne Verantwortung, wie z.B. sein Amt als Aalkönig und ähnliche.

Und was der Mann alles kann und schon angepackt – aber auch nicht vollendet – hat. Besonders wird man auf seine Kompetenz als Sozialethiker achten und voller Spannung auf den ersten Ethikgrundsatz warten, der seinen Ursprung im christlichen Glauben haben könnte. Seine Einstellung zum Mindestlohn ist zumindest ambivalent und in eindeutiger Tradition seines Namensgebers Markus und somit direkt des Paulus von Tarsus: wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen (2. Thess). Und wie steht der stramme Marx zum Jesuswort zur Ehebrecherin: „Auch ich verurteile dich nicht. (auch ohne Busszeit und Steinewerfen) Geh, und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Joh. 7,53-8,11)

Durch seinen Status nur als Koordinator aller Co-Oberaufseher ist er auch in eine höchstnotpeinliche Kontroverse zwischen den Hardlinern und den Progressiven geraten, wobei die Hardliner aus Rom vom Grossinquisitor und dem Diener zweier Herren Rückendeckung erhalten. Und auch Laienorganisationen reagieren skeptisch auf die Murx-Wahl mit nur knapper Mehrheit und erst im vierten Wahlgang. Da muss der neue Mann an der Spitze der deutschen Catholica wohl höllisch aufpassen.

Nicht hinnehmbar sind seine Pläne zur noch stärkeren Einmischung der Catholica in die Politik. Obwohl es bereits ein umtriebiges Lobby-Büro in Berlin gibt, will er die Stärkung der katholischen Präsenz im politischen Berlin. Hier zeigt sich die anti-demokratische Grundeinstellung dieses Kirchenmannes. So wie sich der Staat nach unserem Grundgesetz neutral gegenüber Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen verhalten muss, müsste sich auch die Catholica entsprechend neutral gegenüber dem Staat verhalten. Aber da muss der Kirchenmann wohl noch nachsitzen. Wir bleiben ihm am Rockzipfel.

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Eine Buchbesprechung

München, 9.3.2014

Religion/Gesellschaft

„Problemfall Religion“

von Georg Korfmacher, München

 

Das Buch mit diesem Titel von Gerhard Czermak ist ein interessantes, aber mit Abstrichen zu genießendes Werk. Schon sein Titel ist ein Stolperstein. Während es effektiv möglichst viele Menschen lesen sollten, verschreckt die Betonung auf Problemfall einen großen Teil der Zielgruppe. Bei der Vielzahl von Büchern zum Thema weckt diese Betonung keine besondere Neugier, sondern schiebt das Buch eher in die Schmuddelecke von Hetzliteratur: ganz und gar zu Unrecht! Es bearbeitet des Thema von Religion und Gesellschaft sachlich und originell und ohne Polemik.

 

In einem einführenden Kapitel A stellt der Autor umsichtig die Gesamtproblematik von Religion und Gesellschaft dar, mit vielen und manchmal überraschenden Querverweisen und geschichtlichen Bezügen. Diese Einführung macht neugierig auf den Rest und liefert auch durch einen vernünftigen Quellennachweis die Möglichkeit, Einzelthemen selbst zu recherchieren und zu vertiefen.

In den nachfolgenden Kapiteln geht der Autor tiefer in seinen persönlichen, kritischen Betrachtungen insbesondere auf die christliche Religion ein. Seine Grundskepsis macht sich am Kern des christlichen Glaubens fest, nämlich am Menschen- bzw. Blutopfer. Hier zeigt sich der ganze Widerspruch dieses Glaubens. Gott, der die Menschen nach seinem Wohlgefallen erschaffen hat, lässt zu, dass eben diese wohlgeschaffenen Menschen seinen Sohn schmachvoll umbringen, und belohnt sie dann noch für ihre Untat mit der Erlösung. Auch den Leser lässt diese Grundhaltung nicht mehr los. Sie wird aber im Buch dann nicht vertieft und dient nicht zur Stützung der Behauptung „Problemfall“. Zu kurz kommt auch die Behandlung der Theodizee, die weltweit diskutiert wird und ungelöst ist. Sie ist ein besonderes Merkmal des Christentums bei dessen Anspruch auf absolute Wahrheit. Danach „will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht: Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft. Oder er kann es und will es nicht: Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist. Oder er will es nicht und kann es nicht: Dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott. Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt: Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?“ (Lactantius, ca. 250 bis 317) Hier laufen die Vorstellungen, Ansprüche und Versprechungen der christlichen Religion voll ins Leere und in einem unlösbaren Widerspruch ad absurdum.

Auch die Darstellungen des Autors zum freien Willen bleiben in Ansätzen stecken. Unverständlich scheint das Beispiel von den materiellen Körpern (oberhalb der Quantenebene) – also z.B. für eine Feder oder 10 g Blei -  , für die notwendigerweise gelte, dass identische Ursachen – z.B. freier Fall aus 1 m Höhe - auch identische Folgen nach sich zögen. Das hat mit dem Thema des Buchs nichts zu tun und ist auch – derart simplifiziert - physikalisch nicht haltbar.

Daher bedarf es schon Detailwissens, um manchen Darlegungen des Autors mit der notwendigen kritischen Distanz zu folgen. Da nun aber jeder kritisch-interessierte Leser eine andere Perspektive hat und verschiedene Probleme für ihn mehr oder weniger wichtig sind, wird die Lektüre ab Kapitel B sehr individuell.

Die geschichtlichen Bezüge sind interessant für das Allgemeinverständnis und füllen so manche Wissenslücke. So sind die kurzen und prägnanten Darlegungen zur sog. Konstantinschen Wende hilfreich für das Verständnis der Wende der Catholica von der solidarischen zur machtbesessenen Kirche. Sprach man davor nicht von Macht und Gewalt, sprach man danach nur noch davon, einschließlich Mord und Totschlag, Krieg und Folter.

Nach einem Schnelldurchgang durch die Geschichte des Christentums kommt der Autor mit spitzer Feder auf einige Sonderheiten des Christentums. Der zutiefst im christlichen Glauben verwurzelte Antisemitismus ist zwar hinlänglich bekannt, wird aber ebenso beharrlich verschwiegen oder durch verzerrte Darstellungen überspielt. In diese Falle ist der Autor selbst mit der Darstellung des Falles Dreyfus in Frankreich getappt. Wenn man nämlich den Fall aus seinem geschichtlichen Zusammenhang nimmt, muss man zum Eindruck von allen Franzosen als Judenhasser kommen. Das ist aber mitnichten der Fall. 

Mit zunehmender Seitenzahl liefert der Autor zwar eine Fülle von Fakten und Theorien, lässt aber den Leser mit seiner Entscheidung allein, ob und warum Religion ein Problemfall ist. Den ganzen Bereich Bildung und deren immer wieder versuchte Vereinnahmung durch die monotheistischen Religionsgemeinschaften hätte mehr Raum verdient und die gesellschaftliche Problematik von Religion besonders deutlich machen können. So auch die Themen Militärseelsorge mit der Problematik des Tötungsverbotes und die Kirchensteuer mit der Folge der höchsten Kirchenstrafe der Catholica bei einer Austrittserklärung gegenüber einer staatlichen Behörde.

Ziemlich überraschend gleitet der Autor gegen Ende des Buches in allgemeine und stark verkürzte Betrachtungen zum Humanismus über, zwischen denen nur selten christliche oder muslimische Inkompatibilitäten hervorblitzen. Dabei wären doch gerade humanistische Gedanken ein Gegengewicht zu den religionslastigen Kuriositäten unserer Gesellschaft. Es fällt schwer, im Inhalt des Buches einen Zusammenhang mit seinem Titel zu sehen. Der Autor eröffnet zwar viele Ausblicke und regt zu Vertiefungen an, das Buch ist aber keine geschlossene Abhandlung und irgendwie auch kein Kompendium. Es ist eher eine sehr persönliche, von einer langen Lebenserfahrung geprägte, reiche Materialsammlung, die einen anspruchsvolleren und einladenderen Titel verdient hätte.

 

Gerhard Czermak, PROBLEMFALL RELIGION, Tectum Verlag, 480 Seiten, Hardcover, 24,95 €, ISBN 978-3-8288-3285-5

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Kommentar

München, 22.2.2014

Religion/Gesellschaft

Catholica im Skandal total

von Georg Korfmacher, München

 

Der Kardinal der reichsten Diözese Deutschlands kauft für 79 Mio. € eine Immobilie in Bestlage von Köln, manövriert dabei so ganz nebenbei ca. 2. Mio. € über eine Briefkastenfirma an der Steuer vorbei und versagt den Erhalt und die Betreuung von Kindergärten, weil es dort zu wenig getaufte Kinder gäbe. Geld spielt auch für den Goldfasan von der Lahn eine besondere Rolle: wenn es vorne nicht reicht, greift man hinten in die Kasse einer Stiftung, die an sich für Arme, Bedürftige und bezahlbares Wohnen eingerichtet worden war.

 

In der schrillen Kakophonie widerlicher Finanzgebaren der deutschen Catholica darf natürlich der Fürstbischof und Papstberater von der Isar nicht fehlen: ein Schlösschen in Schwabing, eine prunkprotzige Residenz in der Innenstadt und ein Palazzo in Rom für schlappe 10 Mio. €, ein Verwaltungszentrum in Bestlage von München für ca. 130 Mio. € …… und nur knappstes Geld für Seelsorge. Dabei sind die Institutionen der Catholica die reichsten Unternehmer unserer Republik. Sakradi!

 

Es scheint wie eine Seuche: der Papst predigt Armut, Barmherzigkeit und Bibel während einige - allerdings gewichtige - seiner ihm direkt unterstehenden Aufseher im Geld schwelgen und suhlen. Reichtum der „Povera“ ist für den Papst dann und nur dann eine gute Sache, wenn er in praktizierter Solidarität geteilt wird. Bei der deutschen Catholica handelt es sich aber weitgehend auch um öffentliche Steuergelder, über deren Verwendung sie überwiegend nicht nur keinerlei Rechenschaft ablegen muss, sondern die sie selbstherrlich nutzt. So werden kirchliche Einrichtungen nach rein kirchlichen Vorstellungen geführt, aber von allen Steuerzahlern finanziert. Auf entsprechende Fragen lehnen sich die Kirchenoberen genüsslich in ihren Sesseln zurück und verweisen auf den Staat, der am Zuge sei. Recht haben sie schon, aber unappetitlich ist es doch.

Und was machen unsere Politiker? Besonders die der christlichen Parteien schauen dem Treiben wohlwollend zu und verweisen auf christliche Grundwerte. In blinder Fehleinschätzung des Finanzgebarens der Catholica sind sie taub für den allgemeinen Vertrauensverlust in die demokratische Kontrolle unseres Staatssystems mit all seinen Teilnehmern. Wer Stiftungsmittel zweckentfremdet, macht sich schuldig, ob der Goldfasan von der Lahn oder die treuseligen Franziskaner-Brüder in Düsseldorf, die blauäugig Millionen verzockten.

Und warum heute noch undurchsichtige Steuerprivilegien aller Art  für die Kirchen, während der Handwerker um die Ecke unter der Last der Abgaben schier verzweifeln muss? Dabei dankt die Catholica all diese Privilegien nicht einmal, sondern nimmt den Staat immer wieder mit Drohungen in die Zange, die an sich keine sind. Die Caritas z.B. ist zwar ein Werk der Kirche, wird aber fast vollständig aus öffentlichen Steuermitteln finanziert. Würde man die Struktur Caritas gegen eine säkulare Organisation tauschen, gäbe es reguläre Arbeitsplätze ohne Glaubenszwang und mit einem Arbeitsrecht wie für alle und einer finanziellen Transparenz wie für jede und jeden. Aber die „una sancta catholica germanica“ steht über all ihren hausgemachten totalen Skandalen, die laut ihrer eigenen Bibel schnurstracks in die Hölle führen.

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Kommentar

München, 11.2.2014

Religion/Gesellschaft

Das Geplärre der Prälaten

von Georg Korfmacher, München

 

Oft bringen unvorhergesehene Ereignisse die Unfähigkeit der Catholica an den Tag, angemessen, geschweige denn sachgerecht, zu reagieren. Als die Umtriebe des Primaten von der Lahn ruchbar wurden, plärrte der dritte Mann im Vatikann von medialem Verriss. Wer, wenn nicht die Presse, soll denn himmelschreiende Missstände anprangern, wenn das Wahrheitsbewusstsein der betroffenen Institution total versagt? Der Fall von der Lahn ist eine Implusion der Catholica. Und die will es nicht wahrhaben und wirft mit Steinen wild um sich, ohne zu realisieren, dass sie selbst im Glashaus sitzt. Potzblitz, noch dümmer und dreister geht es nimmer.

 

Der bescheiden Gänsewein trinkende Vertraute beider Päpste schwärmt schon öffentlich von der Entlastung des geistlichen Goldfasans von der Lahn und der Vorsitzende der Inquisitionsbehörde, heute beschönigend ganz anders benannt, hält die ganze Sache für eine böse Medienkampagne und den geistigen Bruder für "vom Heiligen Geist eingesetzt". Solche Brüder kann man nicht respektieren, weder drinnen noch draussen, schon gar nicht solche, die sich "enttäuscht und verraten" (Originalton des Goldfasans) fühlen.

Es ist keine wilde Pressekampagne, es ist bittere und peinliche Wahrheit. Der Goldfasan von der Lahn hat nicht nur eigenmächtig mehr als 31 Mio. € für seine Privatresidenz verbraten, er hat auch Stiftungsgelder missbraucht und sich eine konspirative Geheimwohnung genommen, um seine eben doch notwendigen Dokumente zu verstecken. Pech gehabt, auch das wurde aufgedeckt. Und jetzt sitzt der der seltsame Vogel von der Lahn in der Patsche, zusammen mit all seinen plärrenden Prälaten. Nachdem der Protz-Bischof schon einmal eine drohende Strafanzeige wegen falscher eidesstattlicher Aussage durch Zahlung von 20T € abwenden konnte, droht im jetzt ein Verfahren wegen Veruntreuung vor unserer Justiz und nicht beim Heiligen Stuhl/Geist. Spätestens jetzt sollten die Prälaten sachlich werden.

Wenn jetzt der unfehlbare Papst eben diese Unfehlbarkeit unter Beweis stellen will, muss er den komischen Vogel von der Lahn zum Teufel jagen, mitsamt all seiner geistlich beflissenen Förderer. Lieber die Brut als den ganzen Brutkasten hoch gehen lassen.

Aber auch unser demokratischer Staat muss endlich aktiv werden und sich die seltsamen Geldquellen und der Verschiebung der daraus fliessenden Geldströme an Kontrolle und Steuer vorbei vornehmen. Ebenso wie Steuersünden in der Schweiz und anderen Geldparadiesen emsigst aufgespürt werden, sollten auch die Geldwäscheströme im eigenen Land endlich scharf unter die Lupe genommen werden. Wenn schon die Catholica auf Anfrage gar nicht weiss, wie hoch eigentlich ihr Vermögen ist, dann kann man sich leicht vorstellen, welcher Geldsumpf da trocken zu legen wäre. Gnadenlos lässt die Catholica bei säumigen Kirchensteuerzahlern pfänden und ist gleichzeitig nicht bereit, ihr Vermögen offenzulegen und der für alle geltenden Besteuerung zu unterwerfen. Seit der Erklärung des christlichen Glaubens zur Staatsreligion 381 u.Z. gibt es in der Catholica wenig Wirtschaftsethik und viel Ausbeutung aller Art. Da klingt das Geplärre der Prälaten wie Hohngelächter.

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Kommentar

München, 20.01.2014

Religion/Gesellschaft

Papst löst widerrechtliche Diskriminierung aus

von Georg Korfmacher, München

 

Langsam spricht sich herum, dass verschiedene Bischöfe auf die Volksbefragung des Papstes höchst unterschiedlich reagieren. Eine dieser Reaktionen ist der Rückfall in mittelalterliche Diskriminierung. „Keine Hostien für Lesben und Schwule“, fordert ein Schweizer Bischof. Damit verstösst der Kirchenmann eklatant und über religiöse Sondermeinungen hinaus gegen das Gebot der Würde des Menschen. Ebenso missachtet der deutsche Paradebischof aus Limburg Recht und Gesetz in Bezug auf homosexuelle Lebensformen.

 

Beide Kirchenmänner übergehen tunlichst, dass nach ihrer Bibel ihr Gott alle Menschen geschaffen hat (wie überhaupt alles), dass vor ihrem Gott alle Menschen gleich(wertig) sind und dass ihrem Gott sein Werk gefiel. Hätten die Äusserungen der Kirchenmänner keinen Einfluss auf unsere Gesellschaft generell, könnte man sie als abstruse Glaubensduselei abtun. Sie sind jedoch eine massive Einmischung der Kirche in Staatsangelegenheiten und somit Verstöße gegen unsere Rechtsordnung.

Ein nur flüchtiger Blick ins Gesetzbuch erleichtert auch hier die Rechtsfindung. Der erste Satz unseres Grundgesetzes lautet: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Und weiter: Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit. Und selbstverständlich darf niemand wegen seines Geschlechtes…..benachteiligt oder bevorzugt werden. Ganz offensichtlich haben die Kleriker der Catholica als „Eunuchen für das Himmelreich“ da einige Schwierigkeiten, wenn nicht gar unüberwindliche Probleme.

Eine krasse Diskriminierung ist somit die Forderung des Churer Bischof Vitus Huonder, dass Homosexuelle und Geschiedene mit verschränkten Armen zur Kommunion gehen und statt der Hostie nur einen Segen erhalten sollen. Also nur noch in erster Ehe verheiratete Heterosexuelle, die zudem noch keine Verhütungsmittel nehmen, dürfen in den Genuss der Hostie als Inkarnation ihres Gottes kommen. Dass bei homosexuellen Gläubigen das Sakrament nicht wirken soll, mag eine Absonderlichkeit des Glaubens der Catholica sein, wird aber möglicherweise den Papst hellhörig machen.

Ebenso krass wie frech behauptet der Goldfasan von der Lahn, dass sich unser GG
ausdrücklich auf das christliche Menschenbild berufe. Das muss er wohl erträumt, gelesen kann er es nicht haben.
In der Präambel steht zwar der nebulöse Satz mit der Verantwortung vor Gott und den Menschen, das BVerfG hat aber schon vor 10 Jahren klargestellt, dass aus dem besonderen Schutz von Ehe und Familie in Artikel 6 des Grundgesetzes kein Benachteiligunggebot für andere Familienformen herauszulesen ist.

Und jetzt auch noch das „Wunder“ der Nonne mit ihrem unbewusst geborenen Knaben. Diesmal hatte der Heilige Geist sicher nicht seine Hand im Spiel, aber – ach du meine Güte – jetzt muss das arme Kind ohne Vater groß werden. Nach dem Goldfasan von der Lahn hat das gravierende Auswirkungen auf seine seelische Entwicklung. Da kann man nur hoffen, dass der holde Knabe nicht lesbisch oder Eunuch für das Himmelreich wird. Auf jeden Fall sollten sich die Kirchenmänner aus einer anderen Welt aus den Angelegenheiten des Staates heraushalten.

 

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Kommentar

München, 10.10.2013

Religion/Gesellschaft

Blitzschlag beim Primaten von der Lahn

von Georg Korfmacher, München  

 



Seit heute ist Schluss mit Lustig. In Limburg an der Lahn ist im neuen Wohnsitz der Blitz in Form eines drohenden Strafbefehls aus Hamburg eingeschlagen. Der Primat von der Lahn soll laut Staatsanwaltschaft eidesstattlich gelogen haben. Nun kommt zum Vorwurf, dass er entweder „ein gefährlicher Betrüger oder ein kranker Mann“ sei (Riebel), auch noch der der Lüge. Damit hat der Primat von der Lahn jegliche Glaubwürdigkeit verloren und ist nicht mehr haltbar.

 

Da hilft dem Primaten auch nicht eine entspannendes Bad in seiner freistehenden 15.000 € teuren Badewanne oder ein trotziger Gang durch 350.000 € teure Schreinerarbeiten. Das passt vielmehr zu seinem 1.Klasse-Flug zur Besichtigung von Slums in Indien, zu seiner Missachtung aller Regeln der Kunst im Leben seiner Diözese. In Scharen verlassen Gläubige die Kirche durch Abmeldung beim Standesamt, weil ihr bisheriger Protest den Primaten kalt ließ. Auch den freundlichen Besucher aus Rom scheint der Primat an der Nase herumgeführt zu haben, erklärt er doch heute schamlos, dass er alles täte, was mit jenem vereinbart worden sei. Aber erst jetzt kommt u.a. heraus, dass die immensen Kosten beim Bau auch durch eine zweite, unterhalb der eigentlichen Wohnung neue Wohnebene entstanden sind. Diese musste extra in den
Felsen des Dombergs gefräst werden und hat mit Vorgaben z.B. des Denkmalschutzes nichts zu tun. Das entspringt reiner Comfortsucht eines „offenbar kranken“ (Schüller) Primaten.

 

Tolldreister und dümmer geht es nimmer. Und jetzt noch die drohende Quittung von der Staatsanwaltschaft. Selbst wenn der Ausgang des Verfahrens im Einzelnen noch offen ist, ist es unanständig, dass ein durch Sakrament bestätigter Mann der Kirche in hohem Rang in einem strafrechtlichen Zusammenhang mit Lüge steht.

 

Jetzt hilft nur noch eins: Schwanz einziehen und sich vom Hof machen.

 

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Kommentar

München, 8.10.2013

Religion/Gesellschaft

Die Eiterbeule ist geplatzt

von Georg Korfmacher,
München

 

Das Geschwür im Fleisch
der deutschen Catholica hat sich zu einer gewaltigen Eiterbeule entwickelt und ist jetzt endlich geplatzt. Lächerliche 31 Mio. € hat der Primat von der Lahn in seine Residenz gesteckt, möglicherweise noch viel mehr. Und keiner weiss woher das Geld kommt und wie der Primat es an allen Instanzen des Bistums vorbei nach seinem Gutdünken „investiert“ hat.

 

Nach der freundlichen Visite aus Rom hat der Primat von der Lahn jetzt mindestens ein Problem: Seine Glaubwürdigkeit. Und wer nicht glaubwürdig ist, dem glaubt man nichts. Gar nichts mehr! Keiner! Zu lang sind seine Lügengeschichten über die Jahre, jetzt bestätigt durch eine schier unglaubliche Zahl: 31 Millionen EURO! Und das wollte er prompt vertuschen und dem zuständigen Kontrollgremium eine entsprechende Veröffentlichung verbieten. Aber die Wahrheit fand ihren Weg an den Tag und in die Presse, hoffentlich auch an die Steuerbehörden. Denn soviel Geld kann ja nicht vom Himmel fallen. Es soll von Verschiebungen zwischen dem bischöflichen Stuhl und dem Bistum kommen, natürlich vorbei an jeder steuerlichen Kontrolle.

 

Und das darf in unserer Demokratie nicht sein! Die Catholica hat zwar ein Selbstverwaltungsrecht in den Grenzen der für alle geltenden Gesetze, aber sie darf sich nicht selbstherrlich über Recht und Gesetz hinwegsetzen, wie es ihr gerade passt. Jeder Mensch in unserem Staat würde durch unsere Gesetze gezwungen, solche Geschäfte offenzulegen. Ansonsten droht und folgt Strafe. Mit dieser erzwungenen Eröffnung der Fakten steht der Primat von der Lahn jetzt endgültig am Pranger. Wann schreitet unsere Justiz ein?

 

Mit einem Bein in Schellen ist nun der flehentliche Spagat zur Sancta Catholica schwierig und schmerzhaft. Nach der „brüderlichen“ Visite aus Rom kann der Primat von der Lahn nun wohl nicht mehr mit wohlwollenden Ermutigungen rechnen, will die Catholica nicht selbst völlig unglaubwürdig werden. Der Mann ist nicht mehr zu halten! Er muss nicht nur weg, sondern die Catholica ist gut beraten, zu prüfen, welche Mittel sich dieser Primat sonst noch unter den Nagel gerissen hat. Wer am helllichten Tag 31 Mio. schafft, hat heimlich sicherlich noch sehr viel mehr drauf.

 

Eitles Gehabe und Geprotze teilt der Primat von der Lahn mit vielen Amtsbrüdern in Deutschland. Das alles auch noch aus öffentlichen Steuergeldern durch reichliche, steuerfreie Gehälter abgesegnet. Jeder soll nach seiner façon selig werden, aber bitte nicht auf Kosten der brav ihre Steuern und Abgaben zahlenden Bürger. Der Mann muss weg!
Er ist nicht nur ein übles Beispiel für seine Catholica, was diese mit sich selbst ausmachen muss, sondern ein überaus schlechtes Vorbild für alle Menschen.

 



Wie viele Kindergärten, Suppenküchen, Obdachlosenheime und was sonst noch könnte man mit 31 Mio. bauen!?
Aber nein. Ein Primat allein verbrät diese Summe für sich und wenige Auserwählte. Welch höhnendes Beispiel für christliche Werte und Weltbild!

 

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Kommentar

München, 11.10.2013

 

Religion/Gesellschaft

Marx sieht neue Probleme bei Gewalt

von Georg Korfmacher, München

 



Gewalt bringt Probleme, meint der Primat Marx von der Isar. Einem romzentrierten Primaten der Catholica muss es historisch bedingt schwerfallen, über Gewalt zu sprechen, ist sie doch zutiefst mit dem Machtanspruch der Catholica verflochten, der sie seit 1700 Jahren umtreibt. Seit dem Mailänder Edikt der römischen Kaiser Konstantin und Licinius zur freien Ausübung aller Religionen im Römischen Reich hat die Catholica konsequent ihre Macht ausgebaut. Und Macht geht und ging stets mit Gewalt einher.

 

Was hat uns also dieser Primat der Catholica neues über Gewalt zu sagen, was wir nicht schon lange wüssten?
Etwas verwirrend postuliert er, dass die Kriege in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien und so weiter „folgenlos“ seien, bzw. Folgen habe, die man nicht erwartet hätte. Christen kämen auch durch diese Intervention unter Druck. Nicht beabsichtigt, aber als Folge. So neu ist diese Erkenntnis nicht. Ganz tiefgründig wird der Primat, wenn er zur Entschuldigung
für sein mangelndes Verständnis für den Orient Charles de Gaulle anzieht, der seinerzeit auch nichts verstanden hätte.

 

Oh, wie kurz ist das Gedächtnis dieses Papstberaters. Hat er denn schon ganz vergessen, dass und wie die Catholica vor knapp 1000 Jahren über die Muslime im nahen Osten hergefallen ist. Im Namen des Kreuzes alles niedermachen, „was da kräucht und fleucht“. Gemetzel übelster Art nicht nur im „heiligen Land“. Das alles auch „folgenlos“, aber gottgewollt. Und hat er nicht noch vor kurzem einen Festgottesdienst für die Schlacht bei Gammelsdorf gefeiert. Und was mit den 30 Jahren Krieg, in dem Christen Christen gemeuchelt haben. Gewalt allenthalben, jahrein jahraus, gefeiert, verherrlicht. Ganz zu schweigen von den Kriegen gegen Andersgläubige und der Inquisition mit Folter, Gewalt und Tod als geeignetes Mittel zur
Durchsetzung christlicher Wertvorstellungen.

 

Und jetzt könnte der Primat „wirklich heulen“, wenn er an all die wunderbaren historischen Stätten unter Beschuss denken müsse. Da ist sein Pontifex deutlich konstruktiver mit seinem Vorschlag für Dialog und Verhandlungen zwischen allen Komponenten der syrischen Gesellschaft mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft.

 

Bei dem ganzen Geschwafel über Krieg und Frieden denkt Primat Marx aber ausdrücklich an die armen Christen, die jetzt fliehen müssten und die wir doch unbedingt aufnehmen sollten. An die Syrer dort allgemein denkt er nicht. Dabei geht es um Menschen und nicht um Religionen. Die Christen in Syrien wollen dort in Frieden bleiben und leben, wie alle anderen Volksgruppen auch. Nur ja nicht ins christliche Europa und dort als unwillkommene Immigranten behandelt werden. So wie die „armen Teufel“ auf dem Rindermarkt in München, einen Katzensprung vom Palais des Primaten entfernt, die von der Polizei einfach „weggeräumt“ worden sind.

 

Aber die Besorgnis des Primaten und auch anderer Vertreter der Catholica um die Christen in den betroffenen Kriegsgebieten verschärft nur den Konflikt, indem zwischen eben diese und ihre andersgläubigen Mitbürger ein Keil getrieben wird. Nächstenliebe kennt aber keine Religionen. So denkt und handelt mindestens der neue Pontifex, der einer Muslima im Gefängnis die Füsse wäscht.

 

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Kommentar

München, 1.10.2013

Religion/Gesellschaft

Papstberater Marx: wird da ein Bock zum Gärtner?

von Georg Korfmacher, München

 

Der Münchner Primat irritiert das Publikum mit Meinungen und Taten, die in einem erstaunlichen Widerspruch zu Meinung und Willen seines Pontifex zu stehen scheinen. Die höchste Stufe seiner Karriere bisher hat er mit der Rolle eines Papstberaters in der „G 8 der Catholica“ erklommen. Und da kulminiert das Dilemma nur.

 



Zu seinem 60. Geburtstag wird er als Mann des Tages von seinen Fans aus Trier naiv als „Karrierepriester“ bejubelt. Der gebürtige „Westfale mit der barocken Statur“ war von Anfang an recht strebsam, studierte gar in Paris und war sehr schnell
der seinerzeit jüngste Kardinal. Seine Karriere geht einher mit einer Fülle von Titeln und Ämtern, die unwillkürlich die Frage aufwerfen, wann er denn noch Zeit für Seelsorge haben könnte. Lustigster Titel ist der des Aalkönigs, dann der Grossvikar der Grabritter, dann Präsident der COMMECE, dann Sozialexperte in der DBK, dann Ehrenschütze, und dann noch das und das und noch was. Alles passt so gar nicht zur Forderung seines Pontifex nach Verzicht auf Karriere und Titel.

 



Und was mit seiner Qualifikation als Sozialexperte? Ein Buch im Schatten seines grossen Namensvetters zu schreiben, reicht da mitnichten, zumal die Aussagen über die Enzyklika „rerum novarum“ von 1891 nicht wirklich hinausgehen. In Bayern wird er von seinem Zahlmeister Seehofer überschwänglich als "wortgewaltiger Anwalt der Schwachen" gelobt, aber wo sind solche Taten? Welchen Schwachen hat er denn tatkräftig geholfen? Die Asylanten auf dem Rindermarkt hat er widerspruchslos von der Polizei abräumen lassen. Noch nie eine kritische Stellungnahme zu Hartz IV. Aus welchem christlichen Motiv ist er gegen einen Mindestlohn? Wie sozial verhält er sich bei seiner Beteiligung am Weltbild-Verlag? Er delegiert an seinen ebenfalls vom Staat bezahlten Generalvikar und konstatiert feinsinnig „organisierte Unverantwort-lichkeit“. Von sozialer Verantwortung zeugt das eben nicht. Von einem „Sozialexperten“ erwartet man mehr als duftige Worthülsen.

 

Und dann sein „Dritter Weg“ vorbei am Grundgesetz mit dem Gebot der Gleichbehandlung und mit religiöser Kontrolle und Bevormundung dort, wo berufliche Qualifikation ausschlaggebend sein sollte. In unserem Grundgesetz wird ein
Selbstverwaltungsrecht in den Grenzen der für alle geltenden Gesetze zugestanden. Daraus macht sich die Catholica ein Selbstbestimmungsrecht auch im Widerspruch zum eigenen Katechismus mit dem Gebot der respektvollen Behandlung
z.B. Homosexueller. Da braucht er wohl Rat vom Papst.

 



Und dann sein Jammern beim Thema Kirchensteuer. Dann würde die Kirche ja abhängig von Spenden Reicher. Dabei weiss und pflegt er: Reich und gleich gesellt sich gern. Er lässt sich fast zu 100% die karitativen Werke der Catholica vom Staat finanzieren und droht mit Exkommunikation, wenn man zwar aus der Körperschaft austreten aber nicht dem Glauben entsagen will. Normalerweise ist der Taufschein Nachweis für die Glaubenszugehörigkeit und nicht die Steuererklärung. Und was soll die Bayerische Nationalhymne im Gesangbuch seiner Kirche? Wes Brot ich ess, des Lied ich sing? Dem Geld und nicht dem Glauben scheint der Primat hinterher, ganz im Widerspruch zur Forderung seines Pontifex.

Bei diesem unendlichen Reigen von Widersprüchen drängt sich die Frage auf, ob da nicht der Bock von der Isar zum Gärtner in der G8 der Catholica gemacht wird.